PersonalabbauArbeitsagentur will sich 17.000 Stellen sparen

Eine Milliarde Euro weniger soll die Bundesagentur für Arbeit bis 2016 ausgeben. Die größte Einsparung dürfte ein kräftiger Stellenabbau bringen – aber ohne Entlassungen. von dpa

Beratungsgespräch der Bundesagentur für Arbeit in Freising

Beratungsgespräch der Bundesagentur für Arbeit in Freising  |  © Steffi Loos/dapd

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) plant, angesichts sinkender Arbeitslosenzahlen bei der eigenen Verwaltung den Rotstift anzulegen: 17.000 Stellen sollen in den kommenden Jahren gestrichen werden. Bis 2016 wolle die Nürnberger Bundesbehörde eine Milliarde Euro an Verwaltungskosten einsparen, sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise . Entlassungen lehnt er jedoch strikt ab. Der Stellenabbau verspreche eine Kosteneinsparung von etwa 750 Millionen Euro. Derzeit beschäftigt die Bundesagentur 115.300 Mitarbeiter.

Weise setzt auf eine restriktivere Einstellungspolitik. Zudem gingen in den kommenden Jahren viele ältere Mitarbeiter in den Ruhestand, und nicht jede freiwerdende Stelle werde wieder besetzt. Darüber hinaus soll die Arbeitsagentur bei Informationstechnologie und Sachkosten sparen. Der Service werde darunter aber nicht leiden, versprach Weise. Die BA werde weiterhin ihr Netz von 1.000 Arbeitsagenturen und Geschäftsstellen aufrechterhalten.

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Der Verwaltungsratsvorsitzende der Bundesagentur, Peter Clever , widersprach Forderungen der Politik nach einem "überzogenen" Personalabbau bei der BA: "Wer meint, mit einem Drittel weniger Arbeitslosen könne auch die Belegschaft der Bundesagentur um ein Drittel gekürzt werden, verkenne die Dynamik am Arbeitsmarkt." Mit der wachsenden Flexibilität am Arbeitsmarkt seien Vermittler weitaus häufiger mit Anliegen von Arbeitslosen konfrontiert als noch zum Start der Hartz-Reformen im Jahr 2005.

"Jetzt kommt die schwierige Klientel"

Clever, der die Arbeitgeber im BA-Verwaltungsrat vertritt, warnte zudem vor weiteren Kürzungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Wer dies mit Hinweis auf die gesunkene Arbeitslosigkeit fordere, verkenne die arbeitsmarktpolitische Realität. Mit dem Rückgang der Arbeitslosenzahlen kristallisiere sich immer stärker der harte Kern der Arbeitslosen heraus: "Jetzt kommt die schwierige Klientel. Da wird man pro Arbeitslosem noch mehr investieren müssen, wenn man eine nachhaltige Vermittlung ermöglichen will." Für diese Gruppe seien längerfristige berufliche Bildungsmaßnahmen erforderlich, sagte Clever.
 

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Leserkommentare
  1. In den Jahren 2010 und 2011 war ich jeweils einige Monate ALG I Empfänger. Meine persönlichen Ansprechpartner wechselten jedesmal innerhalb von drei Monaten einmal. Der Zeitvertrag lief aus und wurde nicht verlängert. Gleichzeitig hat die Arbeitsagentur diese Stellen ausgeschrieben gehabt.
    Wer dann endlich ein bißchen Ahnung hatte, saß wieder auf der Straße.
    Wer keine Ahnung hatte, war dann persönlicher Ansprechpartner.
    2011 war ich dann für drei Monate ALG II Empfänger. Da war dann Ahnungslosigkeit Programm, die Mitarbeiter gaben offen zu nur kurz angelernt worden zu sein und nach Auslauf der Befristung keine Chance auf Weiterbeschäftigung zu haben.
    Seit September 2011 bin ich wieder Angestellter, inzwischen ist meiner Frau der Zeitvertrag beim Land nicht verlängert worden, jetzt ist sie Kundin der Agentur. Beim fristgerechten Ersttermin hat die Mitarbeiterin "vergessen" die Arbeitslosmeldung ins System einzutragen. Das war der Sinn des Termins.

    Eine Leserempfehlung
  2. man sich selbst Kunden.

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Frank-Jürgen Weise | Peter Clever | Arbeitgeber | Arbeitslose | Arbeitslosigkeit | Arbeitsmarkt
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