Geldpolitik : Und ewig lockt das Gold

In den USA gewinnt eine alte Idee eine neue Fangemeinde: der Goldstandard. Ökonomen wie Paul Krugman finden das "fast komisch".

Amerika ist im Goldfieber. Auf Twitter, Facebook und Wall-Street-Blogs wird seit Tagen über eine Wiedereinführung des Goldstandards diskutiert. "Wir brauchen eine solche Währungsreform mehr denn je", behauptet Rich Danker vom American Principles Project, einer Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die amerikanische Verfassung zu verteidigen. Das von den Eliten und Bankern gestützte Papiergeld habe durch die Inflation Amerikas arbeitende Bevölkerung um einen guten Teil ihres Einkommens gebracht, argumentiert Danker.

Bestätigt fühlen sich die Goldfans durch eine Initiative der Republikaner. Diese hatten auf ihrem Parteitag in der vergangenen Woche eine neue Kommission gegründet, die baldmöglichst eine Studie erstellen soll. Thema: Die "Fixierung des Dollars". Zwar wird der Goldstandard nicht direkt erwähnt. Seine Anhänger verstehen das Engagement dennoch als möglichen ersten Schritt für ein Comeback. "Goldstandard nach 30 Jahren erstmals wieder in Washington diskutiert", titelte auch die Financial Times . Tatsächlich war es Ronald Reagan , der zuletzt einen Vorstoß in diese Richtung wagte.

Insider aus Washington deuten den Plan der Republikaner als taktisches Manöver: Die Partei-Oberen versuchten auf diese Weise, die Unterstützer des extrem-libertären Ron Paul für die Kampagne von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney zu gewinnen. Lange waren Paul und seine "Gold-Obsession" selbst von Parteigenossen belächelt worden. Seit der Finanzkrise hat der 77-jährige Politikveteran eine wachsende und glühende Fangemeinde um sich geschart.

Doch auch an der Wall Street halten viele den Vorschlag zumindest für diskussionswürdig. Es gebe verschiedene denkbare Modelle, meint James Rickards, ein Investmentbanker und Devisenexperte, der unter anderem das US-Verteidigungsministerium beraten hat. Rickards kann sich ein System vorstellen, bei dem der Dollar nur zum Teil durch Goldreserven gedeckt ist. "Die Briten hatten einst ein System mit 20 Prozent Golddeckung, die USA zeitweilig eines mit 40 Prozent Goldsicherung", sagt der Banker.

Doch hat das einstige System des Goldstandards nicht versagt? Schon, sagt Rickards. Der Fehler früherer Goldwährungen sei jedoch eine falsche Preissetzung des Goldes gewesen. Bei der Rückkehr zum Goldstandard nach dem ersten Weltkrieg hätte Großbritannien den Vorkriegspreis angenommen – und die massive Expansion der Geldmenge durch die Kriegsfinanzierung tragisch unterschätzt. "Das hat zum Kollaps des Systems geführt und zur Großen Depression beigetragen", sagt Rickards.

Das heiße aber nicht, dass der Goldstandard per se nicht machbar sei. "Wenn der Staat wie bei unserem derzeitigen System Geld druckt, nimmt er von den einfachen Bürgern und gibt den Banken." Diese profitierten am meisten von den Niedrigstzinsen und Krediten, die durch eine Inflation weniger wert seien. Am besten sei es, den Goldstandard weltweit einzuführen. Amerika sei jedenfalls für diesen Fall gerüstet: "Die USA verfügen mit 8.000 Tonnen Gold über rund ein Drittel der offiziellen Weltgoldreserven." Und in einem absoluten Notfall könne die Regierung per Notstandsgesetz noch einmal 6.000 Tonnen Gold beschlagnahmen, das andere Länder – unter anderem Deutschland und die Niederlande – bei der New Yorker Zentralbank eingelagert haben. "Für solche Beschlagnahmungsgesetze gibt es durchaus Vorläufer, etwa 1917 während des Ersten Weltkriegs."

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Kommentare

104 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

antiquierte Politik der Rep´s

"Nur weil die Republikaner dafür sind

ist das Bremsen der Papiergeldpressen (egal ob von FED oder EZB bedient) noch längst nicht falsch."

Das Problem beim Goldstandart ist, dass bei den heutigen BIP´kaum die nötige Goldmenge aufzutreiben wäre um auch nur einen nennenswerten Bruchteil des Geldes mit Gold zu unterlegen. Die meisten Ökonomen halten das daher für utopisch.

Gold ist verhältnissmäßig rar und wachsende Volkswirtschaften benötigen zudem auch eine wachsende Geldmenge. Sollten die Reps tatsächlich an die Macht kommen und den Goldstandart wieder einführen, dürfte die Wirtschaft der USA an den deflationären Folgen eingehen.

