Euro-KriseDer nächste Rettungskandidat heißt Slowenien
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"Das Land muss jetzt eine richtige Rosskur machen"

Auch an der derzeitigen Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Janez Janša, die aus fünf Parteien besteht, ist die "DeSUS" beteiligt. Dennoch hofft die Geschäftsführerin der deutsch-slowenischen Handelskammer, dass Reformen auf den Weg gebracht werden. "Janez Janša ist ein Politiker, der die Fäden in der Hand hält und pragmatisch genug ist, um zu wissen, dass das Land Reformen braucht."

Zweifel sind allerdings angebracht. Nicht nur, weil die Rentnerpartei mit im Boot. Janša selbst war bereits von 2004 bis 2008 der starke Mann in Ljubljana. Damals erlebte das Land eine Boom-Zeit. Es wäre einfach gewesen für den Ministerpräsidenten, Reformen durchzusetzen. Doch nichts ist passiert. "Er hat die Möglichkeit verstreichen lassen", sagt auch Rantzen, die aber auf einen Lernprozess hofft und erklärt: "Janša muss jetzt liefern, sonst hat diese Regierung keine Überlebenschance."

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Wichtige Impulse dank Deutschland

Reformunwillige Politiker, marode Banken und ein starrer Renten- und Arbeitsmarkt: Kann Slowenien auf bessere Zeiten hoffen? Ja – unter Umständen. Positiv ist, dass die jungen Leute in Slowenien sehr gut ausgebildet sind. Zwar stehen bei den Schülern und Studenten Jobs in der Finanzwelt höher im Kurs als in der Industrie, doch die Krise könnte auch die Stimmung im Land – und damit die Berufswünsche der Jugend – verändern.

Weitere Pluspunkte: Slowenien ist traditionell ein Industrieland. Das Land ist sehr gut aufgestellt in der Automobilbranche – und profitiert von den engen Verflechtungen mit Deutschland. Die Bundesrepublik ist im Allgemeinen der wichtigste Handelspartner Sloweniens und ein großer Investor. "Wir gehen von etwas über 300 deutschen Unternehmen in Slowenien aus", sagt Gertrud Rantzen.

Deutsche Marken sind sehr stark in der Automobilbranche vertreten und im Handel. Bosch und Siemens Haushaltgeräte haben ein eigenes Werk in Slowenien, das den weltweiten Markt beliefert, zudem haben alle großen deutschen Baumarktketten Filialen in Slowenien, aber auch die Drogeriemärkte "dm" und "Müller" sowie die Modeketten "New Yorker", "C&A", "Peek & Cloppenburg".

Es könnten bald noch deutlich mehr sein. Viele slowenische Unternehmen sind auf der Suche nach ausländischen Investoren und bereit, Firmenanteile abzutreten. Auch der Staat muss sich in nächster Zeit von Unternehmensanteilen trennen. "Hier winken deutschen Investoren lukrative Angebote", so Gertrud Rantzen.

Für Teilprivatisierungen stehen unter anderem die Fluglinie "Adria Airways" und die "Telekom Slovenije" ganz oben auf der Liste. An letztere hatte sich die "Deutsche Telekom" schon 2008 interessiert gezeigt, und zwar über ihre ungarische Tochter "Magyar Telekom". Es war allerdings zu keinem Abschluss gekommen. Für einen Anteil von knapp 75 Prozent an der Fluglinie "Adria Airways" – davon über 90 Prozent im Staatsbesitz – läuft bis Anfang September 2012 eine erste Ausschreibungsrunde. Im Herbst 2011 hatte die Fluglinie vom Staat eine Kapitalspritze in Höhe von 50 Millionen Euro erhalten.

In der Privatwirtschaft sind die Chemieunternehmen "Helios" und "Cinkarna Celje" auf Partnersuche. Der Reifenhersteller "Goodyear Dunlop Sava Tires" will sich von seiner Tochter "Savatech" trennen. Sie ist auf die Entwicklung und Herstellung von Kautschukmischungen, leichten Reifen (für einspurige Fahrzeuge und industrielle Zwecke), Fördergurten sowie unter anderem von elastischen Kopplungen für die Autoindustrie ausgerichtet.

