KonjunkturEin Mittelständler trotzt der Euro-Krise

Die halbe Euro-Zone steckt in der Rezession, doch die deutsche Wirtschaft läuft unbeeindruckt weiter. Wie kann das sein? Malte Buhse hat einen Mittelständler besucht. von Malte Buhse

Arbeiter bei der Polytron GmbH

Arbeiter bei der Polytron GmbH  |  © Malte Buhse

Die Euro-Krise kennt Fred Arnulf Busen nur aus dem Fernsehen. "Wir hatten gerade den besten Monat seit Langem", sagt der 43-jährige Geschäftsführer der Polytron GmbH, eines Herstellers von Kunststoffprodukten aus Bergisch-Gladbach . Der Umsatz sei so gut wie im vergangenen Jahr. "Und das war ein sehr gutes."

Im Fernsehen sieht Busen ein ganz anderes Bild: Die halbe Euro-Zone steckt in einer Rezession. In Griechenland schrumpft die Wirtschaft im fünften Jahr in Folge; Spanien , Portugal und Italien kämpfen mit hohen Zinsen und zunehmender Arbeitslosigkeit. Banken müssen gerettet werden, ganze Staaten stehen vor dem Bankrott.

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Deutschland wirkt in all dem Chaos wie eine Insel der Glückseligen. Die Wirtschaft wächst, es sind so wenige Menschen arbeitslos wie seit 20 Jahren nicht mehr, die Exportindustrie erwartet ein neues Rekordjahr. Auch wenn einige Frühindikatoren wie der Ifo-Index seit einiger Zeit sinken: Noch ist die Stimmung in deutschen Unternehmen hervorragend.

Wie kann das sein? Antworten findet man an den Stadträndern und in den Industriegebieten des Landes. Zum Beispiel im Süden Bergisch-Gladbachs, 20 Kilometer von Köln, wo die Firma Polytron in zwei Hallen, auf 4.500 Quadratmetern Kunststoffteile produziert. Rohre für Lackiermaschinen, Rollen für Getränke-Abfüllanlagen und Schienen für die Landeklappen von Flugzeugen. Zum Teil Spezialanfertigungen, von denen die Firma nur ein einziges Exemplar verkauft, und für die das Rohmaterial bis zu 10.000 Euro kostet.

Aus der Krise gelernt

Polytron ist ein typisches deutsches mittelständisches Unternehmen. 82 Mitarbeiter, Jahresumsatz zwölf Millionen Euro, der Großteil der Produkte landet über kurz oder lang im Ausland.

Busen wurde 2007 Geschäftsführer der Firma. Ein Jahr später er musste eine seiner härtesten Prüfungen bestehen. Es war im November 2008, gerade war in den USA die Investmentbank Bank Lehman Brothers bankrott gegangen. Die dadurch ausgelösten Schockwellen breiteten sich schnell auf der ganzen Welt aus und erreichten in kürzester Zeit auch das Industriegebiet in Bergisch-Gladbach. "Im Oktober lief das Geschäft noch hervorragend", sagt Busen. "Der November war dann eine Katastrophe." 

Leserkommentare
  1. "Deutschland wirkt in all dem Chaos wie eine Insel der Glückseligen. Die Wirtschaft wächst, es sind so wenige Menschen arbeitslos wie seit 20 Jahren nicht mehr, die Exportindustrie erwartet ein neues Rekordjahr. Auch wenn einige Frühindikatoren wie der Ifo-Index seit einiger Zeit sinken: Noch ist die Stimmung in deutschen Unternehmen hervorragend."

    Seltsam, dass wir dann Mindestlöhne definieren müssen und die Verhandlungen beim Lohnzuwachs schon daran scheitern, dass die Arbeitnehmer gern die Inflation ausgeglichen hätten.

    Ich glaube auch der ZEIT gerne, dass es Mittelständler gibt, die dem Verfall trotzen, doch vergessen wir beim Fokus auf die Ausnahmen nicht die Regel.

  2. Mal ein sehr anschaulicher, ehrlicher und aufschlussreicher Artikel!!

    Er illustriert:

    1. eine hochspezialisierte Wirtschaft
    2. Technik ist entscheidend
    3. Rohstoffe sind kostbar
    4. Ohne Ingenieure geht nichts in diesem Land, und das weiß diese Berufsgruppe nur zu gut
    5. Globalisierung zwingt zu sogenannten Hausaufgaben und dieser Euphemismus heißt nichts anderes: effektivisierung der Arbeitsprozesse und die Entlassung von Mitarbeitern
    6. die mittelständischen Betriebe sind das Rückrad der deutschen Wirtschaft, und ob nun die Produkte nach Südeuropa oder China exportiert werden, alles Gleichgültig: denn solange die Menschheit an den technischen Fortschritt glaubt und nicht in die Steinzeit zurück will, solange dieser Fortschritt einigermaßen ökologisch verträglich gemacht wird, solange die Erde noch ausreichend Rohstoffe hergibt, wird es Ingenieure und Firmen geben, die Schräubchen; Listen, Motoren herstellen um irgendeinen Menschen auf dem Globus das Leben zu erleichtern. Ganz unabhängig von Euro, Klimawandel, Armut etc.

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    und zwar den zumindest rudimentär literarisch Gebildeten, der dieses wunderschöne Industrieidyll erschafft.

  3. --
    Aber Martin Schulz wird das schon richten. Vielleicht mit einer Solidaritätssteuer, die deutschen Unternehmen die Umzug in griechische Sonderwirtschaftszonen erleichtert.
    Der Euro macht's möglich.

    Danke Europa, danke Helmut Kohl.

    • Gerry10
    • 05. September 2012 11:54 Uhr

    ...oder nur mehr arbeit, da das Personal ja um 15% reduziert wurde?
    Hätte mich interessiert, steht aber nicht im Artikel....

  4. Deutschlandfahne auf dem Bild zu sehen. Ist das nicht politisch inkorrekt? ;)
    Eventuell ein Erfolgsgeheimnis.

    • Infamia
    • 05. September 2012 12:13 Uhr

    Gute Nachrichten sollten auch entsprechend publiziert und gewürdigt werden. Auch wenn es genügend Bedenkenträger gibt, die diese guten Nachrichten in ihre Einzelteile zerpflücken und sich lieber an schlechten Nachrichten aufgeilen. Ich freue mich über jede noch so kleine, gute Nachricht. Mehr davon! Den Dauerpessimisten ist so oder so nicht zu helfen. Man kann sich ja so schön in seinem eigenen Leid baden und darin rumsuhlen.

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    .
    Die halten sich die Augen zu und glauben sie seien unsichtbar!

    • Hofres
    • 05. September 2012 12:19 Uhr
    7. Tippo

    Zweiter Absatz: Banken müssen gerettet werden, ganzen(!) Staaten stehen vor dem Bankrott.

    Danke für den Hinweis, dieser wurde weitergeleitet. Die Redaktion/mak

  5. Was für eine Euro Krise in Deutschland? Ist das Krise, wenn man zur Bank gehen kann und Kredite für Investitionen hinterher geschmissen bekommt?

    Fragen Sie mal 1 Mittelständler aus Italien, dann weiß man was Krise bedeutet. Er bekommt kein Kredit, muss schliessen und wird Arbeitslos.

    DAS IST JA SCHON FAST SARKASMUS.

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