Geldpolitik"Die Fed wird aussteigen müssen"

Der Ökonom John Taylor, möglicher Nachfolger von Fed-Chef Ben Bernanke, kritisiert im Interview die Politik der US-Notenbank: Die neue Geldflut schaffe neue Unsicherheit. von Astrid Dörner

US-Ökonom John Taylor (Archiv)

US-Ökonom John Taylor (Archiv)  |  © Stephen Hird/Reuters

Frage: Professor Taylor, was halten Sie von der Entscheidung der Federal Reserve , die US-Wirtschaft mit einer dritten Runde quantitativer Lockerung zu stimulieren ?

John Taylor:  Ich glaube, das war die falsche Entscheidung. Ich bin schon seit 2009 sehr skeptisch, was die quantitative Lockerung angeht. Die Fed hätte lieber Wege verkünden sollen, wie sie schrittweise aus diesen ungewöhnlichen Programmen aussteigen will. Stattdessen versucht sie, weiter zu stimulieren. Ich glaube, die Fed steuert in die falsche Richtung.

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Frage: Wie riskant ist die Fed-Entscheidung?

Taylor: Das ist wie eine Kosten-Nutzen-Analyse: Der Nutzen erscheint mir gering, vielleicht sogar vernachlässigbar. Risiken gibt es eine ganze Reihe: In Zeiten von quantitativer Lockerung sind die Entscheidungen der Fed unvorhersehbar. Niemand weiß, was als Nächstes kommt. Das schafft Unsicherheit und stellt die Wirtschaft vor zwei potenzielle Probleme: Zieht sich die Fed nicht schnell genug wieder zurück, riskiert sie Inflation . Kommt der Rückzug zu schnell, kann das dem Wirtschaftswachstum schaden. Außerdem ist die Fed ein sehr großer Spieler in den Märkten geworden. In den Geldmärkten läuft ohne die Fed gar nichts mehr. Ich glaube, dass das nicht hilfreich ist. Unterm Strich werden die Kosten deutlich höher sein als der Nutzen.

Frage: Würde ein Rückzug der Fed der Wirtschaft nicht schaden?

Taylor: Ich glaube, er würde der Wirtschaft helfen! Es gibt schon so viele Unsicherheiten: Was passiert mit den hohen Staatsschulden ? Was ist mit der Regulierung? Ein Umfeld mit weniger geldpolitischen Interventionen wäre ein klares Zeichen, und das wäre positiv für die Wirtschaft. Oft ist es ja so, dass Geldpolitik nur auf den ersten Blick hilfreich erscheint und sich dann aber als schädlich erweist.

Frage: Haben Sie ein Beispiel dafür?

Taylor: Von 2003 bis 2005 hat die Notenbank die Zinsen niedrig gehalten, weil sie damit eine geringe Arbeitslosigkeit erreichen wollte. Aber dadurch hat sie meiner Meinung nach eine Reihe von Überschüssen geschaffen. Auf der Suche nach Renditen entstand der Boom auf dem Häusermarkt, und nachdem die Blase platzte, ist die Arbeitslosigkeit viel höher. Die Notenbank hat damit also genau das Gegenteil erreicht. Es ist ein klassischer Fall von unbeabsichtigten Konsequenzen der Geldpolitik.

Frage: Aber könnte ein Anziehen der Geldpolitik nicht auch unbeabsichtigte Konsequenzen haben?

Taylor: Es ist sehr wichtig in der Geldpolitik, nicht zu überstürzt oder unkalkulierbar zu handeln. Egal ob die Fed früher oder später aussteigt, sie muss es sehr behutsam tun und das den Märkten auch so signalisieren. Aber die Fed muss so oder so irgendwann in der Zukunft aussteigen. Und ich glaube, dass es besser ist, das früher zu tun.

Frage: Warum?

Taylor: Wenn man den Ausstieg weiter nach hinten verschiebt, werden die Auswirkungen auf die Märkte noch schwerer zu kontrollieren sein. Die Fed wird irgendwann den Leitzins anheben müssen, Wertpapiere verkaufen und die Einlagen der Banken bei der Zentralbank reduzieren. Das ist extrem schwer zu koordinieren, und je später man das macht, desto größer wird die Ungewissheit, was für andere Faktoren da dann noch eine Rolle spielen.

Frage: Wenn es nicht mehr die Geldpolitik ist, was muss dann getan werden, um der US-Wirtschaft zu helfen?

Taylor: Die Wirtschaft leidet unter einer Reihe von falschen politischen Entscheidungen. Wir haben eine ungewohnt schleppende Erholung. Und wenn ich mir das anschaue, dann kann ich nur sagen: Wir haben nicht genug getan, um nachhaltiges Wachstum zu schaffen. Wir hatten das vorübergehende Stimulus-Paket, wir hatten die Abwrack-Prämie, die Lohnsteuer bleibt vorerst niedrig. Aber wir brauchen langfristigere Veränderungen in der Politik.