Slowenien braucht das Geld aus den Privatisierungen, um die Wirtschaft in Gang zu bekommen und wichtige Investitionsprojekte, die zum Teil schon vor der Krise angestoßen wurden, zu verwirklichen. Dazu gehören Kraftwerksbauten, aber auch die Erneuerung von Autobahnen und Bahnstrecken. Wichtigstes Projekt ist die Verbindung der Hauptstadt Ljubljana mit dem Hafen von Koper. "Der ist auf dem neuesten Stand und expandiert weiter. Der Hafen ist sehr interessant für Unternehmen aus Bayern und Baden-Württemberg", erklärt Rantzen. "Er hat aber ein Problem: die Bahnstrecke Richtung Ljubljana. Sie ist teilweise nur eingleisig."

Alle müssen an einen Strang ziehen

Alles in allem hat Slowenien das Potenzial, langfristig wieder auf Wachstumskurs zurückzukehren. Dafür braucht es neben der Hilfe der Euro-Partner bei der Stabilisierung der Banken aber auch ein Umdenken in Politik und Gesellschaft. Reformen müssen angepackt, Gier und Vetternwirtschaft zurückgedrängt werden.

"Das Land muss jetzt eine richtige Rosskur machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Slowenien auch 2013 nicht aus der Krise kommen wird", bilanziert Gertrud Rantzen. "Aber ab 2014 kann es wieder aufwärts gehen – wenn Politik und Wirtschaft sowie die Sozialpartner an einen Strang ziehen."

Erschienen in der WirtschaftsWoche

 
Leser-Kommentare
  1. Weitere Pluspunkte: Slowenien ist traditionell ein Industrieland. Das Land ist sehr gut aufgestellt in der Automobilbranche – und profitiert von den engen Verflechtungen mit Deutschland. Die Bundesrepublik ist im Allgemeinen der wichtigste Handelspartner Sloweniens und ein großer Investor. "Wir gehen von etwas über 300 deutschen Unternehmen in Slowenien aus", sagt Gertrud Rantzen.

    Irgentwie habe ich das Gefühl, dass deutsche Experten den Slowenen die "Flexibilisierung" des Arbeitsmarktes und die Senkung von Unternehmensteuern empfehlen werden.

    Löhne runter, Flattax einführen und ein paar günstige Staatsunternehmen kaufen wir euch auch gerne ab.

    Weil wir Deutschen der barmherzige Retter sind ;)

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  2. Slowenien und die Slowakei sind keine Nachbarländer.

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    Redaktion

    Hallo BrunoTraven,

    danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

    Beste Grüße!

    Redaktion

    Hallo BrunoTraven,

    danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

    Beste Grüße!

  3. "Der Kündigungsschutz muss gelockert werden und Arbeitszeiten müssen – gerade in der Krise – flexibler gestaltet werden"
    Bis dahin hab ich gelesen...

    Eine tolle Zukunft für mich und meine nichtkommenden Kinder, Verhältnisse wie in Deutschland? NEIN danke! Was hat der Slowene den falsch gemacht und was der Grieche? Der Deutsche freut sich ja über sinkende Arbeitslosenzahlen und steigende Hartz 4 Empfänger, in 3 Schichten arbeiten um später beim Staat das Geld betteln(Aufstocker). Schaut so etwa die Zukunft Europas aus?

    Deutsche Verhältnisse für alle und dann noch den Maastricht-Vertrag verletzten, ohje mein liebes Deutschland.

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    • joG
    • 20.08.2012 um 18:06 Uhr

    ....was will man sagen? Die Bevölkerungen zahlen nun den Preis für ihre Gutgläubigkeit. Es ist eben nicht so, dass man Regierenden trauen darf. Das ist schlecht. Hier kostet es Billionen. In der Demokratie darf man nicht Regierenden, Bürokraten und Richtern trauen. Man muss kontrollieren, kontrollieren, kontrollieren und wieder kontrollieren. Und jedes Mal, jedes einzelne Mal, dass eine erwischt wird, muss er härtestens bestraft werden.

    Und das geht nur mit einer halbwegs ordentlichen Verfassung. Die hat man offensichtlich nicht. Weder auf europäischer noch auf deutscher Ebene war man geschützt noch konnte man sich schützen.

    Auch ist eine gute Regel, dass man Gruppen, die Einen bereits betrogen haben, wie das mit der Europapolitik geschah keine M;acht mehr geben sollte. Den Fehler machten die Amis mit Nixon. Hier sind es aber nicht einzelne Politiker. Es sind die Parteien.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Redaktion

    Hallo BrunoTraven,

    danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

    Beste Grüße!

