SchuldenkriseJapans politischer Bankrott

Die Schuldenkrise in Japan hat vor allem politische Ursachen. Das parteipolitische Gezerre könnte das Land in eine neue Rezession stürzen. von 

Japans Premierminister Yoshihiko Noda

Japans Premierminister Yoshihiko Noda   |  © dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass Japans Opposition über Haushaltsverhandlungen versucht, der Regierung eins auszuwischen. Als noch die Liberaldemokraten (LDP) regierten, blockierte die Demokratische Partei (DPJ) einen notwendigen Nachtragshaushalt. Nun regiert die DPJ und die LDP blockiert. Doch so ernst wie zurzeit war die Lage noch nie.

Weil die Opposition der Ausgabe neuer Staatsanleihen nicht zustimmt, droht der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt schon in wenigen Monaten die Zahlungsunfähigkeit . Die Reserven könnten im November aufgebraucht sein, warnte Finanzminister Jun Azumi und appellierte an die Vernunft der Politiker. Bislang ohne Erfolg. Die Liberaldemokraten wollen mit ihrer Blockade eine Auflösung des Parlaments und damit Neuwahlen erzwingen.

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Japan muss schon seit geraumer Zeit die Hälfte seines Haushalts über neue Schulden finanzieren. Die Gesamtverschuldung ist mit 220 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung so hoch wie in keinem anderen Industrieland. Anfang der 1990er Jahre ist die japanische Wirtschaft in eine Krise gerutscht, von der sie sich im Grunde bis heute nicht erholt hat. Damals platzte eine gigantische Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt. Das Land befindet sich seit nunmehr 20 Jahren am Rande einer Deflation. Das heißt: Preise und Löhne sinken, die Wirtschaft kommt nicht wirklich in Gang.

Der Staat versucht gegenzuhalten und hat ein Konjunkturpaket nach dem anderen aufgelegt. Durchaus auch mit Erfolg. Zu einem dramatischen Absturz wie etwa 2008 in den USA nach der Lehman-Pleite oder auch derzeit in Südeuropa ist es in Japan nie gekommen.

Doch der Preis ist hoch: Die Schulden sind seit Anfang des Jahrtausends Jahr für Jahr kräftig gestiegen. Die Notenbank hat gleichzeitig die Geldmenge enorm ausgeweitet. Zu einer erwünschten Inflation, die dabei helfen würde, den Schuldenberg abzutragen, ist es bislang aber nicht gekommen. Im Gegenteil: Angesichts anhaltend schwacher Konjunkturdaten bleibt die Wirtschaft in der Deflation gefangen.

Bislang waren die hohen Staatsschulden für Japan aber verkraftbar, denn das Land ist vor allem bei seinen Bürgern verschuldet. Die japanischen Banken haben die Ersparnisse der Bürger aus den Wirtschaftswunderzeiten der 1970er und 1980er in vermeintlich sichere Staatsanleihen gesteckt. 

Leserkommentare
  1. nicht China droht der Crash, sondern Japan.
    Aber mit sicherheit nicht wegen "Parteipolitischem gezerre" oder gar "parlamentarischem Geschwätz", die nun mal eine gesunde demokratie bedingen, sondern wegen der Wirtschaft, die sich and das amerikansiche System anlehnt.

    England hat das gleiche Problem mit seinem aufgeblächten Finanzdienstleistungssektor, der kurz vor dem Kollaps steht.
    Sollte dieser platzen, ist auch der Niedergang der Wallstreet sicher.

    Europa und China werden sich als Stabilisatoren des Systems wiederfinden.

  2. China, Japan, Europa USA und wer noch alles? ist das nicht lustig wenn die alle gleichzeitig in die pleite segeln? aber die krise ist ja beherrschbar, gell?

    2 Leserempfehlungen
  3. Was ist das wieder für ein total verblendeter Artikel? Toller Erfolg sind die Konjunkturpakete. Statt eine kurzen, scharfen Rezession haben die Japaner seit 20 Jahren eine Depression. Und solange der Großteil japanischen Kapitals in überschuldeten Zombiebanken und dem Zombiestaat gebunden ist wird es nicht für produktive Tätigkeiten genutzt.

    Die Regierung gibt über 40% seiner Einnahmen für Schuldendienste aus während sich die Zinsen japanischer Anleihen auf historischem Tief befinden. Sollten diese auch nur um 2% steigen ist der Staat zahlungsunfähig.

    Dieses Ereigniss scheint uns bald bevorzustehen. Die Regierung hat das von den Bürgern angespaarte Kapital aufgebraucht: Die Sparquote ist dieses Jahr das erste mal seit Jahrzehnten negativ. Die Rentenversicherer werden die rasant steigende Zahl von Alten auszahlen müssen, d.h. sie müssen die Staatsanleihen verkaufen um ihrer Pflicht nachzugehen. Das nimmt kein gutes Ende.

    • Xdenker
    • 11. September 2012 18:56 Uhr

    Die japanische Volkswirtschaft ist hoch wettbewerbsfähig und verfügt mit ca. 2,5 Billionen Euro über das weltweit größte Nettoauslandsvermögen aller Volkswirtschaften (http://www.boj.or.jp/en/r..., Tab. 7, S. 9 (Alle Angaben in JPY)). Japan ist daher per Saldo alles andere als verschuldet.

    Verschuldet ist der japanische Staat, und das überwiegend bei den eigenen Bürgern. Die ziehen es offenbar seit nun schon zwei Jahrzehneten vor, ihr Erspartes dem Staat zu überlassen, statt es in die Wirtschaft zu investieren. Ein Einstellungswandel der Sparer könnte die Situation daher grundlegend ändern. Er ließe sich wahrscheinlich dadurch herbeiführen, dass der Staat tatsächlich keinen zusätzlichen Kredit bei seinen Bürgern mehr nachfragte. Also das wahr machte, was hier als Gefahr an die Wand gemalt wird und seine Ausgaben drastisch kürzte. Dann müssten die Japaner ihr Geld ausgeben oder woanders, idealerweise im Inland, anlegen. Das wäre gut für die japanische Wirtschaft und daher wünschenswert.

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