François Hollande und Angela Merkel © dpa

Wirtschaftliche Schocks schwappen in der Euro-Zone so schnell wie nirgendwo sonst von einem Land auf andere über – das ist das Ergebnis einer Studie, die die US-Ökonomin Kristin Forbes auf der Notenbank-Tagung in Jackson Hole vorgestellt hat. Forbes hat die Risiken von ökonomischen Domino-Effekten in allen wichtigen Wirtschaftsräumen empirisch untersucht.

Insgesamt ist die gegenseitige Abhängigkeit zwischen verschiedenen Ländern in den vergangen 20 Jahren deutlich gewachsen und die Weltwirtschaft damit verwundbarer geworden, stellte Forbes fest. "Im Euro-Raum haben die Ansteckungsgefahren aber überproportional stark zugenommen", warnt die Professorin des Massachusetts Institute of Technology.

Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich – unter anderem die intensiven Handelsverflechtungen innerhalb des Wirtschaftsraums und das starke Wachstum der grenzüberschreitend tätigen Großbanken. Aber auch der Verlust einer eigenständigen Geldpolitik in den einzelnen Euro-Ländern trägt zur Ansteckungsgefahr bei.

Die Ergebnisse der Studie sind vor allem mit Blick auf die Diskussionen über einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone relevant. Eine Reihe von Politikern und Ökonomen haben in den vergangenen Wochen mögliche Domino-Effekte eines solchen Schritts heruntergespielt. So hatte der Luxemburger Premierminister und Chef der Euro-Finanzministergruppe, Jean-Claude Juncker , einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone als "beherrschbar" bezeichnet. Ähnlich argumentierten auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) und Unions-Fraktionschef Volker Kauder ( CDU ).

Die Studie von Kristin Forbes dagegen macht deutlich, dass die Politik Ansteckungsgefahren (" contagion ") nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Es sei sehr schwierig – vielleicht sogar unmöglich – dieses Phänomen zu stoppen, lautet das erste Fazit der Untersuchung.