    Antwort auf "Nachbarland Slowakei?"
  5. ZEIT: "Die Löhne wurden drastisch erhöht, Reformen verschleppt und Investitionen getätigt – auch jene, die nicht nachhaltig waren."

    Kurzum: Wachstum auf Pump - demnächst auf Geschenkebasis. Wie gehabt: Kreditparty - etwa in Spanien. Jedermann erhält Kredit - spätestens, wenn der Vetter die Filiale leitet. Man leistet sich, was sich hierzulande Arbeiter in 40 Jahren nicht gönnten.

    Und so werden wohl die Bundesbürger, wo nur eine Eigentumsquote von 43% herrscht, "Solidarität" üben müssen mit jenen Menchen südlich der Alpen, wo oft Eigentumsquoten von 80-85% usus sind. Etwa der Armutsrentner aus Wanne-Eickel, oder der lohn- und sozialgedumpte Niedriglöhner aus Essen, der seinen letzten Cent für die Miete aufbringt (Nebenkosten wie teure Heizung nicht eingerechnet).

    Damit die Häuslebauer südlich der Alpen nicht aus ihren Kreditparty-Verträgen fallen, hält die EZB den Leitzins viel zu niedrig - dies führt mittelfristig zur Entwertung von Lebensversicherungen, privaten Altersvorsorgen und Einkommen überhaupt (Inflation) in Deutschland. Zudem steigen die Importpreise (etwa Benzin) hierzulande rasant. Die Bundesrepublik wirtschaftet längst mit einer Währung, die nicht zu ihr passt.

    Die wirtschaftlichen und vor allem PRIVATEN VERLUSTE in der Bundesrepublik dürften mittlerweile so enorm sein, dass man es tunlichst vermeidet, konkrete Zahlen zu nennen. Fest steht: Alleine über Targetkredite finanziert Deutschland den Clubmed bereits mit über 1 Milliarden Euro TÄGLICH !

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    • FZ
    • 20.08.2012 um 18:30 Uhr

    "dies führt mittelfristig zur Entwertung von Lebensversicherungen, privaten Altersvorsorgen und Einkommen überhaupt (Inflation) in Deutschland."

    Kappes. Der Ausfall der Kredite führt genau zu diesen Entwertungen. Es ist nicht ausschließlich das Großkapital, dessen Geld in den faulen Krediten steckt. Jeder Euro Habenzins ist irgendwo als Sollzins BEZAHLT worden. Nicht als Leitzins, und nicht von einer von der EZB dazu zwangsverpflichteten Bank.

    Mit Verlaub vorneweg: Ihren "Kappes" (o. Blumen?) reiche ich gerne zurück.

    Vorneweg: Die Garantieverzinsung der Versicherungen wird schon heute nur noch über Altverträge erreicht.

    Längst ist die EZB "lender of last resort" - verteilt in Großem Maße 1%-Kredite an die Sekundärmärkte (demnächst Primärmärkte), weil der Interbanken-Markt im Zuge der Schuldenorgien zusammengebrochen ist. Kurzum: Für Zinsen unterhalb der Inflationsrate. (Anschließen füllen sich Banken damit die Tresore mit toxischen Staatsanleihen ihrer Heimatländer)

    Nicht umsonst wurde der Garantiezins bei Versicherungsverträgen längst nach unten korrigiert - doch auch dieser Betrag bereitet den Instituten zunehmend Sorge. Sichere Staatsanleihen (Versicherungen sind angewiesen, hier 90% der Beiträge zu investieren) - etwa Bundesschatzbriefe - erreichen heute immer öfters Negativ-Zinsen.

    Und Sie erkennen den Zusammenhang zwischen Krise und diesen Fakten nicht?

    ...ff...

    Dazu kommt: Was glauben Sie eigentlich, wo die Vermögen für all die Lebensversicherungen oder privaten Altervorsorgen - die laut Gesetz zu 90% etwa in sichere Staatsanleihen (mit ehemals höchster Note) angelegt werden müssen - lagern? Bei Ihnen in der Hausbank um die Ecke?

    Der Großteil wurde verpfändet über die Bundesbank, um Exporte in die PIIGS auf Pump vorzufinanzieren - kurzum über das innereuropäische Kontokorrentsystem TARGET-II. Dafür erhielt die Bundesbank nicht fällig stellbare Forderungen - bunte Zettelchen etwa aus Griechenland mit teils haarsträubenden "Sicherheiten":

    Die Bundesbank gingen übrigens Ende 2011 diese Assets bereits aus, der wahre Grund für LTRO-1+2 und die Begehrlichkeiten des Clubmeds nach dem deutschem Gold.

