US-BankenrettungAmerikas unterschätztes Milliardenproblem

Die Rettung von Amerikas Banken wird im Wahlkampf als Erfolg gehandelt. In Wahrheit ist die Bilanz durchwachsen – und kommt zu früh. von 

Noch im Juni 2010 ließ der zuständige Ausschuss des US-Kongresses kein gutes Haar an dem Rettungsprogramm der Regierung. Notenbank und Finanzministerium , schimpfte die Expertenrunde in ihrem Bericht, würden "das Geld der Main Street vernichten, um die Fehler der Wall Street zu korrigieren". Als Fed-Chef Ben Bernanke versprach, der Versicherungskonzern AIG, einer der größten Empfänger von Staatshilfen, werde das Steuergeld schon zurückzahlen, beschimpften Kritiker den Notenbankchef als "hoffnungslosen Träumer".

Rund zwei Jahre später hat sich die Stimmung geändert. AIG, der wohl meistgehasste Konzern der Finanzkrise , steht wieder auf soliden Füßen . Die Versicherung ist auf ein Normalmaß geschrumpft und hat hochriskante Sparten im Derivategeschäft verkauft. Sollte der anstehende geplante Aktienverkauf der Regierung im Wert von 18 Milliarden Dollar gelingen, würde der Staat erstmals seit der Fast-Verstaatlichung im Jahr 2008 wieder zum Minderheitsaktionär der Bank. Nach der Pleite der Bank Lehman Brothers war der Staat ins Risiko gegangen und hatte 92 Prozent der AIG-Aktien gekauft. Jetzt will er seine Anteile komplett abstoßen – samt Bonus in Höhe von 15 Milliarden Dollar für Amerikas Steuerzahler.

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Plötzlich feiern viele im Land die Rettung nach der Finanzkrise als großen Erfolg. Für das Obama-Team sind die Bailouts der Auto- und Bankenbranche zum Schlüsselthema im Wahlkampf geworden. Die Republikaner verzichten derzeit lieber darauf, die Zeit nach der Krise überhaupt zu erwähnen. Und viele Experten schließen sich den Lobeshymnen an. "Ohne Frage war die Rettung von AIG ein großer Erfolg", sagt Douglas Elliot vom renommierten Brookings Institut. Das Troubled Asset Relief Program (Tarp), sagt Elliot, habe Millionen Jobs gerettet. Das Defizit läge ohne Tarp heute Hunderte Milliarden höher.

300 Banken schulden dem Staat noch Geld

"Ein solches Programm konnten nur die Amerikaner durchsetzen", sagt William Black , Wirtschaftsprofessor an der Universität von Missouri in Kansas City . Deutschland etwa habe es nicht nur an den finanziellen Ressourcen gefehlt, sondern sei auch politisch zu stark eingeschränkt gewesen. " Europa hatte sich mit der Schaffung der EZB und dem Stabilitäts- und Wachstumspakt selbst Fesseln angelegt", sagt Black. Währenddessen habe von den ernst zu nehmenden politischen Akteuren in den USA 2008 niemand wirklich bezweifelt, dass gehandelt werden müsse.

Fast klingt es so, als sei die Rettung bereits abgeschlossen.

Die wahren Zahlen aber klingen anders. Laut der Recherche-Organisation ProPublica sind von den 604 Milliarden Dollar an Krediten, Investitionen oder Cash-Zahlungen, mit denen Washington Banken und Unternehmen nach dem Untergang von Lehman Brothers gestützt hatte, bis heute nur 304 Milliarden Dollar zurückgezahlt. Von den 700 Finanzinstituten, die nur mit Regierungshilfe überleben konnten, hängen noch rund 300 am Tropf des Staates.

In vielen Fällen drohen sogar hohe Verluste. Beispiel General Motors . Noch immer hält der Staat fast ein Drittel am größten US-Autobauer. Von den 50 Milliarden Dollar an Steuergeldern, die die Regierung 2009 in den Konzern steckte, würden 15 Milliarden verloren gehen, sollte sie die Aktien zum heutigen Preis von knapp 25 Dollar abstoßen. "Ein Ausstieg jetzt würde für Obama in einer großen Blamage enden", sagt David Kotok von der New Yorker Investmentberatung Cumberland Advisors. Um kostendeckend zu verkaufen, müsste der Aktienkurs auf 53 Dollar steigen. Ein Wert, den die meisten angesichts der Schwierigkeiten des Konzerns in Europa auf absehbare Zeit für utopisch halten.

