Studie zur Lebenserwartung : Arm, einsam, gestresst – und früher tot

Die Höhe des Einkommens beeinflusst, wie lange wir leben. Aber auch Freundeskreis und psychischer Stress spielen eine Rolle, zeigt eine Studie.
Manfred Birk aus Wuppertal klagt über gestiegene Mieten und Fixkosten, die seine Rente auffressen (Archiv). © Victoria Bonn-Meuser/dpa

Wer 65 Jahre alt ist und aus einem wohlhabenden Haushalt stammt, lebt im Durchschnitt länger als Menschen im gleichen Alter mit niedrigerem Einkommen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ( DIW ) und des Robert-Koch-Instituts (RKI), die ZEIT ONLINE in Auszügen vorliegt. Männer aus ärmeren Haushalten und mit unsicherem Einkommen leben demnach fünf Jahre kürzer als Besserverdiener . Bei Frauen beträgt die Differenz immerhin dreieinhalb Jahre.

Der Befund, dass Arme früher sterben, ist zwar nicht grundsätzlich neu. Die Wissenschaftler dokumentieren jedoch zum ersten Mal, welche Faktoren die Lebenserwartung beeinflussen können.

Das Einkommen ist nämlich nur ein Einfluss von vielen. Die DIW-Forscher zeigen sogar, dass das Argument "Wer viel verdient, kann sich eine bessere Gesundheitsversorgung leisten"" so pauschal nicht gilt. Genauso entscheidend sind auch die physische und psychische Belastung und das soziale Netzwerk eines Menschen.

Für die Untersuchung hat das Forscherteam erstmals Daten des sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Dabei handelt es sich um die umfangreichste Sammlung von Langzeitdaten für Deutschland. Rund 20.000 Menschen werden seit Jahren regelmäßig über ihre Lebensgewohnheiten und Einkommenssituation befragt. Vergleichbare Studien bezogen sich bisher in der Regel nur auf Zahlen der Rentenversicherer. Diese aber erheben etwa keine Daten über Bildung, Demographie und Freizeitspaß.

Psychischer Stress mindert Lebenserwartung

Die Daten legten die Interpretation nahe, dass die geringe Lebenserwartung von Frauen mit geringem Einkommen "zum Teil mit psychischer Belastung wegen finanzieller Knappheit" einhergingen, sagt Martin Kroh, einer der DIW-Forscher. Ein anderer Grund sei ein "schwächeres soziales Netzwerk", über das viele dieser Frauen verfügten. Bei Männern hingegen spiele in der statistischen Betrachtung eher eine niedrige Bildung eine Rolle. Auch ein körperlich belastendes Arbeitsleben könne die Lebenserwartung verringern, sagt Kroh.

Das Forscherteam kann etwa zeigen, dass 65-jährige Frauen, die wenig Kontakt zu Freunden und Nachbarn pflegen und selten kulturelle Veranstaltungen besuchen, zumindest in der Statistik eine geringere Lebenserwartung als Gleichaltrige haben, die stärker sozial vernetzt sind.

Bei Männern mit geringem Einkommen beeinflussen sowohl Bildung als auch das Arbeitsleben die Lebenserwartung: Männer, die keinen oder nur einen Haupt- oder Realschulabschluss haben, leben im Schnitt kürzer als Männer mit Abitur oder Studium. Das gilt auch für Männer, die einen körperlich anstrengenden Beruf erlernt haben.

Die Wissenschaftler leiten aus ihren Ergebnissen politische Empfehlungen ab. Gerade die betriebliche Gesundheitsförderung solle unter anderem durch Aufklärungskampagnen ausgebaut werden. So könnten gerade weniger gebildete Menschen für ihre Gesundheit sensibilisiert werden.

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Kommentare

86 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Ursachen

... mir fehlen in diesem Artikel Erklärungsversuche. Viel zu pauschal. Ich denke, mit ein großer Faktor ist die Ernährung, und die muss bei Menschen mit wenig Geld nicht zwingend "ungesünder" sein. Ich würde eher vermuten, dass ungesunde Komponenten der Tradition/Vorurteile wegen stark im Vordergrund stehen, dazu gehört für mich vor allem Fleisch. Und dessen unbestritten negative Wirkung auf den Körper, vor allem wenn mehrfach täglich in Form vom Billigfleisch aus der Massentierhaltung genossen. Wenn die Menschen endlich verstehen würden, dass sie sich damit nichts gutes tun, dass es ebenso günstigere pflanzliche Alternativen gebe, wäre so manches Leben länger, nicht nur das von Armen.

