Rente : Was ist dran am Szenario der Altersarmut für viele?

Von der Leyens Zahlen zur wachsenden Altersarmut und dem Risiko auch für Normalverdiener sind eindrücklich. Was ist von den Berechnungen zu halten?

Es ist ein erschreckendes Szenario, mit dem Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ) um politische Unterstützung wirbt. Nach Hochrechnungen ihres Hauses müssen vom Jahr 2030 an selbst Arbeitnehmer, die heute 2.500 Euro brutto im Monat verdienen und 35 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, zum Sozialamt – wenn sie nicht zusätzlich vorgesorgt haben. Ihre gesetzliche Rente ist dann nämlich nicht höher als die sogenannte Grundsicherung von 688 Euro . Und selbst bei 40 Jahren Beitragszahlung würde es noch Millionen erwischen. Um auf eine Rente über der Grundsicherung zu kommen, müssten sie konstant mindestens 2.200 Euro brutto im Monat verdienen.

Wie realistisch ist die Hochrechnung?

Zunächst einmal handelt es sich um ein fiktives Szenario. Es geht der Einfachheit halber davon aus, dass es 35 Jahre lang weder Lohn- und Gehaltssteigerungen noch Rentenzuwächse gibt. Dieser unrealistische Part der Prognose wird jedoch dadurch wieder wettgemacht, dass auch die Inflation keine Rolle spielt und bei der Grundsicherung ebenfalls nur der gegenwärtige Level zugrundeliegt. Die Rechnung bezieht sich ferner ausschließlich auf Arbeitnehmer, die keine weitere Zusatzvorsorge fürs Alter getroffen haben. Aktuell gibt es 15,6 Millionen Riester-Verträge und 19,6 Millionen Anwartschaften für Betriebsrenten. Allerdings hat fast jeder zweite Geringverdiener keine solche Zusatzabsicherung. Und die der Prognose zugrundeliegende Annahme, dass Rentner 35 oder 40 Jahre lang ohne Unterbrechung und in Vollzeit sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, wird zunehmend unrealistisch. Bei zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit etwa wären ihre Renten noch niedriger als vom Ministerium berechnet.

Warum reicht die Riester-Förderung nicht?

Weil ausgerechnet diejenigen, die eine Zusatzrente am dringendsten nötig hätten, nicht vorsorgen. Nach einer neuen Studie für den Alterssicherungsbericht im November betreiben 40 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Geringverdiener keinerlei zusätzliche Vorsorge. Das sind 1,8 Millionen Menschen. Und es bedeutet, dass das Riester-Konzept nicht aufgegangen ist. Das sieht auch die Ministerin so. Die Zurückhaltung könne "kaum daran liegen, dass die kleinen Einkommen kein Geld für zusätzliche Vorsorge erübrigen können", schreibt sie.

Schließlich beginnt die Förderung schon bei einer Eigenbeteiligung von fünf Euro im Monat, und im Verhältnis sind die staatlichen Zuschüsse für untere Einkommen am höchsten. Das Hauptproblem ist, dass Geringverdiener vom Sparen nichts haben, weil ihnen das Zurückgelegte später wieder von der Grundsicherung abgezogen wird. Hier will von der Leyen mit ihrer Zuschussrente einhaken. Erstens sollen nur diejenigen in den Genuss kommen, die tatsächlich auch zusätzlich vorgesorgt haben. Und zweitens sollen sie die Garantie erhalten, dass das Angesparte bei staatlicher Hilfe immer noch obendrauf kommt. 

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Kommentare

73 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Riester über alles und Danksagung an Hr.Blüm ?

