Geldpolitik: Mit Inflation spielt man nicht
Kann etwas mehr Inflation in der Wirtschaftskrise sogar hilfreich sein? Eine Studie eines IWF-Forschers belegt: Eher nicht.
Es war eine reichlich verwegene Idee, die Olivier Blanchard im Februar 2010 zur Diskussion stellte: Sollen die Notenbanken etwas mehr Inflation zulassen, um die Wirtschaft besser vor schweren Krisen schützen zu können? Das fragte der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) damals. Er selbst gab folgende Antwort: "Wenn wir auf der grünen Wiese ein Inflationsziel wählen müssten, würde ich für eine Rate plädieren, die näher an vier als an zwei Prozent liegt."
Was folgte, war ein weltweiter Aufschrei von Hochschulvolkswirten und Notenbankern. Blanchard hatte an einem Grundkonsens der modernen Ökonomie gerüttelt - dass stabile Verbraucherpreise nicht nur das Beste, sondern auch das Einzige sind, was Notenbanken für den wirtschaftlichen Wohlstand tun können. In der Praxis folgt daraus für die Geldpolitik, eine Teuerung von um die zwei Prozent anzustreben. Denn höhere Inflation richte massive Schäden an.
Diese herrschende Meinung bestätigt jetzt auch der IWF selbst in einer neuen Studie. Der IWF-Volkswirt Etienne Yehoue widerlegt darin eines der zentralen Argumente von Blanchard. Der hatte die These aufgestellt, vier Prozent Inflation würden nicht mehr Schaden anrichten als zwei Prozent.
Die Arbeit kommt zum gegenteiligen Schluss. Schon geringfügig höhere Teuerungsraten gehen demnach mit erheblichen unangenehmen Nebenwirkungen einher. "Eine Anhebung der Inflationsziele der Notenbanken ist mit großer Vorsicht zu sehen", lautet daher das Fazit.
Formal betrachtet handelt es sich bei der Arbeit nicht um eine offizielle Studie des IWF: Sie wurde als Diskussionspapier veröffentlicht, das nicht zwingend die offizielle Linie des Fonds widerspiegelt. Doch Blanchard dürfte Schwierigkeiten haben, in Zukunft Argumente zu vertreten, die ein Forscher seiner eigenen Institution widerlegt hat. De facto dürfte der IWF damit also die Gedankenspiele über höhere Inflationsziele beerdigen.
Hinter Blanchards Überlegungen stand der Wunsch, der Geldpolitik im Fall einer Krise größeren Spielraum für die Senkung der Leitzinsen zu geben. Denn Inflation und Zinsniveau hängen langfristig miteinander zusammen: je höher die Teuerung, desto höher das Zinsniveau. In einer tiefen Rezession hätte die Zentralbank durch das höhere Zinsniveau mehr Manövriermasse für Zinssenkungen: Es würde länger dauern, bis die Untergrenze von null, unter die die Leitzinsen nicht fallen können, erreicht wäre.
"Wenn es möglich gewesen wäre, hätten die Zentralbanken in der Krise die Leitzinsen noch viel stärker gesenkt", schrieb Blanchard mit Blick auf die 2007 ausgebrochene Finanzkrise. So wäre es in den USA optimal gewesen, die Leitzinsen noch um drei bis fünf Prozentpunkte zu senken.




Alleine durch die Teuro Einführung hatte man eine 100% Inflation!
Bitte beteiligen Sie sich argumentativ. Danke, die Redaktion/lv
In der Berichterstattung über die wirtschaftliche Entwicklung oder den Zustand der Wirtschaft fließen stets - je nach Blickwinkel - drei völlig getrennte Bereiche zusammen. Die psychologische Wirkung von Erkenntnissen aus der Wissenschaft ist keinesfalls gleichzusetzen mit Erkenntnissen der Konsumenten und schon gar nicht mit den Gefühlswallungen der Investoren. Je Gruppe für sich reagiert völlig unterschiedlich auf die gleichen Nachrichten und trotzdem werden ihre Reaktionen für die Einschätzung der Gesamtlage - je nach Bedarf - herangezogen. Das Ergebnis ist eine sich inzwischen fast wöchentlich widersprechende Nachrichtenlage. Ein Zeichen für das Ende konventioneller Bewertungen?
auch ohne zwingend Mutmaßungen über die in der dazwischen liegenden Black Box anstellen zu müssen.
auch ohne zwingend Mutmaßungen über die in der dazwischen liegenden Black Box anstellen zu müssen.
Wir werden bei einer Inflation von z.B. teuren Autos sicherlich weniger Probleme haben als bei einer Inflation von grundlegend benötigten Gütern wie Wasser, Strom, Nahrungsmittel usw.
Das ist der erste große Unterschied der eingesehen werden muss.
