Die Euro-Krise kennt Fred Arnulf Busen nur aus dem Fernsehen. "Wir hatten gerade den besten Monat seit Langem", sagt der 43-jährige Geschäftsführer der Polytron GmbH, eines Herstellers von Kunststoffprodukten aus Bergisch-Gladbach . Der Umsatz sei so gut wie im vergangenen Jahr. "Und das war ein sehr gutes."

Im Fernsehen sieht Busen ein ganz anderes Bild: Die halbe Euro-Zone steckt in einer Rezession. In Griechenland schrumpft die Wirtschaft im fünften Jahr in Folge; Spanien , Portugal und Italien kämpfen mit hohen Zinsen und zunehmender Arbeitslosigkeit. Banken müssen gerettet werden, ganze Staaten stehen vor dem Bankrott.

Deutschland wirkt in all dem Chaos wie eine Insel der Glückseligen. Die Wirtschaft wächst, es sind so wenige Menschen arbeitslos wie seit 20 Jahren nicht mehr, die Exportindustrie erwartet ein neues Rekordjahr. Auch wenn einige Frühindikatoren wie der Ifo-Index seit einiger Zeit sinken: Noch ist die Stimmung in deutschen Unternehmen hervorragend.

Wie kann das sein? Antworten findet man an den Stadträndern und in den Industriegebieten des Landes. Zum Beispiel im Süden Bergisch-Gladbachs, 20 Kilometer von Köln, wo die Firma Polytron in zwei Hallen, auf 4.500 Quadratmetern Kunststoffteile produziert. Rohre für Lackiermaschinen, Rollen für Getränke-Abfüllanlagen und Schienen für die Landeklappen von Flugzeugen. Zum Teil Spezialanfertigungen, von denen die Firma nur ein einziges Exemplar verkauft, und für die das Rohmaterial bis zu 10.000 Euro kostet.

Aus der Krise gelernt

Polytron ist ein typisches deutsches mittelständisches Unternehmen. 82 Mitarbeiter, Jahresumsatz zwölf Millionen Euro, der Großteil der Produkte landet über kurz oder lang im Ausland.

Busen wurde 2007 Geschäftsführer der Firma. Ein Jahr später er musste eine seiner härtesten Prüfungen bestehen. Es war im November 2008, gerade war in den USA die Investmentbank Bank Lehman Brothers bankrott gegangen. Die dadurch ausgelösten Schockwellen breiteten sich schnell auf der ganzen Welt aus und erreichten in kürzester Zeit auch das Industriegebiet in Bergisch-Gladbach. "Im Oktober lief das Geschäft noch hervorragend", sagt Busen. "Der November war dann eine Katastrophe."