HochfrequenzhandelRegierung schränkt Blitzgeschäfte an der Börse ein

Durch sekundenschnellen Aktienhandel können extreme Kurssprünge entstehen. Ein Gesetz schreibt nun Grenzen und stärkere Kontrollen für den Hochfrequenzhandel vor. von afp, dpa und reuters

Wertpapierhandel in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main (Archiv)

Wertpapierhandel in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main (Archiv)  |  © Thomas Lohnes/dapd

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, mit dem der besonders schnelle, computergestützte Börsenhandel eingedämmt werden soll. Der Entwurf zum sogenannten Hochfrequenzhandelsgesetz sieht dabei neue Regeln für Händler und Börsen vor, die das Risiko durch unkontrollierte, kurzfristige Kurssprünge begrenzen sollen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) sieht Deutschland dadurch in einer Vorbildfunktion bei der Regulierung der Finanzmärkte. Mit dem Gesetzentwurf übernehme Deutschland in Europa eine "Vorreiterrolle", sagte Schäuble. Damit sei man auf einem guten Weg, "Schritt um Schritt die Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen". Zudem beschleunige die deutsche Initiative die Arbeit an einer europäischen Regelung.

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Beim Hochfrequenzhandel werden Computer so programmiert, dass sie in Sekundenbruchteilen automatisch Aktien kaufen und gleich wieder verkaufen. Die Händler wollen auf diese Weise auch von minimalen Kursdifferenzen profitieren. Dieses Verfahren birgt nicht nur das Risiko extremer Kursschwankungen, sondern ist auch anfällig für Missbrauch.

Vorgesehen sind darum schärfere Vorschriften und stärkere Kontrollen. Aktienhändler müssen künftig eine Zulassung für den Hochfrequenzhandel vorweisen. Um diese zu erhalten, müssen sie die Algorithmen ihrer Software offenlegen und erläutern, wie sie das Programm testen und warten. Handelsanfragen, die auf Algorithmen basieren, müssen zudem künftig gekennzeichnet werden.

Handel kann bei Auffälligkeiten ausgesetzt werden

Auch Kursmanipulationen durch vorgetäuschte Aktiengeschäfte will das Finanzministerium mit dem neuen Gesetz eindämmen. Die Börsen müssen Regeln erstellen, nach denen bei auffälligen Kursschwankungen der Handel kurzzeitig ausgesetzt werden kann. Zudem sollen sie Gebühren festlegen, wenn ein Händler unverhältnismäßig oft Orders storniert.

Das Hochfrequenzhandelsgesetz sei "ein weiterer Baustein im neuen Ordnungsrahmen der Finanzmärkte", das Regelwerk mache das Finanzsystem "krisenfester", teilte das Finanzministerium mit. In Deutschland macht der Hochfrequenzhandel laut Schätzungen mehr als 40 Prozent des gesamten Handelsvolumens aus.

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Leserkommentare
  1. Man könnte der ganzen Sache wesentliche Brisanz entziehen, wenn die Aktien für einen bestimmten Zeitraum gehalten werden müssen und Kurse auch für einen längeren Zeitraum feststehen würden (zB Tageskurs).

    5 Leserempfehlungen
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    • Slater
    • 26. September 2012 13:26 Uhr

    was ist schon ein Tageskurs, für wen gilt der, doch wohl für Menschen?
    wenn Sie einen bestimmten Preis bezahlen wollen, obwohl eine Aktie inzwischen billiger zu haben ist, dann bitte,

    falls andere nur für höheren Preis verkaufen wollen dann können sie lange warten,
    bei Verkauf entsprechend

    innerhalb eines Tages kann viel passieren, einzelne Nachrichten Aktien teurer oder billiger werden lassen,
    warum sollte man die Preise künstlich festsetzen?

    zwei Menschen können auch unabhängig von der Börse mit deutscher Sprache ein Gespräch beginnen und gegebenenfalls einen Vertrag/ eine Quittung aufsetzen und so handeln,
    oder ist das außerhalb von Börsen für die gelisteten Aktien verboten/ sollte es so sein?

    den Markt direkt einzuschränken halte ich nicht für sinnvoll,
    Preise sind frei, und wenn der Brötchen-Verkäufer bei Andrang durch lokales Fussballspiel seine Preise um 50% erhöht, passiert das auch genau zu einem beliebigen Zeitpunkt, in Echtzeit eben!

    nachts gibts keine Kurse, dann wird aber auch nicht gehandelt,
    Order für den Tag sind nicht gerade sicher im Kurs im Voraus,

    Hochfrequenzhandel durch gewisse Gebühren + auf Gewinn die hoffentlich üblichen mindestens 25% Ertragssteuern auszubremsen, das ist aber ein effektiver Weg,
    um den unfaieren Vorteil gegenüber manuellen Aktionen auszugleichen

    • zozo
    • 26. September 2012 14:33 Uhr

    zu einfach. Mit so-was würden Bürokraten und Kasinospieler ihre Arbeit verlieren.

    und wenn "Reform" dann geht das nur international oder doch
    zumindest europaweit.
    Nun will man es als Erfolg verkaufen wenn eine "Haltefrist"
    von 30 SEKUNDEN erreicht wird. Mit Banken und Versicherungen habe ich grundsaetzlich sehr wenig Mitleid.