Der zweite ist: Inflation ist eigentlich egal, solange die Gehälter angepasst werden. Die Unternehmen sind aber oftmals nicht dazu bereit und diese beiden Faktoren sind sehr problematisch.
Sinkende Kaufkraft bedeutet sinkendes Binnenmarktvolumen, bedeutet auch sinkende Staatseinnahmen. Und das bedeutet wieder Einsparungen im Gemeinwesen.
Zweitens wird - wie im Artikel auch genannt - das Tauschmittel nicht länger akzeptiert werden und auf alternative Tauschmittel umgestiegen.
Vor allem aber bedeutet Inflation nicht nur Kaufkraftverlust sondern in erster Linie eigener Verlust. Und dieser Verlust trifft immer die ärmeren Bevölkerungsschichten zuerst.
Eine Teuerung der Inflation mag ja kurzfristig angemessen erscheinen, aber langfristig ist sie sehr schädlich für die ganze Bevölkerung.
Ich finde es als ziemlich dumm, dass man offensichtlich nicht bereit war aus 1923 zu lernen.
...wenn der IWF nur bei der Analyse seiner bisherigen Werkzeuge auch so kritisch wäre.
Die Studie kann ich nicht richtig ernst nehmen, weil sie das Pferd von hinten aufzäumt und der mE gescheiterten Geldmengenlehre anhängt und natürlich IWF-konform den Staat als Regulator außen vor hält.
Es wäre nämlich ein leichtes gesetzlich eine Lohnanpassung für alle unterhalb des Medians zu verankern, ebenso wie eine höhere Progression bei sehr hohen Löhnen.
Aber das ist ein staatlicher Eingriff und für den IWF natürlich Teufelszeug. Die einzige erlaubte Stellschraube ist die Zentralbank. Und Geld hat gefälligst so knapp zu sein, dass Massenarbeitsosigkeit herrscht. Oder wie kann man angesichts 46 Mio Essenmarken-Abhängigen in den USA von einem Erfolg sprechen?
Eine sinnvollere Fragestellung wäre gewesen: wieviel Inflation ist hinnehmbar, wenn eine Vollbeschäftigungspolitik gefahren wird? Denn ob Vollbeschäftigung herrscht, ist nur eine Frage des politischen Willens. Und ob Inflation schädlich ist, ist nur eine Frage über welchen Weg man sie sich holt und ob/wie man versucht sie auszugleichen.
...wenn der IWF nur bei der Analyse seiner bisherigen Werkzeuge auch so kritisch wäre.
Die Studie kann ich nicht richtig ernst nehmen, weil sie das Pferd von hinten aufzäumt und der mE gescheiterten Geldmengenlehre anhängt und natürlich IWF-konform den Staat als Regulator außen vor hält.
Es wäre nämlich ein leichtes gesetzlich eine Lohnanpassung für alle unterhalb des Medians zu verankern, ebenso wie eine höhere Progression bei sehr hohen Löhnen.
Aber das ist ein staatlicher Eingriff und für den IWF natürlich Teufelszeug. Die einzige erlaubte Stellschraube ist die Zentralbank. Und Geld hat gefälligst so knapp zu sein, dass Massenarbeitsosigkeit herrscht. Oder wie kann man angesichts 46 Mio Essenmarken-Abhängigen in den USA von einem Erfolg sprechen?
Eine sinnvollere Fragestellung wäre gewesen: wieviel Inflation ist hinnehmbar, wenn eine Vollbeschäftigungspolitik gefahren wird? Denn ob Vollbeschäftigung herrscht, ist nur eine Frage des politischen Willens. Und ob Inflation schädlich ist, ist nur eine Frage über welchen Weg man sie sich holt und ob/wie man versucht sie auszugleichen.
dann sollte sich die EZB schnellstens von Herrn Draghi trennen, der gerade in Inflation macht und das entgegen sämtlichen Aufgaben der EZB.
Sachwerte :
Wobei die Flucht in Sachwerte auch ein zweischneidiges Schwert ist. Erst wenn ich verkaufe kann ich den Wertgewinn oder Verlust feststellen, wehe aber wenn ich verkaufen muss.
Das nennt man aber auch Spekulation, wenn ich in Öl oder Immobilien handele, wenn dies mit Getreide oder Rinderhälften geschieht, lieber nicht daran denken, dass ist dann ein ganz schlimmes Gesellschaftsungeheuer.
"Grundkonsens der modernen Ökonomie"
Mit "modern" ist wohl "deutsch" gemeont?
Mit "Ökonomie" wohl "Ökonomomisten"?
Und "Grundkonsens" steht für "Dogma"? So in Richtung "Unbefleckte Empfängnis"?
Es ist aber schon bekannt, dass Deutschland dieses Ziel seit Jahren nicht erreicht hat? Und zwar massiv nicht erreicht hat? Davon noch stärker abgewichen ist als Griechenland?
In diesem Verstoss liegt ja das ganze Problem "Krise des Euros".
