Ifo-IndexUnternehmen beklagen trübe Konjunkturaussichten

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich weiter verschlechtert. Der ifo-Index ist erneut gesunken – den fünften Monat in Folge. Anleger reagierten enttäuscht. von dpa, reuters und dapd

Die Unternehmen in Deutschland blicken auch im September eher pessimistisch in die Zukunft. Der entsprechende Ifo-Geschäftsklimaindex ging von 102,3 Punkten im August auf nun 101,4 Zähler zurück. Damit sank der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur zum fünften Mal in Folge und steht auf dem niedrigsten Stand seit Anfang 2010.

"Die bremsenden Einflüsse auf die Konjunktur dominieren weiterhin", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn und verwies damit auf die weltweit trüberen Konjunkturaussichten und die ungelöste Schuldenkrise in Europa .

Anzeige

Angesichts dessen schätzten viele der befragten 7.000 Unternehmen sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch ihre aktuelle Lage schlechter ein. Das Barometer für die Geschäftserwartungen fiel um 1,0 auf 93,2 Zähler. Der Index für die aktuelle Lage gab um 0,8 auf 110,3 Punkte nach.

In den einzelnen Branchen fällt das Bild durchaus gemischt aus. Besonders pessimistisch sind die Unternehmen der exportabhängigen Industrie und in der Baubranche. Im Groß- und Einzelhandel dagegen besserte sich die Stimmung , genauso wie im Dienstleistungssektor.

Auf diese Fortsetzung des negativen Trends reagierten Ökonomen und Analysten überrascht. Viele Experten hatten mit einem zumindest gleichbleibenden Wert gerechnet. Ihre Argumentation stützten sie vor allem auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Kauf von Anleihen krisengeplagter Euro-Staaten , was die Märkte deutlich beruhigt hatte.

Diese Bemühungen zur Stabilisierung der Eurozone machen auf die deutsche Wirtschaft aber augenscheinlich wenig Eindruck. "Die Notenbankaktionen haben offensichtlich nur die Stimmungslage der Finanzmarktanalysten beeinflusst", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "Anscheinend lassen die Unternehmen sich derzeit von der mauen Auftragslage stärker beeindrucken." Ihm zufolge würden die Geschäftserwartungen auf eine schrumpfende Wirtschaftsleistung hindeuten .

Der Pessimismus der Unternehmen übertrug sich auch auf die Investoren an der Frankfurter Börse . Dort machte der Leitindex Dax am Vormittag weitere Verluste und verlor bis zum Mittag 0,6 Prozent auf 7.409 Punkte. Auch der Euro geriet dadurch unter Druck. Die Gemeinschaftswährung büßte kräftig ein und kostete um 1,29 Dollar. Zuvor hatte der Euro deutlich darüber gelegen.

"Es fehlt momentan an neuen Impulsen", sagte ein Händler. Die Freude über die neuen Stützungsprogramme der EZB und der US-Notenbank Fed sei längst verpufft.

Hinweise auf eine schlechte Konjunkturentwicklung gaben in der Vergangenheit schon mehrere Indikatoren. So erwartet die Industriestaaten-Organisation OECD für das zweite Halbjahr eine leichte Rezession für Deutschland. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut beziffert das Rezessionsrisiko auf 30 Prozent.

Dem stehen allerdings auch andere Zahlen gegenüber. So waren Industrieaufträge, Exporte und Produktion zuletzt gestiegen, weshalb einige Banken-Ökonomen auch ein leichtes Wachstum für möglich halten. Das Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen, im ersten Vierteljahr um 0,5 Prozent.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Gerry10
    • 24. September 2012 10:34 Uhr

    ...könnte der Binnenmarkt jetzt kompensieren, aber jetzt hat man die Not.
    Was folgt ist ein steigen der Arbeitslosenzahl, weil eben Exportwirtschaft vom Gehalt in anderen Ländern abhängt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • xpeten
    • 24. September 2012 11:29 Uhr

    in anderen Ländern ab?

    Welche deutsche Firma kann es sich erlauben, zwar gute, aber im Vergleich zu chinesischen völlig überteuerte Investitionsgüter zu kaufen?

    Im privaten Bereich das gleiche: Man kauft Ein-Euro-Wegwerf-Schrott aus China und beklagt dann den Niedergang deutscher Qualitätsmarken.

  1. Wenn man sich den eigenen Markt kaputtspart und seinen Mitarbeitern keine angemessenen Löhne zahlt, dann steht man eben dumm da, wenn es anderswo nicht mehr ganz so strahlend läuft.

    • Chali
    • 24. September 2012 11:00 Uhr

    "Im Groß- und Einzelhandel dagegen besserte sich die Stimmung, genauso wie im Dienstleistungssektor"

    Ich sags ja:
    Die unbegrenze Konsumfreude der Deutschen haut eben alles wieder heraus!
    Man muss ja nur am Samstag zu ALDI gehen: Brechend voll!
    Und Weihnachten ist ja auch bald wieder!

