Streik : "Wir werden zur Frust-Hansa"

Im Streit zwischen Lufthansa und der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo geht es um mehr als eine Lohnerhöhung. Die Mitarbeiter fürchten die Billigstrategie der Airline.

Angry Birds, zornige Vögel: Die Worte waren auch am Dienstag wieder auf manchen T-Shirts und Plakaten zu sehen, die die Flugbegleiter der Lufthansa auf ihren Kundgebungen tragen. Angry Birds heißt eines der weltweit beliebtesten Computerspiele, in das sich wohl auch manche Stewardess auf einem Langstreckenflug vertieft. In dem Spiel muss man mit einer virtuellen Schleuder putzig-grimmig dreinschauende Vögel gegen Holz- und Steinfestungen der bösen Schweine-Armee schleudern und diese geschickt zerstören. Die Schweine, das sind die, die den Vögeln die Eier klauen. In dem Spiel sind die Fronten klar.

Angry Birds soll auch anspielen auf den Kranich, das Lufthansa-Wappentier, das auf den Protestplakaten gern im Sturzflug oder mit gerupften Flügeln dargestellt wird. Schilder mit der offiziellen Kernforderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent Gehalt aber sieht man kaum. Denn es geht in diesen Konflikt um mehr: Die Angst davor, dass sich einer der beliebtesten Arbeitgeber der Republik unter Kostendruck zu einem ganz gewöhnlichen Arbeitgeber wandelt.

"Wo Lufthansa drauf steht, muss auch Lufthansa drin sein", hieß es auf einem Plakat in Frankfurt. Oder: "Wir sind Lufthansa, doch so werden wir zur Frust-Hansa". Ein anderes Plakat verstanden nur nähere Beobachter der Branche, traf aber wohl den Kern der Auseinandersetzung: "Direct4You, nothing 4 us".

Hinter dem kryptischen Namen Direct4you verbirgt sich ein konzerninternes Programm, mit dem der Lufthansa-Konzernvorstand die Gründung einer neuen Billigfluglinie vorantreibt, die freilich anders heißen soll. Der konkrete Plan sieht vor, dass die bereits bestehende Billigflugtochter Germanwings zusammengelegt wird mit den Strecken der Marke Lufthansa, die Stadt-zu-Stadt-Verbindungen bedienen – aber nicht Zubringerdienste für die großen Knotenpunkte in Frankfurt und München. Diese freien Strecken, so das Kalkül, könnte man in einer neuen Airline bündeln und so die stetig wachsenden Rivalen Ryanair aus Irland und Easyjet aus England angreifen, die selbst auch keine ausgetüftelten Umsteigenetzwerke betreiben, sondern nur direkte Städte-Verbindungen.

Die stolzen Flugbegleiter der Premium-Airline Lufthansa fürchten also, sich in einer Billigtochter wiederzufinden. Zu Billiglöhnen. Nicht sofort, aber irgendwann. Da geraten die aktuellen Forderungen ihrer Flugbegleiter Gewerkschaft Ufo, die rund zwei Drittel der 19.000 Flugbegleiter vertritt, in den Hintergrund – zumal Ufo auch nur eine Einigung mit der Laufzeit für ein Jahr anstrebt, rückwirkend zum 1. April 2012.

Derzeit verdienen Einsteiger als Flugbegleiter rund 1.700 Euro brutto, mit den Jahren steigt der Betrag auf bis zu 4.000 Euro. Kabinenchefs, sogenannte Purser, verdienen bis zu 7.000 Euro. Die Lufthanseaten, die das Unternehmen über die Leiharbeitsfirma Aviation Power für den Einsatz ab Berlin rekrutiert hat, steigen zwar zu gleichen Gehältern ein, müssen dafür aber acht Prozent länger arbeiten, was man bei Ufo als den Anfang vom Ende der Tarifstruktur begreift.

