GasvorkommenFracking soll nur unter Auflagen genutzt werden

Das Potenzial ist gewaltig, die Risiken umstritten: Das Umweltbundesamt empfiehlt, Gasvorkommen aus tiefen Gesteinsschichten nur unter strengen Bedingungen zu fördern. von Georg Ismar

Eine Gasflamme brennt an einem durch Fracking erschlossenen Gasvorkommen in Pennsylvania in den USA.

Eine Gasflamme brennt an einem durch Fracking erschlossenen Gasvorkommen in Pennsylvania in den USA.  |  © Les Stone/Reuters

Peter Altmaier hat es eilig. Bevor er weiter zur Klausur der Unionsfraktion und dann zur Alpenumweltkonferenz in die Schweiz muss, will er noch rasch ein 466 Seiten umfassendes Gutachten vorstellen. Jochen Flasbarth, der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), überreicht dem Umweltminister eine blaue Aktenkladde mit der Expertise, die es in sich hat. Denn noch nie wurde so umfassend das Risiko der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten untersucht.

Da am Freitag auch die nordrhein-westfälische Landesregierung ein Gutachten zu der sogenannten Fracking-Technologie präsentieren will, waren UBA und Bundesumweltministerium bemüht, sich nicht die Deutungshoheit aus der Hand nehmen zu lassen. Altmaier ist das Thema so wichtig, dass es Bestandteil seines 10-Punkte-Programms bis zu Wahl 2013 ist.

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Beim Fracking wird ein Chemie-Wasser-Gemisch mit hohem Druck in die Erde gepresst, um das Gestein aufzubrechen und dadurch das Gas zu lösen. Die Frage ist: Was richten die Chemikalien an, wo verbleiben sie?

Klar ist nun: Energiekonzerne wie ExxonMobil müssen Hoffnungen auf ein Gas-El-Dorado in Deutschland wohl begraben. Dabei beziffert die Studie, auf die seit Wochen mit Spannung erwartet worden ist, ein enormes Potenzial des sogenannten Schiefergases: 1,3 Billionen Kubikmeter Gas könnten bundesweit tief im Gestein schlummern – vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber auch in Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen oder Sachsen-Anhalt.

Gewaltige Gasvorkommen

"Mit der Menge könnte Deutschland 13 Jahre lang den gesamten Gasbedarf decken", sagt UBA-Chef Flasbarth. Das ist nicht ohne Belang für die Energiewende. Denn da sich bisher neue Gaskraftwerke als Absicherung bei wenig Sonne und Wind kaum rechnen, könnte Schiefergas made in Germany zum einen die Abhängigkeit von Russland verringern und zum anderen die Preise drücken. In den USA stammt schon fast die Hälfte des Erdgases aus diesen sogenannten unkonventionellen Vorkommen und hat dort die Energiepreise nach unten gedrückt.

Doch Ökonomie stößt hier auf Ökologie. Das Problem sind die eingesetzten Chemikalien, um das Gestein aufzubrechen, damit das Gas entweichen kann. "Ziel muss es sein, toxische Chemikalien durch weniger gefährliche Chemikalien zu ersetzen", sagt Flasbarth. Und Umweltminister Altmaier macht klar, dass Fracking in Trinkwasserschutzgebieten wohl ausgeschlossen wird – das hatten auch Experten bei einer Anhörung im Bundestag gefordert. Rund 14 Prozent der Landesfläche würden damit automatisch in Deutschland ausscheiden. Die Studie hat sich auch eingehend mit der starken Ausbreitung von Rissen im Untergrund beschäftigt.

Leserkommentare
  1. Gas fuer 13 Jahre! Super!
    Und danach?

