Trotz erheblicher Mängel bei den zugesagten Reformen soll Griechenland die nächste Tranche von 31 Milliarden Euro aus dem Hilfspaket erhalten. Der Bericht der Prüfer-Troika aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank werde "so ausfallen, dass die Politik das Geld freigeben kann", berichtet der Focus unter Berufung auf Quellen aus dem Europäischen Parlament.

Nach Angaben der Wirtschaftswoche laufen in Brüssel die Vorbereitungen, um die Auszahlung der Hilfstranche sicherzustellen, obwohl der Bericht der Troika die Auflagen für Griechenland nicht als komplett erfüllt einstufen werde. "Die Griechen werden eine Liste von Reformen erhalten, die zu einem bestimmten Datum vom Parlament abgesegnet werden müssen", zitierte die Wirtschaftswoche Quellen in der Euro-Gruppe. Das Geld werde freigegeben, sobald die Abgeordneten zugestimmt hätten.

Unklar ist weiterhin, wann die Troika ihren Bericht vorlegen wird. In der Euro-Gruppe wird es für möglich gehalten, dass bei der nächsten Sitzung ihrer Finanzminister am 8. Oktober in Luxemburg nur ein mündlicher Zwischenbericht erstattet werde. Das derzeitige Haushaltsloch Athens sei jedoch offenbar nicht so groß wie befürchtet: Statt um 20 Milliarden Euro handle es sich um maximal 18 Milliarden Euro.

Griechenland in der Euro-Zone halten

Sowohl Brüssel als auch die Bundesregierung wollen offenbar Griechenland unbedingt in der Euro-Zone halten: "Die Angst vor einem Dominoeffekt ist zu groß", sagte ein EU-Diplomat der Wirtschaftswoche .

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU ) hatten in den vergangenen Wochen betont, dass Griechenland zumindest die Reformpläne umsetzen müsse, wenn es die Haushaltsziele verfehle. Beide rücken nun aber offenbar davon ab, um Griechenland in der Währungsunion zu halten.