RüstungsindustrieBundesregierung hat Vorbehalte gegen EADS-Fusion

Die Bundesregierung fürchtet um ihren Einfluss beim geplanten Großkonzern aus EADS und BAE. Sie will die Fusion zum größten Rüstungsunternehmen der Welt prüfen lassen. von dpa und reuters

Die Bundesregierung will die geplante Fusion des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS und des britischen BAE Systems prüfen. Das bestätigte Bundeskanzlerin Angela Merkel . Die Regierung habe erhebliche Vorbehalte gegen das Vorhaben. "Es ist fraglich, ob der Konstruktionsvorschlag überhaupt zustimmungsfähig ist", hieß es aus Regierungskreisen in Berlin . Die Bundesregierung werde sich eng mit der französischen Regierung abstimmen.

Es wird befürchtet, dass der deutsche Einfluss in einem neuen Großkonzern deutlich sinken könnte. Auch die geplante Ausgabe von Sonderaktien für die Regierungen der beteiligten Länder wird kritisiert. "Neben der europarechtlichen Frage der Zulässigkeit ist es die Frage, welchen Wert eine solche Ausgestaltung überhaupt hat", hieß es.

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Statt des bestehenden Aktionärspaktes bei EADS sei im Fall der Übernahme geplant, dass die französische, deutsche und britische Regierung Sonderaktien erhalten, teilte EADS nach den Fusionsgesprächen am Mittwoch mit. Damit sollen die Interessen der Länder gewahrt bleiben und feindliche Übernahmen im sensiblen Rüstungsbereich zu verhindern sein, hieß es dazu aus dem Verhandlungsumfeld.

FDP kritisiert die Fusionspläne

Der europäische Konzern EADS und das britische Unternehmen BAE Systems hatten am Mittwoch bekanntgegeben, über eine Fusion zu verhandeln. Die Airbus-Mutter EADS soll demnach an dem künftigen Konzern 60 Prozent der Anteile halten, BAE 40 Prozent. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und deutlich größer als US-Konkurrent Boeing .

Die FDP kritisiert den geplanten Zusammenschluss. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion , Martin Lindner, befürchtet, dass unter einer Fusion der Standort Deutschland insbesondere in der Rüstungssparte leiden könnte. "Ich hoffe nicht, dass das zulasten der deutschen wehrtechnischen Industrie geht", sagte er.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion , Wolfgang Tiefensee , hingegen wertete das Vorhaben im Grundsatz positiv. "Ich verspreche mir davon, dass das dem gegenseitigen Nutzen und auch der Sicherung der Arbeitsplätze dient", sagte der frühere Bundesverkehrsminister. Es sei aber wichtig, dass Deutschland und Frankreich weiterhin Einfluss auf das fusionierte Unternehmen haben, fügte er hinzu.

EADS-Aktien verlieren an Wert

Die Börse reagierte negativ auf die Fusionspläne. Der EADS-Aktienkurs rutschte an der Pariser Börse um mehr als sieben Prozent ab. An der Börse in London sank der Kurs der BAE-Aktie um rund sechs Prozent. Die US-Bank Citigroup hatte zuvor ihre Bewertung von EADS-Aktien herabgesetzt.

Einer Fusion müssten mehrere Regierungs- und Wettbewerbsbehörden zustimmen. Wahrscheinlich ist, dass EADS und BAE dafür einen Teil ihrer Aktivitäten aufgeben müssen. Bis 10. Oktober wollen die Unternehmen das Zustandekommen oder Scheitern des Geschäfts verkünden.

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Leserkommentare
  1. denn praktisch würde Deutschland damit endgültig marginalisiert, und einen Stellenwert erhalten, wie heute Spanien. Die Zentren würden ausschließlich in Frankreich und England liegen. Bereits jetzt unter Enders wird die EADS-Zentrale ganz nach Frankreich verlegt. Der deutsche Einfluss wird schrittweise zurückgedrängt.

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    Aktien kaufen.
    Es steht der Bundesregierung frei Aktien an EADS und BAe zu erwerben, beide sind börsenotiert

  2. Aktien kaufen.
    Es steht der Bundesregierung frei Aktien an EADS und BAe zu erwerben, beide sind börsenotiert

    • jkochtr
    • 13. September 2012 20:52 Uhr

    Wir sollten doch europäisch denken und nationaldeutsche Mimosenhaftigkeiten hinter uns lassen. Im europäischen Interesse ist es nur nützlich, die britische Rüstungsindustrie an Europa zu binden und die Leitung zentral in Frankreich zu konzentrieren, wo doch schon jetzt eine Konzentration in Toulouse stattfindet und die verstreuten deutschen Standorte das sind, was sie jetzt eben geworden sind: Provinzielle Nebenstandorte

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    kann man genauso auf die Franzosen übertragen. Für Sie heißt "europäischen denken" wohl, dass die Deutschen immer nachgeben, und keine eigenen Interessen verteidigen sollen. Die Franzosen sehen das eben nicht so, sie handeln wie mehr nationalistisch und haben immer mehr Verantwortung an sich gerissen, ohne dass die Deutschen gehandelt haben. Das ist umso bedenklicher, dass viel Forschung und Entwicklung, die die Franzosen nutzen, ursprünglich in Deutschland entwickelt wurde. Ein "europäisches Interesse" existiert nicht.

    Ein "provinzielle Nebenstandort" ist Deutschland ganz und gar nicht.

  3. kann man genauso auf die Franzosen übertragen. Für Sie heißt "europäischen denken" wohl, dass die Deutschen immer nachgeben, und keine eigenen Interessen verteidigen sollen. Die Franzosen sehen das eben nicht so, sie handeln wie mehr nationalistisch und haben immer mehr Verantwortung an sich gerissen, ohne dass die Deutschen gehandelt haben. Das ist umso bedenklicher, dass viel Forschung und Entwicklung, die die Franzosen nutzen, ursprünglich in Deutschland entwickelt wurde. Ein "europäisches Interesse" existiert nicht.

    Ein "provinzielle Nebenstandort" ist Deutschland ganz und gar nicht.

    Antwort auf "Europäisch denken"
    • Burmuda
    • 13. September 2012 22:12 Uhr

    Da soll aus zwei Rüstungskonzernen einer werden. Dann gleich der größte der Welt. Mit noch mehr Macht gegenüber "beeinflussbaren" Politikern? Bin ich wirklich der einzige der sich darüber mehr Gedanken macht als über ein paar Arbeitsplätze und den Einfluss Deutschlands? Arbeitsplätze über alles? Über Menschenleben? Jemand zuhause?
    Rüstungskonzerne machen genau dann Gewinn, wenn sie Waffen verkaufen. Wenn keiner Waffen "verbraucht", braucht auch niemand neue Waffen kaufen - was liegt also wohl im Interesse von Rüstungskonzernen? Der Weltfrieden mit Sicherheit nicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Bundesregierung | FDP | Angela Merkel | EADS | FDP-Fraktion | SPD-Fraktion
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