  2. Die Überschrift ist insofern falsch, als dass nur ein Kabinettsbeschluß vorliegt.

    Was dann umgesetzt wird, kann in der Zwischenzeit zum Gegenteil mutiert sein.

    5 Leserempfehlungen
  3. Wenigstens der Referentenentwurf hatte nur sehr schwache Eingriffe in den Hochfrequenzhandel vorgenommen, daran scheint sich seitdem nichts wesentliches geändert zu haben.

    Eine Leserempfehlung
  4. Prof. Dr. Harald Lesch - Die Börse braucht eine Geschwindigkeitsbegrenzung

    http://goo.gl/sp5zc

    6 Leserempfehlungen
  5. Aktien sind Teilhaberscheine an Unternehmen. Warum der Wert dieser Unternehmen überhaupt in Sekundenbruchteilen gerastert wird, erschließt sich mir nicht.
    Man könnte den Hochfrequenzhandel als spezielle Form von Insider-Geschäften komplett verbieten; denn ein Normalanleger kann an diese Informationen in Echtzeit gar nicht kommen.

    Die Idee von Tageskursen bei Aktien, ähnlich wie bei Anleihen, ist kein schlechter Ansatz. Damit hätte man diese parasitären Händler mit einem Schlag vom Parkett.
    Dies wird aber die Investment Lobby, die der Politik irgendeinen skurillen Sinn für diesen Handel erklären können, zu verhindern wissen, und sei es nur, indem man den maßgeblichen Politikern lukrative Posten nach der politischen Karriere in Aussicht stellt!!

    10 Leserempfehlungen
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    • Slater
    • 26. September 2012 13:44 Uhr

    zusätzlich zu meinem Kommentar Nr. 6 nochmal ganz pauschal gefragt, ich kann und will leider das Video nicht anschauen:
    was ist konkret der Nachteil von Hochfrequenzhandel?

    sollen doch Aktienkurse durch die Decke gehen oder ins Bodenlose fallen, wer hat davon konkret einen Vor- oder Nachteil?
    wenn billig, kann man doch super nachkaufen, bald erholt es sich sicher, verkaufen muss man ja nicht gerade,
    wenn teuer, kann man super verkaufen, kaufen muss man ja nicht gerade,

    Aktien sind keine Firmenkredite, keine guten Sicherheiten, keine konstanten Gehaltszahlungen, niemand sollte von deren Schwankungen allzu sehr abhängen, auch nicht Zuckerberg bei Facebook,
    Kurse schwanken auch so kräftig, auch so langfristig ohne genaue wissenschaftliche Erklärung,
    solange es Dividende gibt oder in Aussicht ist der Kurs mit dem 20fachen eh ziemlich festgesetzt,
    wenn es keine Dividende gibt oder die mal geändert wird oder Firmengewinne/ Aussichten Kapriolen spielen geht auch der Kurs querbeet,

    was genau macht Hochfrequenzhandel dabei zerstörerisches?
    ist es allein der 'Neid' auf besseren Handel, das Herauskitzeln minimaler Gewinne?
    sollte man genauso Börsenfuchse mit ganztäglicher Sicht auf die Kurse verbieten, anschaulich etwa Ebay-letzte Sekunde-Buyer?

    wer seine Aktien einmal kauft und Jahre hält, den interessiert das doch alles nicht,
    wer mehr Zeit und Aufmerksamkeit investiert, tut das freiwillig und sollte mit den Mitbewerbern leben

    • Slater
    • 26. September 2012 13:26 Uhr

    was ist schon ein Tageskurs, für wen gilt der, doch wohl für Menschen?
    wenn Sie einen bestimmten Preis bezahlen wollen, obwohl eine Aktie inzwischen billiger zu haben ist, dann bitte,

    falls andere nur für höheren Preis verkaufen wollen dann können sie lange warten,
    bei Verkauf entsprechend

    innerhalb eines Tages kann viel passieren, einzelne Nachrichten Aktien teurer oder billiger werden lassen,
    warum sollte man die Preise künstlich festsetzen?

    zwei Menschen können auch unabhängig von der Börse mit deutscher Sprache ein Gespräch beginnen und gegebenenfalls einen Vertrag/ eine Quittung aufsetzen und so handeln,
    oder ist das außerhalb von Börsen für die gelisteten Aktien verboten/ sollte es so sein?

