Weil die USA an Konkurrenzkraft eingebüßt haben, steht die deutsche Volkswirtschaft erstmals auf dem globalen Wettbewerbsindex besser da als die amerikanische. Deutschland hielt sich in dem Wettbewerbsranking des Weltwirtschaftsforums (WEF) auf Platz sechs, während die USA vom fünften auf den siebten Rang abrutschten. Dennoch bleiben die USA die innovationsfreudigste Volkswirtschaft weltweit, wie der Wettbewerbsbericht des WEF ergab.

In der Studie wird der Bundesrepublik eine anhaltend hohe Flexibilität und Innovationskraft der Wirtschaft sowie eine ausgezeichnete Infrastruktur bescheinigt. Probleme sehen die Autoren auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Sie bemängeln, dass "fehlende Flexibilität bei der Bestimmung der Löhne sowie hohe Kosten bei Entlassungen die Schaffung neuer Jobs behindern". Pluspunkte gab es für das hohe Niveau und die Praxisorientierung der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Die am besten auf den globalen Wettbewerb eingestellte Volkswirtschaft hat nach Einschätzung der WEF-Experten weiterhin die Schweiz – wie im Vorjahr gefolgt von Singapur . Finnland arbeitete sich durch seinen wirtschaftlichen Reformkurs vom vierten auf den dritten Rang vor. Nach Schweden kamen die Niederlande auf Platz fünf. Damit zogen sie an Deutschland vorbei.

Griechenland ist weitere sechs Ränge auf den 96. Platz abgerutscht. Die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft ist nach Ansicht der WEF-Experten nicht nur erheblich schwächer als jene der anderen 16 Euro-Länder. Es liegt in der Rangliste sogar hinter Entwicklungsländern wie Vietnam (75), Botsuana (79) und Kambodscha (85). "Dass Griechenland und vielleicht auch andere Länder den Euro verlassen , erscheint inzwischen als eine reale Möglichkeit, mit potenziell verheerenden Konsequenzen für die Region und darüber hinaus", sagte WEF-Chef Klaus Schwab .

Gefälle in der EU wird größer

Als eine "Schlüsselerkenntnis" nennen die Autoren des Berichts das "anhaltende und teils größer werdende Gefälle bei der Wettbewerbsfähigkeit zwischen europäischen Ländern". Mit Finnland, den Niederlanden und Deutschland gehören nur drei Euro-Staaten zu den Top Ten. Großbritannien steht auf dem siebten Platz (im Vorjahr Platz zehn). Während Frankreich immerhin noch auf Platz 21 kommt, liegen Spanien (36), Italien (42) und Portugal (49) nicht nur deutlich hinter den EU-Spitzenreitern, sondern auch hinter dem großen EU- und US-Konkurrenten China zurück.

China erweist sich mit Platz 29 erneut als die konkurrenzfähigste unter den großen aufstrebenden Volkswirtschaften und liegt dabei noch 30 Stufen vor Indien . Das an Rohstoffen reiche Russland landet nur auf Rang 67.

Bewertet wurden insgesamt 144 Länder nach zwölf einheitlichen Kriterien – darunter die staatlich-behördlichen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, die Infrastruktur, der Entwicklungsstand des Finanzmarktes und der Technologie sowie die Flexibilität des Arbeitsmarktes und die Qualität des Bildungswesens.