Die Geldmenge sollte beschränkt werden, das seh ich genauso wie die Reps. Ich bin diesbzgl. allerdings Anhänger des Vollgeldsystems, indem nur die Geldmenge in den Wirtschaftskreislauf eingeführt wird, die eine wachsende Volkswirtschaft benötigt (also nicht die Draghi Basooka). Ähnliche Modelle wurden auch schon in den USA diskutiert, konnten sich gegen die Interessen der FED aber nicht behaupten.

http://de.wikipedia.org/w...

http://de.wikipedia.org/w...

Das ist doch mal eine Aussage!

"Und in einem absoluten Notfall könne die Regierung per Notstandsgesetz noch einmal 6.000 Tonnen Gold beschlagnahmen, das andere Länder – unter anderem Deutschland und die Niederlande – bei der New Yorker Zentralbank eingelagert haben. „Für solche Beschlagnahmungsgesetze gibt es durchaus Vorläufer, etwa 1917 während des Ersten Weltkriegs."

Und unsere Politiker/Bundesbank erklären uns, dass unser Gold sicher bei unseren "Freunden" aufgehoben ist.

So Böse sind die Zungen nicht^^

Ich kann mich daran erinnern mal gelesen zu haben das ein US Senator genau das behauptet.
Aber er kann es nicht beweisen da ihm der Zugang verweigert wird.

Davon abgesehen hat bisher jeder Politiker der gefordert hat die Deutschen Goldreserven den Siegermächten zu nehmen auf Granit gebissen.
Ja und dann wurde später immer behauptet unser Gold ist doch sicher wieso also es "Heim" holen. ^^

Ich sehe das so wie viele andere auch. Das Gold in den USA ist für uns verloren. Und wenn es offiziell wird dann finden unsere Politiker sicher genug Gründe wieso das auch gut so ist :D

Träume sind wie Seifenblasen

"in den letzten Tagen gab es mehrere "Goldartikel" in diversen "Qualitätsmedien"..."

Eine Absicht läßt sich nur vermuten.

Meine Meinung:
Wer Gold aus Unsicherheit (als Sicherheit) kauft ist dumm.
Wer eine Wohnung aus Unsicherheit (als Sicherheit) kauft ist dumm.
Wer eine Edelsteine aus Unsicherheit (als Sicherheit) kauft ist dumm.

Genausogut könnte man Tulpenzwiebeln kaufen. Die kann man auch nicht essen.

Man stelle sich vor die Erbschaftssteuer würde deutlich angehoben. Viel mehr Häuser stünden auf dem platten Land zum Verkauf.

Man bemerkt nur dann nicht, dass man in eine Blase investiert hat, solange sie nicht platzt. Und die Blase platzt solange nicht, solange sich die Leute zwischen den Blasen hin und her verschieben lassen. Dies generiert Handel und dies generiert Gewinn.

Tja, hoch bewertete Güter heben den Wohlstand eines Landes.
Wie in Spanien.

Böse Zungen eben...

Wenn der Bauer umbedingt eine

Schaufel oder paar Geräte braucht, wird er hier wohl direkt tauschen wollen. Gold wäre für Ihn völlig (wieviel Gold eigentlich sollte man beim Tausch geben/fordern?) egal.

Man will wohl nicht begreifen, dass ARBEIT (des MENSCHEN) Werte schafft. Kein Geld oder Gold der Welt könnte es ERSETZEN.

Je mehr Menschen zusammen arbeiten und das Produzierte in etwa ähnlich gleich von dem Produktionsvolumen abbekommt, desto stabiler ist das System.

Wenn Sie Sachwerte wollen, bitte!

Wenn Sie Zweifel am Papiergeld bzw. dessen Wertbeständigkeit haben, sind Sachwerte eine konsequente Alternative. Darunter fallen so nützliche Dinge wie Grundstücke, Gebäude oder Möbel. Wenn's etwas exotischer sein darf, gehen auch Kunstwerke oder Wein.

Gold jedoch ist nur bedingt ein Sachwert. Die Lagerbestände an Gold betragen ein Vielfaches des jährlichen Verbrauchs und befinden sich hauptsächlich im Besitz von Akteuren, die garkein Gold verbrauchen. Damit ist Gold der wohl spekulativste Rohstoff. Wenn Sie Metalle wollen, kaufen Sie lieber Silber oder Palladium. Deren Preis ist noch eher durch Abbaukosten und industriellen Verbrauch gegen den Totalabsturz geschützt: Wenn der Preis nur tief genug fällt, lohnt sich die Förderung nicht mehr und der Verbrauch verknappt Silber und Palladium binnen (relativ) kurzer Zeit wieder. Beim Gold sind die Vorräte derart absurd hoch, dass es Jahrzehntelang verramscht werden kann ohne knapp zu werden, wenn die Blase einmal platzt.

