Schweizer Bankberater fühlen sich unfair behandelt im Streit mit den USA um mögliche Beihilfen zur Steuerhinterziehung. "Die Angestellten fühlen sich betrogen", sagte eine Sprecherin des Schweizer Bankenpersonalverbandes laut Wall Street Journal . "Sie haben getan, was gefordert wurde und was sie tun mussten. Sie werden dafür bestraft, dass sie ihren Job gemacht haben."

Die USA nehmen seit einiger Zeit eine harte Haltung gegen den Schweizer Finanzsektor ein. US-Ermittler haben elf Schweizer Banken dazu gezwungen, Listen von in den USA tätigen Bankberatern, ihren E-Mail- und Telefonkontakten auszuhändigen. Mit diesen Daten wollen sie nachvollziehen, wen die Bankmitarbeiter über Anlagemöglichkeiten in der Schweiz informiert haben könnten, um so Steuersünder ausfindig zu machen.

Tausende Namen von Bankberatern sollen bereits an die USA übermittelt worden sein. Gegen Mitarbeiter der Schweizer Wegelin Privatbank haben US-Ermittler Anklage wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung erhoben.

Klage gegen Offenlegung der Namen

Ein früherer Justiziar der britischen Großbank HSBC, der in der Schweiz angestellt war, hat Strafanzeige gegen das Institut wegen der Weitergabe der Daten erhoben. "Ich fühle mich vollkommen betrogen", sagte Eric Delissy dem Bericht zufolge. Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat die Klage abgewiesen, Delissy will jedoch in Berufung gehen.

In Deutschland fordert derzeit SPD-Parteichef Sigmar Gabriel, eine ähnliche Strategie wie die der USA im Kampf gegen Steuerflucht einzuschlagen. "Was mich ärgert ist, dass wir hier offensichtlich nicht in der Lage sind, eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft zu gründen, zum Beispiel in Frankfurt", sagte Gabriel. Den Schweizer Banken hat er organisierte Kriminalität vorgeworfen.