Euro-Krise: Der nächste Rettungskandidat heißt Slowenien
Slowenien war lange Zeit ein Musterland Europas. Doch eine Bankenkrise und ausbleibende Reformen führten das Land in die Krise. Jetzt muss Europa helfen.
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Menschen stehen in eine Bank in Ljubljana, Slowenien (Archivbild)
Wer abergläubisch ist, hätte schon 2006 mahnend den Finger gehoben. Vor sechseinhalb Jahren stellte Slowenien offiziell den Antrag, Mitglied der Euro-Zone zu werden – als 13. Land. Doch unbeeindruckt ob der Unglückszahl zogen die Europäische Union und das aufstrebende ost-europäische Land die Abschaffung des Tolar innerhalb von wenigen Monaten durch. Am 1. Januar 2007 führte Slowenien den Euro ein. Heute steht das Land so schlecht da wie zuletzt nach dem Jugoslawien-Krieg Anfang der 1990er-Jahre.
Die Ratingagentur Moody's senkte Anfang August die Kreditwürdigkeit Sloweniens gleich um drei Stufen. Jetzt steht das Euro-Land nur noch zwei Stufen über dem "Ramsch"-Status. Auch Standard & Poor's und Fitch halten Slowenien nur noch für einen zweifelhaften Schuldner. Die Folge: Inzwischen muss das Land über sieben Prozent Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen berappen.
In der vergangenen Woche folgten die Abwertung der staatlichen "Telekom Slovenije", der öffentlichen Versicherung "Triglav" und des Rückversicherers "Pozavarovanlnica Sava". Die einst solide Slowenien AG, in der ausländische Investoren weitgehend ausgeschlossen wurden und der Staat in allen wichtigen Unternehmen und Fonds meist das Sagen hat, wankt.
Die Banken sind nicht alleine schuld
Wie in Spanien sind es auch in dem kleinen Adrialand mit zwei Millionen Einwohnern in erster Linie die Banken, die mit ihrer Schieflage das ganze System gefährden. Rund 18 Prozent aller Bankkredite sollen vom Ausfall bedroht sein. Im eingebrochenen Bausektor sind es sogar 50 Prozent. Moody's schätzt, dass das marode Bankensystem, wo auch der Staat den Ton angibt, bis zu drei Milliarden Euro Sanierungskosten benötigt. Der slowenische Wirtschaftsprofessor Joze Damijan bezifferte den Bedarf an frischem Geld zur Aufstockung des Kapitals und zur Ablösung fauler Kredite auf bis zu acht Milliarden Euro.
Doch wer alleine den Banken die Schuld für Sloweniens missliche Lage zuweisen will, liegt falsch. Denn für Landeskenner war schon vor dem Ausbruch der Banken-Krise klar: Sloweniens Höhenflug wird nicht mehr lange andauern. "Es war absehbar, dass die Wirtschaft des Landes nicht weiter um jährlich vier oder fünf Prozent wachsen würde. Dafür ist zu vieles falsch gelaufen", sagt Gertrud Rantzen, Geschäftsführerin der deutsch-slowenischen Industrie- und Handelskammer in Ljubljana. "Mit dem EU-Beitritt und der Aussicht auf die schnelle Einführung des Euro stieg das Wachstum rasant. Gleichzeitig stiegen aber auch die Begehrlichkeiten: Die Löhne wurden drastisch erhöht, Reformen verschleppt und Investitionen getätigt – auch jene, die nicht nachhaltig waren."
Ein Blick in die Dokumente des slowenischen Statistikbüros verdeutlicht die Problematik. So sind die Lohnnebenkosten seit der Euro-Einführung 2007 bis heute um 18 Prozent gestiegen. Eine Arbeitsstunde kostet nun im Durchschnitt 14,40 Euro. Das ist zwar noch deutlich unter dem Schnitt der Länder der Europäischen Union (23,10 Euro). Gleichzeitig kostet die Arbeitsstunde in Slowenien aber mehr als in der Slowakei (8,40 Euro), in Polen (7,10 Euro) oder in Estland (8,10 Euro).