    • hirmer
    • 09. September 2012 20:50 Uhr

    1. Dreck in den Boden drücken
    2. Einen Mordsgewinn mit gefördertem Gas machen
    3. (Nach 10 Jahren) Mords-Umweltschaden: Es nicht gewesen zu sein (waren ja noch andere am Fördern); alle Auflagen erfüllt zu haben; ev. mit
    3.1 Die Firma längst liquidiert zu haben
    3.2 Natürlich nicht versichert gewesen zu sein

    Das nenne ich ein tolles Geschäftsmodell; erinnert mich irgendwie an japanische Kernkrafttechnik.

    • hirmer
    • 09. September 2012 21:06 Uhr

    gefährlich - als Laie, denn
    Gas wird aus Schiefer gelöst, vagabundiert dann herum und könnte doch unter einem Haus herauskommen, Explosion, Haus kaputt, Bewohner tot? Also nur in menschenleerem Gebiet. Sowieso halte ich's für riskant, mit heissem Dampf oder so, im Untergrund etwas herauszulösen, Kohlenwasserstoffe(?), Salze(?) - und das drückt dann ins Grundwasser? Geht's noch?

  2. Hier als erstes sage ich nur ein Stich Wort "Salzbergwerk Asse Atommüll" die uns die Energie Wirtschaft beschert hat,
    die Bergung diesen Atom Müll Dauer ca.40 Jahre Kosten mag keine so richtig sagen, und wie immer Steuer Zahle muss dafür Grade stehen, und die Energie Wirtschaft geht sauber aus der Affäre heraus, und Stadt dessen kommen die wieder mit neuen Gift, hier ein Erlaubnis zu erteilen aus der Politik kann nur ein Fall sein der erkaufte Erlaubnis, welche Partei da wirkt nenne ich nicht, aber wir können doch die Klientel Politik.

  3. Es gibt berechtigte Bedenken gegen das Fracking und die gilt es zu beseitigen, bevor auch in Deutschland gefrackt wird. Allerdings sollte auch hier gelten: audiatur et altera pars. Die Amerikanische Umweltbehoerde arbeitet derzeit an einer Langzeitstudie zu dem Thema, wohl auch um dem Unwissen in der Bevoelkerung in Sachen Fracking zu begegnen: Gut zwei Drittel der Amerikaner wissen naemlich nach ener repraesentativen Umfrage ueberhaupt nicht, was Fracking eigentlich ist. (http://thinkprogress.org/...)
    Ich bezweifele, dass die Bevoelkerung in Deutschland derzeit besser informiert ist, als die in Amerika. Um ein Beispiel zu geben: Fracking findet in mehren Kilometern Tiefe statt, Grundwasseraquifer liegen in viel hoeher liegenden Gesteinsschichten, meist nicht tiefer als 1km. Selbst fuer den Fall, dass beim Fracking in der Tiefe Gas unvorhergesehen austritt, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bis zum Grundwasser vordringt, sehr gering. Groesser ist hingegen das Risiko, dass durch schlampige Zementierung des Bohrlochs oder bei der Behandlung des Frackwassers Umweltschaeden auftreten koennen. Diesem Risiko kann aber durch ordentliche Regulierung begegnet werden. Wir sollten in Deutschland nicht jede Technologie verteufeln, nur weil sie irgendwie mit fossilen Brennstoffen zu tun hat. Ist es denn wirklich besser, Gas aus Russland oder Atomenergie aus Frankreich zu importieren?

  4. >>Wir sollten in Deutschland nicht jede Technologie verteufeln, nur weil sie irgendwie mit fossilen Brennstoffen zu tun hat. Ist es denn wirklich besser, Gas aus Russland oder Atomenergie aus Frankreich zu importieren?<<

    Wir haben`s doch noch, und können es uns unsere Technikfeindlichlichkeit noch etwas länger leisten.

    Und last not least sollen die Russen und Franzosen uns doch auch was liefern, damit wir sie mit unseren Luxuskarossen beglücken können.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Peter Altmaier | Bundesregierung | CDU | Jochen Flasbarth | SPD | Die Linke
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