Leserkommentare
  1. gibt es keine Rettung, ebensowenig für die eurpäischen. Anstatt sie pleite gehen zu lassen und die Vermögen der Bürger zu schützen wird jetzt ohne ende Geld gedruckt und somit eien Inflation gefördert die das Vermögen der Mittelschicht zusammenschmelzen lässt.

    Eine gut aufgestellt Mittelschicht aber ist in Wahrheit wirklich "systemrelevant" , Banken hingegen kaum, da sie in der Kriese keine Kredite vergeben haben. Jetzt beninnt das Ausschlachten der Bürger und bald kommen auch wieder die Studiengebühren - und zwar richtig, dann kommt die Enteignung der Immobilien durch eine künstlich aufgeblähte Immobilineblase, die viele Häuslebesitzer in den Ruin treiben wird.

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    ...hat keine grossartigen ersparnisse, die weginflationiert werden - die haben ihr geld lieber in ein eigenheim und derartiges investiert. der mittelschicht mit der inflationsangstkeule zu kommen, ist mmn wenig zielführend und vor allem auch nicht richtig.

    Vielleicht wird das Vermögen vieler Bürger auch dadurch geschützt, dass man die Banken nicht pleite gehen lässt.

  2. ...hat keine grossartigen ersparnisse, die weginflationiert werden - die haben ihr geld lieber in ein eigenheim und derartiges investiert. der mittelschicht mit der inflationsangstkeule zu kommen, ist mmn wenig zielführend und vor allem auch nicht richtig.

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    blauäugig und bindet sich einen Klotz, wie z.B. eine Immobilie an's Bein...
    Abgesehen davon ist das Dahinschmelzen der Währung auch für die weiter blickende Zukunft relevant: Bsp. Renten...

  3. Das Foto zeigt nicht Banken, sondern Wohngebäude der Mittelschicht.

    • WDK
    • 19. September 2012 15:14 Uhr

    "Sicher ist man sich derzeit nur einer Sache: Ohne die Rettungsprogramme wäre alles noch viel schlimmer gekommen."

    Dieses abschließende Fazit des Kommentars sagt alles. Es ist ernüchternd, dass von den 600 Milliarden Dollar staatlicher Unterstützung erst die Hälfte zurück bezahlt wurde. Das ist sicherlich auch in Deutschland der Fall. Aber wer hat jemals geglaubt, diese "staatlichen Stützungen" seien nur kurzfristige Darlehen und würden, sogar mit Zins, zurück gezahlt ?

    Der Autor erinnert auch noch mal an das 'too big to fail' Debakel. Nur, wie in den meisten Kommentaren, eine Analyse des Problems bleibt aus. Die Frage ist doch: Wie kann diese 'too big to fail' Realität aufgehoben werden ? Oder: Gibt es einen Weg zurück zur sozialen (= Eigentum verpflichtet) Marktwirtschaft. Mit all den Gesetzen, deren Ziel es war, 'too big to fail' Konglomerate erst gar nicht entstehen zu lassen. Zugegeben, keine einfache Aufgabe.

    Bis jetzt fehlt jeglicher politische Wille dazu. Sowohl bei Obama hier in den USA als auch in der EU. In der EU trifft inzwischen das 'too big to fail' Prinzip auf ganze Nationen zu. Bis jetzt sehe ich keine nennenswerten politischen Ansätze/Parteien, die den Ursachen dieser gegenwärtigen 'Flickschusterei' ernsthaft 'an den Hals' gehen wollen.

    Hat das was zu tun damit, dass wir alle zu 'Schnäppchenjägern' verkommen sind, denen der Begriff 'Solidarität' nichts mehr sagt ?

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    Man hätte auch zu einem anderen Fazit kommen können, nämlich "ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende". Mir scheint wir leben bereits in der Phase - "Schrecken ohne Ende", wenn man die derzeitige Geldpolitik betrachtet.
    Die EZB wirft Geld auf den Markt. Die FED will sogar jeden Monat 40 Milliarden raushauen. Und all das ohne eine funktionierende Binnenkonjunktur. Mir drängt sich dabei das Bild zweier Züge auf, die versuchen sich zu überholen, um eine Weiche vor dem Anderen zu erreichen. Ob sich am Ende der Schienen eine Weiche befindet oder nicht, darüber streiten sich alle vermeindlichen Experten noch ..
    Wenn ein System stirbt, dann würde ich es mir genau so vorstellen.
    Im vergangenen Jahrhundert haben Autoren diverse Uthopien ersonnen - z.B. Cyberpunk, Neuromancer, Brazil, oder auch Star Trek, um etwas weniger düsteres zu nennen. Auch bei Lem kann man immernoch brandaktuelle Elemente entdecken. Leider gibt keine Uthopien die irgendeine Zukunft darüber hinaus bescheiben (positiv oder negativ). Ein Ausblick, ausgehend von unserer heutigen Lage fehlt.
    Hätte man einem Politiker vor 30 Jahren die heutige Situation als Vision von der Zukunft geschildert, hätte er als reine Phantasterei abgetan.
    Maggie Thatcher, die damals die Weichen stellte für ungeregelten Finanzwahnsinn war ursprünglich Chemikerin. Menschen wie sie haben auch die Atombombe geschaffen ...
    Mein Fazit ist, man darf große Entscheidungen nicht Leuten überlassen, die keinerlei Phantasie besitzen.

