Spaniens krisengeplagte Regierung gönnt sich ein paar Tage Ruhe. Premier Mariano Rajoy urlaubt mit Frau und Söhnen in der galizischen Heimat, Vizeregierungschefin Soraya Saenz de Santamaria in Portugal, Wirtschaftsminister Luis de Guindos erholt sich in seinem Ferienhaus in Marbella. Sie sammeln Kräfte, die sie schon bald brauchen werden. Bereits im September, davon gehen Analysten, Anleger, Ökonomen und Politiker übereinstimmend aus, wird Spanien wohl einen neuen Antrag an den EU-Rettungsfonds stellen müssen .

Der erste, für ein bis zu 100 Milliarden Euro schweres Kreditpaket für die spanischen Banken, verpuffte am Kapitalmarkt praktisch wirkungslos. Anleger verlangen weiterhin horrende Renditen für die Staatsanleihen Madrids. Für Schuldscheine mit zehnjähriger Laufzeit forderten sie gestern 6,7 Prozent.

Bislang konnte das Schatzamt kleine Beträge von zwei bis drei Milliarden Euro noch gut an den Markt bringen, wenn auch zu steigenden Zinsen. Im Oktober aber muss Spanien Anleihen über mehr als 20 Milliarden Euro refinanzieren. Ohne eine Intervention des EU-Rettungsfonds am Markt, möglicherweise in Zusammenspiel mit der Europäischen Zentralbank (EZB), wird das nicht möglich sein.

Das gibt mittlerweile auch die Regierung zu, die Spekulationen über einen bevorstehenden Bittgang nach Brüssel lange rigoros abgestritten hatte. Auf die Frage, ob er den EU-Rettungsfonds anzuzapfen gedenke, antwortete Rajoy unmittelbar vor seinem Urlaub am Freitag: "Ich habe keine Entscheidung getroffen, ich werde tun, was im allgemeinen und im spanischen Interesse ist." Er wolle zunächst alle Bedingungen kennen, so der Premierminister.

Unklar ist, aus welchem Fonds Hilfe kommt

Bisher ist nicht einmal klar, an welchen Rettungsfonds sich Spanien richten würde. Der vorläufige Fonds EFSF hat nicht mehr genügend Mittel, um Spanien und möglicherweise auch Italien über längere Zeit zu stützen. Ein entscheidender Tag wird daher der 12. September, wenn das Bundesverfassungsgericht über den permanenten Krisenmechanismus ESM entscheidet . Die Euro-Zone kann Spanien nach Einschätzung von Experten aber erst dann wirklich stabilisieren, wenn der ESM seine Arbeit aufnimmt.

Sollte Spanien schon vorher Hilfe benötigen, müsste aber doch noch der EFSF einspringen. Der Fonds steht dafür bereit: Sollte Spanien einen entsprechenden Hilfsantrag stellen, könnte der EFSF schnell Staatsanleihen kaufen, verlautete aus Kreisen des Fonds. Vorher müssten aber in einigen Euro-Ländern, darunter Deutschland, die Parlamente den Stützungskäufen zustimmen.

Ende Juni hatten die europäischen Staats- und Regierungschefs die Grundlage für solche Interventionen gelegt. Um die "Finanzstabilität im Euro-Raum sicherzustellen", darf der Fonds nicht nur Hilfskredite vergeben. Er kann auch Anleihen von Schuldenstaaten kaufen. Infolge des Eingriffs sollen die Risikoaufschläge sinken, die die Regierungen den Investoren bieten müssen.