FinanzgeschäfteUS-Ermittler verdächtigen Großbanken der Geldwäsche

Es ist die größte Anti-Geldwäsche-Aktion seit Langem: Mehrere US-Banken sollen Bargeldtransfers nicht gut überwacht haben – möglicherweise zugunsten von Terroristen. von afp

Ein Polizist vor dem Eingang des Hauptgebäudes der Großbank JPMorgan in New York (Archiv)

Ein Polizist vor dem Eingang des Hauptgebäudes der Großbank JPMorgan in New York (Archiv)  |  © TIMOTHY A. CLARY/getty images

US-Behörden ermitteln einem Zeitungsbericht zufolge gegen mehrere große US- Banken wegen des Verdachts der Geldwäsche und der möglichen Finanzierung von Drogenhandel und Terroraktivitäten. Einige der größten Banken des Landes hätten möglicherweise bei der Überwachung von Bargeld-Transfers versagt, berichtete die New York Times unter Berufung auf anonyme Quellen. Dadurch könne es Drogenhändlern und Terroristen gelungen sein, Geld zu waschen.

Dem Bericht zufolge handelt es sich um eine der größten Anti-Geldwäsche-Aktionen der Behörden seit Jahrzehnten in den USA . Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, die Behörden stünden jedoch "kurz davor", gegen die Bank JPMorgan vorzugehen. JPMorgan war schon im vergangenen Jahr in den Fokus der Ermittler geraten: Die Bank wurde damals beschuldigt, Geldtransfers in mit Sanktionen belegte Länder wie den Iran oder Kuba zu tätigen.

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In den aktuellen Ermittlungen wegen Geldwäsche-Verdachts werden auch die Aktivitäten anderer Großbanken wie der Bank of America durchleuchtet, berichtet die Zeitung. Für die Behörden gehe es bei den Ermittlungen auch darum, ein Signal an die größten US-Banken zu senden, dass auch leichte Komplizenschaft bei Geldwäsche inakzeptabel sei. Sowohl JPMorgan als auch die Bank of America wollten bislang keine Stellungnahme bezüglich des Verdachts abgeben.

Erst vor Kurzem hatten die US-Behörden mehreren großen europäischen Banken vorgeworfen, illegale Geschäfte mit Staaten gemacht zu haben, die mit Sanktionen belegt sind . Um nicht von der New Yorker Börse ausgeschlossen zu werden, erklärte sich die britische Standard Chartered Mitte August zur Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 340 Millionen Dollar bereit.

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Leserkommentare
    • amun_st
    • 16. September 2012 9:49 Uhr

    Unterstellen wir einmal, einige Banken würden bewußt Geldwäsche betreiben, dann drängt sich der Verdacht eines neues Geschäftsmodells auf (und neuer Komplizenschaften).
    Wenn das so ist, dann kann ich das gut verstehen - Alle Politiker wollen die heimlichen Geschäft, die zur Zeit so erfolgreich laufen unterbinden - da muß man doch in die Schattenwirtschaft abtauchen.
    Nun gut, es zeigt noch ein weiteres: Banken sind per se nicht gut
    - aber auch das müssen Politiker erst noch lernen

    schlimm genug!

    2 Leserempfehlungen
    • Gerry10
    • 16. September 2012 9:52 Uhr

    ...die jeder der will auch nachlesen kann, gehen viel Geld und Kriminalität immer Hand in Hand.
    Tiefes Misstrauen gegenüber Banken sollte die Grundeinstellung einer Gesellschaft sein.
    Es hat schon einen Grund warum alle Religionen und Ideologien - ausser Kapitalismus - auf dieser Welt (nur) eines Gemeinsam haben: sie alle warnen(!) vor Banken und Zinsen.

    9 Leserempfehlungen
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    Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig

    a) unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen,

    b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder

    c) unter Einflussnahme auf Politik, Massenmedien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft

    Man beachte vor allem Punkt "c" !!!

