Euro-KriseDeutsche wenden sich vom Sparen ab

Statt das Konto zu füllen, kaufen die Bundesbürger Teures: Immobilien, Schmuck oder Aktien. Die Kauffreude steigt, weil das Vertrauen in Geldanlagen sinkt. von dpa

Die Deutschen entscheiden sich immer seltener dafür, ihr Geld zu sparen – so wenige wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung füllen mit ihren Einkünften die Konten. Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung sieht die Finanz- und Euro-Krise als Ursache dafür. Viele der Befragten fürchteten um die Stabilität des Euro, sagte der GfK-Marktforscher. Zudem machten die derzeit geringen Zinsen das Sparen unattraktiv. Sie glichen derzeit nicht einmal die Inflationsrate aus.

Die Sparneigung der Verbraucher unterschreite derzeit sogar das Niveau während der Pleite der US-Bank Lehman Brothers , sagte Bürkl. Der entsprechende Indexwert habe noch vor der Pleite 2008 bei plus 25 Punkten gelegen, jetzt sei er inzwischen auf minus 26 gesunken.

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Die GfK ermittelt mit ihren Fragen an Verbraucher die Absichten und Einstellungen, nicht unbedingt das tatsächliche Sparverhalten. Beides könne voneinander abweichen, schränkte Bürkl ein.

Nach seiner Einschätzung bedeute die Spar-Unlust jedoch nicht, dass die Verbraucher ihre Konten leeren, um ausschließlich einzukaufen. Stattdessen schichteten sie ihr Kapital um: "Statt ihr Geld in klassischer Weise zu sparen, stecken sie es immer häufiger in Immobilien, Gold, wertvollen Schmuck oder auch Aktien", sagte der Marktforscher.

Konsumklima in Deutschland stabil

Die schwindende Bedeutung althergebrachter Sparformen zeige einen deutlichen Wandel, sagte Bürkl weiter. Der früher in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gesparte "Notgroschen" sei heute durch die gute Lage am Arbeitsmarkt weniger wichtig. "Denn viele Menschen haben keine Angst mehr, ihren Arbeitsplatz zu verlieren." Dies zeige, wie wichtig ein stabiler Arbeitsmarkt für das Konsumklima und damit für die Binnenkonjunktur sei. "Wir müssen daher versuchen, den Arbeitsmarkt auch in den kommenden, eventuell schwierigeren Monaten stabil zu halten."

Die rückläufige Sparneigung wirke sich außerdem positiv auf das Konsumklima aus, sagt Bürkl. Das für September berechnete GfK-Konsumklima-Barometer blieb wie von Experten erwartet stabil bei 5,9 Punkten. Auch der Kauf von teuren Gütern wie Möbel oder Autos war im August weitgehend gleich. Die Euro-Krise sei damit ohne Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher. 

Negativ macht sich hingegen die zunehmende Konjunkturskepsis bemerkbar: Bereits zum dritten Mal in Folge fallen die Erwartungen der deutschen Konsumenten an die Wirtschaftsentwicklung schlechter aus. Der entsprechende Wert sank im August 13,3 Punkte und fiel auf minus 18,9 Zähler. "Die Rezession in einigen Ländern der Euro-Zone lässt die deutschen Konsumenten zunehmend befürchten, dass sich auch die Bundesrepublik anstecken könnte", sagte Bürkl.

Im August hatte sich bereits der Ifo-Geschäftsklimaindex den vierten Monat in Folge eingetrübt und hatte damit signalisiert, dass die Unternehmen mit einer Flaute rechnen.

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Leserkommentare
    • gkh
    • 28. August 2012 11:12 Uhr

    Wer ihn am Schluss (d.h. beim endgültigen, unausweichlichen Kollaps) noch hat, der hat verloren.
    Daher das Bestreben, möglichst reale Werte zu erwerben, solange es noch geht.

    Das mach ich auch so.

    • oiso
    • 28. August 2012 11:15 Uhr

    Wenn jetzt sogar schon der Ifo-index konstant auf eine schlechte Konkjunktur hinweist kann das ja nur heißen, dass so langsam der letzte Depp begriffen haben sollte dass wir in einer Rezession stecken. Seltsam, dass der otto-normal-bürger langsam aber sicher mehr ökonomisches verständnis (sei es auch nur aus dem Bauchgefühl heraus) zeigt als eine Bundesregierung, beraten von sog. "Wirtschaftsweisen".

