KonjunkturhilfeUS-Notenbank kauft noch mehr Anleihen

Die US-Konjunktur kommt nicht richtig in Schwung. Die Notenbank flutet erneut den Geldmarkt: Pro Monat will sie Papiere im Wert von 40 Milliarden Dollar erwerben. von dpa und reuters

Das Hauptgebäude der US-Notenbank Federal Reserve in Washington

Das Hauptgebäude der US-Notenbank Federal Reserve in Washington  |  © Jim Young/Reuters

Die US-Notenbank Federal Reserve hat angesichts der schwachen US-Konjunktur weitere Hilfsmaßnahmen angekündigt. So will sie unter anderem pro Monat für 40 Milliarden Dollar hypothekengesicherte Wertpapiere kaufen, um den schwächelnden Häusermarkt zu stärken. Zudem wollen die Notenbanker ihren bei faktisch null Prozent liegenden Leitzins bis 2015 nicht erhöhen. Ein fester Termin für ein Ende des Programms wurde nicht genannt. Es werde so lange gelten, bis der Arbeitsmarkt deutliche Zeichen einer Verbesserung zeige, heißt es in der Mitteilung .

Fed-Chef Ben Bernanke sagte, die bei über acht Prozent liegende Arbeitslosigkeit sei "weiterhin eine ernste Sorge". Im Begleitkommentar zum Zinsbeschluss heißt es weiter, die Notenbanker seien besorgt, dass das Wachstum in den USA ohne eine weitere Konjunkturspritze doch nicht stark genug werden könnte, um für eine anhaltende Besserung am Arbeitsmarkt zu sorgen. Daher sollen die Käufe solange fortgesetzt werden, bis sich die Perspektiven am Jobmarkt "substanziell aufhellen".

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Das Programm der Anleihekäufe verfolgt das Ziel, langfristig die Zinsen niedrig zu halten und zugleich zu Kreditaufnahmen und Investitionen anzuspornen. Die Zentralbank hatte zwischen 2008 und 2011 schon zweimal für insgesamt etwa 2,3 Billionen Dollar langfristige Staatsanleihen und Hypothekenpapiere gekauft. Bernanke hatte in einer Rede im vergangenen Monat darauf hingewiesen, dass die sogenannte quantitative Lockerung und andere unorthodoxe Maßnahmen der Zentralbank die Kreditkosten gemildert und die Aktienkurse in die Höhe getrieben hätten.

Nach der Ankündigung der Notenbank baute die Wall Street ihre Gewinne leicht aus. Der Dow-Jones-Index ging innerhalb von Minuten um 105 Punkte in die Höhe, gab dann aber wieder nach und blieb zunächst bei einem Plus von 35 Punkten. Der Dollar gab im Vergleich zum Euro und zum Yen nach, US-Staatsanleihen drehten ins Minus.

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Leserkommentare
  1. Das Beispiel der FED zeigt idealtypisch, dass Konjunktur- und Fiskalpolitik durch die Notenbank nicht funktioniert. Ganz ähnlich wird es der illegalen EZB-Anleihenaktion ergehen. Die Zinsen werden vielleicht kurzfristig sinken, doch die Finanzmärkte werden schnell merken, dass die nepotistische Politik in Italien und in der Rest-Peripherie nicht einen Jota ernsthafte Reformen umsetzen wird. Dafür haben wir dann irgendwann Inflation.

    Danke, Herr Dr. Kohl, Dr. Merkel et al.

    • Lukan
    • 13. September 2012 20:27 Uhr

    "Audit the Fed" Erfolg hat.
    Und danach dann bitte "End the Fed".

    • R. Rat
    • 13. September 2012 21:04 Uhr

    macht seinem Namen alle Ehre. Allerdings haben die ersten beiden QEs schon nicht wirklich viel gebracht. Das ganze Geld wird kurzfristig den Konsum ankurbeln und es entstehen ein paar neue Jobs bei Wal-Mart an der Kasse. Das war's dann.

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    • Lukan
    • 13. September 2012 21:12 Uhr

    Der durchschnittliche Amerikaner verspürt aufgrund der gesteigerten Inflation (aber da hat sie die Fed ja vor ein paar Jahren eine ganz tolle Methode einfallen lassen, um Produkte im Bemessungswarenkorb zu streichen bzw. zu ersetzen, die zu starke Preisanstiege verzeichnen - clever) einen kontinuierlichen Vermögensverlust.

    • genius1
    • 13. September 2012 22:59 Uhr

    Dann bekommt der Anleihenbesitzer das Geld für die Anleihe sofort, Möglicherweise mit Abschlägen. Wenn das Geld von den Banken gekommen ist, verschwindet der Kredit wieder im Nichts, aus dem Es gekommen ist, Minus eventuellen Gewinnen!