    ... Hauptinteresse der Mächtigen. Die fließenden Grenzen zwischen legalem und ilegelem Umgang mit Geld verleiten entsprechend gestrickte Menschen -- Kindergartenpsychologie -- ganz natürlich dazu, auszutesten, wie sie gehen können, um sich zu befriedigen.

    Im Kleinen sind das Zinsen, die ein Geldwachstum oberhalb des Produktivitätswachstums und der Inflationsrate zuzüglich Risikoaufschlag versprechen -- man schmarotzt an fremder Leute Arbeit. Das Geschrei ist dann natürlich groß, wenn diese Gewinnerwartung in sich zusammenbricht. Siehe die Scharen von Anlegern, die auf Derivate gewettet haben, deren Werthaltigkeit sie überhaupt nicht gekannt haben. Hauptsache gewinnen!

    Im Mittelfeld finden sich die Zocker, die zwar wissen, dass sie etwas Falsches tun, aber sich noch einreden, weit genug von den ganz bösen Buben zu agieren, um ein Strafe zu bekommen. Stichworte Schweizer/Lichtensteiner/... Schwarzgeldkonten oder Investments in Unternehmen, die z.B. durch Kinder-, Tagelöhner- oder (in D) Aufstocker-/Zeitarbeiterarbeit überhaupt existieren.

    In der Profiliga gilt dann nur noch "Geld stinkt nicht" und es ist egal, wie und womit man es in seine Finger bekommt. Es ist systemimmanent, wenn "erfolgreiche" Banken auf diesem Level spielen, denn jede moralische Anwandlung ist eine Schwäche, die die Gewinn- und Überlebenschancen mindert.

    Dass diese Ausbeuterei in allen Größenordnungen ein Nullsummenspiel um Macht ist, erleben wir in dieser Wirtschaftskrise.

    Kai Hamann

    • y4rx
    • 16. September 2012 9:55 Uhr

    damit hätte nun wirklich niemand rechnen können. Banken, die illegale Geschäfte machen? Unvorstellbar!

    Wie naiv muß man sein, um zu glauben all die Drogengelder würde mit dem Aktenkoffer transferiert? Und nebenbei: Afghanistan ist seit dem Einmarsch der USA recht schnell wieder zum Opium-Lieferant Nummer 1 geworden. Ein Schelm, wer da an die diversen Verstrickungen der US-Geheimdienste in Drogengeschäfte denkt. Ich erinnere nur an den Iran-Contra-Skandal oder die Deals zu Zeiten des Korea-Krieges. Wie wohl finanzieren die Dienste ihre Operationen, die weder von Präsident noch vom Kongreß genehmigt sind? Es taucht immer mal wieder die Spitze eines Eisbergs auf. Aber dann wird möglichst schnell eine Decke darüber gelegt.
    By the way: Was ist eigentlich aus den Billionen geworden, von denen Lord Blackheath im Oberhaus gesprochen hat? Nach der kurzen Meldung anfang des Jahres war da plötzlich auch Schweigen im Wald.

    12 Leserempfehlungen
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    • Xdenker
    • 16. September 2012 14:29 Uhr

    "Mehrere US-Banken sollen Bargeldtransfers nicht gut überwacht haben"

    Bargeldtransfers sind das Einzahlen und Abheben von Bargeld durch die Kunden einer Bank. Einzahlen auf ein Konto eines Kunden können zudem auch Nichtkunden.

  1. Ein UN Offizieller erklärte 2009, dass Milliarden Drogengeld das Finanzsystem während der globalen Finanzkrise am Laufen hielt.
    http://www.guardian.co.uk...

    "In its 1997 World Drugs Report the UNODC estimated the value of the market at US$400 billion, ranking drugs alongside arms and oil amongst the world's largest traded goods."(wikipedia)

    Leider wird der Drogenhandel auch immer wieder mal von staatlicher Seite geschützt:
    "Reporter Gary Webb linked the origins of crack cocaine in California to the contras, a guerrilla force backed by the Reagan administration that attacked Nicaragua's Sandinista government during the 1980s.The documents demonstrate official knowledge of drug operations, and collaboration with and protection of known drug traffickers."
    http://www.gwu.edu/~nsarc...