Gesundes Essen = langes Leben stimmt eben nicht

Es gibt eben eine große psyschiche Komponente, die mehr mit Wohlfühlen und Akzeptiertsein zu tun hat, als alle äußeren Faktoren.
Sport und gesundes Essen helfen nicht, wenn man permanent gemobbt wird oder Liebeskummer hat oder sehr viel Stress, das sind auch wesentliche Faktoren.
Darauf sollte man viel stärker achten. In einer "freundlichen Gesellschaft" lebt man länger.

Messias

Wie Sie sich gleich angegriffen fühlen! Aber genauso wie Rauchen meist mit eher niedrigem Bildungsabschluss korreliert, gibt es Studien, dass Vegetarier eher intelligenter sind als der Schnitt. Intelligente Menschen stehen eben eher kopfschüttelnd daneben, wie sich andere Billig-Gammelfleisch mit Antibiotikawürze in den Schlund stopfen und sich dabei die Gesundheit ruinieren. Das hat mit Messias nichts zu tun. Es ist einfach Ekel. Und der gesunde Menschenverstand sollte sich da einfach melden, so man ihn denn hat.

Da gibt es dann noch eine andere Alternative...

Hier und da (oder häufiger, jedem das seine) gutes Fleisch vom Metzger oder direkt vom Hof... Billig-Gammelfleisch muß nicht zwingend sein, auch wenn es ggf. einen finanziellen Aspekt gibt. Bezüglich Ihrer "Studien" das Vegetarier angeblich intelligenter sein sollen Was für Studien? Woran gemessen? IQ Test, Berufsbild, höchster Abschluß, Umfragen in der Innenstadt, Telephon- und/oder Onlineumfragen?!? Zum Glück muß sich nicht jeder seinen persönlichen Lebensstil schönreden (lassen)...

Antibiotika genießen?

Schauen Sie sich bitte auch das Bild an, wie die Tiere für den "Genuss" geschunden werden:

http://www.welt.de/gesund...

BSR, Rinderwahn und -seuche, Vogelgrippe, Schweinegrippe, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, EHEC

Tiere sind Lebewesen und nicht für die totale Ausbeutung gedacht. Aber es ist Gewohnheit und Tradition, allerdings aus einer Zeit, in der die Ausbeute noch nicht so brutal wie möglich war und Fleisch noch nicht in Massen gefressen wurde.

Lieber Bio-Fleisch essen und vor allem wenig. Dann lebt man auch länger und ohne Antibiotika-Resistenzen.

http://www.welt.de/gesund...

@Guy of Guisborne

Lassen wir mal die Missionierungsversuche beiseite, dann ist man sich trotzdem weitestgehend darüber einig, dass übermäßiger Fleischkonsum lebensverkürzend, da u.a. krebsverursachend ist. Das wird Ihnen jeder Wissenschaftler blind unterschreiben.

Und was Ihre Sizialaner betrifft, die mediterane Kost ist fleischarm. Man kann also getrost davon ausgehen, dass Vegetarier eine längere Lebenserwartung haben als Fleischesser. Zuminest als die, die täglich Fleisch essen.

Statistiken

verführen viele Leute dazu, den Einfluß, den sie auf ihr Leben haben, zu überschätzen. Es gibt Nichtraucher, die an Lungenkrebs sterben. Oder hier:

Kleines Lied

1
Es war einmal ein Mann
Der fing das Trinken an
Mit achtzehn Jahren und -
Daran ging er zugrund.
Er starb mit achtzig Jahr
Woran, ist sonnenklar.

2
Es war einmal ein Kind
Das starb viel zu geschwind
Mit einem Jahr und -
Daran ging es zugrund.
Nie trank es: das ist klar
Und starb mit einem Jahr.

3
Daraus erkennt ihr wohl
Wie harmlos Alkohol...

Bertolt Brecht

Weia !