    Klar flüchten sich die Leute in Immobilien, Aktien und Gold. Bei einer verdeckten Inflation die um die 10% liegt ist das auch ihr gutes Recht.

    Dass Immobilien nach Hyperinflationen oft für eine Zwangshypothek herhalten müssen und es schon ein Goldverbot gab sollte man den Menschen allerdings sagen. Dass die Aktien nicht mehr lange in diesem maß weitermachen sollte jedem klar sein. Man betrachte nur den Dax-höchststand vor dem zusammenbruch 2001 (.com-blase) und 2007/08.

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    • GDH
    • 28. August 2012 12:56 Uhr

    " Bei einer verdeckten Inflation die um die 10% liegt ist das auch ihr gutes Recht."

    Auch ganz ohne Inflation hat jeder das Recht, sein Vermögen in allen möglichen Dingen anzulegen.
    Wie sie aber auf die 10% kommen, ist mir schleierhaft. Mir fallen mir Mühe ein paar ganz wenige Dinge ein, die sich derart verteuert haben. Für die Behauptung dies sei "die Inflation", also so etwas wie eine allgemeine durchschnittliche Teuerungsrate, sehe ich allerdings keine Hinweise.

    Können Sie etwas genauer erklären, wie Sie auf die Zahl kommen?

  1. Die Menschen scheinen kein Vertrauen mehr in den Bestand des Euro zu haben.

    Die logische Konsequenz ist die "Flucht" in Sachwerte: Immobilien, Gold, Schmuck...

  2. um ihm beim Wertverlust zuschauen zu können und dem steuergierigen Staat die Beute vor Augen zu legen?
    Da kann man es wahrlich besser ausgeben, allerdings nicht in die Schuhkartonhäuser auf dem Bild.

  3. Ich schmeiss mein Geld nur so um mich und hau es für Immobilien, Schmuck oder Aktien raus, kauf mir Pelzmäntel und Sportwagen, damit ich bei der nächstbesten Spekulation auch ja mit an Board bin. Wo habt ihr eigentlich eure Redaktion? Auf Sylt?!

    Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

    • Gerry10
    • 28. August 2012 11:22 Uhr

    Entweder der EURO geht den Bach runter, dann bringt einen sparen nichts, Inflation löst das Schuldenproblem, dann bringt einem das Gesparte viel weniger als heute, oder - auch wenn ich es kaum für möglich halte - die EUROGeschichte hat ein relatives Happy End, dann brauch ich mir so oder so keine Sorgen ums Geld machen.

    Mit anderen Worten, egal was kommt, es ist besser das Geld jetzt auszugeben....

    • Lukan
    • 28. August 2012 11:23 Uhr

    1) italienische Geldpolitik, aka Finanzierung mit der Druckerpresse, die sich abzeichnet -> steigende Inflation in den nächsten Monaten und Jahren

    2) lächerliche Zinsbeträge in "konventionellen" Anlageprodukten, die nicht einmal die Inflation ausgleichen, wobei gleichzeitig der Aktienmarkt aktuell sehr attraktive Renditen aufzeigt

  4. Das obere Drittel unserer Gesellschaft besitzt über 90% des Reichtums. Die breite Mehrheit hat überhaupt kein Geld zum Sparen (auch die vielen Rentner, über die Sie zeitgleich berichten und die angesichts ihrer Arnut jobben müssen, haben ganz sicher nichts zum Sparen übrug).

    Sie können es einfach nicht lassen, den Menschen Sand in die Augen zu streuen über die wirklichen sozialen Verhältnisse?

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    Für die Erben?

    Den kleinen Film finde ich immer wieder erstaunlich.. und es dürfte sich wohl nicht zum Besseren gewendet haben.
    Die aktuellen Zahlen würden mich mal interessieren.
    Das reichste % der Bevölkerung besaß 2002 mehr Vermögen, als die unteren 80 %.
    http://www.youtube.com/watch?v=qz2Xt3NAPQU&feature=endscreen&NR=1

    Wir sollten tunlichst vermeiden die ZEIT mit diesen Artikel zu kritisieren, wenn wir die ZEIT schon kritisieren können ist die unbearbeitete Auflage dieses dpa-Berichts kommentarlos übernommen zu haben.

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