Streik"Wir werden zur Frust-Hansa"

Im Streit zwischen Lufthansa und der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo geht es um mehr als eine Lohnerhöhung. Die Mitarbeiter fürchten die Billigstrategie der Airline. von Kevin P. Hoffmann

Angry Birds, zornige Vögel: Die Worte waren auch am Dienstag wieder auf manchen T-Shirts und Plakaten zu sehen, die die Flugbegleiter der Lufthansa auf ihren Kundgebungen tragen. Angry Birds heißt eines der weltweit beliebtesten Computerspiele, in das sich wohl auch manche Stewardess auf einem Langstreckenflug vertieft. In dem Spiel muss man mit einer virtuellen Schleuder putzig-grimmig dreinschauende Vögel gegen Holz- und Steinfestungen der bösen Schweine-Armee schleudern und diese geschickt zerstören. Die Schweine, das sind die, die den Vögeln die Eier klauen. In dem Spiel sind die Fronten klar.

Angry Birds soll auch anspielen auf den Kranich, das Lufthansa-Wappentier, das auf den Protestplakaten gern im Sturzflug oder mit gerupften Flügeln dargestellt wird. Schilder mit der offiziellen Kernforderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent Gehalt aber sieht man kaum. Denn es geht in diesen Konflikt um mehr: Die Angst davor, dass sich einer der beliebtesten Arbeitgeber der Republik unter Kostendruck zu einem ganz gewöhnlichen Arbeitgeber wandelt.

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"Wo Lufthansa drauf steht, muss auch Lufthansa drin sein", hieß es auf einem Plakat in Frankfurt. Oder: "Wir sind Lufthansa, doch so werden wir zur Frust-Hansa". Ein anderes Plakat verstanden nur nähere Beobachter der Branche, traf aber wohl den Kern der Auseinandersetzung: "Direct4You, nothing 4 us".

Hinter dem kryptischen Namen Direct4you verbirgt sich ein konzerninternes Programm, mit dem der Lufthansa-Konzernvorstand die Gründung einer neuen Billigfluglinie vorantreibt, die freilich anders heißen soll. Der konkrete Plan sieht vor, dass die bereits bestehende Billigflugtochter Germanwings zusammengelegt wird mit den Strecken der Marke Lufthansa, die Stadt-zu-Stadt-Verbindungen bedienen – aber nicht Zubringerdienste für die großen Knotenpunkte in Frankfurt und München. Diese freien Strecken, so das Kalkül, könnte man in einer neuen Airline bündeln und so die stetig wachsenden Rivalen Ryanair aus Irland und Easyjet aus England angreifen, die selbst auch keine ausgetüftelten Umsteigenetzwerke betreiben, sondern nur direkte Städte-Verbindungen.

Die stolzen Flugbegleiter der Premium-Airline Lufthansa fürchten also, sich in einer Billigtochter wiederzufinden. Zu Billiglöhnen. Nicht sofort, aber irgendwann. Da geraten die aktuellen Forderungen ihrer Flugbegleiter Gewerkschaft Ufo, die rund zwei Drittel der 19.000 Flugbegleiter vertritt, in den Hintergrund – zumal Ufo auch nur eine Einigung mit der Laufzeit für ein Jahr anstrebt, rückwirkend zum 1. April 2012.

Derzeit verdienen Einsteiger als Flugbegleiter rund 1.700 Euro brutto, mit den Jahren steigt der Betrag auf bis zu 4.000 Euro. Kabinenchefs, sogenannte Purser, verdienen bis zu 7.000 Euro. Die Lufthanseaten, die das Unternehmen über die Leiharbeitsfirma Aviation Power für den Einsatz ab Berlin rekrutiert hat, steigen zwar zu gleichen Gehältern ein, müssen dafür aber acht Prozent länger arbeiten, was man bei Ufo als den Anfang vom Ende der Tarifstruktur begreift.

Leserkommentare
  1. sind vorbei. Der Kranich wird nur weiterfliegen wenn er abspeckt - und zwar zuerst beim Bodenpersonal und den Flugbegleitern und dann bei den Piloten. Die Vergütung war das reinste Schlaraffenland bei der Lufthansa. Zeit auf dem Boden der Tatsachen aufzusetzen und mit dem Gehsteigrüssel an der Realität anzudocken.

    • peto1
    • 05. September 2012 11:27 Uhr

    Die Situation bei Lufthansa spiegelt eigentlich die gesammt situation im ganzem land wieder.
    In Deutschland wollen Menschen für sich Arbeiten sich was leisten, nicht Damit andere in Euroländern immer dicker und fetter werden und hier wird alles Wirtschaftliche seit Jahrzehnten von A bis Z gekürzt oder abgeschafft.

    • DSL
    • 05. September 2012 11:34 Uhr

    Wie kann es sein, dass ein Unternehmen innerhalb kürzester Zeit das Ziel von so vielen Streiks ist? Meinetwegen mag es alle paar Jahre mal ein oder zwei Streiktage geben (halte Gewerkschaften für wichtig), aber mittlerweile habe ich den Eindruck, dass die Splittergewerkschaften Lufthansa in die Geiselhaft nehmen. Ich habe deshalb kaum noch Verständnis für die Forderungen von UFO, das ist einfach alles zuviel.

