Niemand hat seit dem Beginn der Krise so häufig zusammengesessen wie die Finanzminister der 17 Euro-Länder. Dabei kann man zwei Typen von Treffen unterscheiden. Es gibt die Krisenreaktionstreffen, bei denen ganz dringend ganz wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen und die Minister noch spät in der Nacht mit Milliarden jonglieren. Und es gibt die Die-Krise-macht-gerade-eine-Pause-Treffen. Diese finden meistens statt, wenn wichtige Dinge gerade erst entschieden wurden, weshalb sich die Finanzminister mit den nächsten Entscheidungen noch etwas Zeit lassen. Oder zumindest den Eindruck vermitteln, sie könnten sich noch etwas Zeit lassen.

So war es an diesem Wochenende zunächst auch in Nikosia. Die Sonne schien, das Verfassungsgericht hatte geurteilt und auch EZB-Präsident Mario Draghi war mit sich sehr zufrieden . Weshalb er, der derzeit angeblich mächtigste Mann Europas, zwar zu einer Pressekonferenz erschien, dort aber zunächst gar nichts sagte und auf Nachfrage nur so viel: In den vergangenen Wochen habe vielleicht zu viel Aufmerksamkeit auf der EZB gelegen, dabei dürfe man nicht übersehen, dass es in vielen Euro-Ländern durchaus Fortschritte gebe. "Man muss optimistisch sein", verkündete Draghi .

Doch so sonnig wie das Wetter in Nikosia werden die nächsten Wochen nicht werden, das wissen die Finanzminister. Der nächste Troika-Bericht zu Griechenland steht aus, und auch die Frage, ob Spanien , eine der größten Volkswirtschaften der Euro-Zone, demnächst unter den Rettungsschirm flüchten wird, ist noch nicht beantwortet.

Mehr Zeit für Griechenland

Dabei sah es in Nikosia danach aus, als sei im Fall Griechenland bereits eine grundsätzliche Entscheidung gefallen. Griechenland werde Mitglied der Euro-Zone bleiben, sagte der Präsident der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker , und fügte hinzu, dies sei mehr als nur eine Information: "Dies ist eine Bestätigung." Die Nachfrage, was geschehe, wenn es Griechenland nicht gelinge, seinen Schuldenstand bis 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukt zu drücken, beantwortete Juncker mit einem Seufzer: "Wenn der Esel eine Katze wäre, säße er jeden Tag in der Baumkrone."

Auch traditionell eher skeptische Länder wie Österreich oder die Niederlande signalisierten, dass sie bereit sein könnten, Griechenland mehr Zeit zu geben , um die verabredeten Defizitziele zu erreichen. Voraussetzung hierfür ist, dass die griechische Regierung die geforderten Reformen vollständig umsetzt. Sogar IWF-Chefin Christine Lagarde deutete ein Entgegenkommen an. Mehr Zeit bei den Defizitzielen sei "eine Option". Wie die Euro-Gruppe und der IWF allerdings den Widerspruch auflösen wollen, Griechenland mehr Zeit, aber nicht mehr Geld geben zu wollen, bleibt unklar. Entschieden werden wird über Griechenland frühestens in der zweiten Oktoberhälfte. Bis dahin werden die Minister noch einige Rechenkunststücke vorführen.

Ähnlich schwierig sieht es mit Spanien aus, zumal hier noch eine grundsätzliche Entscheidung aussteht. Das Land hat seit Juli bereits die Zusage, bis zu 100 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung seiner maroden Banken zur Verfügung gestellt zu bekommen. Will die spanische Regierung außerdem in den Genuss des umstrittenen EZB-Programms zum Ankauf von Staatsanleihen kommen, müsste die Regierung Rajoy einen weiteren Antrag auf Kredithilfe stellen – Auflagen inklusive.