Immobilienmarkt"Wohnen ist in Deutschland zu billig"

Sind die Mieten in Deutschland zu hoch? Unfug, sagt Rolf Elgeti, Chef des Immobilienkonzerns TAG im Interview. Er meint, dass sie sogar noch weiter steigen werden. von Jörg Hackhausen und Jens Hagen

Frage: Herr Elgeti, sehen Sie eine Blase am deutschen Immobilienmarkt ?

Rolf Elgeti:Alle reden darüber. Aber ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn wir über den deutschen Immobilienmarkt sprechen, sehe ich nicht einmal annähernd eine Blase. Nur in einzelnen Städten gibt es eine Überhitzung.

Frage: Wo denn?

Elgeti:In Berlin zum Beispiel. Viele ausländische Investoren drängen in den Markt. Sie setzen Berlin mit Deutschland gleich, was natürlich schlichtweg falsch ist. Aber wenn man in London oder Paris sitzt, dann weiß man das eben nicht besser. Der Berliner Markt ist in manchen Bereichen völlig verzerrt.

Frage: Ärgert Sie das?

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Elgeti: Im Gegenteil. Das ist eine fantastische Gelegenheit, um hin und wieder einzelne Mehrfamilienhäuser zu hohen Preisen zu verkaufen. Uns werden aktuell Preise geboten, die weit über dem Buchwert liegen. Es wäre sträflich, das nicht mitzunehmen.


Rolf Elgeti

wächst als Bauernsohn in Mecklenburg-Vorpommern auf. Weil ihm zwei Leistungskurse zu wenig sind, belegt er gleich fünf. Am Ende steht 1,0 als Note im Abschlusszeugnis. Das Wirtschaftsstudium schließt er nach fünf Semestern ab, nach zwei weiteren hat er den MBA in der Tasche. Mit Anfang zwanzig fängt er bei der UBS in London an, wechselt später als Analyst zur Commerzbank und zu ABN Amro. Mit 30 Jahren verwaltet er Immobilienfonds. 2009 wird er Vorstandschef bei TAG Immobilien.

Frage: Viele Privatleute sind bereit, extrem hohe Preise für Immobilien in guter Lage zu zahlen. Ein Fehler?

Elgeti: Nicht unbedingt, die Leute sind ja nicht dumm. Selbst wenn Sie einen sehr hohen Kaufpreis zahlen, kann sich das angesichts der aktuell niedrigen Zinsen rechnen. 

Frage: Geben Sie uns ein Beispiel.

Elgeti: Nehmen wir an, Sie wollen ein Haus kaufen, um es anschließend zu vermieten. Heute bekommen Sie als privater Investor mit guter Bonität einen Immobilienkredit für unter drei Prozent, auch langfristig. Selbst wenn Sie nun für ein Objekt das Zwanzigfache einer Jahresmiete zahlen müssten, dann würde sich das noch lohnen. Die Anfangsrendite läge bei fünf Prozent. Damit hätten Sie immer noch einen positiven Cashflow - kein schlechtes Geschäft.

Frage: Wenn das so ist, warum machen Sie das mit TAG nicht auch? 

Elgeti: Wenn man in den guten Lagen von Berlin und Hamburg kauft, dann macht man nichts falsch. Aber die Frage ist, ob man dort so große Steigerungen erwarten darf. An anderen Standorten gibt es einfach noch mehr für das Geld, ein besseres Verhältnis von Chance und Risiko - darauf kommt es beim Investieren an.

Frage: Von welchen Immobilien würden Sie die Finger lassen?

Elgeti: Alles was gut aussieht, was jeder haben will, ist für mich uninteressant. Ein Haus mit weißer Stuckfassade sieht schön aus, entsprechend hoch sind die Preise. Damit können Sie als Investor nicht viel gewinnen. Es gibt Objekte, die gut auf dem Foto aussehen, und es gibt die, die gut in der Gewinn-und-Verlustrechnung aussehen. 

Leserkommentare
    • -
    • 21. September 2012 11:02 Uhr

    werden die Mieten weiter steigen.
    Im internationalen Vergleich ist Deutschland immernoch sehr billig.

    Weiterhin wird die Landflucht immer weiter fortschreiten und die Single Haushalte werden auch immer mehr.

  1. Da fehlen die Steuern, Gebühren, Anliegergebühren, Reparaturen, Verwaltung, ...

    Herr Elgeti will doch nur seine Aktien hochreden.

    • Wombel
    • 21. September 2012 11:15 Uhr

    steigen auch die Erstellungskosten was natürlich auch den Mietzins treibt.Gleichzeitig müssen durch den Gesetzgeber gestiegene Risikoübernahmen eingepreist werden.

    • ST_T
    • 21. September 2012 11:15 Uhr

    "Die Preise werden von Leuten getrieben, die nur teilweise professionell agieren, um es mal vorsichtig auszudrücken. Dadurch ergeben sich Gelegenheiten, die wir Profis ausnutzen können."

    "Sie sind ein Quereinsteiger in der Branche. Bevor Sie vor drei Jahren Chef von TAG Immobilien wurden, waren Sie Aktienanalyst in London. Woher kommt das Fachwissen?"