Zum Problem werden die hohen Kosten erst dann, wenn die Produktivität nicht im gleichen Maße steigt. Genau das aber ist in Slowenien passiert. "Hier wurden in der Vergangenheit viele Managementfehler begangen", sagt Rantzen. "Gut laufende Unternehmen haben sich andere Spielfelder gesucht und viel Geld in Immobilen gepumpt oder sich bei Banken und in der Bauwirtschaft eingekauft, anstatt in neue Maschinen und Anlagen zu investieren. Andernorts wurde der Gewinn komplett aus den Unternehmen gezogen." Während die Kosten explodierten, stagnierte die Leistungsfähigkeit. Heute sind viele Unternehmen überschuldet. Die Zahl der Unternehmenspleiten ist im zweiten Quartal um 24 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen.




Bzw.: Nicht nur.
Wenn ich das mal so ohne Umschweife sagen darf:
Mit dieser Formulierung bedienen Sie Metaphern-Mühe des Mainstram.
Wer oder was ist denn "Deutschland"?
Der deutsche Staat Bundesrepubluk? Die deutsche Wirtschaft? Die deutsche Export-Wirtschaft?
Was Sie meinen, völlig zu Recht, ist der deutsche Steuerzahler, also eben nicht die Profiteure.
Zum anderen:
Weshalb, glaueb Sie, unternehmen die Finnen alle Anstrengungen, um wieder aus dem Euro herauszukommen?
"Niemand hat die Absicht, den Euro zu verlassen"
Weil auch sie, bzw. die finnischen Bürger, für die deutsche Export-Wirtschaft zahlen sollen. Mittelbar, über den Mechanismus private Schulden --> Bankschulden --> Staatsschulden.
Oder auch Tschechien oder die Slowakei.
Da ja das Bildungssystem in Finnland gut ist, haben die mittlerweile spitz gekriegt, welche Rolle ihnen zugedacht ist.
Zitat: "10. Die Artikel-Intervalle werden immer kürzer... Der monatliche, ah, wie es aussieht nun bald wöchentliche: "Europa muss helfen"-Artikel der Zeit.
Mittlerweile hat man das richtig lieb gewonnen.
Standardisieren sie das doch einfach.
Mehr oder weniger nur den Namen des Landes austauschen.
Das spart doch enorm Zeit und Kosten."
Als letzten Namen braucht man dann nur noch "Deutschland" einsetzen. Dann ist hoffentlich Schluss mit dem unsinnigen EU/EURO Theater.
wenn alle Länder unterm Schirm versammelt sind, wird die EZB mit unbegrenzten Billionen die verursacher erfreuen? das kommt mir so vor, als ob man perlen vor die Säue wirft, oder soll es dann mit doppelt soviel Schulden weitergehen, oder erneut anfangen?
Sie haben Recht, richtig müsste es heißen "Die deutschen Steurzahler müssen zahlen!"
Danke + Gruß
Herr Schäuble, wann dürfen wir Ihren berüchtigten Satz hören:
"Slowenien ist auf einem guten Weg" ?
Nach Irland, Portugal, Griechenland, Spanien, Italien, wäre das das Signal für Slowenien und den Rest Europas, sich große Sorgen zu machen.
g-dog
Das ist noch nie gut gegangen. Die Politik hat im Rahmen eines demokratischen Prozesses sinnvolle Leitplanken zu erstellen; nicht mehr. Es wird den Politikern und dem Staat leider immer zuviel zugetraut. Die Politiker sind nicht klüger als der durchschnittliche Bürger und der Staat sind wir selbst.
Das Beispiel von Island zeigt wunderschön, wie man es schaffen kann, sich aus der Finanz- und Schuldenkrise herauszuarbeiten, und sich dabei erfolgreich gegen aufoktroyierte Kaputt-Sparmaßnahmen zu wehren und durch Volksabstimmung zu verhindern, dass die Bevölkerung als Verbraucher und Steuerzahler die Verschuldung der Banken und Finanzinstitute übernehmen muss. Eine Hauptmaßnahme hat dazu entscheidend beigetragen: Die Abwertung der isländischen Währung, der Krone. Mit Euro wäre das also unmöglich gewesen. Deutschland, respektive die Bankenwirtschaft samt Kanzlerin, ist in der Zwickmühle: Entweder man behält Griechenland in der Eurozone und zahlt ständig und auf unabsehbare Zeit Milliarden in ein Loch ohne Boden oder man entlässt Griechenland aus dem Euro, dann Portugal, dann Spanien, dann Italien, vorher vielleicht Slowenien usw. usf. was unweigerlich zur Aufgabe des Euros insgesamt führen wird. Freilich – erst kommen die Bundestagswahlen im nächsten Jahr.
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