Endlager-DebatteUmweltministerium will Atommülllager Asse räumen

Die Asse wird geschlossen, die Kosten übernimmt der Bund, schlägt das Umweltministerium vor. Damit wären die Energiekonzerne fein raus. von  und

Im Inneren der Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel

Im Inneren der Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel  |  © Peter Steffen/dpa/lni

Das Bundesumweltministerium hat einen ersten Gesetzesentwurf zur Schließung des Atommülllagers Asse vorgelegt. "Die Schachtanlage ist unverzüglich stillzulegen", heißt es in dem Entwurf, der ZEIT ONLINE vorliegt. Zuvor müssten alle radioaktiven Abfälle geborgen werden. Dabei dürften Dosisgrenzwerte für die Bevölkerung nicht überschritten werden.

In den Stollen bei Asse nahe Wolfenbüttel waren von 1967 bis 1978 etwa 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll eingelagert worden. Seit Jahren dringt Wasser in das ehemalige Salzbergwerk ein. Im Jahr 2009 war bekanntgeworden , dass in der Schachtanlage dreimal so viel Plutonium liegt wie bis dahin angenommen. Der frühere Umweltminister Sigmar Gabriel ( SPD ) hatte bereits damals ein Konzept zur Schließung des maroden Atommülllagers vorgelegt. Im Juli hatte der niedersächsische Landtag sich einstimmig für die Rückholung der Abfälle ausgesprochen.

Anzeige

"Der Entwurf ist ein klitzekleiner Schritt nach vorne", sagt Stefan Wenzel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im niedersächsischen Landtag. "Er lässt aber an Klarheit vermissen, dass der Müll wirklich zurückgeholt werden soll."

Kritik an Finanzierung der Stilllegung

In dem Vorschlag heißt es: "Die Stilllegung soll vorzugsweise nach Bergung der radioaktiven Abfälle erfolgen." Wenzel befürchte, dass die Formulierung "vorzugsweise" doch noch die Flutung der Asse ermöglichen könnte. "Es gibt einen großen Bedarf an Klärung", sagt er. Allerdings weiß niemand, wie lang das marode Bergwerk noch standhält und ob eine Rückholung tatsächlich technisch machbar ist.

Füllort auf der 750-Meter-Sohle: Rechts neben dem Schacht befindet sich ein Container mit einem Handfußkontaminationsmonitor, der die Strahlung anhaftender radioaktiver Verunreinigungen misst. | 360-Grad-Panorama:Stefan Sobotta

Die Bevölkerung vor Ort brauche ein klares Bekenntnis zur Rückholung, betont Wenzel. Am Freitag diskutiert die Asse II Begleitgruppe den Vorschlag, in der sich die lokale Bevölkerung organisiert hat.

Auch die Finanzierung der Stilllegung sorgt für Kritik . Der Vorschlag sieht vor, dass der Bund die Kosten vollständig übernimmt. Die Grünen hatten immer wieder gefordert, auch die Energieversorger zu beteiligen. Schließlich würden rund 80 Prozent der Abfälle aus Atomkraftwerken der Stromkonzerne kommen.

"Wir fordern eine Kostenübernahme nach dem Verursacherprinzip", sagt Wenzel. Das Ministerium plant dagegen nach Angaben von Umweltminister Peter Altmaier den größten Teil seines Etats von 1,645 Milliarden Euro für die Bergung auszugeben.

Leserkommentare
  1. läßt sich durchaus mit der Angst vor den Dampfmaschinen im 19ten Jahrhundert vergleichen. Der Schaden aus der Katastrophe in Fukushima in Deutschland ist schon größer als der in Fukushima selber.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gooder
    • 13. September 2012 16:43 Uhr

    Der "Schaden" bei den Anteilseignern der Energiekonzerne,hält sich doch aber in überschaubaren Grenzen, bei RWE lag der Gewinn im ersten Quartal trotz Atomausstieg bei 2,5 Milliarden Euronen.

    In Fukushima sollte man unmittelbar um AKW eine exklusive Wohnanlage ausbauen, um alle diejenige aus der ganzen Welt, die die Gefahren verharmlosen, sicher Umzugsiedeln.

    Abgesehen davon sind die Kosten für ein Zwischenlager in nur 30-40 Jahren mit ca. 1,645 Mrd. € vorgesehen und kein einziges Problem der Endelagerung gelöst.

    Halbwertszeiten versprechen eine dauerhafte Beschäftigung mit der Erbschaft unserer einzelnen und besonders kollektiven Verantwortung für die künftige Generationen.

    Alle 30-40 Jahren wird man ähnliche Maßnahmen unter voraussehbarer Kostenordnung unternehmen müssen.

    Z.B Jod-129 hat eine Halbwertszeit von 17000000 Jahre. 17 Millionen Jahren geteilt mit 40 und alles multipliziert mit 1,645 Mrd €.

    http://vorort.bund.net/su...

    • Catalpa
    • 13. September 2012 18:09 Uhr

    Wenn das Zeug so harmlos ist, können wir es ja dort verbuddeln.

