Der ehemalige SPD-Finanzminister Peer Steinbrück © Mario Vedder/dapd

Der frühere Finanzminister Peer Steinbrück hat der SPD-Bundestagsfraktion ein Konzept zur Regulierung der Finanzindustrie vorgestellt. Steinbrück wird in der SPD als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2013 gehandelt. Seine Regulierungsvorschläge könnten nächstes Jahr zentraler Bestandteil seines Wahlkampfes werden. "Die Finanzmärkte haben Maß und Mitte verloren", heißt es in dem Papier, das ZEIT ONLINE vorliegt. Banken seien "Dienstleister und keine Zockerbuden".

Der wohl weitreichendste Reformansatz ist die geplante Beschneidung von Universalbanken. Steinbrück will verbieten, dass die Sparten Investmentbanking und das Kredit- und Einlagengeschäft unter einem Dach betrieben werden. Dies würde unter anderem die Deutsche Bank treffen . Steinbrück will die Banken offenbar nicht zerschlagen, sondern aufspalten: Die Banken müssten dann unterschiedliche Unternehmenstöchter unter einer Holding gründen.

Rutscht eine Investmentbank in die Insolvenz, wären nicht gleichzeitig die Einlagen der Sparer gefährdet. "Ein Übergreifen auf die gesamte Bank wird verhindert und die für die Realwirtschaft wichtigen Geschäftsbereiche können in einem Restrukturierungsverfahren einfacher erhalten werden", heißt es in dem Papier. Die Investmentbank würde als getrenntes Unternehmen der Holding geführt, wäre somit allein für ihr Risiko verantwortlich und könnte bei einer Pleite separat abgewickelt werden.

Breite Zustimmung in Umfrage für Bankenreform

Kritik an den Plänen gibt es vom Bundesverband der deutschen Banken. "Das klingt sehr griffig, aber es wird niemandem etwas helfen", sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Michael Kemmer . Universalbanken seien schließlich nicht das Problem. Die Lehman Bank, deren Pleite die Finanzkrise 2008 mit ausgelöst hatte, sei eine reine Investmentbank gewesen. "Nach der Zerschlagungstheorie von Steinbrück hätte sie seinerzeit genauso existiert, wie sie existiert hat", sagt Kemmer.

Steinbrücks Pläne sehen außerdem vor, dass ein neuer Rettungsschirm für angeschlagene Geldhäuser entsteht. Er soll auf EU-Ebene angesiedelt sein und von den Instituten selbst finanziert werden. Steht eine Bank vor der Pleite, soll nach dem Willen des früheren Finanzministers nicht sofort der Steuerzahler einspringen. Zuerst sollen Gläubiger und Aktionäre haften. Risiko und Haftung sollen dadurch wieder zusammenführt werden. Der Fonds soll als "Zielvolumen 200 Milliarden Euro" umfassen, heißt es in dem Papier. Der Aufbau soll einige Jahre dauern.

Bei Spitzenmanagern trifft Steinbrücks Angriff auf die Banken offensichtlich auf breite Zustimmung. Wie das Forsa-Institut für das Handelsblatt ermittelte, fordern 71 Prozent der deutschen Führungskräfte eine schärfere Regulierung der Banken.

"Ein Wahlkampf zum Thema Banken würde für die SPD durchaus Sinn ergeben – mehr Sinn jedenfalls als ein Umverteilungswahlkampf", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. "In der Bevölkerung herrscht bis tief in das bürgerliche Lager eine große Skepsis bezüglich der Rolle und des Fehlverhaltens einzelner Banken und Bankmanager vor."