    Und die Arbeitslosenzahl wird ganz sicher nicht steigen!
    (Nur vielleich die Zahl der Arbeitslosen oder -suchenden)

    • Hoplon
    • 24. September 2012 11:10 Uhr

    ist eben die Abhängigkeit von den Nachbarn. Eben diese Konsumenten hat man schon längere Zeit anschreiben lassen,
    jetzt ist es soweit. Die Zahlungsunfähigkeit dieser Länder können auch die geleisteten Transferzahlungen nicht mehr kaschieren.

    Dennoch muß ich den ersten beiden Kommentaren teilweise widersprechen. Es gab in einigen Branchen Lohnsteigerungen in den letzten Jahren, aber das konnte offenbar die allgemein sinkende Kaufkraft nicht ausreichend kompensieren.

    • Laoyafo
    • 24. September 2012 11:13 Uhr

    Wir sehen es beim HSV: Mit van der Vaarts Rückkehr ging ein Ruck durch die Mannschaft, und ein -- zugegeben, etwas glücklicher -- Erfolg kam schon bald. Auch in der Wirtschaft ist ein Gutteil Psychologie. Damit, dass sich die Medien beim Zitieren der Ranking-Agenturen neuerdings zurückhalten (hoffentlich kein Zufall) ist schon ein Anfang gemacht.

    Der Grat zwischen Bericht und Beeinflussung ist halt schmal.

    • xpeten
    • 24. September 2012 11:29 Uhr

    in anderen Ländern ab?

    Welche deutsche Firma kann es sich erlauben, zwar gute, aber im Vergleich zu chinesischen völlig überteuerte Investitionsgüter zu kaufen?

    Im privaten Bereich das gleiche: Man kauft Ein-Euro-Wegwerf-Schrott aus China und beklagt dann den Niedergang deutscher Qualitätsmarken.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dies ist nur der eine Teil der Wahrheit. Es gibt aber sicher viele die Deutsche Waren vorziehen würden gegenüber Chinesischen. Nur die Einkommenshöhe und die zu geringe Unterscheidungs Differenz verhindern dies.

    In ein paar Jahren wird die Schweiz nur noch ein Schatten ihrer selbst sein und endlich Europa tauglich! Schauen sie sich es an, was dort passiert und sie werden Bescheid wissen.

    Die Schweizer hätten es in der Hand, Ihre Hochlohn Insel und Hochpreis Insel zu retten und was tun Sie? Sie rennen wegen der Billlgienpreise, nach Deutschland Frankreich Österreich und Italien.
    Sie sparen sich nicht viel, den Benzin und Zeitaufwand kompensieren das ganze. Im direkten Preisvergleich gewinnen die 4 Länder aussen herum ganz klar.

    Was schon die ganze Zeit geschieht, ist nichts anderes als der langsame zerfall des Systems.

    Die Leute wollen überall mehr Lohn, aber mehr bezahlen dafür wollen sie nicht! Genau da liegt das Problem. Die Leute erkennen nicht mal die direkten zusammen hänge.

    Wobei die Politik Deutschlands ihr übriges tut und alles mit herunter reisst.

    Man rettet weder den Euro noch Europa in dem man Geld verschiebt oder erfindet wo es keines gibt. Man muss da schon ans System ran.

    "Welche deutsche Firma kann es sich erlauben, zwar gute, aber im Vergleich zu chinesischen völlig überteuerte Investitionsgüter zu kaufen?"

    Tja, wenn es denn so einen einfachen Zusammenhang zwischen ordentlicher Bezahlung der Belegschaften und den Kosten der Produkte gebe. Dummerweise führt das bei der Belegschaft eingesparte Geld aber nicht grundsätzlich zu günstigeren Preisen des Produktes, sondern das Geld bleibt in den Führungsebenen hängen bzw. lässt die Unternehmensgewinne explodieren. Also reine Umverteilung von unten nach oben - und dass der Milionär sich nicht noch den 10. Neuwagen kauft um den Konsum zu stützen, sich dafür der einfache Arbeiter aber kein neues Auto mehr leisten kann, das dürfte dann auch irgendwann allen klar werden.

  2. und wen störts? Niemanden! Hat es in der Legislatur eine Veränderung zur Abschaffung oder Milderung der kalten Progression beim Durchschnittsverdiener gegeben? NEIN! Hat es eine spürbare Senkung der Sozialkosten für Arbeitnehmer gegeben oder wurde die Parität zwischen Arbeitgeber und--nehmer wieder herbeigeführt? NEIN!
    Hat es spürbare Gehaltserhöhungen (8-10%pro Jahr)gegeben? NEIN!
    Wurde der wirtschaftliche Verlust durch Einführung des Euro für die Bürger abgemildert? NEIN!
    Unternehmen brauchen nicht klagen. Sie haben seit 20 Jahren die Sahne bekommen.

    • reineke
    • 24. September 2012 11:38 Uhr

    und die Realität scheinen doch ein verschiedenes Paar Schuhe zu sein

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle dpa, dapd, Reuters
  • Schlagworte Unternehmen | Dax | Europäische Zentralbank | OECD | Anleihe | Bruttoinlandsprodukt
Service