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    Ich sehe das ein bisschen anders als Sie. Die "Splittergewerkschaften" zeigen es den großen, wie mans richtig macht! Nur weil die großen Gewerkschaften sich zurückgezogen haben und selbst am großen Kuchen mitverdienen (zumindest die hohen Funktionäre), kann man den Kleinen doch nicht vorwerfen, dass sies richtig machen.
    Die Großen können sich ruhig was von den Kleinen abschauen. ;-)

  2. Und die Deregulierung des Lufttransport-Marktes war ein integraler Bestandteil dieser Globalisierung, bzw. machte diese erst möglich. Genau diese Deregulierung öffnete die Märkte und ermöglichte den Massenverkehr; mit allen negativen Folgen. Die Ticketpreise purzelten und als logische Folge davon die Gehälter des Bediensteten. Das ist für die Betroffenen alles andere als erfreulich, aber leider die Realität. Die Lufthansa, eine Premium-Gesellschaft mit einem untadeligen Ruf, kämpft unten gegen die Billiganbieter und oben gegen die neuen, mit Oelgeld subventionierten Premium-Airlines, sprich Ermirates, oder auch Singapore Airlines. Das ist eine verdammt vertrackte Sache. Kürzlich hat ein Kommentator die Lufthansa als, Zitat: "Dinosaurier" bezeichnet. Der Begriff ist bestimmt plakativ, aber vermutlich zutreffend. Wenn sich die klassischen Premium-Airlines, die ihr Geld wirklich im operativen Geschäft verdienen müssen, nicht "häuten" können, sieht die Sache düster aus. Daran ändert ein Streik auf Kosten der eigenen Kunden wenig. Jedenfalls nicht in die gewünschte Richtung.

  3. auch wenn Ihne persönlich das wenig vorkommt, sollten Sie ich mal umhören was man in anderen berfsgruppen so nach 23 Dienstjahren erhält. Allein an Ihrer Stelle lassen sich bis zu 50% einsparen. Deutschland ist ein seltsamer Ort, an dem nach "Dienstjahr" bezahlt wird und nicht nach Leistung. Ich denke rund 2000 Euro Brutto sollte für eine [...] auskömmlich sein - nach egal wieviel Dienstjahren und Zulagen braucht es nicht.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/cv

    Antwort auf "liebe redaktion!"
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    Sie sollten nur hoffen, dass Sie mal nicht in die Situation kommen, eine Sauerstoffmaske aufziehen geschweige denn im Dunkeln den Notausgang in einem Flieger finden zu müssen. Da darf die Platzanweiserin nämlich dann wieder Mama spielen.

    auch wenn Ihnen persönlich das wenig vorkommt, sollten Sie ich mal umhören was man in anderen berfsgruppen so nach 23 Dienstjahren erhält. Allein an Ihrer Stelle lassen sich bis zu 50% einsparen. Ich denke rund 2000 Euro Brutto sollte für eine Platzeinweiserin auskömmlich sein - nach egal wieviel Dienstjahren und Zulagen braucht es nicht.

    Die "Platzeinweiserin", wie Sie sie nennen, hat Führungs- und Personalverantwortung, und muss vor allem bedingungslose Reisebereitschaft mitbringen, ungesunde Arbeitszeiten erleiden, und an einem sehr stressigen Arbeitsplatz auch zu den durchgeknalltesten Kunden (Passagieren) stets freundlich lächeln.

    Was hier an fachlicher Qualifikation im Vergleich zu "anderen Berufsgruppen" nicht erforderlich ist, ist auf der anderen Seite bei Qualitäten wie z.B. Belastbarkeit dafür umso mehr der Fall.

    Ich würde den Job nicht mein Leben lang, und auch nichtmal ein Jahr, machen wollen - jedenfalls nicht für 4000€ brutto monatlich.

    Sehr natürlich ist der Gedanke "was verdienen die denn überhaupt?", wenn mal wieder irgendeine Berufsgruppe streiken will und der Deutsche mit dem ansonsten-tabu-Thema "Gehalt" plötzlich doch bricht.

    Gleichermaßen schäbig ist es jedoch, anderen hart arbeitenden Bürgern ihre Leistung abzuerkennen und die Entlohnung zu neiden - und die wahren Ursachen und auch hier Profiteure des "Arbeitskampfes" in Frieden zu lassen: die sogenannten "Leistungsträger" mit ihren Kapitaleinkommen in Millionen- oder gar Milliardenhöhe.

    da täuschen sie sich aber!

    ich bin mit meinem gehalt absolut zufrieden und halte es nicht für zu gering.

    einkommen aus anderen berufen sind mir aus meinem umfeld natürlich auch bekannt, wobei ich sagen muss, dass die höhe nicht unbedingt mit dem engagement/der leistung korreliert.

    aber sie haben schon recht, die stufensteigerung ist sicher ein überbleibsel aus alten tagen. wobei auch diese kein blanker automatismus ist, sondern an den nachweis von seminarbesuchen geknüpft wird, die auch in der freizeit erfolgen müssen.

  4. Ich sehe das ein bisschen anders als Sie. Die "Splittergewerkschaften" zeigen es den großen, wie mans richtig macht! Nur weil die großen Gewerkschaften sich zurückgezogen haben und selbst am großen Kuchen mitverdienen (zumindest die hohen Funktionäre), kann man den Kleinen doch nicht vorwerfen, dass sies richtig machen.
    Die Großen können sich ruhig was von den Kleinen abschauen. ;-)

    Antwort auf "Gewerkschaften"
  5. Sie sollten nur hoffen, dass Sie mal nicht in die Situation kommen, eine Sauerstoffmaske aufziehen geschweige denn im Dunkeln den Notausgang in einem Flieger finden zu müssen. Da darf die Platzanweiserin nämlich dann wieder Mama spielen.

    Antwort auf "Ich denke"
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    • footek
    • 05. September 2012 12:15 Uhr

    was macht denn eine Krankenschwester im Krankenhaus? Vergleichen Sie mal die Ausbildung und den Job mit einer Flugbegleiterin.
    Die rettet ihnen auch das Leben, aber mit Bestimmtheit mehrmals am Tag. Was verdient eine Krankenschwester im Durchschnitt?

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