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

liebe redaktion!

bitte verabschieden sie sich doch endlich von den 7000.--€ für einen kabinenchef!!!

es gibt sicher noch ein paar kollegen, die so ein hohes gehalt beziehen. aber die verträge sind aus der zeit, als lufthansa noch ein staatsbetrieb war.

ich bin kabinenchefin und auch schon seit fast 15 jahren im unternehmen. meine vergütungsendstufe liegt bei 4300.--€ plus zulagen, wohlgemerkt dann nach 23 dienstjahren.

beste grüsse

Ich denke

auch wenn Ihne persönlich das wenig vorkommt, sollten Sie ich mal umhören was man in anderen berfsgruppen so nach 23 Dienstjahren erhält. Allein an Ihrer Stelle lassen sich bis zu 50% einsparen. Deutschland ist ein seltsamer Ort, an dem nach "Dienstjahr" bezahlt wird und nicht nach Leistung. Ich denke rund 2000 Euro Brutto sollte für eine [...] auskömmlich sein - nach egal wieviel Dienstjahren und Zulagen braucht es nicht.

Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/cv

Falsche Baustelle

auch wenn Ihnen persönlich das wenig vorkommt, sollten Sie ich mal umhören was man in anderen berfsgruppen so nach 23 Dienstjahren erhält. Allein an Ihrer Stelle lassen sich bis zu 50% einsparen. Ich denke rund 2000 Euro Brutto sollte für eine Platzeinweiserin auskömmlich sein - nach egal wieviel Dienstjahren und Zulagen braucht es nicht.

Die "Platzeinweiserin", wie Sie sie nennen, hat Führungs- und Personalverantwortung, und muss vor allem bedingungslose Reisebereitschaft mitbringen, ungesunde Arbeitszeiten erleiden, und an einem sehr stressigen Arbeitsplatz auch zu den durchgeknalltesten Kunden (Passagieren) stets freundlich lächeln.

Was hier an fachlicher Qualifikation im Vergleich zu "anderen Berufsgruppen" nicht erforderlich ist, ist auf der anderen Seite bei Qualitäten wie z.B. Belastbarkeit dafür umso mehr der Fall.

Ich würde den Job nicht mein Leben lang, und auch nichtmal ein Jahr, machen wollen - jedenfalls nicht für 4000€ brutto monatlich.

Sehr natürlich ist der Gedanke "was verdienen die denn überhaupt?", wenn mal wieder irgendeine Berufsgruppe streiken will und der Deutsche mit dem ansonsten-tabu-Thema "Gehalt" plötzlich doch bricht.

Gleichermaßen schäbig ist es jedoch, anderen hart arbeitenden Bürgern ihre Leistung abzuerkennen und die Entlohnung zu neiden - und die wahren Ursachen und auch hier Profiteure des "Arbeitskampfes" in Frieden zu lassen: die sogenannten "Leistungsträger" mit ihren Kapitaleinkommen in Millionen- oder gar Milliardenhöhe.

wenig?

da täuschen sie sich aber!

ich bin mit meinem gehalt absolut zufrieden und halte es nicht für zu gering.

einkommen aus anderen berufen sind mir aus meinem umfeld natürlich auch bekannt, wobei ich sagen muss, dass die höhe nicht unbedingt mit dem engagement/der leistung korreliert.

aber sie haben schon recht, die stufensteigerung ist sicher ein überbleibsel aus alten tagen. wobei auch diese kein blanker automatismus ist, sondern an den nachweis von seminarbesuchen geknüpft wird, die auch in der freizeit erfolgen müssen.

angemessen, ja!

da gebe ich ihnen absolut recht.

und noch einmal ja, um flugbegleiterIn zu werden brauchen sie keine abgeschlossene ausbildung und keinen uni-abschluss.
das gehalt liegt bei neueinsteigern auch bei nur ca. 1530.--€ plus zulagen.

falls es sie interessiert können sie hier die voraussetzungen nachlesen:
http://www.be-lufthansa.c...

die qualifikation erfolgt dann im lehrgang und natürlich während des gesamten berufslebens durch regelmässige seminare, trainings und auch tests.