"Nimmt also der Wert des Geldes ab

ist dies beim Gold automatisch auch der Fall."

Genau, DAS wurde ja bekanntlich glänzend bewiesen während der großen Inflationsperiode. Die Geldscheine wurden immer größer wegen der nötigen Nullen und taugten selbst körbeweise nicht mehr als Zahlungsmittel und gleichzeitig war ja auch für Gold radikal nichts mehr zu haben.
Mit Papiergeld konnte man sich allerdings wenigstens den Hintern wischen, auch dabei versagte das Gold völlig.

Falsch

[hat das Problem doch schon beschrieben. Gold wird mit Geld bewertet und umgekehrt (beim Goldstandart). Nimmt also der Wert des Geldes ab, ist dies beim Gold automatisch auch der Fall.]

Das ist falsch. Nur weil etwas in Geld gemessen wird, verläuft sein Wert nicht proportional zum Wert des Geldes. Nimmt der Wert des Geldes ab, steigt die Menge Geld, die für eine gegebene Menge Gold aufgewendet werden muss.

Wenn Sie ein Maßband kaufen, dass bereits nach 5mm einen Zentimeter anzeigt, schrumpfen Sie ja auch nicht um die Hälfte.

Mir egal

[Alleine schon das Wort "Wert" legt eine subjektive Wahrnehmung bei der Bewertung dar. Sie können nichts fixieren, was im Wert manipulierbar ist.

Das würde keinen Unterschied zum jetzigen System haben.

Der Goldstandard, wie auch das jetzige Schuldgeldsystem, basieren beide auf VERTRAUEN - aber Nicht auf das Element Gold!]

Das hat mit meinem Beitrag nicht viel zu tun. Ich bin kein Befürworter des Goldstandards. Das ändert nichts daran, dass das vorgebrachte und von mir adressierte Argument gegen den Goldstandard falsch war.

Hab ich in dem Kommentar, auf den Sie antworten, gesagt,

dass der Goldstandard helfen würde oder das System gerechter würde?
Antworten auf Aussagen, die nicht gefallen sind, sind doch reine Spiegelfechterei.

Im Übrigen hätte eine Währungsdeckung sehr wohl Wirkung, moralische und disziplinierende. Gerade deshalb sind die Papier- und Buchgeldapologeten ja so heftig dagegen und schöpfen lieber Geld aus dem Nichts.

Wie man Opa sagte

weisst Du was eine Goldkette 1946 Wert wahr, 10 Kartoffeln und ein Schinken.

Der einzige spannende Faktor wäre wirklich am Goldstandadr, dass das Wachstum begrenzt wäre. Da nur ein begrenzte Menge zur Verfügung stünde und ob das die Leute wollen, oder sich der Folgen bewusst sind glaube ich nicht.

Spannend wäre auch eine erlärung der Autorin zur Aussage
"Doch in den vergangenen Jahren ist die Preissteigerung milde geblieben."
wenn diese von ihr kommt, da man sich fragt in welcher Realität es zu milden Preissteigerungen gekommen ist.

Nein,

seine Aussage war richtig.

Zitat:

[Nimmt also der Wert des Geldes ab, ist dies beim Gold automatisch auch der Fall.]

Gold - > Geld
Geld - > Gold

Und genau das "- >" ist das Problem (was nichts anderes als ein anderes Zeichen in diesem Kommentar für "Bewertung" ist), den im Grunde liegt hier nichts anderes im Hintergrund als

Gold - > Gold

was nichts anderes ist als

Geld - > Geld

Also unterliegt Gold, wie auch das Geld, einer Inflation und einer Deflation. Im Übrigem ist Gold auch auf nichts anderes als "Vertrauen" aufgebaut - das Vertrauen dafür etwas als Gegenleistung zu bekommen.

Und hier ist das Wort "Gegenleistung" genau richtig. Unsere Tätigkeit in der Fremdproduktion ist auf das Vertrauen aufgebaut, dafür auch etwas zu bekommen (weshalb ich in einem früheren Kommentar das Wort "Arbeit" eingefügt habe).

Gold unterliegt dem gleichem Problem, wie das Geld.

Gold "ungleich" Leistungskraft.
Geld "ungleich" Leistungskraft.

Es läuft immer auf eine Bewertung hereaus.

Somit:

Sinkt die Leistungskraft, so sinkt auch der WERT des Goldes (Geldes). Steigt die Leistungskraft, steigt auch der WERT des Goldes (Geldes).

