In Deutschland arbeitet etwa jeder fünfte Beschäftigte im Niedriglohnbereich . Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Anteil der Bezieher von Niedriglöhnen leicht gestiegen: 2010 arbeiteten 20,6 Prozent aller Beschäftigten in Betrieben mit mindestens zehn Mitarbeitern für einen Niedriglohn, 2006 waren es noch 18,7 Prozent. "Mit dieser Steigerung setzte sich ein längerfristiger Trend fort", sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes.

Als Niedriglohn wird definiert, wenn der Verdienst weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns aller Beschäftigten beträgt. Diese Grenze lag nach Angaben der Statistiker 2010 bei 10,36 Euro Stundenlohn.

Ein Grund für den Anstieg ist laut Bundesamt die langfristige Zunahme der "atypischen Beschäftigung": Die meisten Niedriglöhner sind Teilzeitbeschäftigte mit bis zu 20 Wochenarbeitsstunden, befristet Beschäftigte, Zeitarbeiter und Mini-Jobber. Von ihnen erhielt fast jeder zweite einen Verdienst unter der Niedriglohngrenze. Bei geringfügig Beschäftigten lag der Anteil sogar bei 84 Prozent. Zum Vergleich: Bei unbefristet Beschäftigten mit mindestens 20 Wochenarbeitsstunden liegt der Anteil von Niedriglöhnern bei knapp 11 Prozent.

Besonders hoch war der Anteil von Beschäftigten mit Niedriglohn laut Statistischem Bundesamt bei Taxifahrern (87 Prozent), Friseuren (86 Prozent) und im Reinigungsgewerbe (82 Prozent). Aber auch im Gaststättengewerbe (77 Prozent) und in Kinos (74 Prozent) gab es besonders viele Beschäftigte mit Niedriglohn.

Kaum Investitionen in Betriebsrenten

Erstmals untersuchten die Statistiker auch, inwieweit zu einem Niedriglohn Beschäftigte einen Teil ihres Einkommens in eine Betriebsrente investieren: Dies sind nur sechs Prozent, was deutlich seltener sei als bei Beschäftigten mit mittlerem Verdienst (22 Prozent) oder mit hohem Verdienst (36 Prozent).

Die Untersuchung zeigt darüber hinaus, dass Niedriglöhne nicht generell durch Tarifverträge verringert werden können. Bei tarifgebundenen Arbeitgebern etwa wurden laut der Studie 12 Prozent unterhalb der Niedriglohngrenze bezahlt.

Thüringen fordert bundesweiten Mindestlohn

Die thüringische Landesregierung hat deshalb erneut die Einführung eines bundesweiten Mindestlohns gefordert. Wie bereits im Juli angekündigt, will die Landesregierung eine Bundesratsinitiative auf den Weg bringen, nach der eine unabhängige Kommission einen bundesweiten Mindestlohn für alle Branchen festlegen soll.

Das Vorhaben von Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ( CDU ) und ihrem Arbeitsminister Matthias Machnig ( SPD ) geht über den in der schwarz-gelben Bundesregierung diskutierten Mindestlohnvorstoß aus der Union hinaus. Dieser sieht vor, dass eine Kommission einen Mindestlohn nur für tariffreie Zonen festlegen würde. Dieser Vorstoß hat in der Regierung aber ohnehin kaum Chancen, weil er vom Koalitionspartner FDP blockiert wird.