Also sind Nichtraucher und/oder Veganer intelligenter als der rauchende Currywurstesser ? Ich glaube kaum, dass dies auf empirischen Daten beruht !
Aber egal, ich habe ja schon so etwas erwartet, deswegen bin ich auch nicht beleidigt. Wenn sie kein Fleisch essen, bleibt für mich mehr übrig. Sie können sich weiter mit genbehandelten Sojafleischersatzstoffen traktieren, das ist viel besser als das "Gammelfleisch" von Lidl!

Das stimmt!

Die psychische Komponente hat einen viel höheren Einfluss, wenn nicht sogar den größten als viele Menschen glauben. Menschen, die Arbeit und einigermaßen Geld haben, können sich in ihren kreativsten Fantasien nicht ausmalen geschweige denn einfühlen wie es ist, wenn man keine Arbeit hat und von 400 Euro lebt. Das ist so demütigend und macht so depressiv, dass man automatisch Magenschmerzen und Schlafstörungen bekommt. Die psychosomatischen Störungen sind häufiger als Ihr alle denkt! Stress macht krank!!! Keine Arbeit, kein Geld und keine Sozialkontakte SIND STRESS.

Madame ist ein Mann

Das nur nebenbei bemerkt. Aber um das Korinthenkacken und Erbsenzählen nicht auf die Spitze zu treiben, noch einmal die genaue Beschreibung von Mediteraner Kost:

http://de.wikipedia.org/w...

Mediterane Kost gilt als fleischarm, nicht als vegetarisch oder gar vegan. Wobei es natürlich regionale Unterschiede gibt. Man frisst halt nur nicht morgens, mittags und abends Fleisch in allen Variationen in sich hinein.

Was der Pizzabäcker um die Ecke macht, hat wenig mit mediteraner Kost zu tun, sondern ist an deutsche Gaumen angepasstes Futter. Gilt übrigens auch für Chinesen. Wenn Sie mal in einem Chinatown waren, fragen Sie sich, was man Ihnen hier zum Fraß vorwirft. Und Gerüchten zufolge soll Griechisches Essen in Deutschland besser schmecken als in Griechenland selbst.

Nicht alles, was Ihnen hier unter dem Deckmantel landestypischer Kost angedeiht wird, ist auch das, was man in der jeweiligen Heimat isst.

Und um mich des Verdachts des Missionierens zu entledigen, ich propagiere gar keine vegetarische oder gar vegane Kost. Ich empfehle nur, öfters mal auf Fleisch zu verzichten. Unsere Vorfahren hatten jedenfalls nicht die Gelegenheit, täglich Fleisch zu essen und vieles spricht dafür, dass mäßiger Fleischkonsom sich positiv auf unsere Gesundheit auswirkt als täglicher Fleischkonsom. Über den totalen Verzicht scheiden sich bekanntlich die Geister. Aber schaden tut er sicher nicht.

Soja für Vier- oder Zweibeiner ?

Was Sie glauben tut wenig zur Sache, da es empirisch belegt ist. Das Soja lassen wir mal lieber den Tieren die Sie auf dem Teller haben müssen, es ist vergiftet und dafür wird großflächig der Regenwald abgeholzt, Kleinbauern werden vertrieben. Und das alles weil die Fleischgier der westlichen Länder längst die Futtermittel nicht mehr im eigenen Land stellen kann. Es sollte sogar Ihnen einleuchten, dass eine Kuh im Laufe Ihres Lebens ein Tausendfaches an Soja benötigt, als es jeder VegetarVeganer je essen könnte und wollte und die Manipulationen am Soja einzig aus dieser Quelle stammen Im übrigen zeigt diese Einfallslosigkeit einmal mehr, wie wenig Fleischfresser über alternative Ernährung wissen, die Paralelle zu Soja ist die einzige, die Ihnen einfällt.
Vielleicht verstehen Sie jetzt noch besser warum ich das Wort Ekel in Verbindung mit Fleisch anbringe. Aber trotzen Sie ruhig dagegen. Es nützt nichts. Die Fakten stimmen.

@ Guy of Gisborne

ist tatsächlich so. Allerdings wird man nicht intelligenter wenn man nicht raucht oder kein Fleisch isst. Man raucht nicht und isst kein Fleisch, weil man intelligenter ist.

Statistiken habe ich jetzt keine parat, aber ich kann Ihnen sagen, dass auf meinem Auswahlseminar für ein Stipendium für Hochbegabte ein verhältnismäßig hoher Anteil an Vegetariern und Veganern zu verzeichnen war. Wesentlich höher, als zum Beispiel in meinem Sportverein, oder dem Musikzug.