Paul Krugman zur BBC Target2-Überschuss Deutschlands

auf 3 Billionen Euro dann kann der Euro rückabgewickelt werden. (Natürlich mit der damit verbundenen Nichtbedienung deutscher Forderungen).

Nur mal eine Nebenbetrachtung welchen Schlages dieser Mann ist. Nun zum Gold.

Es wird immer gern gesagt Gold habe keinen intrinsischen Wert, sondern nur den dem wir ihm zuschreiben (seit über 3000 Jahren). Aber mal ehrlich welchen intrinsischen Wert hat digitales Giralgeld. Aus Gold kann man Schmuck machen und es ist der drittbeste elektr. Leiter, aber vor allem ist es ein international anerkanntes Tauschgut, das sämtliche Kulturen Kriege und Inflationen überlebt hat.

Ist ein Goldstandard (=gleichbedeutend mit Weltwährung Gold) wünschenswert oder durchführbar? Wohl nicht. Aber was kann man sonst gegen Inflation tun, wenn unsere Regierung den Draghi loslässt.

Ein modernes Geldsystem hat statt Golddeckung "Vertrauensdeckung". Jeder mag selbst entscheiden wieviel Vertrauen er einer Kanzlerin zugestehen will bei der Schuldenvergemeinschaftung durch Eurobonds nur über ihre Leiche geht aber Schuldenvergemeinschaftung durch die EZB akzeptabel ist.

Krugmann

Dieser Mann hat nicht umsonst einen Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften.
Natürlich ist seine Meinungen nicht das Maß aller Dinge, aber wer seine Arbeiten kennt, der weiß das dieser Mann Ahnung hat.
Und es gibt nun mal nur 2 Optionen, entweder Griechenland, Spanien, Portugal und Italien treten aus. Oder man nimmt ordentlich Geld in die Hand und investiert in Wachstum.
Beide Alternativen haben ihre Daseinsberechtigung, das schlimmste aber ist dieses durchgewurschtel von unserer Bundesregierung.

Durchwurschteln der Bundesregierung

[Beide Alternativen haben ihre Daseinsberechtigung, das schlimmste aber ist dieses durchgewurschtel von unserer Bundesregierung.]

Das "Durchwurschteln" der Bundesregierung kann man im Detail kritisieren, es ist in der Stoßrichtug aber völlig richtig. Schuldenstaaten wie Griechenland müssen strukturelle Reformen vornehmen. Da diese Reformen aber ohne Hilfe zu drastisch ausfallen müssten als vertretbar ist und außerdem eine Weile bis zum Eintreten der Wirkung der Reformen vergeht, braucht Griechenland Unterstützung.

Gibt man ihnen aber zuviel Unterstützung, vergeht der Reformdruck. In diesem Dilemma bewegt sich die Bundesregierung und die anderen Länder zwischen Ausüben notwendigen politischen und wirtschaftlichen Druckes, um das Land zu Reformen zu bringen einerseits, und die Gewährung wirtschaftlicher und politischer Erleichterung andererseits, um das Land nicht zu überfordern.

Was Sie "Durchwurschteln" nennen, ist im Grunde eine kompliziertes Spiel von Zuckerbrot und Peitsche. Das macht sich natürlich nicht so einfach wie einfache Antworten á la "Einfach Rausschmeißen" oder "Einfach Geld reinpumpen".

So ist es!

Vertraue dem, der eine Lösung sucht, und nicht dem der eine einfache anbietet. Was in 40 Jahren verbockt wurde, kann man nicht in 2 Jahren lösen.
Ausserdem müssen noch die Bilanzen des "Sieges" im "Kalten Krieg" aufgearbeitet werden. Die Russen haben sich inzwischen rausgearbeitet.

Die Deutschen mutieren mit ihrer Bockigkeit immer mehr zu den "Bayern" Europas. Letzlich wird es ihnen nicht helfen, aber immerhin Respekt verschaffen.

Wird sich zeigen, aber bei solchen Eingriffen ist eigentlich keine Hyperinflation zu erwarten - wohl möglich das die Inflation in den nächsten 10 Jahren etwas anzieht. Aber die Eurozone hat andere Probleme - unterhalten Sie sich mal mit Spanischen Jugendlichen - in Europa werden gerade Heere an Langzeitarbeitslosen gezüchtet - das wird später Unmengen an Geld kosten (Opportunitätskosten), denke es ist wichtiger hier zu intervenieren als die Inflationsrate auf das Prozent zu steuern und dazu brauchen die Staaten Luft - ideal ist es nicht, da haben Sie Recht. Aber fallenlassen geht auch nicht - dafür geht zu viel Output der deutschen Wirtschaft ins EU-Ausland. Unter die Arme greifen und kontrollieren (und auf die Finger hauen) - halt Souveränität abgeben und enger zusammenrücken.