Es bleibt wie es ist heute mit Riestern gewonnen und morgen verloren.Von der Leyen sollte Hausaufgaben machen und endlich Geld zurücklegen lassen für den demogrphischen Wandel ( der heute schon längst am laufen ist) denn was heute bei der Riesterei erzählt wird hört sich allemal gut an, jedenfalls für die jungen Leute die =heute= mit 19 - 25 Jahren in den Beruf gehen. Klar dass deren monatl.Raten auch geringer sind wie für ältere Riestereinsteiger. Die vorsteuerlichen Vergünstigungen locken logischerweise, aber dass am Ende ALLES wieder versteuert wird und zur gesetzlichen Rente dann auch miteingerechnet wird kapiert wohl keiner ( es kommt also auch nichts mehr heraus ). Die Versicherungen verdienen als einzige hierbei, wenn nur nicht immer wieder diese schnullzigen Werbungen wären. Also in meinen Augen ist das verlorenes Geld, daher also sinnlos.(besser ist ein Wertpapier-Sparvertrag, da weiss mann was man hat ! ). Der Riester hat sich wohl deshalb langsam aber sicher verdrückt.

Ja, die dumme Mittelschicht muß immer weiter bluten

und hauptsächlich die, das ist ja der Witz.
Die Politiker die das ja alles in den letzten Jahren gewußt haben und alles verkorkst/herbeiführten(z.B. Griff in die Rentenkasse,segenannte Umverteilungen etc. etc. also wie heute 8im mer noch ) habenm kommen mit sooo stupieden Ausreden wie Zusatzrente etc. Wie a r m s e e l i g ist die deutsche Politik geworden. Man muß sich schämen diese Partei gwählt zu haben. Wirklich peinlich dumm

Wenn....

... jemand 40 Jahre lang gearbeitet hat und nebenher sogar noch privat vorgesorgen musste(rsp. der Versicherungswirtschaft eine gutes Melkobjekt war), weil Vater Staat seine vielen Steuermilliarden lieber in Bahnhofs-Baugruben und Friedhof-Flughäfen versenkt, der sollte auch Anspruch auf eine zum Leben ausreichende Rente haben.

Bisher Trennung

"... jemand 40 Jahre lang gearbeitet hat und nebenher sogar noch privat vorgesorgen musste(rsp. der Versicherungswirtschaft eine gutes Melkobjekt war), weil Vater Staat seine vielen Steuermilliarden"

Sehr geehrter "deDude", Ihnen ist bewusst, dass die Rente ursprünglich überhaupt nichts mit den Steuermilliarden zu tun haben sollte? 60 Milliarden Euro Steuergeld fließen bereits heute jährlich ins Rentensystem. Zwar ist es ärgerlich, dass der Staat Milliarden in Großprojekten (Nürburgring, Berliner Großflughafen, Asse) versanden lässt und bestätigt das unsere Politiker unfähig sind mit dem Geld ihrer Geldgeber (Steuerzahler) verantwortungsbewusst umzugehen (und dennoch denken einige der Staat sei der bessere Unternehmer). Auf der anderen Seite ist nicht jedes Großprojekt schwachsinnig.

Was mich persönlich viel mehr stört, ist wir auch hier ein Mehrklassensystem haben. Unsere Politiker (Pension) entscheiden über das Wohl und Wehe des Stimmviehs (mehrheitlich heutige und künftige Rentenempfänger). Eine weitere Gruppe sind die gut verdienenden, welche sich dem Sozialsystem entziehen dürfen. In diesem Land sollten alle Menschen im gleichen Boot sitzen, der Rente! Es hindert niemand den Reichen sich privat zusätzlich abzusichern. Ich bin sogar so liberal, dass eine Beitragsbemessungsgrenze existieren könnte, welche mindestens 7000 Euro beträgt und 50% von jedem Euro der darüber hinaus geht (als Bemessungsgrundlage).

„Nichts mit Steuermilliarden…“ - Das hat es im Grunde auch jetzt

der Steuerzuschuss ist nur für Leistungen die von der Politik gewährt werden ohne das Beiträge zu Grunde liegen (Versicherungsfremde Leistungen) tatsächlich deckt der Steuerzuschuss nicht einmal die Kosten so das aus Beitragsgeldern der Steuerzahler entlastet wird, aber das sagt mann ja nicht um Renten kürzen zu können und alle sagen ja das muss ja so sein.

Durchaus...

[...]Ihnen ist bewusst, dass die Rente ursprünglich überhaupt nichts mit den Steuermilliarden zu tun haben sollte?"

