Euro-KriseArbeitslosigkeit in Griechenland auf Rekordniveau gestiegen

Fast jeder vierte Grieche ist arbeitslos: Die Arbeitslosenquote ist auf mehr als 24 Prozent gestiegen. Generell suchen in den Euro-Staaten mehr Menschen Arbeit denn je. von dpa

Das Arbeitsamt in Athen

Das Arbeitsamt in Athen  |  © John Kolesidis/Reuters

In Griechenland ist die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordhoch gestiegen. Im Juni erreichte die Arbeitslosenquote 24,4 Prozent, teilte das griechische Statistikamt mit. Damit suchten noch mehr Menschen als im Vormonat nach Arbeit, im Mai hatte die Arbeitslosenquote 23,5 Prozent betragen . Auch im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich die Quote damit deutlich – um 42 Prozent – erhöht.

Insgesamt sind in Griechenland nun mehr als 1,2 Millionen Menschen ohne Job. Dramatisch ist die Lage vor allem für junge Menschen: In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen suchen zurzeit etwa 55 Prozent nach Arbeit. Im Juni vergangenen Jahres lag der Wert noch bei etwa 44 Prozent, vor Beginn der Rezession im Jahr 2008 hatte die Quote bei rund 20 Prozent gelegen.

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Die Situation ist für viele griechische Arbeitslose prekär: Vom Staat bekommen sie nur ein Jahr lang finanzielle Unterstützung. Die zwei größten Gewerkschaftsverbände des privaten und des staatlichen Bereichs (GSEE und ADEDY) befürchten deshalb, dass es bald erneut soziale Unruhen geben könnte.

Euro-Staaten: 18 Millionen Menschen ohne Job

Generell ist die Arbeitslosigkeit in den 17 Euro-Ländern zurzeit so hoch wie nie zuvor. Im Juli waren insgesamt 18 Millionen Menschen ohne Job. Das entspricht einer Quote von 11,3 Prozent, teilte das Europäische Statistikamt Eurostat mit. Deutschland liegt also mit zuletzt 5,5 Prozent Arbeitslosigkeit deutlich unter dem Durchschnitt , nur in Österreich (4,5 Prozent) und den Niederlanden (5,3 Prozent) sind noch weniger Menschen arbeitslos.

Seit mehr als einem Jahr steigt die Arbeitslosigkeit in Europa kontinuierlich an, denn auch in anderen Euro-Krisenstaaten ist die Arbeitsmarktsituation angespannt. So war auch in Spanien im zweiten Quartal dieses Jahres knapp jeder Vierte arbeitslos . Die Quote lag mit 24,6 Prozent sogar knapp über der griechischen und erreichte damit einen Rekordwert seit den 1990er Jahren. Auch hier ist die Jugendarbeitslosigkeit das Hauptproblem, mehr als 53 Prozent der 15- bis 24-Jährigen waren zuletzt ohne Arbeit. 

Während die Lage in Italien vergleichsweise gut ist – hier betrug die Arbeitslosigkeit Anfang des Jahres 10,8 –, trifft es dort vor allem Akademiker . Die Arbeitslosigkeit von Universitätsabsolventen war in Italien in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 auf das höchste Niveau seit 2004 gestiegen, insgesamt suchten in diesem Zeitraum 304.000 Akademiker Arbeit – 41,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Leserkommentare
  1. Da hilft nur eins, die die noch Arbeit haben, sollten länger arbeiten!

    "Um die Flexibilität des Arbeitsmarktes zu erhöhen, wird für alle Sparten des Arbeitsmarktes eine maximale Arbeitszeit von sechs Tagen vorgeschlagen. Zeitliche Einschränkungen zwischen der Morgen- und Nachmittagsschicht sollten abgeschafft werden. Die „Troika“ schlägt zudem vor, den Satz der Arbeitgeberbeiträge für Sozialabgaben zu senken" (http://www.faz.net/aktuel...)

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    ...um diesen institutionalisierten Wahnsinn noch angemessen zu würdigen.

    Klar, wenn es in ganz Europa ZU WENIGE Arbeitsplätze aufgrund zu geringer (Massen-)Kaufkraft gibt, ist die logische Konsequenz, die noch vorandene Erwerbs-Arbeit durch Erhöhung der persönlichen Arbeitszeit auf noch weniger Menschen zu verdichten...
    Genauso wie ich am Südpol Eisbären finde, wenn dort nur eine genügend große Suchmannschaft eingesetzt wird.

