ÄrztehonorareDer Patient ist dem System egal

Der Streit um die Ärztehonorare ist nur ein Nebenschauplatz. Das gesamte System ist Irrsinn und muss sich dringend zum Wohle der Patienten ändern, kommentiert Anne Kunze.

Obwohl sich Ärzte und Kassen am Dienstag geeinigt haben, protestieren am Mittwoch die Ärzte. Es geht ihnen nicht nur um mehr Honorar – sie werden im kommenden Jahr zwischen 1,15 und 1,27 Milliarden Euro mehr bekommen. Nein, die Ärzte protestieren, weil sie verbindlich festgelegte Preise für ihre Leistungen möchten.

Bislang ist das System für die meisten Ärzte mehr als intransparent. Die 17 regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen haben großen Handlungsspielraum, wie sie die Leistung eines Arztes vergüten – zum Beispiel ein Beratungsgespräch, eine Augenuntersuchung oder ein EKG. Also bekommt ein Augenarzt nicht dasselbe Honorar wie ein Radiologe. Aber auch die Gynäkologin in der Uckermark wird nicht automatisch so bezahlt wie ihre Kollegin am Starnberger See.

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Dieses System ist Irrsinn. Aber es reicht eben auch nicht, Leistungen nur fest zu vergüten und die Verteilung des Geldes transparenter zu machen. Weitgehend aus dem Blick geraten ist das Wohl des Patienten.

Einer der ersten Texte, der den Arztberuf professionalisiert, ist der Codex Hammurabi. Er schlägt vor, einem Arzt für eine Operation mit einem Messer zehn Shekel Silber zu bezahlen. Falls der Patient dabei stirbt, soll dem Arzt die Hand abgehackt werden. Der Text stammt aus dem 18. Jahrhundert vor Christus. Man darf darauf vertrauen, dass es die Lobbygruppe der mesopotanischen Ärzte war, die darauf gedrungen hat, dass die zweite Klausel rasch abgeschafft wird.

Seitdem werden Ärzte für das bezahlt, was sie tun. Die Folge ist das System, das wir heute haben: Ein System, das die vielen individuellen Leistungen der Ärzte honoriert. Nur so kann es geschehen, dass Menschen mit komplexen Krankheiten Facharzt für Facharzt aufsuchen, die alle unterschiedliche Behandlungskonzepte vorschlagen. Wie es dem Patienten am Ende geht, ist diesem System egal.
 

 
Leserkommentare
    • Mari o
    • 10.10.2012 um 18:54 Uhr

    Wer war das?Das war doch nicht immer so,dass man darauf hoffte dass die Ärzte Privatpatienten Igel andrehen,un davon dann die Kassenpatienten mit durchzufüttern.

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    Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind natürlich auch von Kassenpatienten aus eigener Tasche zu bezahlen. Das hat nichts mit "Durchfüttern" zu tun.

    "Man darf darauf vertrauen, dass es die Lobbygruppe der mesopotanischen Ärzte war, die darauf gedrungen hat, dass die zweite Klausel rasch abgeschafft wird."....sehr guter Einwand im Artikel. Sagt eigentlich schon alles über gestern, heute und für immer.

    Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind natürlich auch von Kassenpatienten aus eigener Tasche zu bezahlen. Das hat nichts mit "Durchfüttern" zu tun.

    "Man darf darauf vertrauen, dass es die Lobbygruppe der mesopotanischen Ärzte war, die darauf gedrungen hat, dass die zweite Klausel rasch abgeschafft wird."....sehr guter Einwand im Artikel. Sagt eigentlich schon alles über gestern, heute und für immer.

  1. ...den Arzt mit den gesündesten Patienten am höchsten zu bezahlen - bis er keinen mehr hat, und dann das meiste verdient.

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    Dann nimmt kein Arzt mehr Schwerkrankepatienten, Risikopatienten oder Chroniker an oder er lässt die kritischen Fälle schnell sterben.

    Wäre eine Lösung - aber ist es eine gute?

    Dann nimmt kein Arzt mehr Schwerkrankepatienten, Risikopatienten oder Chroniker an oder er lässt die kritischen Fälle schnell sterben.

    Wäre eine Lösung - aber ist es eine gute?

  2. kann man nur in Diktaturen diskutieren.

    In Demokratien wird man dafür abgewählt.

    Wer vorbeugend und gesund lebt stirbt auch irgendwann!

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    In einer Diktatur wird gar nichts diskutiert.

