Post-Vorstand Gerdes"Wir waren nie so gut wie heute"

Die Post erhöht zu Recht das Porto für Briefe, sagt der Vorstand Jürgen Gerdes im Interview. Das Unternehmen sei besser geworden – und gewappnet gegen Konkurrenten. von Corinna Visser

Frage: Herr Gerdes, Sie haben bei der Bundesnetzagentur beantragt, das Briefporto erhöhen zu dürfen . Der Standardbrief soll ab Januar 58 statt bisher 55 Cent kosten, der Maxibrief 2,40 statt 2,20 Euro. Wie zuversichtlich sind Sie, dass das genehmigt wird?

Jürgen Gerdes: Wir sind guter Dinge. Für solche Preisanpassungen gibt es ein von der Behörde vorgeschriebenes Verfahren. An dieses haben wir uns exakt gehalten.

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Frage: Die Kosten steigen jedes Jahr. Heißt das, es gibt jetzt jährlich Preissteigerungen?

Gerdes: Wir haben seit 15 Jahren den Preis für den Standardbrief nicht erhöht, trotz erheblich gestiegener Kosten. Das war nur möglich, weil wir unsere Produktivität durch viele Maßnahmen ständig verbessert haben. Wenn gleichzeitig immer weniger Briefe geschrieben werden, lassen sich damit allein aber die steigenden Kosten irgendwann nicht mehr auffangen.

Frage: Viele Kunden beschweren sich, dass Paketzusteller lieber gelbe Zettel in den Briefkasten werfen als zu klingeln...

Gerdes: Ich glaube, dass dieser Eindruck falsch ist. Wir stellen jeden Tag ungefähr drei Millionen Pakete zu, und die Quote der Benachrichtigungen liegt deutlich unter fünf Prozent. Das ist bereits sehr gut. Wir arbeiten aber daran, dass es noch besser wird.

Frage: Was tun Sie denn?

Jürgen Gerdes

sitzt seit 2007 im Vorstand der Deutschen Post. Er verantwortet das Briefgeschäft des Konzerns.

Gerdes: Wir bieten eine ganze Palette von Services an, die Zustellung von Zuhause aus individuell zu steuern. Im Internet können Sie sich einen Wunschtag für die Zustellung aussuchen, eine E-Mail-Benachrichtigung einrichten, eine bestimmte Filiale oder einen Nachbarn auswählen, bei dem sie Ihre Sendungen abholen wollen, oder Wunschzeiten vereinbaren. Es gibt viele weitere Möglichkeiten – diese finden Sie auf www.paket.de .

Frage: Aber der Wunschtermin bringt ja nichts, wenn der Zusteller gar nicht erst klingelt.

Gerdes: Bei allem Respekt, ich weiß, dass das immer wieder behauptet wird. Natürlich machen auch unsere Kollegen mal einen Fehler. Aber sie wissen ganz genau, wie wichtig der erste erfolgreiche Zustellversuch ist. Die Behauptung, dass die Zusteller systematisch gelbe Zettel in die Briefkästen werfen, weil sie keine Lust haben, Treppen zu steigen, ist einfach falsch. Es kommt ja auch vor, dass Kunden die Klingel überhören.

Frage: Wie wollen Sie die Zustellung verbessern?

Gerdes: Wir testen gerade etwas sehr spannendes, den Paketbriefkasten. Jeder Mensch, der ein Haus baut oder eine Wohnung bezieht, hat einen Briefkasten. Wissen Sie nach welcher gesetzlichen Vorgabe?

Frage: Nein, nach welcher?

Gerdes: Es gibt keine. Aber jeder macht das intuitiv, weil er erreichbar sein möchte. Wir haben überlegt, wie wir auch mit dem Paket in Ein- und Zweifamilienhäusern eine Zustellung schaffen, die zu 100 Prozent im ersten Anlauf klappt. Das ist etwa bei Lebensmittellieferungen wichtig. Wir haben Kästen entwickelt, in die Pakete hineinpassen. Die gibt es in klein, mittel und groß. Der Kunde hat einen Schlüssel, der Zusteller auch. In Zukunft wird man dort auch seine abgehenden Pakete hineinstellen können. Dann bieten wir den kompletten Service an der Haustür.

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