Das ist mir durchaus bewusst. Im Gegensatz zu unserer Politik verschließe ich aber nicht aus wahltaktischen Gründen die Augen davon, dass der Generationenvertrag schon lange nichtmehr so umsetzbar ist wie zuvor.

Wo also sollen die fehlenden Milliarden herkommen wenn nicht aus dem Steuersystem? Eine Möglichkeit wäre das auch automatische Arbeitsprozesse "sozialversicherungspflichtig" werden. Dagegen würden wohl die meisten Industriebetriebe sturmlaufen.

Eine weitere Alternative wäre die gesetzliche Rente vollkommen abzuschaffen und die Bevölkerung in die Obhut des "freien Marktes" zu entlassen. Problem dabei: Wenn Sie dann einen "Rentenvertrag" abschließen müssen Sie auch die Sicherheit haben das das Unternehmen nicht vor die Wand gefahren wird bevor bei Ihnen der letzte Vorhang fällt. Wer soll Ihnen diese Sicherheit geben?

Im Fall der Fälle muss es dann also wieder der Staat richten. Die Agenda 2010 war, auch wenn die Einschnitte meist die falschen getroffen haben, richtig. Man muss nur an der richtigen Stelle an- und auch gegen den Widerstand der breiten Masse durchsetzen. Wer seine Sozialpolitik/Rentenpolitik immer nur auf die nächste Wahl ausrichtet darf sich nicht wundern wenn der Effekt der eigenen Politik einfach ungesehen verpufft.

Das scheint aber für unsere Politiker nicht von Relevanz zu sein. Hauptsache die Frisur sitzt.

[...]

Aber die vermeintlichen "Rezepte" gegen Altersarmut wie Riester-/Rürup-Rente oder Zuschussrente sind Verschwendung von Steuergeldern zugunsten der einer problematischen Branche, die das Problem nicht nur nicht lösen, sondern verschärfen und zudem diejenigen überhaupt nicht erreichen, die eine Förderung am nötigsten hätten.

Das Umlageverfahren ist die sicherste und günstigste Lösung für ein Rentensystem. Es ist aber all denen ein Dorn im Auge, die von der Altersvorsorge gern kräftig profitieren würden. Das ist der ganze Grund, warum die Rente immer weiter zerstört wird.

Gekürzt. Verzichten Sie auf spekulative und unterstellend Äußerungen. Die Redaktion/mak

Richtig

In der Riesterrente ist für mich immer die Nähe von Schröder zum Hannover Klüngel durchgeschimmert. Bei einem durchschnittlichen Riestervertrag zahlt man die ersten 4000-6000 Euro zunächst als Gebühren und Provisionen. Das sind bei einem Geringverdiener die ersten 10 Jahre des eingezahlten Kapitals. Die Riesterrente ist Volksverdummung und gehört umgehend abgeschafft.

Was sie sonst beschreiben ist allerdings auch ein zweischneidiges Schwert. Die Produktivität ist enorm angestiegen, ja. Gleichzeitig hat sich aber auch die Wettbewerbssituation der Unternehmen drastisch verändert. Die Margen von vielen Unternehmen sind heute hauchdünn, so dass jede Mehrbelastung (z.B. durch das EEG) zu großen Problemen führen kann. Ich bin kein Fan davon, dass in diesem Land Unternehmen und Unternehmer zu Feinbilder gemacht werden. Die meisten Unternehmen behandeln ihre Mitarbeiter gut und zahlen faire Löhne. Dies sind zumeist die Unternehmen, die einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Wettbewerbern haben. Schwierig wird es bei den Unternehmen die sich auf einen überfüllten Markt stürzen und da noch mitverdienen wollen. Ein Beispiel sind Reinigungsunternehmen, welche es in der jeder Stadt im Dutzend gibt. Hier wird die Wettbewerbsfähigkeit nur noch über den Preis gesichert, welcher wiederum nur durch niedrige Löhne der Angestellten realisiert werden kann.

