Amerika ist im Goldfieber. Auf Twitter, Facebook und Wall-Street-Blogs wird seit Tagen über eine Wiedereinführung des Goldstandards diskutiert. "Wir brauchen eine solche Währungsreform mehr denn je", behauptet Rich Danker vom American Principles Project, einer Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die amerikanische Verfassung zu verteidigen. Das von den Eliten und Bankern gestützte Papiergeld habe durch die Inflation Amerikas arbeitende Bevölkerung um einen guten Teil ihres Einkommens gebracht, argumentiert Danker.

Bestätigt fühlen sich die Goldfans durch eine Initiative der Republikaner. Diese hatten auf ihrem Parteitag in der vergangenen Woche eine neue Kommission gegründet, die baldmöglichst eine Studie erstellen soll. Thema: Die "Fixierung des Dollars". Zwar wird der Goldstandard nicht direkt erwähnt. Seine Anhänger verstehen das Engagement dennoch als möglichen ersten Schritt für ein Comeback. "Goldstandard nach 30 Jahren erstmals wieder in Washington diskutiert", titelte auch die Financial Times . Tatsächlich war es Ronald Reagan , der zuletzt einen Vorstoß in diese Richtung wagte.

Insider aus Washington deuten den Plan der Republikaner als taktisches Manöver: Die Partei-Oberen versuchten auf diese Weise, die Unterstützer des extrem-libertären Ron Paul für die Kampagne von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney zu gewinnen. Lange waren Paul und seine "Gold-Obsession" selbst von Parteigenossen belächelt worden. Seit der Finanzkrise hat der 77-jährige Politikveteran eine wachsende und glühende Fangemeinde um sich geschart.

Doch auch an der Wall Street halten viele den Vorschlag zumindest für diskussionswürdig. Es gebe verschiedene denkbare Modelle, meint James Rickards, ein Investmentbanker und Devisenexperte, der unter anderem das US-Verteidigungsministerium beraten hat. Rickards kann sich ein System vorstellen, bei dem der Dollar nur zum Teil durch Goldreserven gedeckt ist. "Die Briten hatten einst ein System mit 20 Prozent Golddeckung, die USA zeitweilig eines mit 40 Prozent Goldsicherung", sagt der Banker.

Doch hat das einstige System des Goldstandards nicht versagt? Schon, sagt Rickards. Der Fehler früherer Goldwährungen sei jedoch eine falsche Preissetzung des Goldes gewesen. Bei der Rückkehr zum Goldstandard nach dem ersten Weltkrieg hätte Großbritannien den Vorkriegspreis angenommen – und die massive Expansion der Geldmenge durch die Kriegsfinanzierung tragisch unterschätzt. "Das hat zum Kollaps des Systems geführt und zur Großen Depression beigetragen", sagt Rickards.

Das heiße aber nicht, dass der Goldstandard per se nicht machbar sei. "Wenn der Staat wie bei unserem derzeitigen System Geld druckt, nimmt er von den einfachen Bürgern und gibt den Banken." Diese profitierten am meisten von den Niedrigstzinsen und Krediten, die durch eine Inflation weniger wert seien. Am besten sei es, den Goldstandard weltweit einzuführen. Amerika sei jedenfalls für diesen Fall gerüstet: "Die USA verfügen mit 8.000 Tonnen Gold über rund ein Drittel der offiziellen Weltgoldreserven." Und in einem absoluten Notfall könne die Regierung per Notstandsgesetz noch einmal 6.000 Tonnen Gold beschlagnahmen, das andere Länder – unter anderem Deutschland und die Niederlande – bei der New Yorker Zentralbank eingelagert haben. "Für solche Beschlagnahmungsgesetze gibt es durchaus Vorläufer, etwa 1917 während des Ersten Weltkriegs."