Prämien für Versicherte: Techniker Krankenkasse gibt Geld zurück
Die TK durchbricht die Allianz der Spar-Krankenkassen und schüttet Reserven an Versicherte aus. Das könnte andere Versicherungen unter Zugzwang setzen.
Die etwa sechs Millionen Mitglieder der Techniker Krankenkasse sollen wegen der günstigen Finanzlage des Unternehmens Geld zurückerhalten. Der Vorstand wolle dies dem Verwaltungsrat vorschlagen, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Höhe der Jahresprämie konnte er noch nicht beziffern.
Auch wer die Prämie erhalten soll, soll demnach in einer Sondersitzung des Verwaltungsrates entschieden werden. Laut einem Bericht von FAZ.netdürfte die Jahresprämie mindestens 100 Euro betragen.
Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) äußerte sich positiv. "So können die Versicherten in Euro und Cent die Kassen und ihre Leistungen vergleichen", sagte er der FAZ. Bahr hatte sich für Rückzahlungen solventer Kassen an Versicherte stark gemacht.
Nicht auf politischen Druck reagiert
Die Techniker Krankenkasse machte deutlich, sie reagiere mit ihrem Plan nicht auf politischen Druck. Eine Prämienzahlung sei ein gesetzlich vorgesehener Weg, die Rücklagen seien bis zur gesetzlich zulässigen Höchstgrenze aufgefüllt, hieß es. Ausschüttungen müssten versteuert werden. Insgesamt hat die Techniker Krankenkasse 8,2 Millionen Versicherte.
Die Kassen hatten zum Ende des ersten Halbjahres 12,8 Milliarden Euro als Reserve angesammelt, das Gesamtpolster stieg damit auf 21,8 Milliarden Euro. Der Gesundheitsfonds hat derzeit zusätzlich neun Milliarden Euro als Reserve.
Kritik von anderen Krankenkassen
Dennoch wehren sich viele gesetzliche Kassen gegen die Forderungen aus der Politik, den etwa 70 Millionen Versicherten Beiträge zurückzuerstatten. "Dazu sind die Rücklagen bei den meisten Kassen nicht hoch genug", sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Christoph Straub.
"Uns ist ein attraktives Leistungsportfolio wichtiger als eine verhältnismäßig geringe Prämienausschüttung, die die Versicherten auch noch versteuern müssten", sagte der Branchenführer der GEK.
Auch der Chef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, kritisierte die angekündigte Prämienausschüttung als "Marketingaktion". Wenn dies eine einmalige Sache bleibe, "dann ist das nichts weiter als eine Fangprämie für Neukunden", sagte er. Nach Abzug der Steuern blieben für den Versicherten von der Prämie zudem im Schnitt nur vier bis acht Euro im Monat übrig.
Neue Lasten durch Honorarstreit
Die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, warnte, durch sinkende Beitragseinnahmen und steigende Ausgaben werde die Reserve "innerhalb von zwei bis drei Jahren spätestens wieder verbraucht" sein.
In der Tat kommen auf die Kassen neue Lasten zu: Ein kräftiges Ausgabenplus für Ärzte, Kliniken und Apotheker in Milliardenhöhe lässt die Reserve schrumpfen. Wegen des derzeit ungeklärten Honorarstreits kommen 2013 mindestens 2,8 Milliarden Euro Mehrkosten auf die Kassen zu.
Laut dem Unions-Gesundheitspolitiker Jens Spahn sind darin zwei Milliarden Euro Honorarsteigerung für Ärzte und Krankenhäuser enthalten. Etwa 500 Millionen Euro mehr dürften die Arzneimittel im kommenden Jahr kosten. Mindestens 310 Millionen dürften die Apotheker zusätzlich bekommen. Damit bleibe von den Überschüssen kaum etwas übrig, rechnete Spahn in der FAZ vor.





und in die richtige Krankenkasse gewechselt ;-).
100€? Da gibt es aber Unterschiede bei den Pflichtversicherten! Wer mehr einzahlt, hat auch einen größeren Anteil an den Rücklagen! Wer über 6.000 € im Jahr an Krankenversicherung bezahlt, der empfindet dieses Gestchen nur als Hohn: Daher runter mit den Beiträgen!
da steht mindestens 100 euro.
und schon wird gebellt weil man sich potentiell benachteiligt fühlt.
Ich bleib erst mal ganz ruhig und schau was passiert.
da steht mindestens 100 euro.
und schon wird gebellt weil man sich potentiell benachteiligt fühlt.
Ich bleib erst mal ganz ruhig und schau was passiert.
Ich bin selbst TK versichert und sehr zufrieden dort. Aber eine Rückzahlung von 100€, die dann noch versteuert werden muss - also bitte. Die paar Euro soll die Kasse lieber behalten und die Praxisgebühr oder andere Kleinigkeiten bezahlen. Da hätte ich als Versicherter sogar mehr von, weil der Fiskus nicht noch an den 100€ beteiligt werden müsste (wahrscheinlich ist das der Grund, warum Herr Bahr so sehr darauf drängt). Die PR Wirkung anderer Kompensationen wäre sicher ebenso groß. Vielleicht nur eine Einzelmeinung, vielleicht aber auch nicht...
da steht mindestens 100 euro.
und schon wird gebellt weil man sich potentiell benachteiligt fühlt.
Ich bleib erst mal ganz ruhig und schau was passiert.
Ich grübele gerade, was bedeutet, dass man beschließen werde, "wer" die Prämie bekommt. Wie ist das zu verstehen?
erst werden alle gleich und nun gleicher? Wenn es übrig ist, dann steckt es in die Rente, dort werden die Beiträge auch steigen. Also vom Gesundheitsfonds in den Rentenfonds - wären das nur mal nicht 2 unterschiedliche Ministerien und Interessengruppen :(
145 gesetzliche Krankenkassen bei denen sich u.a.die Vorständen sicherlich fürstliche Gehälter genehmigen, sind vermutlich 144 Krankenkassen zuviel. Man stelle sich vor, wie weit die Beiträge sinken könnten oder wie hoch die Überschüsse sein dürften die dann zweckdienlich den Versicherten zu Gute kommen könnten,wenn dieser immense Verwaltungsapparat auf EINE gesetzliche Krankenkasse beschränkt werden würde.
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