    In einer Diktatur bestimmt der Diktator. Da haben sie wohl nicht so ganz aufgepasst, als Staatsformen erklärt wurden.

    In einer Diktatur wird gar nichts diskutiert.

    In einer Diktatur bestimmt der Diktator. Da haben sie wohl nicht so ganz aufgepasst, als Staatsformen erklärt wurden.

  3. Ich bin der selben Meinung wie der Autor, dass sich das gesamte System ändern sollte. Doch find ich die Argumentation etwas dürftig!

    Ein Arzt trägt Verantwortung und muss entsprechende Fähigkeiten und großen Zeitaufwand mitbringen. Das muss angemessen vergütet werden oder Rahmenbedingungen und Erwartungen geändert. Das der Patient nicht immer im Mittelpunkt steht liegt daran, dass es reiner Altruismus des Arztes wäre! Eine Praxis, ein Krankenhaus oder Rehakliniken sind in erster Linie Unternehmen. So lange es die Gesellschaft so will, wird sich nichts daran ändern!

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    " Eine Praxis, ein Krankenhaus oder Rehakliniken sind in erster Linie Unternehmen. So lange es die Gesellschaft so will, wird sich nichts daran ändern!"

    Früher (und das ist noch gar nicht so lange her) waren Krankenhäuser K E I N E privatwirtschaftlichen , einem Renditeziel verpflichteten Unternehmen, sondern dem Gemeinwohl dienenden öffentliche Einrichtungen. Es gibt einfach Bereiche, in denen das kapitalistische Renditedenken nichts zu suchen hat.

    Wir sollten zu dem Gesundheitssystem zurückkehren, das in den 70er und 80er Jahren noch unumstritten war, bevor der neoliberalistische Privatisierungswahn um sich gegriffen und den Leuten die Dollarzeichen in die Augen geschraubt hat.

    " Eine Praxis, ein Krankenhaus oder Rehakliniken sind in erster Linie Unternehmen. So lange es die Gesellschaft so will, wird sich nichts daran ändern!"

    Früher (und das ist noch gar nicht so lange her) waren Krankenhäuser K E I N E privatwirtschaftlichen , einem Renditeziel verpflichteten Unternehmen, sondern dem Gemeinwohl dienenden öffentliche Einrichtungen. Es gibt einfach Bereiche, in denen das kapitalistische Renditedenken nichts zu suchen hat.

    Wir sollten zu dem Gesundheitssystem zurückkehren, das in den 70er und 80er Jahren noch unumstritten war, bevor der neoliberalistische Privatisierungswahn um sich gegriffen und den Leuten die Dollarzeichen in die Augen geschraubt hat.

  4. ist mehr als lächerlich - immer mehr Bürger gehen zum Arzt weil sie immer kranker werden, "fressen" Fastfood und Chemobrot konsumieren billigen Fusel und bewegen sich kaum ausser vom Fernsehsessel in das Bett-das ist natürlich überspitzt jedoch anstatt das die Ärzte in dieser Richtung stärker aufklären und ihren Patienten so Abhilfe schaffen nutzen die Ärzte häufig die Situation und erklären die Patienten für krank, Zucker, Kreislauf etc. und verschreiben schön bereits nach wenigen Mengen süchtig machende Medikamente und behandeln gerne weiter so weit es der Etat zulässt.

    Wenn diesen Quatsch jemand stoppen soll dann sollte das der Patient sein der bewußter auf sich achtet.

    Das Geschrei ist immer groß, siehe Energiewende, über 80 % der Haushalte hat weder einen Anbieterwechsel noch ökologische Energie gewählt, jedoch groß und breit demonstriert, wofür eigentlich um jetzt EEG zu bemeckern?

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    • Lyaran
    • 10.10.2012 um 19:21 Uhr

    Diese Fälle sind durchaus zu beachten. Aber bedenken Sie dass dies meist in beiderseitigem Envernehmen geschieht. Der Patient weiss in der Regel ganz genau dass sein Lebenswandel schädlich ist. Aber sich zu bewegen und gesünder zu ernähren ist oft anstrengender als Pillen zu schlucken, und so werden diese dankend genommen oder der Arzt gewechselt.
    Und der Arzt bekommt wohl kaum Geld dafür dass er den Patienten zu mehr Rücksicht auf den eigenen Körper ermahnt. Eher noch einen Anranzer vom Patienten was er sich denn erdreistet sich in Privatangelegenheiten einzumischen.

