Automobilindustrie: Obama kämpft gegen die Spritschlucker
Die US-Regierung will den Benzinverbrauch von Neuwagen drastisch reduzieren. Obama schürt damit die Ängste der Konservativen – und kratzt an der Autoliebe der Amerikaner.
© dpa

Obama auf einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa
Der Zeitpunkt war perfekt gewählt. Der Wirbelsturm "Isaac" nahm Kurs auf Louisiana und legte fast die gesamte Öl-Produktion im Golf von Mexiko lahm. Die G-7-Staaten baten die Opec-Länder um Hilfe. Und die Benzinpreise lagen mit rund vier Dollar pro Gallone auf dem Jahreshöchststand. Genau in diesem Moment machte US-Präsident Barack Obama seine vielleicht letzte große Ankündigung vor den Präsidentschaftswahlen. Und traf damit ins Mark.
Bis 2025, so das Ziel, will Obama den Benzinverbrauch auf Amerikas Straßen auf durchschnittlich 4,3 Liter pro 100 Kilometer senken – und damit im Vergleich zu heute fast halbieren. Es sei der größte Schritt, den die USA bislang unternommen habe, um den CO2-Ausstoß zu verringern, den Klimawandel zu bekämpfen und die Abhängigkeit von ausländischem Öl zu reduzieren. Vor allem aber, versprach der Präsident den jubelnden Studenten bei der Wahlkampfveranstaltung in Iowa, "werdet Ihr Geld an der Tankstelle sparen".
Umweltschützer sind begeistert und sprechen von "Obamas grünstem Tag". Die Verbraucher, so die Wissenschaftlervereinigung Union of Concerned Scientists, würden durch die neue Gesetzesinitiative über die gesamte Laufzeit eines Autos 8.000 Dollar sparen, während sie ganz nebenbei jährlich Kohlenstoffdioxid im Umfang von 65 Kohlekraftwerken einsparten. "In 20 Jahren werden wir darauf zurückblicken als den Moment, in dem wir Innovation statt Stagnation gewählt haben", so die Wissenschaftler. Mit Ausnahme der beiden deutschen Hersteller Daimler und Volkswagen unterstützen fast alle großen Autohersteller trotz der Kosten von rund 150 Milliarden Dollar die Initiative.
Damit könnte sich im Land der "gas guzzler", der Spritschlucker, eine kleine Revolution anbahnen. In den vergangenen hundert Jahren haben die Amerikaner nur wenig Gedanken an die Sparsamkeit ihrer 254 Millionen Fahrzeuge verschwendet. 2011 verbrauchten sie mehr als 420 Millionen Tonnen (134 Milliarden Gallonen) Benzin – in Deutschland waren es 21,3 Millionen. Hier fährt man Hummer oder SUVs, das Auto gehört, wie das Recht auf die Waffe oder das Eigenheim, zu den ungeschriebenen amerikanischen Grundwerten. Und an denen will vor allem im konservativen Kernland Amerikas niemand rütteln.
Harsche Kritik von der Auto-Lobby
Nicht umsonst bauen etwa deutsche Autokonzerne wie Volkswagen für den amerikanischen Markt eigens längere Varianten ihrer Modelle. Und nicht umsonst spielt der Golf, weltweit eines der meistverkauften Autos überhaupt, in den USA keine Rolle. Viele Amerikaner, heißt es vom Verband der amerikanischen Autoverkäufer, NADA, seien schlicht "größer" als die Europäer und bräuchten darum mehr Platz. Und alle anderen bräuchten zumindest einen größeren Kofferraum.
Entsprechend versuchte Obamas Herausforderer im Kampf ums Weiße Haus, die Initiative zum Eingriff in Amerikas Freiheit zu stilisieren. Nicht nur würden die anfänglichen Ersparnisse beim Tanken letztlich durch höhere Autopreise wieder zunichte gemacht, so Mitt Romney am Rande der Republican National Convention in Florida. Vor allem aber, warnte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, schränke die Regierung damit einmal mehr die Wahlmöglichkeiten der Amerikaner ein. Die Verbraucher müssten "Tausende von Dollar ausgeben für unerprobte Technologien, die sie womöglich gar nicht wollen".




"Mit Ausnahme der beiden deutschen Hersteller Daimler und Volkswagen unterstützen fast alle großen Autohersteller trotz der Kosten von rund 150 Milliarden Dollar die Initiative."
.. ich werde es mir merken!
Daimler und VW sollte man sich in dem Zusammenhang wirklich merken, die heucheln wenigstens nicht rum, nur weil die verordnete Reduzierung unabwendbar scheint.
... keinen Kampagnen mitzumachen. Die bieten heute schon Fahrzeuge an, die die im Artikel beschriebenen Ziele einhalten können und machen damit auch Werbung:
http://wheels.blogs.nytim...
Kein US-Hersteller bringt das heute fertig mit einem Fahrzeug dieser Größe.
Und dass der Golf wie im Artikel beschrieben fast keine Rolle in den USA spielt ist schon richtig, unterschlägt aber, dass der Bora/Jetta, Golf mit Kofferraum, durchaus beliebt ist. Gerade auch als TDI.