Fortsetzung folgt

Richtig II

Fortsetzung zum Beitrag #16

Natürlich haben wir in den vergangen Dekaden eine hohes Maß an technischen Fortschritt, aber durch diesen sind die relativen Unternehmensgewinne nicht (immer) entsprechend gestiegen. Bei den meisten Unternehmen findet der Wettbewerb über den Preis statt. Man müsste also vergleichen wie hoch waren die relativen Gewinnen vor Jahrzehnten und wie hoch sind sie heute. Ich würde sogar, ohne Daten gesichtet zu haben, die Behauptung aufstellen früher hatten die Unternehmen eine deutlich bessere Gewinnmarge, da der Wettbewerb deutlich geringer war.

Wenn ein Unternehmer z.B. für seine Roboter künftig einen angemessenen Rentenobolus zahlen müsste, dann würde er beileibe nicht wieder mehr Menschen einstellen, er würde zunächst einmal höhere Kosten verzeichnen. Einige Unternehmen können diese Kosten kurzfristig stemmen, durch sinkende Gewinnrücklagen wird allerdings die Möglichkeit in FuE zu investieren gemindert. Die Auszahlungen an die Eigner werden geringer, was bedeutet, dass Unternehmen wird unattraktiv für Geldgeber (mit der Folge, dass Kapital für Investitionen noch schwerer beschafft werden kann).
Andere Unternehmen können die Belastung nicht stemmen und müssen entweder vom Markt verschwinden oder gehen (wenn es die Möglichkeit gibt) ins Ausland. Beides vernichtet Arbeitsplätze.

In allen Fällen wird es wieder die Geringqualifizierten zuerst treffen.

Die Dynamik in anderen Ländern nicht vergessen

Danke für Ihre Antwort. Der Widerspruch zwischen Ihnen und mir ist gar nicht so groß.

Ich stimme Ihnen zu: natürlich darf man die Unternehmer nicht zu Feindbildern machen. Die produktiven und vernünftigen Unternehmer, die ihre Mitarbeiter achten, sind letztlich ebenso Opfer wie die Arbeitnehmer. Sie leiden genauso darunter, dass der Faktor Arbeit übermäßig mit Sozialabgaben belastet ist. Das ließe sich korrigieren durch Einbeziehung aller Einkunftsarten in die Finanzierung der Sozialsysteme.

Die Gefahr der Auswanderung oder Schließung von Unternehmen sehe ich aber als nicht so groß an.

Man darf nicht so tun, als würde eine veränderte Politik der größten Wirtschaftsmacht Europas keine Auswirkung auf die Politik anderer Länder haben. Als Bismarck die Sozialversicherung einführte, war das für Deutschland ein Wettbewerbsnachteil. Heute haben die meisten Länder solche Systeme. Die Bürger in vergleichbaren Ländern (besonders Europas), haben ähnliche Bedürfnisse wie wir. Dort gibt es die ähnliche Probleme und Diskussionen wie bei uns. Wenn wir hier neue, gerechtere Lösungen einführen, stärkt das auch diejenigen in anderen Ländern, die dort ähnliche Konzepte vorschlagen.

Das Konkurrenzdenken zwischen Ländern ist ein falscher Ansatz. Dieses Gegeneinander-Ausspielen nützt nur wenigen, aber keinesfalls der arbeitenden Bevölkerung.

Spekultation? Unterstellung?

Leider wurden der Titel und der erste Absatz zensiert. Ich versuche mal, die "Unterstellung" der politisch gewollten Altersarmut zu belegen.