    Kommt das Geld vom Privatmann, dann hat der Private zwei Möglichkeiten. Er Verkonsumiert das Geld (eher Unwahrscheinlich, sonst wärs nicht Angelegt worden) oder Er legt es woanders wieder An!

    Wo bitte kommt das Geld im Konsum an. Bei armen Menschen kommt das Geld nicht an!

    • Lukan
    • 13. September 2012 21:12 Uhr

    Der durchschnittliche Amerikaner verspürt aufgrund der gesteigerten Inflation (aber da hat sie die Fed ja vor ein paar Jahren eine ganz tolle Methode einfallen lassen, um Produkte im Bemessungswarenkorb zu streichen bzw. zu ersetzen, die zu starke Preisanstiege verzeichnen - clever) einen kontinuierlichen Vermögensverlust.

    Antwort auf "„Helicopter-Ben”"
  2. „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll“

    Ludwig von Mises

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    40 Milliarden / Monat für die Reichen.

    50 Dollar / Monat zum Leben für die Armen...

    "Vor drei Jahrzehnten gab es keine zwei Dutzend Einrichtungen für die Armen New Yorks, heute existieren mehr als 1100 Suppenküchen und Speisekammern in der Stadt. 1,9 Millionen New Yorker beziehen Essensmarken, in über drei Millionen Haushalten soll die Lebensmittelversorgung "unsicher" sein."
    http://www.welt.de/wirtsc...

    • Xdenker
    • 13. September 2012 21:25 Uhr

    Was genau will sie kaufen, die Fed?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Xdenker
    • 13. September 2012 22:29 Uhr

    Da gab es eine deutliche Diskrepanz zwischen der Überschrift des Artikels und dem Text. Mittlerweile hat die Redaktion "Staatsanleihen" durch "Anleihen" ersetzt. Ist ja nur ein unwesentlicher Unterschied.

    Jetzt klar?

    • Kurwa
    • 13. September 2012 21:58 Uhr

    "Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind".

    Was nun, FED?

    • Moika
    • 13. September 2012 22:01 Uhr

    Die Amis wollen sich durch die FED-Maßnahmen ebenfalls Zeit erkaufen - ich frage mich nur: wozu?

    Mit den 40 Milliarden mtl. sollen Hypothekenpapiere, Darlehen also, aufgekauft werden, um den Immobilienmarkt zu entlasten und ein möglicherweise weiteres abdriften der Preise zu bremsen. Künstliche Preisgestaltung und Erhaltung durch den Staat? Wie, bitte, soll dem das denn helfen? Das Niveau der meisten zum Verkauf anstehenden Häuser ist immer noch zu hoch, um von normalen Sterblichen bezahlt resp. finanziert werden zu können.

    Hat die FED nichts Besseres zu tun, als sinnlos Geld aus dem Fenster zu schmeißen? Sicher, mit dem Abkauf der Papiere bekommen die Banken wieder Bares ins Haus. Und was machen die damit? An den Börsen spekulieren. Was sonst auch.

    Ich werde und kann es nicht verstehen, daß die Regierung nicht in der Lage ist, die enormen Strukturprobleme des Landes in Angriff zu nehmen. Tausende Brücken sind desolat und einsturz gefährdet, hunderte Dämme laufen Gefahr zu brechen, tausende Straßenkilometer müßten komplett saniert werden - von dem maroden, mittelalterlichen Stromnetz will ich erst gar nicht reden. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

    Nichts dergleichen, dafür hat der Staat scheinbar kein Geld. Aber wie stolz ist man, daß durch das Gas-Fracking eine neue, scheinbar unendliche Energiereserve gefunden zu haben. Daß die USA in 30 Jahren eine ökologische Wüste sein werden, interessiert heute doch fast niemanden...

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    "Hat die FED nichts Besseres zu tun, als sinnlos Geld aus dem Fenster zu schmeißen? Sicher, mit dem Abkauf der Papiere bekommen die Banken wieder Bares ins Haus. Und was machen die damit? An den Börsen spekulieren. Was sonst auch."

    Könnte es vielleicht damit zusammenhängen, dass die FED nur ihren Shareholdern rechenschaftspflichtig ist? Diese Shareholder sind nun einmal keine staatl. Institutionen, sondern Geschäftsbanken. Die Federal Reserve ist genauso staatlich wie Federal Express (FedEx), also gar nicht. Aööes zu lesen hier: http://en.wikipedia.org/w...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, dpad
  • Schlagworte Ben Bernanke | Arbeitslosigkeit | Arbeitsmarkt | Dollar | Dow-Jones-Index | Euro
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