AtomenergieUran aus russischen Waffen für deutsche Atomkraftwerke

In deutschen AKW werden offenbar in großem Stil Brennelemente verwendet, deren Uran aus russischen Atomwaffen stammt – es wäre ein für beide Seiten profitables Geschäft. von dpa

Im Atomkraftwerk Gundremmingen blicken zwei Arbeiter in Schutzanzügen auf ein Brennelement im Lagerbecken.

Im Atomkraftwerk Gundremmingen blicken zwei Arbeiter in Schutzanzügen auf ein Brennelement im Lagerbecken.  |  ©Stefan Puchner/dpa

Deutsche Atomkraftwerke werden offenbar seit Jahren mit Uran aus russischen Militärbeständen betrieben. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass in den vergangenen zehn Jahren mehr als 1.000 Brennelemente eingesetzt worden seien, die solches Uran enthielten. Bei weiteren 500 gelte dies als sehr wahrscheinlich, der Einsatz von zusätzlichen 180 Elementen sei geplant. Mit 200 Brennelementen lässt sich ein Atomkraftwerk rund fünf Jahre betreiben.

Es geht dabei um mindestens 100 Tonnen militärisches Uran. Das Programm ist dem Bericht zufolge gestartet worden, nachdem Russland 2002 Deutschland um Hilfe bei der Entsorgung hochangereicherten Urans und strahlenden Plutoniums aus Atombomben oder U-Booten gebeten habe. Aus einer Mischung von wieder aufbereitetem Uran aus Westeuropa und höher angereichertem Uran wurden in der Nähe von Moskau Brennelemente hergestellt. Per Bahn, Schiff und Lastwagen seien sie in die Kernkraftwerke Obrigheim und Neckarwestheim (beide von EnBW betrieben), Brokdorf ( E.on ), Unterweser (E.on) sowie Gundremmingen (RWE und E.on) gebracht worden.

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Beide Seiten hätten von den weitgehend im Geheimen ablaufenden Geschäften profitiert, schreibt die Süddeutsche . Brennelemente aus Russland seien für deutsche AKW-Betreiber billiger gewesen als jene aus westlicher Produktion, sagte ein Insider der Zeitung, und Russland habe seine strahlende Hinterlassenschaft so auch noch zu Geld machen können. RWE bestätigte der Zeitung den Einsatz von 856 Brennelementen; auch E.on gab den Einsatz militärischen Urans zu.

Das Projekt habe außerdem nicht nur der Abrüstung und der Stromgewinnung gedient: Bei den Kraftwerksbetreibern habe es Überlegungen gegeben, durch die Verwendung von früheren Bestandteilen des russischen Atomwaffenarsenals in deutschen Kernkraftwerken möglicherweise längere Laufzeiten erreichen zu können. Auch sei erwogen worden, den noch gefährlicheren Atombombenstoff Plutonium aus russischen Militärbeständen in deutschen Kraftwerken zu verwenden, obwohl diese Bestände in den vereinbarten Restlaufzeiten gar nicht hätten verbraucht werden können.

"Druck auf eine Verlängerung der Laufzeiten"

In einem internen Schreiben der EnBW-Kraftwerke AG von 2001, das der Bericht zitiert, heißt es: "Die Bundesregierung weiß allerdings nicht, dass die Zeiträume, die benötigt werden, um all das russische Plutonium in Reaktoren zu verbrennen, doch deutlich länger sind als die 'Restlaufzeiten' des Energiekonsenses, so dass hieraus der Druck auf eine Verlängerung der Laufzeiten entstehen wird." EnBW teilte gegenüber der Süddeutschen mit: "Wir verwahren uns gegen eine pauschale Unterstellung einer geplanten Täuschung."

Das Bundesumweltministerium verwies darauf, dass für den Bereich der Brennelemente die Atomaufsichten der Länder zuständig seien und für die Einfuhr das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums.
 

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Leserkommentare
    • lemax11
    • 15. September 2012 17:41 Uhr

    Ich verstehe den geschilderten Sachverhalt, nicht aber wieso dies einen Artikel wert ist.
    In Deutschland werden, was allgemein bekannt ist, Kernkraftwerke betrieben, der Kernbrennstoff muss irgendwo her kommen, und es spricht doch nichts dagegen das dieses Uran ursprünglich mal in russischen Atombomben verbaut war und nun abgereichert einer dann doch sinnvolleren, weil friedlichen, Nutzung zugeführt wird.