    den Markt direkt einzuschränken halte ich nicht für sinnvoll,
    Preise sind frei, und wenn der Brötchen-Verkäufer bei Andrang durch lokales Fussballspiel seine Preise um 50% erhöht, passiert das auch genau zu einem beliebigen Zeitpunkt, in Echtzeit eben!

    nachts gibts keine Kurse, dann wird aber auch nicht gehandelt,
    Order für den Tag sind nicht gerade sicher im Kurs im Voraus,

    Hochfrequenzhandel durch gewisse Gebühren + auf Gewinn die hoffentlich üblichen mindestens 25% Ertragssteuern auszubremsen, das ist aber ein effektiver Weg,
    um den unfaieren Vorteil gegenüber manuellen Aktionen auszugleichen

    2 Leserempfehlungen
  6. .
    Politiker wollen etwas regulieren, dass sie nicht ansatzweise verstehen.

    Die Maßnahmen:

    1.Zulassung für Händler.
    2.Offenlegung der Algorithmen.
    3.Aussetzung des Handels.

    Wer soll diese Zulassung vornehmen und was sind mögliche Ausschlusskriterien?

    Die Algorithmen sind belanglos; es ist die immer gleiche Zielsetzung, die verboten werden muss!

    Die Aussetzung des Handels wird von analogen Menschen mit welcher Qualifikation und fragwürdiger Intention vorgenommen. Während eines Augenzwinkerns dieser ”Kontrolleure" werden Billionen Trades abgewickelt.

    Dummer, blinder Politaktionismus.

    4 Leserempfehlungen
    • Slater
    • 26. September 2012 13:44 Uhr

    zusätzlich zu meinem Kommentar Nr. 6 nochmal ganz pauschal gefragt, ich kann und will leider das Video nicht anschauen:
    was ist konkret der Nachteil von Hochfrequenzhandel?

    sollen doch Aktienkurse durch die Decke gehen oder ins Bodenlose fallen, wer hat davon konkret einen Vor- oder Nachteil?
    wenn billig, kann man doch super nachkaufen, bald erholt es sich sicher, verkaufen muss man ja nicht gerade,
    wenn teuer, kann man super verkaufen, kaufen muss man ja nicht gerade,

    Aktien sind keine Firmenkredite, keine guten Sicherheiten, keine konstanten Gehaltszahlungen, niemand sollte von deren Schwankungen allzu sehr abhängen, auch nicht Zuckerberg bei Facebook,
    Kurse schwanken auch so kräftig, auch so langfristig ohne genaue wissenschaftliche Erklärung,
    solange es Dividende gibt oder in Aussicht ist der Kurs mit dem 20fachen eh ziemlich festgesetzt,
    wenn es keine Dividende gibt oder die mal geändert wird oder Firmengewinne/ Aussichten Kapriolen spielen geht auch der Kurs querbeet,

    was genau macht Hochfrequenzhandel dabei zerstörerisches?
    ist es allein der 'Neid' auf besseren Handel, das Herauskitzeln minimaler Gewinne?
    sollte man genauso Börsenfuchse mit ganztäglicher Sicht auf die Kurse verbieten, anschaulich etwa Ebay-letzte Sekunde-Buyer?

    wer seine Aktien einmal kauft und Jahre hält, den interessiert das doch alles nicht,
    wer mehr Zeit und Aufmerksamkeit investiert, tut das freiwillig und sollte mit den Mitbewerbern leben

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    • Klüger
    • 28. September 2012 15:02 Uhr

    Oder wie soll man das verstehen: Wer hat davon konkret einen Nachteil?

    Die Gewinne, die aus diesem Hochfrequenzhandel fliessen, haben doch mit der Realwirtschaft nichts zu tun. Das geben Sie ja auch selbst zu.

    Aber die Gewinne stellen ja im Gesamtkreislauf echtes Geld her.

    Dafür will man ja den Gegenwert irgendwann auch haben und bekommt ihn auch. Man kauft z. B. echte Werte auf wie Fabriken, Immobilie, Gold etc.

    Aber der Gegenwert für das Geld beruht nur darauf, dass irgendjemand irgendwann den Mehrwert schafft.

    Und da haben Sie auch die Antwort auf Ihre Frage: Durch das blitzschnelle Hin- und Herverkaufen einer Aktie, ohne das sich der Mehrwert geändert hat, sondern nur der Preis, wird Geld aus dem Nichts geschöpft.

    Und das ist für niemanden gut - die Geldmenge übersteigt die Summe der Realwerte inkl. Produktionskaüazitäten bei Weitem.

    Das es nebenbei zu ganz anderen wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen kommt, wenn mit diesem Nicht-Geld alle echten Werte in wenigen Händen enden, sollte uns ebenfalls zu denken geben.

    Mit anderen Worten: Der Hochfrequenzhandel schadet allen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa
  • Schlagworte Wolfgang Schäuble | Bundesregierung | CDU | Finanzministerium | Aktie | Börse
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