Und da Deutschland gar nicht daran denkt, sein Dogma aufzugeben, wird der Euro auch scheitern.
""6. " ... Teuerung von um die zwei Prozent anzustreben"
Es ist aber schon bekannt, dass Deutschland dieses Ziel seit Jahren nicht erreicht hat? Und zwar massiv nicht erreicht hat?"
Und woher nehmen Sie diese Annahme, dass DE dieses Ziel massiv (!) nicht erreicht hat? Aus der BILD?
Wenn Sie sich auf Fakten beziehen würden, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass es in DE in den letzten 12 Jahren nur 3 Mal mehr als 2% Inflation gegeben hat (max. 2,6% / min. 0,4 %).
Im Schnitt liegt die Inlfationsrate in den letzten 12 Jahren zwischen 1,5 und 2 Prozent.
Also eine massive Abweichungen von dem 2 Prozent Ziel kann ich hier nicht feststellen.
Quelle: http://de.statista.com/st...
""6. " ... Teuerung von um die zwei Prozent anzustreben"
Es ist aber schon bekannt, dass Deutschland dieses Ziel seit Jahren nicht erreicht hat? Und zwar massiv nicht erreicht hat?"
Und woher nehmen Sie diese Annahme, dass DE dieses Ziel massiv (!) nicht erreicht hat? Aus der BILD?
Wenn Sie sich auf Fakten beziehen würden, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass es in DE in den letzten 12 Jahren nur 3 Mal mehr als 2% Inflation gegeben hat (max. 2,6% / min. 0,4 %).
Im Schnitt liegt die Inlfationsrate in den letzten 12 Jahren zwischen 1,5 und 2 Prozent.
Also eine massive Abweichungen von dem 2 Prozent Ziel kann ich hier nicht feststellen.
Quelle: http://de.statista.com/st...
Wenn Inflation gut ist, kann Deflation nicht schlecht sein? Jein, Inflation begünstigt Vermögen, Deflation Arbeit. Den Rest darf sich jeder selbst erklären.
...das Inflation Vermögen nützt?
Eigentlich wollte ich mich zu wirtschaftlichen Themen in den Kommentarsparten der Zeitung nicht mehr äußern, aber bei diesem Irrtum muss ich mich mal melden. Inflation begünstigt in keinerweise Vermögen, sondern das Gegenteil ist der Fall. Angespartes Geld kann bei steigender Inflation über einen längeren Zeitraum Vermögen entwerten. Ebenso lösen sich aber auch die Schulden auf. Von einer Inflation hätten also Eigentümer das Nachsehen, während Schuldner (mittlerweile die breite Masse) profitieren. Um es verständlicher zu machen, jedem Geldvermögen stehen Geldschulden gegenüber. Bei der Inflation verlieren Schulden und Vermögen an Wert. Die Deflation ist die künstliche Verknappung der Geldmenge in einem Wirtschaftskreislauf bei gleichbleibender Produtivität. Kurz gesagt der Unternehmer sitzt auf seinen Produzierten Gütern hat aber keinen Abnehmer weil Kaufkraft vorhanden ist, daher geht er immer weiter mit dem Preis runter bis er einen Abnehmer findet. Vielfach bedeutet das Konkurs für ihn und Arbeitslosigkeit für die Beschäftigten. Ok, das war es dann.
...das Inflation Vermögen nützt?
Eigentlich wollte ich mich zu wirtschaftlichen Themen in den Kommentarsparten der Zeitung nicht mehr äußern, aber bei diesem Irrtum muss ich mich mal melden. Inflation begünstigt in keinerweise Vermögen, sondern das Gegenteil ist der Fall. Angespartes Geld kann bei steigender Inflation über einen längeren Zeitraum Vermögen entwerten. Ebenso lösen sich aber auch die Schulden auf. Von einer Inflation hätten also Eigentümer das Nachsehen, während Schuldner (mittlerweile die breite Masse) profitieren. Um es verständlicher zu machen, jedem Geldvermögen stehen Geldschulden gegenüber. Bei der Inflation verlieren Schulden und Vermögen an Wert. Die Deflation ist die künstliche Verknappung der Geldmenge in einem Wirtschaftskreislauf bei gleichbleibender Produtivität. Kurz gesagt der Unternehmer sitzt auf seinen Produzierten Gütern hat aber keinen Abnehmer weil Kaufkraft vorhanden ist, daher geht er immer weiter mit dem Preis runter bis er einen Abnehmer findet. Vielfach bedeutet das Konkurs für ihn und Arbeitslosigkeit für die Beschäftigten. Ok, das war es dann.
Mit Hilfe einer Inflation würde es den Staaten leichter fallen ihre Schulden zurückzuzahlen. So ungefähr lautet offensichtlich das Gedankengut einiger Politiker und mittlerweile auch der EZB.
Schöne das diese Theorie auch mach kritisch hinterfragt wird.
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