    Soso, er hat also Ahnung. Selbst wenn ich zynisch behaupte, dass der Mann nur von seinem Metier (Spekulantentum) Ahnung hat, so sagt er doch genau das, was wir erwarten würden.

    An folgender Stelle wird das eigentliche Problem noch deutlicher:

    "Die Mieten sind sowohl im Vergleich zu den Baukosten zu niedrig als auch im Vergleich zu den Einkommen. Da kann sich niemand ernsthaft beschweren."

    Die Mieten sind zu hoch für Leute die viel zu wenig haben und dieser Anteil an Menschen in Deutschland steigt. Es gibt teilweise Menschen die mit Vollzeitjob weder Strom noch Gas dauerhaft bezahlen können. Die steigenden Mieten unterstützen dieses Phänomen noch weiter.

    Übrigens ist es fast schon absurd, wenn z.B. die Mieten in anderen Ländern nur halb so teuer sind wie in Deutschland und das innerhalb der EU.
    Da von zu niedrigen Preisen zu sprechen...

    Aber was will man schon von der Meinung eines Zockers halten?

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    Da muss man doch auch die unterschiedlichen Einkommen und andere Faktoren, wie z.B die Preise für Lebensmittel, vergleichen.

    • GDH
    • 21. September 2012 13:51 Uhr

    "Die Mieten sind zu hoch für Leute die viel zu wenig haben und dieser Anteil an Menschen in Deutschland steigt. Es gibt teilweise Menschen die mit Vollzeitjob weder Strom noch Gas dauerhaft bezahlen können. Die steigenden Mieten unterstützen dieses Phänomen noch weiter."

    Aus dieser Beobachtung lassen sich verschiedene Schlussfolgerungen ziehen. Anstatt die Wohnkosten künstlich zu drücken (wird auch bei der Energie oft gefordert), könnte man auch auf die Einkommensverteilung einwirken. Das hätte den Vorteil, dass damit keine Verzerrungen einhergehen.

    Tatsächlich hat die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zugenommen (sie liegt auch über dem europäischen Durchscnitt). Da es damit wohl auf Dauer nicht weitergehen kann, liegt schon nahe, dass Wohnen in Zukunft eher teurer als günstiger wird.

    Das in Deutschland gezahlte Wohngeld bietet übrigens totale Fehlanreize hinsichtlich des sparsamen Umgangs mit Wohnfläche. Wer seinen Flächenbedarf verringert, darf von der Einsparung garnichts behalten (wer hingegen seinen Nahrungs- oder Fahrkartenverbrauch reduziert, kann sich von dem Geld was anderes kaufen). Der Wohnraumsparende Gründen einer WG wird Singles, die Sozialleistungen beziehen, übrigens sogar extra erschwert (wegen Bedarfsgemeinschaft werden Mittel gekürzt usw.).

    • zelotti
    • 21. September 2012 11:16 Uhr

    Die Mieten sind zu hoch. Wir brauchen wieder mehr genossenschaftlichen Wohnungsbau statt diese Mietknechtschaft für die Reichen.

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    • Wombel
    • 22. September 2012 6:46 Uhr

    es Schuldzinsen auf das geliehene Kapital sind, Kostet eine Wohnung in der Erstellung 100.000€ sind 5% Zinsen eine Miete von 416,67€ im Monat darauf kommen dann noch Betriebskosten und Steuern.Wäre Miete zu teuer würden sich alle Geld bei der Bank leihen und selber Bauen.

    • Rocky12
    • 21. September 2012 11:23 Uhr

    Ja, der immobilienmarkt ist schon eine fantastische Gelegenheit sich auszutoben - im Grunde das Resümee dieses Interviews. Ich als alter Mecklenburger und Landsmann von Rolf bin zutiefst über diese "arrogante" Mentalität beschämt, die in diesem Interview mitschwingt.

    • dojon
    • 21. September 2012 11:24 Uhr

    Mietsteigerungen wird es solange geben, bis Menschen darauf kommen, daß es eine sinnvollere lebensgestaltung ist, in Mecklenburg Vorpommern von Hartz IV und einem Kleingarten zu leben, als in München für einen Miethai zu malochen. Alternativ können auch Unternehmer, die Mietkosten letztendes notgedrungen in ihre Lohnangebote einpreisen müssen, abwandern.

  2. Heißt:

    Großinvestoren wie mein Arbeitgeber schöpfen von den arbeitenden Familien noch nicht genug Rendite ab. Solange der Staat nicht mit gegensteuert, werden wir da noch an der Preisschraube drehen müssen.

    Mal realistisch:
    Wer nach der Immobilien-Sause der letzten Jahre bei Miet- und Kaufobjekten wirklich meint, Deutschland könne seinen mühsam gewonnenen Standortvorteil bei den Lohnstückkosten verteidigen, wenn die Wohnungskosten gerade in den Ballungsräumen noch weiter so anziehen, hat entweder wirtschaftlich keine Ahnung - oder betreibt einfach Lobbyismus für seinen Arbeitgeber ;-)

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