Das "Leben" ist prinzipiell ungerecht.

Eine Erkenntnis die keiner wissenschaftlichen Beweisführung bedarf, denn vor dieser "Ungerechtigkeit" schützt uns niemand.

Neulich las ich einen Satz in einem Buch von bei Peter Bieri:
"Der wirkliche Regisseur unseres Lebens ist der Zufall".

Mit dem müssen wir lernen umzugehen, denke ich, und das ist ein moralisch wertvolles soziales Netzwerk hilfreich, und das erfordert eine ganz andere Art von Bildung.

Wer den Fehler findet, der darf ihn behalten...

"Der wirkliche Regisseur unseres Lebens ist der Zufall".

Erkennen Sie nicht den Widersinn des Titels?

Ich erinnere mich noch gut an eine Tiersendung "der neuen Art" vor mehr als 10 Jahren. Im Minutentakt jagten Geparden Gazellen, Löwen Zebras und Krokodile Gnus. Inklusive jeden Details. Da lag dann auch mal ein Elefant mit gebrochenen Bein am Boden.

Text dazu: "Die Natur ist nicht gütig und mitfühlend. Die Natur ist nicht böse. Man darf der Natur keine keine menschlichen Gefühle unterstellen. Die Natur vollkommen gleichgültig dem Schicksal des Einzelnen gegenüber"

Wo entdecken Sie denn einen Widersinn?

Ausserdem war mein Kommentar eine Antwort auf
Kommentar #2
Arm, einsam, gestresst – und früher tot

ungerechter geht es ja kaum noch.., dem ich ja beipflichte.

Es ist doch immer wieder überraschend wie unterschiedlich Menschen etwas auffassen.

Das Leben und seine Geschehnisse basieren auf Willkür und Zufall. Wem was widerfährt steht nicht am Himmel geschrieben, der-oder diejenige trägt auch keine unmittelbare Schuld daran, ob er besipielsweise Glück oder Pech hat, gesund und oder krank ist, in Honululu, Indien oder In Deutschland geboren wird, zur Universität oder eine Hauptschulbildung absolvieren kann. Das alles basiert auf Zufall.

Insofern behandelt das Leben jedermann ungerecht. Welchem anderen Umstand verdanken Sie denn, dass Sie so scheinbar "gescheit" über die Natur philosphieren?

In meinen Augen stellen Ihre Ausführungen keine allzu suberversive Erkenntnisse dar.
Bischen tiefer nachdenken, bitte.

Der Mechanismus des Willens

Heute besitzt der Mensch keinen freien Willen. Er folgt lediglich mit seinen Entscheidungen dem Mechanismus / Regeln der Wertschöpfung.

Hätte der Mensch einen freien Willen, würde er keine Schlösser mit 1000 Zimmern für einen einzigen König bauen. Das MUSS DES GELD VERDIENENS, also des DIENENS und des VERDINGENS, ist kein freier Wille. Egal wie viele Studien von Gelehrten diese Tatsache zu widerlegen versuchen.

Der Mensch beschäftigt bis heute mit Auswirkungsbekämpfung ohne jemals auch nur ein einziges Mal an der Ursache von Elend und Armut gekratzt zu haben.

Die höchste Priorität besteht darin Armut erträglich zu machen. Wer Armut abschaffen will, gilt als vom Teufel geritten. Daher befinden wir uns immer noch in einer tiefen religiösen Phase, die wir lediglich dem Islam zuschreiben.

Allerdings.

Insbesondere dieser Absatz hier:

"Bei Männern mit geringem Einkommen beeinflussen sowohl Bildung als auch das Arbeitsleben die Lebenserwartung: Männer, die keinen oder nur einen Haupt- oder Realschulabschluss haben, leben im Schnitt kürzer als Männer mit Abitur oder Studium. Das gilt auch für Männer, die einen körperlich anstrengenden Beruf erlernt haben."

ist DAS Bilderbuchbeispiel für Scheinkorrelation. Wie in zigtausend Studien bereits untersucht wurde, steht allein schon gesunde Ernährung und Bewegung in starken Zusammenhang mit dem Bildungsniveau.
Ein vitaler Mensch, der leider das Pech hatte, nur die Hauptschule zu besuchen würde also aus dem Raster fallen.