    Gibt es dazu andere Meinungen?
    LG

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    "Ich verstehe den geschilderten Sachverhalt, nicht aber wieso dies einen Artikel wert ist"
    ###
    Einen Artikel ist der Sachverhalt m. E. zwar schon wert, aber der würde eher in die Rubrik "Wissenschaft" gehören.

    • iawdw
    • 15. September 2012 19:58 Uhr

    Zwar kann ich nachvollziehen, dass man an dem Vorgang nichts Skandalöses finden will.
    Ich bin dennoch anderer Meinung.
    Die reale Gefahr der Proliferation ist vielleicht nicht so vielen Lesern bekannt, doch nicht umsonst dürfen Bürger bestimmter Staaten immer noch nicht in deutschen Kernkraftwerken bzw. deren Zulieferbetrieben arbeiten.
    Während also nach außen strenge Anti-Proliferation-Regeln bestehen bleiben und deutsche Innenminister immer einschneidendere Sicherheitsgesetze auch mit einem möglichen Terroranschlag mit gestohlenem Uran begründen, wird hinterrücks sogar hochgefährliches Plutonium als "Brennstoff" in Betracht gezogen.
    Ich fühle mich deshalb hinters Licht geführt, der Artikel ist keineswegs überflüssig.

    • Kakiss4
    • 15. September 2012 17:46 Uhr

    Nein, ist doch wirklich gut wenn es den Deut der Abrüstung gibt.
    Lieber als Strom für das Volk als dass es als Bombe gegen dieses wirkt.
    "Verbrennt" ruhig weiter russische Bomben :)

  1. Wirklich eine sinnvolle Methode Atomwaffen aus der Welt zu schaffen und auch noch wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen, nachdem zuvor das Geld sinnlos für die Rüstung - die eigentliche Atomgefahr - ausgegeben wurde. Weiter so!

  2. 4. .....

    Ich verstehe den skandalösen Grundton des Artikels nicht ganz...So oder so ähnlich lässt es sich doch auch in der Wikipedia nachlesen und das Ganze ist auch ein beliebtes Argument der Kernkraftgegner (z.b. mir selbst) gegen AKWs, weil die Ressourcen die derzeit verbraucht werden ohne die Militärbestände ein Gap von ein 10000 Tonnen jährlich aufweisen, soll heißen es wird nicht soviel gefördert wie verbraucht wird. Neuerschlossene Minen scheinen riskant, teuer und Mangelware zu sein.

  3. Irgendwie habe ich das Gefühl, der Artike versuche manipulativ meine Empörung zu wecken.

    Nur finde ich es halt sehr gut, wenn militärisches Nuklearinventar für zivile Zwecke umfunktioniert wird wird - auch als Atomkraftgegner. Es schont die Umwelt und trägt zur Abrüstung bei. Besser geht es kaum.

    Dass die Geschäfte im Geheimen abliefen und dass sie für die Beteiligten profitabel waren ziegt nur eines: Es war ein gutes Geschäft und zumindest auf deutscher Seite sind die AKW-Betreiber private Unternehmen, von denen ich nicht erwarte, dass sie über jede Transaktion gegenüber der Öffentlichkeit Transparenz herstellen müssen.

    Und das Schreckgespenst der Laufzeitverlängerung ist ja nun auch endgültig vom Tisch, keine Ahnung, wieso da noch was mit russischem Plutonium an den Haaren herbeigezogen werden muss - ist von der Realität ohnehin widerlegt, egal was es vor über zehn Jahren bei EnBW mal für Meinungen gegeben jaben mag.

    Also wie gesagt: Die Hälfte des Artikels sind irgendwie nutzlose bzw. überflüssige Informationenen und dann gefällt mir dieser Empörungston nicht.

  4. Wenn schon Atomkraft,dann kann man auch Brennelemente aus Atomwaffen nutzen.

  5. Konversion als "Win-Win-Situation". Aber das dürfte auch wieder einigen Dauer-Kritikastern nicht recht sein.

  6. "Ich verstehe den geschilderten Sachverhalt, nicht aber wieso dies einen Artikel wert ist"
    ###
    Einen Artikel ist der Sachverhalt m. E. zwar schon wert, aber der würde eher in die Rubrik "Wissenschaft" gehören.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapad
  • Schlagworte E.on | Bundesregierung | EnBW | Abrüstung | Atomkraftwerk | Bahn
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