Eine Gasflamme brennt an einem durch Fracking erschlossenen Gasvorkommen in Pennsylvania in den USA. © Les Stone/Reuters

Peter Altmaier hat es eilig. Bevor er weiter zur Klausur der Unionsfraktion und dann zur Alpenumweltkonferenz in die Schweiz muss, will er noch rasch ein 466 Seiten umfassendes Gutachten vorstellen. Jochen Flasbarth, der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), überreicht dem Umweltminister eine blaue Aktenkladde mit der Expertise, die es in sich hat. Denn noch nie wurde so umfassend das Risiko der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten untersucht.

Da am Freitag auch die nordrhein-westfälische Landesregierung ein Gutachten zu der sogenannten Fracking-Technologie präsentieren will, waren UBA und Bundesumweltministerium bemüht, sich nicht die Deutungshoheit aus der Hand nehmen zu lassen. Altmaier ist das Thema so wichtig, dass es Bestandteil seines 10-Punkte-Programms bis zu Wahl 2013 ist.

Beim Fracking wird ein Chemie-Wasser-Gemisch mit hohem Druck in die Erde gepresst, um das Gestein aufzubrechen und dadurch das Gas zu lösen. Die Frage ist: Was richten die Chemikalien an, wo verbleiben sie?

Klar ist nun: Energiekonzerne wie ExxonMobil müssen Hoffnungen auf ein Gas-El-Dorado in Deutschland wohl begraben. Dabei beziffert die Studie, auf die seit Wochen mit Spannung erwartet worden ist, ein enormes Potenzial des sogenannten Schiefergases: 1,3 Billionen Kubikmeter Gas könnten bundesweit tief im Gestein schlummern – vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber auch in Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen oder Sachsen-Anhalt.

Gewaltige Gasvorkommen

"Mit der Menge könnte Deutschland 13 Jahre lang den gesamten Gasbedarf decken", sagt UBA-Chef Flasbarth. Das ist nicht ohne Belang für die Energiewende. Denn da sich bisher neue Gaskraftwerke als Absicherung bei wenig Sonne und Wind kaum rechnen, könnte Schiefergas made in Germany zum einen die Abhängigkeit von Russland verringern und zum anderen die Preise drücken. In den USA stammt schon fast die Hälfte des Erdgases aus diesen sogenannten unkonventionellen Vorkommen und hat dort die Energiepreise nach unten gedrückt.

Doch Ökonomie stößt hier auf Ökologie. Das Problem sind die eingesetzten Chemikalien, um das Gestein aufzubrechen, damit das Gas entweichen kann. "Ziel muss es sein, toxische Chemikalien durch weniger gefährliche Chemikalien zu ersetzen", sagt Flasbarth. Und Umweltminister Altmaier macht klar, dass Fracking in Trinkwasserschutzgebieten wohl ausgeschlossen wird – das hatten auch Experten bei einer Anhörung im Bundestag gefordert. Rund 14 Prozent der Landesfläche würden damit automatisch in Deutschland ausscheiden. Die Studie hat sich auch eingehend mit der starken Ausbreitung von Rissen im Untergrund beschäftigt.