Demonstration vor dem Parlament in Athen während des Generalstreiks am 26. September 2012 © Yannis Behrakis/Reuters

Kostas Katarchias hat längst keine Geduld mehr. Der 33-Jährige ist Arzt in einer staatlichen Krebsklinik in Athen , und es ist die Wut, die ihn auf die Straße getrieben hat. Trotz der 35 Grad, die das Thermometer an diesem Tag zeigt. "Unsere Patienten müssen wochenlang auf einen Untersuchungstermin warten", sagt er. "Uns fehlen Personal und Medikamente." Den Schuldigen hat Katarchias auch ausgemacht. Es ist die Sparpolitik der Regierung, deren Rücktritt er fordert. "Die Regierung tut nur eines: kürzen, kürzen, kürzen. Es gibt aber nichts mehr zu kürzen."

Das ist die Tonlage des Protests an diesem Mittwoch in Athen. Die Dachgewerkschaft GSEE der Privatangestellten und die Beamtengewerkschaft ADEDY haben zum Generalstreik gerufen – und Zehntausende Griechen sind gefolgt: Busfahrer, Bankangestellte, Krankenhausärzte, Richter und Steuerbeamte. "Stopp! Bis hierhin", steht auf den Transparenten der Gewerkschaft. Es ist die Botschaft der – meist friedlichen – Demonstranten: Wir können einfach nicht mehr.

Rund 13,5 Milliarden Euro – um so viel will Ministerpräsident Antonis Samaras und seine neue Drei-Parteien-Koalition noch einmal im Haushalt kürzen, zum Ärger der Bevölkerung. "Die 300 Abgeordneten sollen für die Griechen sterben und nicht die Griechen umbringen. Wir werden diese Politik zu Fall bringen", ruft der Gewerkschaftssekretär Nikos Kioutsoukis den Demonstranten zu.

Doppelter Druck auf Samaras

Es ist der 26. Generalstreik seit dem Ausbruch der Krise, der erste nach den jüngsten Wahlen. Stoppen, da sind sich die meisten Beobachter einig, wird er den Sparkurs der Regierung wohl nicht. Glaubt man Medienberichten, haben Samaras und sein Finanzminister Ioannis Stournaras bereits am Dienstagabend die einzelnen Posten des Sparpaketes festgezurrt. Laufen soll es bis zum Jahr 2014.

Geht es nach Samaras, sieht der weitere Fahrplan so aus: Am Donnerstag soll das Sparpaket von den Koalitionspartnern abgesegnet und in der kommenden Woche den Chefkontrolleuren der Troika präsentiert werden. Die Zeit drängt, denn am 8. Oktober tagen die Finanzminister der Euro-Gruppe. Sie werden entscheiden, ob die nächste, längst überfällige Kredittranche an Griechenland fließen kann oder nicht. Erst wenn die Troika grünes Licht gibt und das Sparpaket beschlossen ist, besteht die Chance, dass der Rest Europas weitere Hilfskredite überweist. Sonst steht das Land vor dem Bankrott.

Samaras steht gleich doppelt unter Druck: außen- wie innenpolitisch. Der Generalstreik zeigt einmal mehr, dass zu harte Zugeständnisse gegenüber der Troika politisch kaum zu machen sind. Auch deshalb hält der griechische Premier an der Forderung fest, die Umsetzung der bevorstehenden Sparrunden um zwei Jahre bis 2016 zu strecken. Das würde die Folgen für die Bevölkerung mildern. Samaras soll sich hierfür bereits vor wenigen Tagen bei Italiens Ministerpräsident Mario Monti und Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy die nötige Rückendeckung für den Plan geholt haben. Käme es soweit, würde Griechenland je nach Schätzung einige Milliarden mehr benötigen . Anfang der Woche war von 20 bis 30 Milliarden Euro die Rede, Athen selbst spricht von höchstens 15 Milliarden. Im Norden der Währungsunion – etwa in Deutschland – verstärkt sich der Eindruck, Griechenland sei ein Fass ohne Boden.