    • Karl63
    • 13. September 2012 19:10 Uhr

    wurde gegründet, um einen sicheren Betrieb von Dampfmaschinen zu gewährleisten. Um die Leistung von Dampfmaschinen zu steigern, haben die Konstrukteure Dampfkessel mit immer höherem Druck konzipiert und es gibt eine Menge historischer Belege dafür, dass dies nicht eben selten zu verheerenden Explosionen führte. http://de.wikipedia.org/w...
    Insofern ist die "Angst vor der Dampfmaschine" in jener Zeit nicht ganz unbegründet gewesen, man musste das Knowhow für einen sicheren Betrieb erst allmählich gewinnen.
    Wohin Menschliche Hybris führen kann, hat sich doch schon 1986 in Tschernobyl erwiesen: eine Bedienmannschaft, die für diese Aufgabe äußerst mangelhaft ausgebildet war, hat einen "Test" an einem Reaktor durchgeführt, dessen Konstruktionsmängel wie ein Staatsgeheimnis behandelt wurden.
    Das "Versuchs-Endlager Asse" ist ein Beleg dafür, wie es auch in der Bundesrepublik auf gar keinen Fall ablaufen sollte: in die beiden Nachbarbergwerke Asse 1 & 3 ist schon Wasser eingedrungen, als der Bund Asse 2 erworben hat. Die Kosten dies zu beseitigen sind erheblich, aber das ist doch immer so. Bleibt nur zu hoffen, das Konzept lässt sich umsetzen, bevor das eingedrungene Wasser eine Bergung des radioaktiven Inventars unmöglich macht.

    ... Sie da verbreiten. Und so einfach. Mit so schön "schlagkräftigen" Argumenten.

    Ganz im Stil sehr einfacher Gemüter. Vielleicht argumentieren Sie mal so vor diesen Menschen mit Ihren einfachen Weisheiten:

    https://www.google.de/sea...

    Und nun erklären Sie uns doch bitte noch einmal, dass die Angst davor mit der Angst vor Dampfmaschinen gleizusetzen ist ...

  2. Sie machen Ihrem Namen alle Ehre

    8 Leserempfehlungen
  3. Die Asse zeigt, dass eine nicht rückholbare Endlagerung unter Tage die denkbar schlechteste Möglichkeit ist mit gefährlichem Müll umzugehen. Eine oberirdische oder zumindest oberflächennahe Lagerung mit Rückholmöglichkeit muss endlich öffentlich diskutiert werden!

    3 Leserempfehlungen
  4. die leicht abgegeben werden kann, weil im Ministerium eigentlich schon bekannt ist, das es nicht umsetzbar sein wird?

    Und folglich die Möglichkeit eröffnet mittendrin "mit Bedauern" auszusteigen?

    MfG KM

    Eine Leserempfehlung
  5. "Schließlich würden rund 80 Prozent der Abfälle aus Atomkraftwerken der Stromkonzerne kommen."

    Laut Wikipedia sind es 20 Prozent.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • INGHH
    • 13. September 2012 16:56 Uhr

    Haben Sie den Wikipedia-Artikel wirklich nicht gelesen, oder einfach nicht verstanden?

    In dem Wikipedia-Artikel über Asse steht, dass 20% der Abfälle direkt auf Kernkraftwerken kommen, weitere 50% aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe. Was meinen Sie denn, woher die Wiederaufbereitungsanlagen Ihre Brennstäbe herbekommen? Von Hobbysammlern, oder vielleicht doch aus Kernkraftwerken?
    Also hat man schon 70% aus Kernkraftwerken.
    Über 20% des Atommülls wird bei Wikipedia keine Aussage getätigt, es kann also gut sein, dass weitere 10% aus Atomkraftwerken kommen.

    Ich verstehe nicht, wieso für diese Kosten der Steuerzahler aufkommen soll, und nicht die großen Atomkonzerne.
    Oder können Sie mir das erzählen? Naja, wie Sie schon sagten. Ob Ahnung oder nicht - Hauptsache Italien.

  6. ..wenn die Regierung das Endlager schließt,entspricht dies den Standarts,welche für die zukünftigen Generationen eine sehr sinnvolle Maßnahme darstellt.
    Aber Hallo ...liebe Regierungsmitglieder und Manager der Atomindustrie....
    ohne kräftige Beteiligung der betreffenden Konzerne,welche jahrzehntelang die satten Gewinne aus der Kernkraft eingefahren und ...
    ...an die Aktionäre ect. ausgeschüttet haben ..
    ist gelinde gesagt überhaupt nicht akzeptabel!
    Sofort werde ich meine Abgeordnete mit dieser Problematik bombardieren!

    9 Leserempfehlungen
    • gooder
    • 13. September 2012 16:43 Uhr

    Der "Schaden" bei den Anteilseignern der Energiekonzerne,hält sich doch aber in überschaubaren Grenzen, bei RWE lag der Gewinn im ersten Quartal trotz Atomausstieg bei 2,5 Milliarden Euronen.

    4 Leserempfehlungen
    • hairy
    • 13. September 2012 16:50 Uhr

    bitte, nicht schon wieder!

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    So läuft das mit Politikern die Wähler nur brauchen um alle paar Jahre ein Kreuzchen zu machen um dann einen Freibrief für jeden Sche.ß zu haben. Da soll noch mal jemand behaupten, dass die Piraten mit ihren Beteiligungsmodellen so falsch liegen.

    Dafür hatten wir doch billigen Strom. Das war doch ein Gewinn für die Gesellschaft.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte CDU | Grüne | Peter Altmaier | SPD | Sigmar Gabriel | Bevölkerung
Service