Das Daimler und VW die Initiative nicht unterstützen, könnte aber auch daran liegen, dass sie aufgrund ihrer Fahrzeugpaltette überdurchschnittlich benachteiligt werden:
"Für Pick-Ups und SUVs sieht die Regierung denn auch großzügige Ausnahmen vor."
Hier haben die amerikanischen Automobilbauer klar die Nase vorn.
Daimler und VW sollte man sich in dem Zusammenhang wirklich merken, die heucheln wenigstens nicht rum, nur weil die verordnete Reduzierung unabwendbar scheint.
... keinen Kampagnen mitzumachen. Die bieten heute schon Fahrzeuge an, die die im Artikel beschriebenen Ziele einhalten können und machen damit auch Werbung:
http://wheels.blogs.nytim...
Kein US-Hersteller bringt das heute fertig mit einem Fahrzeug dieser Größe.
Und dass der Golf wie im Artikel beschrieben fast keine Rolle in den USA spielt ist schon richtig, unterschlägt aber, dass der Bora/Jetta, Golf mit Kofferraum, durchaus beliebt ist. Gerade auch als TDI.
Das Daimler und VW die Initiative nicht unterstützen, könnte aber auch daran liegen, dass sie aufgrund ihrer Fahrzeugpaltette überdurchschnittlich benachteiligt werden:
"Für Pick-Ups und SUVs sieht die Regierung denn auch großzügige Ausnahmen vor."
Hier haben die amerikanischen Automobilbauer klar die Nase vorn.
Ist das schön. Wenn die Menschen ihr Glück nicht wollen, müssen sie halt dazu gezwungen werden. Schön dass Obama das weiß und sich mühe gibt alle glücklich zu machen (der wille dazu ist irrelevant...)
150 Mrd. soll das kosten.
Kleinere Motoren einbauen und ein bisschen langsamer beschleunigen kostet überhaupt nichts, es erspart Kosten.
Das wirksammste Mittel gegen zu hohen Verbrauch sind höhere Steuern auf den Sprit.
Aber gesetzlich vorgeschribenen Spritverbrauch ga es in den USA schon vor 30 Jahren. Ist alles im Sande verlaufen.
aber - leider - womöglich kein richtiger Schritt, um die Wiederwahl zu sichern. Dazu gibt es einfach zu viele irrationale Ideologen. Hoffen wir gemeinsam, dass Obamas zweite Amtszeit dadurch nicht gefährdet wird. Bei einem Sieg Romneys sähe es für den Klimaschutz nämlich ganz düster aus.
Mitt Romney ist nun wirklich mit seinen Statements nicht glaubwürdig. Hat der Mann eigentlich schon wieder vergessen, dass er die Gängelung des Staates abschaffen möchte?
Anstatt sich über die angebliche "Gängelung" der Automobilindustrie und der amerikanischen Mittelschicht zu machen, sollte er erst mal die Gängelung des Staates bezüglich Führerschein, Verkehrsregeln und weiterer Vorschriften abschaffen, damit jeder jeden Alters fahren kann wie er kann und will... Wenn weniger Staat dann auch richtig...
Obama dagegen sollte den Wählern nicht mit "Sparmobilen" kommen, sondern darauf hinweisen, dass man damit die nicht wieder zu ersetzenden Ölreserven der USA über die Zeit hinaus streckt, wo die anderen ihre Reserven schon längst verbraucht haben.
Die USA werden siegen! Und mit dem üblichen USA! USA! wird der Wähler stolz darauf sein,
wieder einmal Bürger dieses großen Landes zu sein.
Nebenbei schafft ein solches Programm jede Menge Jobs, Denn wenn der amerikanische Bürger sich nur noch einen Kleinwagen leisten kann, muss der schließlich auch erst gebaut werden. Und da der dann so viel kostet wie die alten Spritschlucker kann die Industrie auch satte Gewinne einfahren.
Nebenbei kostet es auch keine 150 Mrd. Die Technik ist schon längst vorhanden, in Europa ist man da schon wesentlich weiter. Es ist der fehlende Wille, der hier ein Umdenken verhindert.
Daimler und VW sollte man sich in dem Zusammenhang wirklich merken, die heucheln wenigstens nicht rum, nur weil die verordnete Reduzierung unabwendbar scheint.
Die Einsparung von $8000 gilt fuer die Lebensdauer des Autos, nicht des Verbrauchers. Hier hat die Zeit fehlerhaft uebersetzt:
"Die Verbraucher [...] würden durch die neue Gesetzesinitiative im Laufe ihres Lebens 8.000 Dollar sparen".
Siehe den Originaltext in der Pressemitteilung des White House: "...resulting in an average fuel savings of more than $8,000 by 2025 over the lifetime of the vehicle..."
http://www.whitehouse.gov...
Lieber Josh75, vielen Dank für den Hinweis! Das ist in der Übersetzung tatsächlich missverständlich. Wir werden das abändern. Beste Grüße,
Thorsten Schröder
Lieber Josh75, vielen Dank für den Hinweis! Das ist in der Übersetzung tatsächlich missverständlich. Wir werden das abändern. Beste Grüße,
Thorsten Schröder
Lieber Josh75, vielen Dank für den Hinweis! Das ist in der Übersetzung tatsächlich missverständlich. Wir werden das abändern. Beste Grüße,
Thorsten Schröder
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