GlühlampeLeuchte in Frieden

In Europa geht ein Stück Technik-Geschichte zu Ende: Ab September dürfen aus Energiespargründen nur noch Restbestände der klassischen Glühfadenlampe verkauft werden. von dpa und dapd

Gut 130 Jahre nach Thomas Alva Edisons Patent hat die Glühfadenlampe ausgedient – zumindest in Europa . Am heutigen 1. September tritt in der EU das Verbot "klassischer" Glühbirnen in Kraft. Danach dürfen Händler nur noch ihre Lagerbestände verkaufen, anschließend verschwindet die Glühbirne komplett aus den Regalen.

Die EU-Kommission hatte das umstrittene Ende der Glühbirne in mehreren Schritten vorgeschrieben, von denen der letzte nun erreicht ist: Seit September 2009 mussten zunächst alle Glühbirnen mit mindestens 100 Watt Leistung aus den Geschäften verschwinden. In den Jahren danach wurde das EU-Verbot auf Glühlampen mit mindestens 75 und 60 Watt ausgedehnt.

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Ab dem 1. September gilt das Verbot für alle "klassischen" Glühbirnen. Begründet wurde die Maßnahme mit dem schlechten Wirkungsgrad der Glühfadenlampen.

Glühende Anfänge

Alle guten Dinge kommen aus Amerika, so auch die Glühbirne. Doch viel Gutes, das aus Amerika kommt, kam zuerst aus Europa, so zum Beispiel der Erfinder der Glühbirne Heinrich Göbel . Wobei, das wissen wir auch, alles, was aus Europa nach Amerika kommt, von zweifelhafter Natur ist. Das ist mit Herrn Heinrich, von 1849 an Henry Göbel, nicht anders.

Er wurde 1893 in den USA bekannt, weil er behauptete, die ersten Glühlampen mit Kohleglühfäden in den fünfziger Jahren hergestellt zu haben, ohne ein Patent anzumelden. Das Patent für diesen Lampentyp hatte Thomas Alva Edison erst 1880 erworben. Göbels Behauptung war eine Erfindung, die sich Glühlampenhersteller zunutze machen wollten, um die Edison Electric Light Werke schließen zu lassen.

Die sogenannten Energiesparlampen haben auch eine längere Lebensdauer als die Glühfadenlampen. Allerdings geht dieser Vorteil vor allem auf die Konstruktion der angebotenen Glühlampen zurück. Die dünnen, eng gewickelten Glühfäden heutiger Lampen erzeugen zwar mehr Licht, brennen aber schneller durch.

Brenndauer 111 Jahre

Wie haltbar Glühfadenlampen sein können, beweist seit 1901 die sogenannte Centennial Light Bulb. Diese Glühbirne brennt mit vier Watt seit 111 Jahren nahezu ununterbrochen in einer Feuerwache in Kalifornien . Nur einmal, 1976, wurde sie für 22 Minuten ausgeschaltet. Damals zog sie mit der Feuerwache in ein neues Gebäude um. Seit einigen Jahren überwacht eine Webcam ihr stetes Wirken .

Das Hauptargument für Energiesparlampen ist ihr geringerer Stromverbrauch. Und abgesehen von der Tatsache, dass sie eine Weile brauchen, bis sie ihre volle Helligkeit erreichen, sind diese Lampen besser als ihr Ruf.

Kritisiert wird aber, dass das Verbot der Glühlampen auf die Lobbyarbeit der Industrie zurückgeht und dass es nicht die gewünschten Einsparungen erzielt.

Unternehmen bemängeln zudem bereits jetzt das Rückgabesystem für Energiesparlampen. Der Vize-Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen, Patrick Hasenkamp, fordert in der Neuen Osnabrücker Zeitung eine einheitliche Regelung zur Entsorgung der quecksilberhaltigen Sparlampen.

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Leserkommentare
  1. Jetzt ist die Welt gerettet.

    4 Leserempfehlungen
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    Mit dieser Aktion können wir alle unbesorgt weiter sinnbefreite Autos fahren, die innerstädtisch 15 L/100 km und mehr verbrauchen.