  4. ... ohne finanzielle Belastung für die Volkswirtschaft durchorganisiert werden kann.

    Die Blase platzt, weil erkannt wird, dass viele Schuldner ihre Verbindlichkeiten nicht leisten können. Wenn heute noch mehr Amerikaner arbeitslos sind oder weiterhin in schlecht bezahlten Jobs gefangen sind, ist rational nicht zu erklären, wieso die Kredite nun plötzlich weniger notleidend sein sollten.

    Ziel war es AIG und andere zu retten. Bis heute scheint das gelungen. Natürlich bleiben die Schuldpapierbesitzer auf einigen Außenständen sitzen.

    Bei uns wurden der HRE Papier mit einen Nennwert von fast 180 Mrd Euro abgekauft. Der Steuerzahler muss diese Kosten nun über 20 Jahre verteilt abstottern. Nicht nur in USA verursachte die platzende Hypothekenblase enorme Kosten.

    Daran ändern auch nichts die coolen Sprüche jener, die so tun, als könnte ein Staat, der sich auf das kapitalistische Spielchen einlässt, und selbst Aktienbesitzer strauchelnden aber sanierbaren Betriebe wird, etwas gewinnen. Ein Staat hat in solchen Situationen nur noch die Möglichkeit, den Schaden so klein wie möglich zu halten, indem er den Totalzusammenbruch der Wirtschaft verhindert.

    Leider hat das den unangenehmen Nebeneffekt, dass die großen Kapitalansammlungen nicht mehr kleiner werden, und nach der akuten Krise sofort wieder ihre erdrückende Macht auf die Wirtschaft ausüben.

  5. und Zinsgeschäfte ist das Banksystem nach einer gewissen Zeitspanne sowieso zum scheitern verurteilt.

  6. blauäugig und bindet sich einen Klotz, wie z.B. eine Immobilie an's Bein...
    Abgesehen davon ist das Dahinschmelzen der Währung auch für die weiter blickende Zukunft relevant: Bsp. Renten...

    Antwort auf "die mittelschicht..."
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    • 15thMD
    • 19. September 2012 17:33 Uhr

    Blauäugig ist hier nur, wer sich noch keinen klotz wie eine Immobilie ans Bein gebunden hat. Alles andere wird von der INflation aufgefressen werden. Wenn sie denn kommt...

  7. Man hätte auch zu einem anderen Fazit kommen können, nämlich "ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende". Mir scheint wir leben bereits in der Phase - "Schrecken ohne Ende", wenn man die derzeitige Geldpolitik betrachtet.
    Die EZB wirft Geld auf den Markt. Die FED will sogar jeden Monat 40 Milliarden raushauen. Und all das ohne eine funktionierende Binnenkonjunktur. Mir drängt sich dabei das Bild zweier Züge auf, die versuchen sich zu überholen, um eine Weiche vor dem Anderen zu erreichen. Ob sich am Ende der Schienen eine Weiche befindet oder nicht, darüber streiten sich alle vermeindlichen Experten noch ..
    Wenn ein System stirbt, dann würde ich es mir genau so vorstellen.
    Im vergangenen Jahrhundert haben Autoren diverse Uthopien ersonnen - z.B. Cyberpunk, Neuromancer, Brazil, oder auch Star Trek, um etwas weniger düsteres zu nennen. Auch bei Lem kann man immernoch brandaktuelle Elemente entdecken. Leider gibt keine Uthopien die irgendeine Zukunft darüber hinaus bescheiben (positiv oder negativ). Ein Ausblick, ausgehend von unserer heutigen Lage fehlt.
    Hätte man einem Politiker vor 30 Jahren die heutige Situation als Vision von der Zukunft geschildert, hätte er als reine Phantasterei abgetan.
    Maggie Thatcher, die damals die Weichen stellte für ungeregelten Finanzwahnsinn war ursprünglich Chemikerin. Menschen wie sie haben auch die Atombombe geschaffen ...
    Mein Fazit ist, man darf große Entscheidungen nicht Leuten überlassen, die keinerlei Phantasie besitzen.

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