1. Die Finanz-/Versicherungswirtschaft hat ein Profitinteresse.
2. Das umlagefinanzierte gesetzliche Rentensystem bringt für sie keine Profite.
3. Sie würde das System gern auf kapitalgedeckte Rente umstellen, wenigstens teilweise, damit es Profite gibt.
4. Sie versucht, wie andere Lobbys auch, Politker und Politikberater aus der Wissenschaft in ihrem Sinne zu beeinflussen.
5. Sie wird fündig. Walter Riester führt die Riesterrente ein; das Niveau der gesetzlichen Rente wird gesenkt. Nach Ausscheiden des Ministers bedankt sich die Branche mit extrem hohen Honoraren für zahlreiche Vorträge, die Riester für sie hält.
6. Auch Wissenschaftler kämpfen für die Sache. Sie sitzen in Aufsichtsräten (Bernd Raffelhüschen) von Unternehmen der Branche oder übernehmen dort neue gutdotierte Posten (Bert Rürup). Die Einflussnahme auf die Politik ist sehr gut belegt. In der ARD-Dokumentation "Rentenangst" preist Raffelhüschen vor Versicherungsvertretern die großartigen Aussichten, die sich durch die Rentenkürzungen (die er stolz als seine Leistung reklamiert!) für die Branche ergeben.
7. Regierungspolitiker diskutieren ernsthaft die Senkung von Beitragssätzen, womit der Druck auf das Umlagesystem noch weiter wachsen würde.
8. Die Regierung verweist die besorgten Bürger auf teure Privatvorsorge anstatt das staatliche System zu stärken und zu verteidigen.

@mehrmut

Argumente für Ihre Kritik an den Privaten sucht man leider vegebens, naja. Dafür mal ein paar Beispiele für die Mißwirtschaft der Gesetzlichen.

Stellen Sie sich vor, eine private Lebensversicherung dürfte mit Ihren Beiträgen und Erträgen defizitäre andere Branchen (KFZ)subventionieren. Würden Sie dort Ihr Geld anlegen? Warum zahlen Sie dann in die GRV?

Stellen Sie sich vor,eine private Lebensversicherungsgesellschaft dürfte nach dem Vertragsabschluß jederzeit zu ihren Gunsten die Vertragsbdingungen ändern, z.B. wie viel Erwerbsminderungsrente Sie für Ihr Geld erhalten. Würden Sie dort Ihr Geld anlegen? Warum zahlen Sie dann in die GRV?

Stellen Sie sich vor, eine private Lebensversicherung hätte Reserven für 3 Monate. Würden Sie dort ihr Geld anlgen?

@mehmut

Sie schreiben:
" Auch Wissenschaftler kämpfen für die Sache. Sie sitzen in Aufsichtsräten (Bernd Raffelhüschen) von Unternehmen der Branche oder übernehmen dort neue gutdotierte Posten (Bert Rürup). Die Einflussnahme auf die Politik ist sehr gut belegt."

Letztens sagte noch Heiner Geissler, die Experten, Wissenschaftler und Professoren, die uns in den Medien die Welt und insbesondere die "Wirtschaft" erklären wollen, sitzen fast ausnahmslos in den Vorständen der Versicherungswirtschaft, der Banken und anderen Lobbystrukturen.

Es ist ja nicht schwierig, einer Politikerin, die nun von ihrer Ausbildung her mit Mathematik oder Volkswirtschaft gar nichts am Hut hat, als Berater solche selbstgebastelte lobbyistengesteuerte alternativlose "Logik" auf die Mütze zu drücken.

Einen Kritikpunkt hätte ich schon

Sie wollen Argumente für die Kritik an der privaten Rentenversicherungen? Wie wär's damit: sie sind teuer und ineffizient. Ohne staatliche Subventionen würde kein einziger Riestervertrag abgeschlossen. Deshalb ist es auch so unverständlich, weshalb der Staat nicht die Mittel in das eigene System steckt. Hinzu kommen völlig unrealistische Lebenserwartungen, die die Privaten zu Grund legen. Die private Rente ist für den Versicherungsnehmer fast immer ein Verlustgeschäft.

Was die Quersubventionen und die plötzlichen Änderungen der Vertragsbedingungen bei der gesetzlichen Rente betrifft, gebe ich Ihnen völlig recht. Das dürfte es nicht Fall geben, jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Aber vergessen Sie nicht: für diese Entscheidungen ist nicht die Rentenversicherung verantwortlich, sondern die Politik der Regierung. Die gleiche Politik, die Riesterverträge mit Steuergeldern fördert, von denen nur ein ganz kleiner Teil (wenn überhaupt) beim Rentner ankommt.