    Eine win - win Situation also.

    wie sie es beschrieben haben ist es ja leider und da den Hebel ansetzen ist sicherlich sehr sehr schwer bei den ganzen Interessengrupen auf Patieten- und Ärzteseite-leider.

    Ihr Kommentar ist nicht nur überspitzt, sondern diffamierend und realitätsfremd.
    Ich kenne keinen Arzt, der seinem Patienten nicht einen gesunden Lebensstil nahelegen würde! Problem ist nicht der fehlende Ratschlag des Arztes, sondern die fehlende Gewohnheitsänderung auf Seite des Patienten, was dann ggf. leider medikamentös kompensiert werden muss. Aber auch dabei wird kein Arzt ein Medikament verschreiben, bei dem er davon ausgeht, dass der Nutzen nicht die unerwünschten Nebenwirkungen überwiegt.

    begrenzten Horizont können sie mich nicht verantwortlich machen.

    ...reden sie denn da, die Menschen werden immer älter und leben sehrwohl gesünder, vor 23 Jahren lief ich noch allein durch den Wald heut bin ich froh wenn ich nicht niedergewaltzt werde vor lauter Sporttreibenden.

    • Lyaran
    • 10.10.2012 um 19:21 Uhr

    Diese Fälle sind durchaus zu beachten. Aber bedenken Sie dass dies meist in beiderseitigem Envernehmen geschieht. Der Patient weiss in der Regel ganz genau dass sein Lebenswandel schädlich ist. Aber sich zu bewegen und gesünder zu ernähren ist oft anstrengender als Pillen zu schlucken, und so werden diese dankend genommen oder der Arzt gewechselt.
    Und der Arzt bekommt wohl kaum Geld dafür dass er den Patienten zu mehr Rücksicht auf den eigenen Körper ermahnt. Eher noch einen Anranzer vom Patienten was er sich denn erdreistet sich in Privatangelegenheiten einzumischen.

    Eine win - win Situation also.

    wie sie es beschrieben haben ist es ja leider und da den Hebel ansetzen ist sicherlich sehr sehr schwer bei den ganzen Interessengrupen auf Patieten- und Ärzteseite-leider.

    Ihr Kommentar ist nicht nur überspitzt, sondern diffamierend und realitätsfremd.
    Ich kenne keinen Arzt, der seinem Patienten nicht einen gesunden Lebensstil nahelegen würde! Problem ist nicht der fehlende Ratschlag des Arztes, sondern die fehlende Gewohnheitsänderung auf Seite des Patienten, was dann ggf. leider medikamentös kompensiert werden muss. Aber auch dabei wird kein Arzt ein Medikament verschreiben, bei dem er davon ausgeht, dass der Nutzen nicht die unerwünschten Nebenwirkungen überwiegt.

    begrenzten Horizont können sie mich nicht verantwortlich machen.

    ...reden sie denn da, die Menschen werden immer älter und leben sehrwohl gesünder, vor 23 Jahren lief ich noch allein durch den Wald heut bin ich froh wenn ich nicht niedergewaltzt werde vor lauter Sporttreibenden.

  5. vice versa.
    Das ist nicht der Alptraum von Gesundheitspolitikern.
    Das ist erklärtes Ziel der Gesundheitspolitik.
    Weil: hoffentlich Allianz versichert.

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    • Lyaran
    • 10.10.2012 um 19:21 Uhr

    Diese Fälle sind durchaus zu beachten. Aber bedenken Sie dass dies meist in beiderseitigem Envernehmen geschieht. Der Patient weiss in der Regel ganz genau dass sein Lebenswandel schädlich ist. Aber sich zu bewegen und gesünder zu ernähren ist oft anstrengender als Pillen zu schlucken, und so werden diese dankend genommen oder der Arzt gewechselt.
    Und der Arzt bekommt wohl kaum Geld dafür dass er den Patienten zu mehr Rücksicht auf den eigenen Körper ermahnt. Eher noch einen Anranzer vom Patienten was er sich denn erdreistet sich in Privatangelegenheiten einzumischen.

    Eine win - win Situation also.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "das ganze Thema"
  6. "Wenn ich privat versichert bin werde ich nicht sterben."
    Dafür zahle ich dann gerne mehr, wenn die GKV endlich wech ist, dieser "Sozialklimbim".

    Danach dann noch die Rentenversicherung privatisieren.
    Denn bei der Allianz gibt es eben keine Vorstandsgehälter und Boni obendrauf für die Vergiftung der Sozialsysteme.

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  • Schlagworte Jesus | Arzt | Euro | Geld | Krankheit | Silber
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