Doch ein wirkliches Konzept, das spüren viele Schweizer, hat die siebenköpfige Allparteien-Regierung nicht. Es herrscht vielmehr der Eindruck, der Druck aus dem Ausland müsse nur hoch genug sein, damit die Regierung in Bern am Ende vollends einknicke.

Dabei ist es nicht ganz so einfach: Es war nicht nur eine Regierung oder die mächtige Bankenlobby, sondern das gesamte Land, dass der Finanzindustrie jahrzehntelang völlig freie Hand ließ. Das Schweizer Bankgeheimnis war lange Jahre nichts anderes als ein vor allem für Ausländer nützliches Instrument, um den eigenen Fiskus auszutricksen und viel Geld in die Schweiz zu leiten.

Dass Steuerhinterziehung offiziell als harmloses Kavaliersdelikt gilt, fanden viele Schweizer sogar gut. So schützt zum Beispiel ein altes Gesetz aus den Zwischenkriegsjahren Bankangestellte vor der Justiz, indem sie sie zu Geheimnisträgern erklärt. Das infrage zu stellen, traute sich außer ein paar linken Kritikern niemand.

"Wir stecken im Wirtschaftskrieg"

Jetzt soll das bislang unantastbare Bankgeheimnis geopfert werden – und mit der Eintracht ist es vorbei. Während die großen Schweizer Parteien von links bis rechts mit mehr oder weniger Engagement das Steuerabkommen mit Deutschland unterstützen, wollen Vertreter der radikalen jungen Linken und jungen Rechten das Volk über das Abkommen abstimmen lassen. Insgesamt 50.000 Unterschriften müssen dazu gesammelt werden; 30.000 sind bereits beisammen. Noch im Herbst könnte eine Volksabstimmung stattfinden.

Wie aufgeladen die Stimmung in der Schweiz ist, beweisen Aussagen aus der Finanzbranche: "Wir stecken mitten drin im Wirtschaftskrieg", sagte beispielsweise der neue Konzernchef der UBS, Sergio Ermotti vor wenigen Monaten in einem Zeitungsinterview. Nach Ansicht von Ermotti steckt hinter den Attacken auf das Schweizer Bankgeheimnis in Wahrheit die globale Finanzindustrie. "Es geht darum, die zwei Schweizer Großbanken, die international erfolgreich sind, zu schwächen", sagt er und spricht damit vielen Schweizern aus dem Herzen. In der Sache freilich schlägt selbst der UBS-Chef keinen Sonderweg vor. Die Schweiz habe sich nun mal für das Abkommen mit Deutschland entschieden und müsse nun die beschlossene Strategie umsetzen, sagt er.

Welche Mehrheiten sich bei einer möglichen Volksabstimmung ergeben, ist offen. In der Schweiz herrscht ein Gemisch aus Angst, Hoffnung und einem Hauch revolutionären Aufruhrs. Früher ist es dem Kleinstaat im Zentrum Europas immer wieder gelungen, sich gegen Angriffe aus dem Ausland zusammen zu raufen. So konnten die Forderungen wenn nicht abgewehrt, so doch wenigstens abgeschwächt werden. Das scheint jetzt nicht mehr zu funktionieren.