Und wozu führt das alles? Dazu, dass das Vertrauen in die solidarische Rente weiter erodiert, was die Regierung in Kauf nimmt (ich schlussfolgere aus ihrer Politik eher: was sie sogar will). Bei Ihnen und vielen anderen hat es ja funktioniert.

Private Geldwirtschaft

Argumente für die öffentliche Rentenversicherung:
1. Die private Finanzwirtschaft kann pleite gehen.
2. Das Geld, daß dort angelegt wurde, kann falsch angelegt sein und so verschwinden.
3. Die Privaten haben einen großen Kostenapparat (bis zu 30% der Prämieneinlagen).
4. Die Privaten garantieren überhaupt nichts, alle Garantien können bei einer wirtschaftlichen Schieflage aufgehoben werden.
5. Die Privaten werden aus Steuergeldern subventioniert (Riester, Rürupp).
6. Die Privaten können die versprochenen Gewinne überhaupt nicht erwirtschaften, so lange sie sich an die Gesetze halten.

Für mich gibt daher es überhaupt keinen Grund, mein Geld irgend einem Finanzkonzern anzuvertrauen.

Die Jungen werden das nicht stemmen können

Tja ich habe auch die masochistische Neigung gerne mit älteren Menschen über die Gerechtigkeit des Generationenvertrags zu streiten.

Mein Fazit: Gerecht ist es schon lange nicht mehr. Da aktuelle System beruht zu sehr auf dem Pryamidenansatz. So müssen unten immer genug junge Beitragszahler nachkommen, als oben Beitragsempfänger stehen. Irgendwann in den vergangenen zwei Dekaden habe die Deutschen aber ihre Prämissen geändert. Für viele Menschen steht heute "Selbstverwirklichung" an erster Stelle im Leben. Kinder kommen irgendwo hinten. Und dies hat beileibe nicht ausschließlich damit zu tun, das wir eine "kinderfeindliche" Politik betreiben.

Viele Kritiker sprechen ja immer davon, es sei alles einfach. Der demographische Wandel kein Problem. Es gibt ja auch Produktivitätssteigerungen, man müsse die Rente endlich auch aus steuerliche Quellen speisen. Ähm, das wird sie doch schon. 60 Milliarden fließen aus dem Steuertopf ins Rentensystem und trotz allem werden in wenigen Jahren einige Wenige für:

- die Rente vieler aufkommen
- aus ihrem Einkommen dennoch das eigene Leben und Kinder finanzieren müssen
- die gestiegenen Krankenkassenkosten stemmen müssen
- die Schulden der aktuellen und der vergangenen Generationen begleichen

Die einzige Lösung ist die massive Investition in Bildung, wir können uns künftig keine Schulabbrecher, ohne Chancen auf dem Jobmarkt mehr leisten. Massive Förderungen in der Familienpolitik: Familienspliting, Wohnungsbau, Kitaplätze usw.

Alimentation

Es ist immer und in jedem System so, daß die aktuell Arbeitenden die aktuell nicht arbeitenden alimentieren. Kinder, Kranke, Arbeitslose und eben auch Alte. Und vor allem alle Bezieher von Kapitaleinkünften, denn niemand sah je auch nur einen Euro ein Auto zusammenschrauben, welches profitabel am Markt abgesetzt werden will. Das tun immernoch Menschen und ja, immer öfter auch Maschinen. Das wäre kein Problem, denn ob Menschen oder Maschinen Autos bauen, ist dem Auto und dem Autofahrer gleichermaßen egal. (Vor hundert Jahren arbeiteten 80% heute 2% in der Landwirtschaft, trotzdem wird jeder satt...m.a.W. nicht mehr 4 ernähren 5 Leute, sondern 2 ernähren hundert, da ist also noch Luft!)
Will sagen: es kommt nicht darauf an wieviele Menschen an der Produktion beteiligt sind, wenn das, was benötigt wird produziert und v.a. an die Bedürftigen verteilt wird! Wenn jedoch der Ertrag, der Profit eben bei einigen Wenigen landet, haben wir nicht nur ein Rentenproblem!