Sie haben den Kern meiner Nachricht nicht verstanden

was macht denn eine Krankenschwester im Krankenhaus? Vergleichen Sie mal die Ausbildung und den Job mit einer Flugbegleiterin.
[..]
Was verdient eine Krankenschwester im Durchschnitt?

Ohne Frage erhält eine Krankenschwester wesentlich weniger als sie verdient - wie eigentlich jeder niedere Angestellte im Bereich Gesundheit/Soziales/Betreuung von Alten.

Dieser ständige Fingerzeig auf Berufsgruppen, denen es noch deutlich dreckiger geht als anderen, als Rechtfertigung dafür, den derzeit zumindest relativ gesehen privilegierten ihr Leben schwer zu machen, ist aber alles andere als zielführend, resultiert in einem Teufelskreis, und erinnert mich einmal mehr an dieses Zitat:

"Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist."
Gebrüder Rothschild

Jemand mit 4000€ monatlichem Brutto häuft kein Kapitalvermögen an und lässt nicht über "leistungslose Einkommen" für sich schuften.

Die mangelnde Solidarität zu in Arbeitskampf befindlichen Berufsgruppen (Ausnahmen wie z.B. aktuell die Ärzte mal außen vor) ist m.E. gleichzusetzen mit der im Zitat angesprochenen Günstlings-Buckelei: der Kniefall vor dem System.

Noch´n Vergleich...

Polizist im mittl. Dienst. Kein Knöllchenverteiler o.ä. sondern hält im schlimmsten Falle und wahrsten Sinne des Wortes, den Kopf hin, ist ebenso für ihre Sicherheit da und kommt zu jeder Tages-und Nachtzeit, wenn um "Hilfe" gerufen wird. Die vielen gefährlichen Einsätze möchte ich gar nicht erwähnen. Wer sich in der Berufssparte auskennt, weiß es. (Der Bürger kennt i.d.R. nur für ihn unangenehme Einsätze)
Nach 40! Dienstjahren: 3400.-€,keine Zulagen.
Streiken - Fehlanzeige, da nicht erlaubt.

dass polizisten...

...einen harten job haben, steht ausser frage!

und dafür klingt das gehalt eher bescheiden.

sie sind als beamte aber auch auf lebenszeit ernannt und werden bei der altersversorgung bevorzugt. so müssen sie keine sozialversicherungsbeiträge leisten und bekommen bei normaler berufslaufbahn in der pension ca 75% ihrer aktiven bezüge (vor steuern).
auch bei berufsunfähigkeit sind sie abgesichert.

und das ist richtig so!

Das neoliberale System

So funktioniert das neoliberale System:

Abbau von Sozialsystemen, Einsparungen bei Bildung, Kultur und Gesundheit und ganz wichtig: Umwandlung geschützter Arbeitsverhältnisse in ungeschützte!

Alles natürlich alternativlos.

Und da kommen doch tatsächlich hier Kommentatoren auf die glorreiche Idee, Flugbegleiter auf das Lohnniveau von Krankenschwestern runter zu ziehen…

Umgekehrt wird ein Schuh daraus!

Vielleicht sollte man Lufthansa-Vorstandschef Franz von seinen knapp 3 Millionen Jahresgehalt auf das (Lohn) Niveau einer Krankenschwester bringen.

alles richtig....

Umgekehrt wird ein Schuh daraus! - erzählen Sie das den Flugbegleitern, dann können sie wieder arbeiten

anstatt zu streiken, sollte man mal nach Berlin marschieren, so 1989, aber offensichtlich geht es der masse immer noch zu gut und sie fühlt sich wohl dabei von lobby-politikern regiert zu werden, die Schmerzgrenze ist eben noch nicht erreicht

komischer weise ich sehe keine Krankenschwestern die streiken!