    Ich meine, es hätte dringendere Ansatzpunkte gegeben. Gerade SUVs, die ich nur selten mit irgendwelchen Anzeichen eines Geländeeinsatzes sehe, dürfte man gerne auf die Abschussliste setzen. Minivans oder klasssische Kombis erfüllen bei deutlich geringerem Verbrauch in aller Regel den gleichen Zweck. Aber beim Auto hört in Deutschland bei den meisten Menschen die Rationalität auf.

    • Karl63
    • 01. September 2012 18:58 Uhr

    Besonders bizarr wird die ganze Geschichte, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Verbraucher im Haushalt den Stromzähler wirklich zum rotieren bringen:
    Waschmaschine, Wäschetrockner, Geschirrspüler, Mikrowelle, Kühlschrank und nicht zu vergessen der Klassiker, der elektrisch betriebene Herd. Wenn ich mich vor den Herd stelle, um mein Mittagessen zuzubereiten, dann verbraucht das schon soviel Strom, da ist über eine mögliche Ersparnis bei der Beleuchtung wirklich nicht mehr viel zu holen.
    Besonders pikant am "verbot" der Glühlampe ist jedoch, im Jahr 2006 hat die EU höchstselbst eine Direktive in Kraft gesetzt, deren Zielsetzung es war giftige Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber etc.) ausdrücklich aus jediglicher Elektronik für den Endverbraucher zu verbannen. Mit der jetzt in Kraft getretenen Bevorzugung von quecksilberhaltigen Leuchtmitteln ("Energiesparlampen") konterkariert die EU ihre eigenen Ziele beim Umweltschutz, speziell beim Recycling von Elektronikschrott.
    Bin einmal gespannt wie lange es wohl dauern wird, bis den Damen und Herren in Brüssel so ganz klar wird: all die quecksilberhaltigen Leuchtmittel (besonders die aus China, weil billig aber mehr Quecksilber), landen früher oder später im Hausmüll und damit in der Umwelt.
    Leuchtmittel die das hochgiftige Quecksilber enthalten, sind eigentlich ein Anachronismus aus der Zeit, als man es mit dem Umweltschutz noch nicht so genau nahm.

    • hardius
    • 01. September 2012 18:12 Uhr

    reichen für Jahrzehnte. Es gibt bereits jetzt Angebote für die Rücknahme von Energiesparlampen. Dabei sollen die ewig halten. Diktatur der Wirtschaftslobby, Glühbirnen sind zu günstig in der Herstellung!

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    Energiesparlampen halten nicht ewig, die Lebensdauer steht ganz klar verständlich auf jeder Packung. Offensichtlich reicht Lesen können nicht aus. Und das Diktat kam auch nicht aus der Wirtschaft.

  2. die guten Dinge. Bei Manufaktum als stoßsichere "Speziallampen". Und natürlich auch über 8000 Stück bei mir im Keller!

    2 Leserempfehlungen
  3. Mit dieser Aktion können wir alle unbesorgt weiter sinnbefreite Autos fahren, die innerstädtisch 15 L/100 km und mehr verbrauchen.

    Ich meine, es hätte dringendere Ansatzpunkte gegeben. Gerade SUVs, die ich nur selten mit irgendwelchen Anzeichen eines Geländeeinsatzes sehe, dürfte man gerne auf die Abschussliste setzen. Minivans oder klasssische Kombis erfüllen bei deutlich geringerem Verbrauch in aller Regel den gleichen Zweck. Aber beim Auto hört in Deutschland bei den meisten Menschen die Rationalität auf.

    23 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die gute Nachricht:"
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    Denken Sie an den Zeitartikel "Ein Kilo Fleisch, so schädlich wie eine Autofahrt nach Rom" http://www.zeit.de/wissen...

  4. ...für Autos die mehr als 8 Liter verbrauchen ?

    Achja, ähm, ich vergaß, muss die Lobby entscheiden.

    18 Leserempfehlungen
  5. .. .darf dann der Bürger im 3-Tonnen-SUV von Audi&Co einkaufen gehen. Bevor er in den Kurzurlaub jettet.

    Brüssel hat den Lobbyisten wieder mal was ganz schön in die Höhe gereckt.

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    Nutzer eines "20 Tonnen SUV" (kein Audi SUV wiegt 3 Tonnen) wird sicher auch zuhause die dynamischen LED Lampen, wie an seinem Dynamopanzer bevorzugen.
    Ich hab auch LED Beleuchtung, aber keinen SUV ;)
    Haben LED´s auch so viel Quecksilber ?