    • FZ
    • 20.08.2012 um 18:30 Uhr

    "dies führt mittelfristig zur Entwertung von Lebensversicherungen, privaten Altersvorsorgen und Einkommen überhaupt (Inflation) in Deutschland."

    Kappes. Der Ausfall der Kredite führt genau zu diesen Entwertungen. Es ist nicht ausschließlich das Großkapital, dessen Geld in den faulen Krediten steckt. Jeder Euro Habenzins ist irgendwo als Sollzins BEZAHLT worden. Nicht als Leitzins, und nicht von einer von der EZB dazu zwangsverpflichteten Bank.

    Mit Verlaub vorneweg: Ihren "Kappes" (o. Blumen?) reiche ich gerne zurück.

    Vorneweg: Die Garantieverzinsung der Versicherungen wird schon heute nur noch über Altverträge erreicht.

    Längst ist die EZB "lender of last resort" - verteilt in Großem Maße 1%-Kredite an die Sekundärmärkte (demnächst Primärmärkte), weil der Interbanken-Markt im Zuge der Schuldenorgien zusammengebrochen ist. Kurzum: Für Zinsen unterhalb der Inflationsrate. (Anschließen füllen sich Banken damit die Tresore mit toxischen Staatsanleihen ihrer Heimatländer)

    Nicht umsonst wurde der Garantiezins bei Versicherungsverträgen längst nach unten korrigiert - doch auch dieser Betrag bereitet den Instituten zunehmend Sorge. Sichere Staatsanleihen (Versicherungen sind angewiesen, hier 90% der Beiträge zu investieren) - etwa Bundesschatzbriefe - erreichen heute immer öfters Negativ-Zinsen.

    Und Sie erkennen den Zusammenhang zwischen Krise und diesen Fakten nicht?

    ...ff...

    Dazu kommt: Was glauben Sie eigentlich, wo die Vermögen für all die Lebensversicherungen oder privaten Altervorsorgen - die laut Gesetz zu 90% etwa in sichere Staatsanleihen (mit ehemals höchster Note) angelegt werden müssen - lagern? Bei Ihnen in der Hausbank um die Ecke?

    Der Großteil wurde verpfändet über die Bundesbank, um Exporte in die PIIGS auf Pump vorzufinanzieren - kurzum über das innereuropäische Kontokorrentsystem TARGET-II. Dafür erhielt die Bundesbank nicht fällig stellbare Forderungen - bunte Zettelchen etwa aus Griechenland mit teils haarsträubenden "Sicherheiten":

    Die Bundesbank gingen übrigens Ende 2011 diese Assets bereits aus, der wahre Grund für LTRO-1+2 und die Begehrlichkeiten des Clubmeds nach dem deutschem Gold.

  6. Die hastige Aufnahme des Entwicklungslandes in das Euro-System hatte keinerlei vernünftige wirtschaftliche Gründe. Es ging um das Ziel, westeuropäische Grenzen weitestmöglich nach Osten zu verlagern und zu zementieren. Um politischen Einflußbereich also.
    Und nun führt das Ergebnis zu Verwunderung?

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    Das ist noch nie gut gegangen. Die Politik hat im Rahmen eines demokratischen Prozesses sinnvolle Leitplanken zu erstellen; nicht mehr. Es wird den Politikern und dem Staat leider immer zuviel zugetraut. Die Politiker sind nicht klüger als der durchschnittliche Bürger und der Staat sind wir selbst.

    Das ist noch nie gut gegangen. Die Politik hat im Rahmen eines demokratischen Prozesses sinnvolle Leitplanken zu erstellen; nicht mehr. Es wird den Politikern und dem Staat leider immer zuviel zugetraut. Die Politiker sind nicht klüger als der durchschnittliche Bürger und der Staat sind wir selbst.

    • FZ
    • 20.08.2012 um 18:30 Uhr

    "dies führt mittelfristig zur Entwertung von Lebensversicherungen, privaten Altersvorsorgen und Einkommen überhaupt (Inflation) in Deutschland."

    Kappes. Der Ausfall der Kredite führt genau zu diesen Entwertungen. Es ist nicht ausschließlich das Großkapital, dessen Geld in den faulen Krediten steckt. Jeder Euro Habenzins ist irgendwo als Sollzins BEZAHLT worden. Nicht als Leitzins, und nicht von einer von der EZB dazu zwangsverpflichteten Bank.

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