Im Lauf der seit mehreren Jahren anhaltenden Wirtschaftskrise in Griechenland ist so mancher Vorschlag zur Rettung des Landes gemacht worden, die meisten sind jedoch schnell wieder verschwunden. Der neueste lautet: die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen. Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Kostis Hatzidakis , hat sich dafür ausgesprochen, im aktuellen Spiegel plädiert EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ebenfalls dafür . Das Ziel ist, Investoren wieder nach Griechenland zu locken und das Land so aus der Rezession zu führen.

Sonderwirtschaftszonen, wie sie etwa in Transformationsländern wie China oder Indien existieren, sind Gebiete innerhalb eines Staates, in denen Investoren rechtliche und administrative Erleichterungen genießen. Vor allem an letztere denkt Christos Katsioulis, der das Athener Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung leitet. "Sonderwirtschaftszonen in Griechenland müssten an den wirklichen Investitionshemmnissen ansetzen", sagt er und nennt die drei wichtigsten Probleme: "eine überbordende Bürokratie, jahrelange Antragsverfahren und Rechtsunsicherheit, weil sich Gesetze ständig ändern".

Die Klagen über die schlecht arbeitenden Behörden und die langsame Justiz in Griechenland sind nicht neu. Nach Ansicht von Experten wird es Jahre dauern, die Strukturen grundlegend zu reformieren. Da könnte es hilfreich sein, innerhalb eines kleineren, räumlich begrenzten Gebietes die Rahmenbedingungen zu verbessern, beispielsweise Genehmigungsverfahren zu vereinfachen. Von den Sonderwirtschaftszonen aus könnten die neuen Strukturen sich dann auf das ganze Land ausbreiten.

Was wird aus dem Reformdruck?

In der griechischen Regierung denkt man vor allem über "Innovation Cluster" nach, also die Ansiedlung bestimmter Industriezweige in ausgewählten Regionen. Vertreter der deutschen Industrie können sich vor allem Firmen aus der IT-Industrie vorstellen, die in Griechenland im europäischen Vergleich unterrepräsentiert ist, oder Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien. Dank beschleunigter Genehmigungsverfahren könne man neue Branchen schneller aufbauen, wird argumentiert.

Ralph Wrobel, der sich intensiv mit ökonomischen Übergangsprozessen und Sonderwirtschaftszonen befasst hat, betrachtet die Idee von Sonderwirtschaftszonen jedoch mit Skepsis: Der Professor von der Westsächsischen Hochschule Zwickau fürchtet, solche ausgewählten Gebiete würden den Reformdruck im gesamten Land mindern. "Die griechische Regierung würde sich nur noch auf die Sonderwirtschaftszonen konzentrieren und auf die hervorragenden Bedingungen dort verweisen, und in allen anderen Gegenden des Landes die notwendigen grundlegenden Reformen verschleppen." Für ihn ist deshalb klar: Wenn, dann müsste ganz Griechenland zur Sonderwirtschaftszone werden.

Er hält nichts davon, dass der griechische Staat einzelne förderwürdige Projekte auswählt. Tatsächlich haben die bisherigen Versuche in Griechenland, in strukturschwachen Regionen Industrie von Grund auf neu aufzubauen, keinen wirklichen Erfolg gehabt. Cluster lassen sich am ehesten dort etablieren, wo schon passende Industrie existiert, auf die man aufbauen kann. Nur gibt es davon in Griechenland zu wenig. Darum wird auch Zweifel am Erfolg eines solchen Projekts laut. "Es ist nicht so, dass die Unternehmen sehnsüchtig auf Sonderwirtschaftszonen warten", ist aus der deutschen Wirtschaft zu hören.