    Man nennt das auch "Wahl-Freiheit".

    Natürlich ist es für Oligopolisten besser, wenn der Staat gehorsamst Zwang einführt. Wäre ja gelacht, wenn der Arm der Industrie nicht bis in Schlafzimmer hineinreichte, um gestzlich angeordnete Profite zu generieren.

  6. Wenn man die Unmengen Quecksilber bedenkt, ist eine Energiesparglühbirne der wahre Energiesünder, man muss tatsächlich eine halbe Stunde lüften wenn sie zerbricht.
    Entsorgt werden sie natürlich auf Müllhalden in Indien oder Burkina Faso, ist ja auch billiger, sollen die sich mit dem Gift rumschlagen.
    Produktion und Entsorgung einer Sparglühbirne entspricht ein Kostenumfang, von denen man 120 normale Glühbirnen produzieren könnte.

    Wer also profitiert von diesem Pseudo-Grünen Energie-Wahn?
    Wir leben in einem Land, in dem man sich den Arzt, Anwalt oder Job frei wählen darf, aber die Glühbirne wird vorgeschrieben, mal davon abgesehen das der Berg von Papier der für das festhalten dieses Machwerkes kaum ökologisch ist.

    Der radikale Umweltschutz wird der Sache eher schaden, als nützen.

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    • Laoyafo
    • 02. September 2012 0:34 Uhr

    Neulich sah ich eine Sendung, wie die kleinen Purzel aufgeklärt wurden, was zu tun ist, wenn eine Energiesparlampe zerbrochen ist. Wie schon gesagt: Fluchtartig den Raum verlassen, und jemand muss die Fenster aufreißen -- wer opfert sich? -- Wohin gehen die kleinen Quecksilberchen, wenn sie frei werden? -- Dann muss jemand mit Gummihandschuhen die Teile in ein leeres Marmeladenglas sammeln und die restlichen Splitter mit Klebeband vom Boden klauben. Alles schön ins Glas, Deckel drauf und Sondermüll. Wenn das überall klappt, fress ich den Inhalt von dem Glas.

    .. ist, wie ich heute in der Werbung eines großen Discounters las, erledigt.

    Die neue Generation quecksilberhaltiger Energiesparlampen (dort käuflich ab 10.9.) enthält ein Amalgam statt reinem Quecksilber.

    Es gibt das benötigte Quecksilber beim Start der Lampe frei und nimmt es nach deren Abschalten wieder auf. Bei einem Zerbrechen der Lampe kann kein Quecksilber mehr in die Umwelt gelangen.

    Im Übrigen steht ja im Artikel, dass auch die alten Glühbirnen - mittelbar - Quecksilber produzieren, weil sie erheblich mehr Strom verbrauchen.

    Wenn dieser, wie bei uns in Deutschland, aus Kohleverbrennung stammt, ist die Quecksilber-Bilanz der alten Glühbirne also nicht besser, und gegenüber diesen neuen Energiesparlampen sogar deutlich schlechter.

    Fazit: besser nicht mit leicht widerlegbaren Argumenten gegen etwas schreiben (auch wenn man dafür viele Empfehlungen bekommt.)

  7. könnte es vorkommen, dass ein EU-Bürger mit dem (Handels-)Verbot nicht einverstanden ist und weiterhin die gemütlich-nostalgische Glühfadenlampe nutzen möchte - dann wird sicherlich der Import aus Nicht-EU-Staaten möglich sein - und vermutlich auch genutzt werden. Man wird sehen.

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    • Karl63
    • 01. September 2012 19:09 Uhr

    Suchen Sie einfach einmal unter dem Stichwort "Kohlefadenlampe" im Web. Da stößt man (Frau) dann auf Aussagen wie:
    "Speziallampe zur Wärmeerzeugung. Nicht für die Raumbeleuchtung im Haushalt geeignet."
    Selbstverständlich funktionieren diese auch als Leuchtmittel mit dem Üblichen E27 - Sockel. Ich vermute, diese Lampen strahlen soviel Energie im Infrarotbereich ab, dass das vom subjektivem Empfinden her dem Sonnenlicht schon sehr nahe kommt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, dpa
  • Schlagworte Frieden | EU-Kommission | Europäische Union | Energiesparlampe | Entsorgung | Glühbirne
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