Onlinehandel : Alibaba greift an

Kampfansage im Netz: Chinas größter Onlinehändler will noch in diesem Jahr eBay und Amazon überholen – und mehr Umsatz machen als beide zusammen.
Pause in der Zentrale des Internetkonzerns Alibaba: Ein Angestellter macht Sport. © Steven Shi/Reuters

Addieren Sie den weltweiten Umsatz von Amazon und eBay – und Sie haben ungefähr die Summe, die Alibaba bis zum Ende des Jahres einnehmen will. Ali wer? Nein, nicht die berühmte Märchenfigur aus Tausendundeiner Nacht. Es geht um den chinesischen Internetkonzern, der unter anderem Handelsplattformen im Netz betreibt. Das Unternehmen hat angekündigt, dass sein Umsatz noch in diesem Jahr höher sein soll als jener der beiden Platzhirsche aus dem Westen.

"Im vergangenen Jahr lagen wir gleichauf", erklärte Alibaba-Chefstratege Zeng Ming vor wenigen Tagen. "Weil wir aber sehr viel schneller wachsen, werden wir in diesem Jahr voraussichtlich größer sein als sie."

Die Alibaba-Gruppe setzt auch für chinesische Verhältnisse neue Maßstäbe . Etwa 100 Milliarden Dollar setzte das Unternehmen aus der ostchinesischen Stadt Hangzhou allein 2011 mit weltweit rund 400 Millionen angemeldeten Nutzern um. Im laufenden Jahr soll der Wert auf 158 Milliarden Dollar steigen. "Wir sind erfolgreicher, als wir jemals gedacht haben", sagt Zeng.

Die enormen Umsätze Alibabas kommen nicht zuletzt dadurch zustande, dass der Manager auch Großbestellungen in seine Rechnung einbezieht, die etwa Walmart über Alibaba bei chinesischen Firmen aufgibt. Amazon und eBay berücksichtigen solche Aufträge in ihren offiziellen Umsätzen nicht. Täten sie es, sagt Zeng, hätte der Umsatz von Amazon im vergangenen Jahr bei 60 Milliarden Dollar gelegen, der von eBay bei rund 40 Milliarden Dollar. Branchenbeobachter setzen beide Werte jedoch deutlich höher an und kommen in der Summe auf 120 bis 130 Milliarden Dollar

Herrscher des chinesischen Marktes

Ob Zeng mit seiner optimistischen Prognose recht behalten kann, ist deshalb umstritten. Aber fest steht: Alibaba hat einen steilen Aufstieg geschafft und wächst immer noch rasant – und es dominiert mit seinen Handelsplattformen Taobao und Tmall den chinesischen Markt, auf dem noch viel Wachstum möglich ist.

Dabei bestand das Kerngeschäft des Konzerns ursprünglich aus einer ganz simplen Internet-Kontaktbörse für Unternehmen. Alibaba-Gründer Jack Ma (chinesisch Ma Yun) ist in der ostchinesischen Stadt Hangzhou in der Provinz Zhejiang aufgewachsen, wo schon damals viele mittelständische Privatunternehmen entstanden. Er kannte viele Firmen, die Geschäftskontakte zu ausländischen Unternehmen suchten. Doch die behördlichen, kulturellen und vor allem sprachlichen Barrieren waren hoch.

Hangzhou war schon damals eine beliebte Touristenstadt, und Ma hatte früh zunächst als Fremdenführer Erfahrungen mit Ausländern gesammelt. Später lernte er als Englischlehrer wiederum die Berührungsängste auf chinesischer Seite kennen. Das brachte Ma auf die Idee, beide Seiten zusammenzubringen – per Internet.

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Kommentare

28 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Wenig aussagekräftig

Der Artikel verschweigt, was gegenwärtig das Hauptproblem in Europa darstellt. Alibaba hat es noch nicht geschafft, ein ähnlich erfolgreiches System des Käuferschutzes zu schaffen, wie eBay oder Amazon. Für Gewerbetreibende mag das zwar nicht so erheblich sein, die Foren im Netz sind allerdings voll von geprellten Privatkäufern. Diesem ist es nicht egal, daß ein unseriöser Händler von der Plattform genommen wird, wenn er weder seine Ware oder sein Geld erhält. Also bitte gründlicher recherchieren.

Ali-BHaba

Habe mich soeben mal bei german.alibaba.com umgesehen. Echt amüsant, dort einzukaufen: wie wär's zum Beispiel mit einem Damenslip "Ibzan Tierdruck-reizvoller Zapfen für Frauen"? Oder noch ein Damenslip: "Heiße Verkaufsdame der neuen Art und Weise 2012 panty". Oder zur Abwechslung ein BH: "Reizvoller Spitzebüstenhalter des Damesilikons". Von dem muss man allerding mindestens 500 Stück kaufen; dafür ist es aber immerhin "2012 am heißesten heißer V Büstenhalter der Art und Weise----bilden Sie tiefe Spaltung". Nix wie hin! :-)

Sehr seriös...

Alibaba scheint ja sehr seriös zu sein. Gerade stiess ich auf einen Artikel bei heise: Alibaba hat anscheinend das Smartphone-Betriebssystem Android und mehrere Android-Apps raubkopiert und das raubkopierte Betriebssystem Aliyun der Firma Acer angedreht. Google (Besitzer der Rechte an Android) hat denn auch die Vorstellung des Acer-Smartphones mit Aliyun verhindert.
Keine Ahnung, warum die Zeit Alibaba so hochlobt und dann gar noch erwähnt, dass Alibaba "schon früh der Piraterie den Kampf angesagt hat" - diese Aussage ist ja wohl wirklich lachhaft.
Wen es genauer interessiert:
http://www.heise.de/newst...