Mißverstanden - Richtigstellung

Dies war kein Jammern, sondern der Vergleich zur "Kabinenchefin".
Außerdem sind es bis zur Pension in unserem Falle 43 Dienst-Jahre. Es sind 70%. Also blieben 2380.-€, von denen aber bis Lebensende ca. 400.-€ Krankenvers.noch zusätzl. abgehen. Bei Rente entfällt KV. Wir können hin und her vergleichen, was ich eigentl. nicht möchte. Mir ging es einzig darum,(wir sind genügsam), aber das Jammern der Kabinenchefin hinkt.

Ja und in Afrika

verdienen Menschen nur einen Dollar am Tag.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Warum nach unten orientieren? Soziale Berufe heranzuziehen ist immer wieder schön und ja, ich halte es für einen Skandal, wie schlecht in dieser Branche bisweilen bezahlt wird und wie wenig der Dienst am Menschen anerkannt wird.

Aber das hat nichts damit zu tun, dass auch Stewardessen ein Recht auf Streik haben und dafür kämpfen dürfen, dass ihre Arbeitsbedingungen nicht schlechter werden.

Wer jammert hier?

Die Kabinenchefin hat sich nicht über ihr Einkommen beklagt, sondern das immer wieder genannte Spitzengehalt von 7000 EUR moniert, das nur wenige Altgediente aus den goldenen Jahren mitgenommen haben und das heute in dem Job keiner mehr auch nur annähernd erreicht.

Damit hat sie recht. Wenn schon (in Deutschland zur Intimsphäre gehörende!) Zahlen zum Einkommen öffentlich genannt werden, dann sollten sie auch halbwegs richtig sein.

Es geht - bitte nicht vergessen - dabei um einen internen Verteilungsstreit in einem Unternehmen, in dem in den meisten Bereichen Einstiegs- und auch Spitzengehalt gedrückt werden, während die Führungsschicht von einem Einkommensrekord zum nächsten strebt.

Ein Spiegelbild unseren westlichen Gesellschaft also, die sich langsam aber sicher von ihrer Mittelschicht und damit ihrem Status als 1. Welt zu verabschieden scheint.

Was nervt dabei am meisten: der Abstieg an sich, die kühl lächelnden Profiteure und Treiber ganz oben - oder die Wadlbeisser ganz unten, die ihren auch nur etwas erfolgreicheren Mitstreitern lieber vors Schienbein treten als selbst ein größeres Stück vom Kuchen anzupeilen?

Die Antwort habe ich für mich gefunden, liebe Kleine Verkäuferin.

Für wen Arbeiten und Leben ?

Die Situation bei Lufthansa spiegelt eigentlich die gesammt situation im ganzem land wieder.
In Deutschland wollen Menschen für sich Arbeiten sich was leisten, nicht Damit andere in Euroländern immer dicker und fetter werden und hier wird alles Wirtschaftliche seit Jahrzehnten von A bis Z gekürzt oder abgeschafft.

Gewerkschaften

Wie kann es sein, dass ein Unternehmen innerhalb kürzester Zeit das Ziel von so vielen Streiks ist? Meinetwegen mag es alle paar Jahre mal ein oder zwei Streiktage geben (halte Gewerkschaften für wichtig), aber mittlerweile habe ich den Eindruck, dass die Splittergewerkschaften Lufthansa in die Geiselhaft nehmen. Ich habe deshalb kaum noch Verständnis für die Forderungen von UFO, das ist einfach alles zuviel.

Zwischenspiel funktioniert

Ich sehe das ein bisschen anders als Sie. Die "Splittergewerkschaften" zeigen es den großen, wie mans richtig macht! Nur weil die großen Gewerkschaften sich zurückgezogen haben und selbst am großen Kuchen mitverdienen (zumindest die hohen Funktionäre), kann man den Kleinen doch nicht vorwerfen, dass sies richtig machen.
Die Großen können sich ruhig was von den Kleinen abschauen. ;-)