    Die Unterstützung von Warlords und Drogenhändlern im Narkostaat Afghanistan mag als weiters Beispiel dienen:

    "In 2006 a report to the World Bank argued “that at the top level, around 25-30 key traffickers, the majority of them in southern Afghanistan, control major transactions and transfers, working closely with sponsors in top government and political positions.”In 2007 the London Daily Mail reported that "the four largest players in the heroin business are all senior members of the Afghan government."
    http://www.voltairenet.or...

    8 Leserempfehlungen
  2. Dass Großbanken und Drogenmafia eng kooperieren, ist keine neue Nachricht. Nach Angaben des United Nations Office on Drugs and Crime werden von den Banken jährlich weit über 1 Billion Euro an Schwarzgeldern gewaschen:

    „Den international operierenden Drogenkartellen gelingt es offenbar, jährlich mehr als eine Billion Euro durch Geldwäsche zu erlösen. Im Jahr 2009 soll dieser Betrag bei etwa 1,13 Billionen Euro gelegen haben, was rund 2,7 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung entspreche. Der größte Teil des Schwarzgeldes wird angeblich an den internationalen Finanzmärkten gewaschen. Weniger als ein Prozent des durch kriminelle Aktivitäten erwirtschafteten Geldes würde beschlagnahmt oder eingefroren, gibt ein Bericht der UNODC an.“

    http://www.drogenmachtwel...

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    • Paul79
    • 16. September 2012 10:17 Uhr

    Konkurrenten betroffen sind, oder ob der Branchenprimus auch mal belangt wird?
    Erhellende Arte-Doku über Goldman Sachs und deren Aktivitäten:
    http://videos.arte.tv/de/...
    Schönen Sonntag allerseits!

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  3. "US-Ermittler verdächtigen Großbanken der Geldwäsche"

    Die Überschrift ist Comedy. Was denn sonst.

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    • Mieheg
    • 16. September 2012 10:26 Uhr

    Würde es hier um irgendjemand anders gehen, hätte der zweite Kommentar gleich darauf hingewiesen das es sich hier nur um einen VERDACHT handelt. Das man keine voreiligen Schlüsse ziehen soll, etc. . Aber nein, Banken sind ja immer Böse also müssen sie hier schuldig sein, auch wenn für jeden erstmal die Unschuldsvermutung gilt...

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    • Moika
    • 16. September 2012 11:21 Uhr

    Es waren Banken, die zig Millionen Darlehensverträge abgeschlossen haben, von denen sie bei Abschluß der Verträge wußten, daß sie innerhalb kurzer Zeit notleidend würden. So etwas nennt man Betrug. Dieser Millionenfache Betrug wurde durch das praktizierte System der Bündelung dieser Veträge und den mehrfachen, "versicherten" Weiterverkauf noch weiter verstärkt und führte schließlich zur Finanzkrise.

    In Deutschland laufen z.B. gegen die DB - aber nicht nur gegen die - hunderte Anzeigen und Verfahren wegen Anlagebetrugs, weil sie Kunden des Hauses (u.A. auch an Kommunen, Städte usw.)hauseigene Invest-Konstrukte, die so konzipiert waren, daß die Kunden verlieren mußten, verkauft haben.

    Der Libor-Skandal, an dem schließlich nicht nur eine Bank beteiligt war, wird nicht der Schlußpunkt einer langen Kette von Verfehlungen und kriminellen Handlungen bleiben.

    Wie heißt es doch: Der Fisch stinkt zuerst immer vom Kopf her. Genaus so ist es. Denn die Angestellten im Umgang mit den Kunden der Banken erfüllen schließlich nur die Vorgaben, die sie von "Oben" auferlegt bekommen.

    Ethische Unternehmenspolitik ist seit 20 Jahre out. Es lebe die Gier!

    … aber davon lebt das mediale und politische Massengeschäft sehr gut.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Bank of America | Behörde | Dollar | Drogenhandel | Ermittlung | Geldwäsche
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