    Reicht es dafür aus, bei diesen "Experten" klinischen Schwachsinn zu attestieren, oder läuft schon schon unter einer schwerwiegenden, boshaft-antisozialen Persönlichkeitsstörung?

    Aber es hat im Kapitalismus Tradition:
    http://www.wildcat-www.de...

    • palmax
    • 07. September 2012 7:25 Uhr

    Damit wird die Krise verschlimmert, da einem Bevölkerungsteil die Kaufkraft reduziert wird.

  2. ...um diesen institutionalisierten Wahnsinn noch angemessen zu würdigen.

    Klar, wenn es in ganz Europa ZU WENIGE Arbeitsplätze aufgrund zu geringer (Massen-)Kaufkraft gibt, ist die logische Konsequenz, die noch vorandene Erwerbs-Arbeit durch Erhöhung der persönlichen Arbeitszeit auf noch weniger Menschen zu verdichten...
    Genauso wie ich am Südpol Eisbären finde, wenn dort nur eine genügend große Suchmannschaft eingesetzt wird.

    Reicht es dafür aus, bei diesen "Experten" klinischen Schwachsinn zu attestieren, oder läuft schon schon unter einer schwerwiegenden, boshaft-antisozialen Persönlichkeitsstörung?

    Aber es hat im Kapitalismus Tradition:
    http://www.wildcat-www.de...

    Antwort auf "6-Tage Woche"
  3. wenn schon nicht die wirtschaft wächst, dann wenigstens die arbeitslosigkeit. was solls. hauptsache irgendwas wächst. wenn interessiert schon, was genau. hauptsache wir leben im ideologisch korrekten system.

  4. ...der gute deutsche Stammtisch, der schreit "Jetzt haben die faulen Griechen endlich, was sie immer wollten!" ?

  5. In ganz Europa steigen die Arbeitslosenzahlen.
    Parallel werden die Gewinne der oberen 5 % immer größer.

    Wir müssen die Banken retten, den Euro retten.
    Auf welche Kosten eigentlich?

    Ist das der Europa Traum?

    Dann möchte lieber schnell aufwachen.

  6. Ich dachte, die seit vielen Monaten laufenden Rettungsmaßnahmen würden dazu dienen, die Wirtschaft anzukurbeln? All die Sozialkürzungen - nur um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

    Bedeutet das jetzt, dass Wirtschafswachstum dann eintritt, wenn möglichst viele Menschen arbeitslos sind? Oder haben wir vielleicht doch kein Wirtschaftswachstum. Ich bin auf die Antworten von Frau Merkel gespannt (wenn sich ein Journalist der "Qualitätspresse" trauen würde, sie überhaupt zu stellen).

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    dienten nur dazu, um die Banken zu retten, nichts anderes. Die Wirtschaft? Zusammengebrochen. Wer jetzt noch nicht geschlossen hat, wird es im naechsten halben Jahr noch tun. Neue obskure staatliche Gebuehren und die exorbitanten Strompreise geben den letzten Kleinunternehmen den Rest. An den naechsten Winter mag ich gar nicht denken, denn auch Heizoel duerfte dann unbezahlbar werden. Da werden so einige Baueme gefaellt werden. Das Gesundheitssystem - zusammengebrochen. Viele Arbeitslose erhalten keine Unterstuetzung mehr, die Renten fallen ins Bodenlose. Ich gebe dem griechischen Staat noch 3-4 Monate.

  7. machen Sozial - und Arbeitsmarktpolitik in Griechenland? Dürfen die das?

    Wann wird endlich begriffen, dass der technische Fortschritt zum einen immer weniger Menschen braucht, die arbeiten, zum anderen eine drastische Sparpolitik zusätzlich eine Spirale nach unten bedeutet.

    Man könnte das, was die Troika macht, fast als Völkermord bezeichnen.

  8. dienten nur dazu, um die Banken zu retten, nichts anderes. Die Wirtschaft? Zusammengebrochen. Wer jetzt noch nicht geschlossen hat, wird es im naechsten halben Jahr noch tun. Neue obskure staatliche Gebuehren und die exorbitanten Strompreise geben den letzten Kleinunternehmen den Rest. An den naechsten Winter mag ich gar nicht denken, denn auch Heizoel duerfte dann unbezahlbar werden. Da werden so einige Baueme gefaellt werden. Das Gesundheitssystem - zusammengebrochen. Viele Arbeitslose erhalten keine Unterstuetzung mehr, die Renten fallen ins Bodenlose. Ich gebe dem griechischen Staat noch 3-4 Monate.

    Antwort auf "Wie jetzt?"

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