GasförderungNRW untersagt Fracking-Bohrungen

In Nordrhein-Westfalen wird es keine Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten geben: Eine Studie für die Landesregierung bewertet das sogenannte Fracking als zu riskant. von dpa

Schiefergas-Förderung in Waynesburg im US-Bundesstaat Pennsylvania

Schiefergas-Förderung in Waynesburg im US-Bundesstaat Pennsylvania  |  © Mladen Antonov/AFP/Getty Images

In Nordrhein-Westfalen wird es keine Genehmigungen für Erdgas-Förderungen mit der umstrittenen Fracking-Bohrtechnologie geben. Darauf haben sich die Landesministerien für Umwelt und Wirtschaft geeinigt, nachdem eine Studie für die Landesregierung zu dem Ergebnis kam, dass die beim Fracking verwendeten chemischen Zusätze zu riskant sind. Der Schutz von Mensch und Umwelt habe für die Landesregierung oberste Priorität, teilten die Ministerien mit.

Beim Fracking wird unter hohem Druck ein Chemikalien-Wasser-Sand-Gemisch in den Boden gepresst, um das Gestein aufzubrechen und dadurch das Gas zu lösen. Dabei sind nach den Ergebnissen der Studie Umweltrisiken nicht auszuschließen. Die verwendeten Flüssigkeiten haben nach Ansicht der Gutachter hohes Gefährdungspotenzial. Auch eine Studie für den Bund kam zu einem ähnlichen Ergebnis.

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Die Gutachter empfehlen, einer Erdgasförderung mit Fracking nicht zuzustimmen, solange grundlegende Voraussetzungen fehlten. Entscheidend seien weniger belastende Fracking-Zusätze. In etlichen für die Methode verwendeten Gemischen seien besorgniserregende Zusätze mit sehr giftigen, krebserregenden und erbgutverändernden Eigenschaften festgestellt worden. Völlig ungeklärt sei darüber hinaus die Entsorgung der Lagerstättenwässer und Rückstände.

Wasserschutzgebiete ausgeschlossen

Insgesamt seien die Datenlage unsicher und Fracking-Erfahrungen aus anderen Ländern – speziell aus den USA – nur sehr eingeschränkt übertragbar. In NRW fehlten noch standortspezifische geologische und hydrochemische Analysen.

Die Gutachter empfehlen, vor allem in Wasser- und Heilquellenschutzgebieten, Trinkwasserversorgungszonen sowie im Bereich von Mineralwasservorkommen keinerlei Aktivitäten zur Erschließung der sogenannten unkonventionellen Erdgasvorkommen zuzulassen.

Sogar eine radioaktive Strahlenbelastung der Bevölkerung schlossen die Gutachter nicht aus. Diese könne auftreten, wenn Lagerstättenwasser und Rückstände unkontrolliert ins Grundwasser gelangten und über kontaminiertes Trinkwasser und die Nahrungsmittelproduktion aufgenommen würden.
 

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Leserkommentare
  1. Das ist mal eine gute Nachricht aus der Politik. Wenn hier wirklich solange die Schranken unten gehalten werden bis eine umweltschonende Möglichkeit zum fracken gibt, zeigt das dass es auch vernünftige Politiker in entscheidenden Ämtern gibt.

    Solche Handlungen sollten aufgezeichnet und weitererzählt werden, um ein Bild eines Politikers zu schaffen an dem die regierenden gemessen werden können.

  2. Es waere auch wichtig darauf hinzuweisen, dass Fracking in Deutschland schon lange praktiziert wird.

    > Völlig ungeklärt sei darüber hinaus die Entsorgung der Lagerstättenwässer und Rückstände.

    In der Praxis wird das Lagerstaettenwasser wohl abtransportiert und woanders in den Boden gepumpt, wo man sich nicht dagegen wehrt.

  3. Ähnlich vernünftige Politiker, die kritische Studien nicht unter den Teppich kehren, hätte es in den Sechzigern und Siebzigern gebraucht.
    Dann hätten wir jetzt kein AKW- und Endlagerproblem.

    (Warnende Studien dazu gab es nämlich damals auch schon)

  4. Nordrhein-Westfalen = Fortschritt, nein danke!
    Es geht ja auch "nur" um für den Verbraucher preiswertere und einheimische Energie.

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    http://www.youtube.com/wa...

    schauen sie sich den Beitrag mal gut an.
    Sie haben von der Geologie und der Toxikologie keine Ahnung aber hier irgendwelche Müll ablassen.

    Ich habe längere Zeit in einer unteren Umwelbehörde gearbeitet und ich kann Ihnen garantieren, wenn die sagen, laß die Finger davon, dann hat das schon seinen Grund.

  5. haben da von Anfang an gesagt, das solche Sachen nicht genehmigungsfähig seien.
    Dann haben Sie das +bers Bergrecht versucht, da sind die Vorschriften etwas lockerer.

    Es gab da mal einen Beitrag in ZDF Zoom.

  6. http://www.youtube.com/wa...

    schauen sie sich den Beitrag mal gut an.
    Sie haben von der Geologie und der Toxikologie keine Ahnung aber hier irgendwelche Müll ablassen.

    Ich habe längere Zeit in einer unteren Umwelbehörde gearbeitet und ich kann Ihnen garantieren, wenn die sagen, laß die Finger davon, dann hat das schon seinen Grund.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    *ironduke* hat Recht. Wenn ich aus dem Süden kommend, das Ruhrgebiet passierte und nördlich Oberhausen die Senkungen auf der Autobahn passierte, sah, spürte und roch ich die Folgen des Kohleabbaus bzw. der Stahlindustrie.

    Das Fracking ist die brutalstmögliche Ausbeutung unserers Planeten: Seit 1850 Kohleabbau und in wenigen Jahren erschöpft, die vor 350 Millionen Jahren in vielen Millionen Jahren gebildet wurde. Danach, vor 200 bis 175 Mio. Jahre, der Schwarze Jura, soll jetzt in wenigen Jahrzehnten ausgebeutet werden und eignet sich dann nicht mehr als Atomendlager für notwendige eine Million Jahre.

    Mir wird speiübel, wenn ich neoliberale Kleingeister vom Schlag des 'freiheitsfreund' lese. Danke *ironduke*

    • jboese2
    • 07. September 2012 19:58 Uhr

    Wahrscheinlich hätte die heutige NRW Regierung nicht mal den Kohleabbau genehmigt und Deutschland wäre ein bedeutungsloses armes Agrarland gebieben. Wir lassen wieder andere Länder die Dreckarbeit machen: in Frankreich und Tschechien laufen die Atommeiler auf Hochtouren und das Gas kaufen wir lieber aus Ländern, die sehr wenig auf Umwelt oder Umwelterhalt geben.

    • Bus_z
    • 07. September 2012 21:10 Uhr

    Fracking-Bohrungen bringen in Deutschland für 13 Jahre eine Entlastung im Energie Markt und verseuchen die Erde mit Sicherheit (Siehe Ergebnisse in den USA / Kanada) für wie lange?
    Grundwasser und das ganze Terrain wird in noch nicht bekanntem Ausmaß verseucht. Was soll so etwas? Das ist die Zukunft der nächsten Generation die von Profitgeiern heute beschädigt wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Bevölkerung | Fracking | Entsorgung | Gas | Landesregierung | Ministerium
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