US-Konjunktur : Hilf uns, Ben!

Die USA könnten Ende des Jahres erneut in eine Rezession abrutschen. Die Erwartungen an die US-Notenbank sind deshalb groß. Aber was kann sie überhaupt noch tun?
US-Notenbank-Chef Ben Bernanke im Juni 2012 © Jonathan Ernst / Reuters

Es ist längst ein Ritual. Wann immer Ben Bernanke dazu aussagen muss, ob er der taumelnden amerikanischen Wirtschaft bald abermals unter die Arme greifen wird, sagt der Präsident der US-Notenbank Fed in verschiedenen Varianten stets dies: "Die Fed steht bereit zu handeln, sollte es nötig werden". Und jedes Mal, auch das gehört zum Ritual, legen die Märkte vor einem solchen Statement erwartungsvoll zu – um sodann wieder nachzugeben, wenn wieder einmal nichts passiert ist.

Gleichwohl gibt es gute Chancen, dass es dieses Mal anders wird. Ab dem heutigen Dienstag treffen sich die Mitglieder des mächtigen Offenmarktausschusses, um über weitere geldpolitische Maßnahmen zu beraten. Am Mittwoch folgt dann eine öffentliche Erklärung. Es ist der Auftakt zur Woche der Notenbanken: Am Donnerstag sind die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England an der Reihe.

In den USA sind die Erwartungen an die Fed gewaltig: Wie lange werden die Notenbanker noch dabei zusehen, wie sich die US-Wirtschaft mehr und mehr eintrübt? Wie die Arbeitslosenquote bei über acht Prozent festgefroren scheint und das Land immer verwundbarer wird gegenüber den Folgen der Krise in Europa ?

Der Druck auf Bernanke und die Fed-Gouverneure im Offenmarktausschuss ist seit Freitag vergangener Woche noch einmal gestiegen. Da hatte das Handelsministerium die neuesten Wachstumszahlen vorgelegt, die auch die letzten Optimisten nachdenklich gestimmt haben dürften. Demnach hat das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Quartal nur um 1,5 Prozent zugelegt, nach revidierten zwei Prozent im ersten und 4,1 Prozent im letzten Vierteljahr 2011.

Stillstand in der US-Wirtschaft

"Die Wirtschaft hat an Geschwindigkeit verloren und kommt fast zum Stillstand", sagte der Ökonom Sung Won Sohn von der kalifornischen Universität Channel Islands. Gleichzeitig sei von der Politik in Washington keine Hilfe zu erwarten, da sich die Parteien im Wahlkampfgezänk gegenseitig blockierten. "Eine weitere geldpolitische Lockerung ist sehr wahrscheinlich, schließlich ist das das Einzige, worauf man setzen kann."

Die verfahrene Lage in Washington gilt neben der Euro-Schuldenkrise als einer der Gründe für die Probleme der US-Wirtschaft. Zum Jahreswechsel laufen gesetzlich garantierte Steuererleichterungen aus, außerdem stehen automatische Kürzungen im Etat der Regierung an.

Volkwirte befürchten, dass dieses als Fiscal Cliff (Haushaltsklippe) bezeichnete Problem das Potenzial hat, Amerika zurück in die Rezession zu werfen. Sollte die Politik die drastischen Sparmaßnahmen aber aussetzen, droht dem hoch verschuldeten Land vielleicht eine weitere Herabstufung durch die Rating-Agenturen.

Ein Dilemma, für das die zerstrittenen Demokraten und Republikaner noch keine Lösung gefunden haben. Doch die Hängepartie zermürbt das Vertrauen der Bürger: Viele von ihnen, ohnehin geplagt von der Jobkrise, halten sich mit Ausgaben zurück, was einen großen Teil des Wachstumsverlusts im zweiten Quartal erklären würde.

Handelskonzerne wie Macy's, Gastronomieketten wie Starbucks und McDonalds oder der Konsumgüter-Hersteller Procter & Gamble bekommen die Zurückhaltung bereits zu spüren, wie sie in ihren Quartalsberichten beklagten. "Die Leute bleiben zu Hause", sagte der Finanzchef von McDonalds, Peter Bensen. Die Stimmung bei den Verbrauchern ist zuletzt entsprechend gesunken, was sich fatal auswirkt auf eine Volkswirtschaft, die zu rund 70 Prozent vom Konsum abhängt.

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Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

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Hilfe von einem der Hauptverursacher der Krise zu erwarten ist doch schon ziemlich blauäugig, oder?

Und da die Hochfinanz sich einen feuchten Kehrricht um Ländergrenzen schert, kann man noch nicht mal sagen "Ätschibätsch, ihr Amis...".
Nein, dieser Herr und seine feinen Gefährten setzen auch noch meine Altersvorsorge mit aufs Spiel.

Geld kann

...weder gegessen werden, noch schafft es Arbeitsplätze. Stimmt ja garnicht? -Die FED hat ca. 3 Billonen (3000 Mrd) in die Märkte geschüttet. Passiert ist wenig. Die USA ist vollkommen automatisiert, es gibt einfach zu wenig Arbeit. Jeder der keine Arbeit hat kann nur etwas auf den Markt bringen was man nicht unbedingt braucht. Dies wird zwangsläufig nicht verkauft (Da auch zu wenig Geld in der unter-Mittelschicht=90%der Bürger). Es gibt also keine Möglichkeit als entweder die Arbeit die es gibt auf alle zu verteilen, oder die die Jetzt arbeiten weiterarbeiten zu lassen und denen die nicht arbeiten Geld zu geben. Produkte sind genug da, beides Würde Funktionieren. Ersteres wäre gerechter, wahrscheinlich auch effizienter, denn wer ist schon 8h am Tag Produktiv? 4h kann man schon Produktiv sein.

Das ist die Zukunft! Weniger Arbeit, aber auch weniger Konsum. -Anders werden wir auch der Ressourcenknappheit nicht begegnen können.

Und dann?

Und wenn die Reichen geschröpft sind und man immer noch ein Defizit von $1,5 Billionen aufweist (Vermögen werden kleiner oder verschwinden, und als Folge steigt die Arbeitslosigkeit), was macht man dann? Kommen Aliens mit einem Bailout?

Genauso wie Europa hat USA ein Solvenzproblem. Astronomische Ausgaben auf der einen Seite, die wegen ihres Wesens als Schneeballsysteme tickende Zeitbomben sind, und eine von der Politik durch jahrzehntelanges Anhäufen von Regulierungen zerstörte Wirtschaft.

Die einzige Möglichkeit einen Kollaps abzuwenden ist eine neue Blase zu inflationieren (so wie man es schon 2001 tat, und all die Male zuvor). Aber wer soll die neuen Schulden aufnehmen? Amerikanische Konsumenten sind bis ans Limit gehebelt, die Verleihstandards wurden nach dem 2008 Crash angehoben. Aus Europa kommt sowieso nix und China ist mit eigenen Problemen beschäftigt.

Die Fed hat panische Angst vor Deflation, nicht weil es direkte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft hat, sondern weil es den Dollar gefährdet. Die Fed wird "helfen" müssen, da ihre Existenz vom Erhalt des Dollars abhängt. Diese "Hilfe" kann schnell in Hyperinflation enden, wenn die großen US Gläubiger als Reaktion den Dollar aufgeben.