Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Der private Reichtum in Deutschland wird insgesamt immer größer. Davon profitieren in erster Linie die Reichen. Sie werden immer reicher und besitzen 53 Prozent des Gesamtvermögens. Das geht aus dem vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, berichtet die Süddeutsche Zeitung . Die Analyse wird vom Arbeitsministerium alle vier Jahre vorgelegt.

Demnach hat der Wohlstand in Deutschland vor allem in den letzten Jahren kräftig zugenommen. Zugrunde liegt der Analyse das Nettovermögen, zu dem etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehören. Das Nettovermögen der Privathaushalte habe sich in den letzten 20 Jahren von 4,6 auf rund zehn Billionen Euro mehr als verdoppelt. Allein in den letzten fünf Jahren zeigt sich ein Anstieg von 1,4 Billionen. Der Reichtum ist jedoch überaus ungleich verteilt : So besitzen "die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens". Ihr Anteil sei in den Jahren immer weiter gestiegen. Allein von 1998 bis 2008 ist ein Anstieg von acht Prozent festzustellen. Anders bei der unteren Bevölkerungshälfte: Sie besitzt nur ein Prozent des gesamten Nettovermögens.

Einkommensentwicklung verletzt Gerechtigkeitsempfinden

Bei der Lohnentwicklung zeigt sich ein ähnliches Bild: Im oberen Bereich der Bevölkerung sei sie positiv steigend, die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste hinnehmen müssen. "Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung", heißt es in dem Bericht.

Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland hat sich dabei verringert. Westdeutsche Haushalte hatten aber im Schnitt immer noch ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132.000 Euro, bei den ostdeutschen sind es nur 55.000 Euro.

Teilzeit- und Minijobs hätten keinen Einfluss

Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeit- und Minijobs, Leiharbeit oder befristete Stellen seien nicht zulasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen, heißt es in dem Bericht. Das Arbeitsministerium fügt aber hinzu: "Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt."

Das Nettovermögen des Staates ist im Vergleich zwischen 1998 und 2008 um über 800 Milliarden Euro zurückgegangen. Dies sei bereits seit zwei Jahrzehnten zu beobachten. Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise und den damit verbundenen Rettungsmaßnahmen des Staates sei "eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen feststellbar".