Frage: Wie könnten die aussehen?

Taylor: In den 1980er- und 1990er-Jahren hatten wir eine konstantere Fiskal- und Geldpolitik, und das hat der Wirtschaft gutgetan. Wir brauchen eine Steuerreform mit geringeren Steuersätzen und weniger Ausnahmen statt eines kurzfristigen Steuer-Stimulus. Wir müssen die Staatsschulden langsam, aber sicher herunterfahren. Dazu gehört auch, die Sozialsysteme zu reformieren. Und wir sollten nicht mehr immer neue Regulierungsvorschriften schaffen. Ich bin überzeugt, dass das der Wirtschaft guttun wird, weil das in der Vergangenheit auch schon gut funktioniert hat.

Frage: Das erinnert mich an das, was Präsident Obamas Herausforderer Romney vorhat .

Taylor: Ja, die Philosophie ist in der Tat sehr ähnlich. Im Kern geht die Argumentation so: Erstens: Wir haben langsames Wachstum und hohe Arbeitslosigkeit . Zweitens: Das liegt an einer Reihe von politischen Entscheidungen. Drittens: Wir haben bessere politische Instrumente, die sollten wir anwenden.

Frage: Stimmt es, dass Romneys möglicher Vizepräsident Paul Ryan Sie alle zwei bis drei Wochen anruft?

Taylor: Och, das würde ich jetzt so genau nicht beziffern wollen. Aber er ist ein guter Freund, und wir tauschen uns regelmäßig aus. Er kennt sich in der Haushaltspolitik sehr gut aus und verdient Anerkennung für sein Konzept, das er gerade zur richtigen Zeit rausgebracht hat.

Frage: Glauben Sie, dass ein Regierungswechsel in Washington der Wirtschaft neuen Schwung geben kann?

Taylor: Ja, ich glaube schon. Die Ideen aus dem Wahlkampf müssten dann zwar immer noch in Gesetze umgewandelt werden, und das braucht Zeit. Aber mit einer Führung im Weißen Haus, die klar signalisiert, in welche Richtung es gehen soll, könnte es sogar schon relativ schnell zu einem Auftrieb kommen. In der Vergangenheit ging es nach Krisen immer relativ schnell wieder nach oben. Dieses Mal bewegen wir uns nur sehr langsam, aber es gibt durchaus das Potenzial für einen großen Sprung.

Erschienen im Handelsblatt

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke. Die Redaktion/kvk

  2. Diese Person ist kein Ökonom und schon lange kein Wissenschaftler. Er ist ein Rattenfänger - mehr nicht.

    2 Leserempfehlungen
    • FloH48
    • 18. September 2012 11:42 Uhr

    wie man so lange so unkonkret über ein und das selbe Thema sinieren kann.
    Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Niemand hätte wirklich Ahnung von der Materie.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nur werden diese aus den Universitäten verbannt und diskriditiert. Der größte Rest sind Betrüger - die auf ihren eigenen Profit abzielen (nach dem Motto: "Wessen Geld ich bekom, dessen Lied ich sing").

  3. Nur werden diese aus den Universitäten verbannt und diskriditiert. Der größte Rest sind Betrüger - die auf ihren eigenen Profit abzielen (nach dem Motto: "Wessen Geld ich bekom, dessen Lied ich sing").

    2 Leserempfehlungen
    • Afa81
    • 18. September 2012 12:15 Uhr

    "In der Vergangenheit ging es nach Krisen immer relativ schnell wieder nach oben."

    Naja, in der Vergangenheit ging es nach der Krise immer relativ schnell zurück zum bekannten Alltag, was bereits das Feuer an der Lunte für die nächste Krise war.

    2 Leserempfehlungen
  4. .... das die USA in absehbarer Zeit die Staatsschulden wird herunterfahren können, wird seelig....
    Alles läuft am Ende doch auf das einzige Mittel hinaus mit dem sich die verschuldeten Staaten bequem entschulden können: Inflation. Wir werden es erleben, leider....

    Eine Leserempfehlung
  5. Taylor war Unterstaatssekretär in George Bushs erster Amtszeit, verlor aber seinen Posten nach Bushs Wiederwahl. Die Chancen, dass dieser alte Freund Romneys ein "möglicher Nachfolger von Bernanke" wird, werden jeden Tag geringer.

    • beat126
    • 18. September 2012 14:03 Uhr

    In der Ökonomie stellt sich im Grunde nur eine Frage, die da heisst: Wessen Geld geb ich aus, bzw. wessen nehm ich ein?

    Jeder kann sich mit gesundem Menschenverstand die Frage selbst beantworten, wessen Geld wohl bei einer Geldflut ausgegeben wird.

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  • Schlagworte Ben Bernanke | US-Notenbank | Arbeitslosigkeit | Geldpolitik | Haushaltspolitik | Intervention
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