Immobilienmarkt : Wohnen wird zum Luxus in Deutschland

Ein Bericht der Bundesregierung zeigt: Im vergangenen Jahr stiegen die Mieten im Schnitt um fast drei Prozent. Eine "allgemeine Wohnungsnot" sei dennoch unwahrscheinlich.

Die Wohnungsmieten sind im vergangenen Jahr nicht nur in den deutschen Großstädten kräftig gestiegen. Auch in kleineren Städten wird bezahlbarer Wohnraum knapp. "Aktuell zeichnen sich in einer zunehmenden Zahl von Städten und Regionen lange Zeit nicht mehr bekannte Wohnungsmarktengpässe ab", heißt es im Immobilienwirtschaftsbericht des Bundesbauministeriums, der dem Tagesspiegel vorliegt. Der Bericht soll am 17. Oktober im Bundeskabinett beraten werden.

Bei der Analyse der Neu- und Wiedervermietungsmieten zeigt sich dem Bericht zufolge, dass seit 2006 in immer mehr Landkreisen die Mieten steigen, während die Zahl der Kreise mit sinkenden Mieten abnimmt. "Diese Entwicklung hat sich seit 2010 beschleunigt", heißt es in dem Bericht, den das Ministerium nach 2009 zum zweiten Mal vorlegt, um die Entwicklungen auf dem Wohn- und Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren nachzuzeichnen. Bundesweit stiegen die Mietpreise bei Neuvermietungen im Schnitt um 2,9 Prozent.

Die höchsten Mietpreissteigerungen gab es demnach 2011 vor allem in den Großstädten und Metropolen. Den Spitzenplatz nahm allerdings Greifswald ein – mit einem Plus von 10,4 Prozent. Auch in den mittelgroßen Städten Bremen (plus 8,8 Prozent) und Freiburg (plus 8,1 Prozent) mussten Neumieter tiefer in die Tasche greifen. In Berlin steigen die Neu- und Wiedervermietungsmieten bereits seit Beginn der Finanzkrise 2008/2009 deutlich. Im vergangenen Jahr setzte sich der Trend fort: in der Bundeshauptstadt legten die Mieten um 7,4 Prozent zu.

Insgesamt bleibt die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt angespannt. Das geht auch aus dem am Dienstag veröffentlichten Wohnungsmarktbarometer der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor. Demnach verschärfte sich die Angebotssituation bei Mietwohnungen, im Segment Wohneigentumsbereich besteht ein "Nachfrageüberhang". Allmählich rentiere sich der Neubau von Mietwohnungen wieder, lautet ein Fazit der Erhebung.

Das Bauministerium führt die steigenden Mietpreise unter anderem auf Versäumnisse beim Wohnungsbau und die in einigen Regionen starke Nachfrage – auch von Kapitalanlegern – zurück. "Derzeit ist offen, ob die mit einiger Verzögerung angesprungene Bautätigkeit im Wohnungsbau gerade in den dynamischen Wachstumsregionen mit der Nachfrage Schritt halten wird", heißt es im Bericht. Im Jahr 2015 hält das Ministerium einen Wohnungsneubau von etwa 260.000 Wohnungen für realistisch.

Eine "allgemeine Wohnungsnot" in Deutschland hält das Ministerium nicht für wahrscheinlich. "Es gibt aber vielerorts deutliche Verknappungen und Versorgungsschwierigkeiten vor allem für einkommensschwächere Haushalte", schreiben die Experten im Immobilienwirtschaftsbericht. Insbesondere seien auch Familien mit Kindern von Mietsteigerungen betroffen. Einer wirksamen "sozialen Abfederung" komme deshalb "eine besondere Bedeutung zu".

Erschienen im Tagesspiegel

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

35 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

"Wenn Sie diesen Satz verstanden haben, ...

... hat er seinen Zweck verfehlt" (Georg Schramm)

"Derzeit ist offen, ob die mit einiger Verzögerung angesprungene Bautätigkeit im Wohnungsbau gerade in den dynamischen Wachstumsregionen mit der Nachfrage Schritt halten wird"

Immerhin muss man Herrn Mortsiefer dankbar sein, dass er
"Nachfrageüberhang" (... im Segment Wohneigentumsbereich besteht ein "Nachfrageüberhang") in Anführungszeichen gesetzt hat, und "allgemeine Wohnungsnot" auch.

Eine "allgemeine Wohnungsnot" ist wohl nicht zu befürchten; also "Wohnungsnot" schon, aber eben keine allgemeine, sondern nur eine besondere, nämlich füt HartzIV und ähnliche Minderleister, also für nicht mehr als 49% der Bevölkerung.

Auf die Lage kommt es an.

Wenn die Lage gut ist zahlt man auch dementsprechend. Ich habe auch keine große Wohnung aber dafür eine sehr schöne Lage. Ich könnte das doppelte haben wenn ich wo anders hinziehe aber die Gegenden sagen mir nicht wirklich zu. Vielleicht sollten sie sich einfach mal wo anders umschauen da bekommen sie sicherlich mehr Wohnraum.

Vielleicht bekommen sie auch einfach ein zu geringes Gehalt?

@4 nicolasfabian - Werbung auf Zeit online?

Sind Sie Vertreter einer Bausparkasse? Sie werben mit:

"Für mehr Wohlstand und eigene Wohnraumgestaltung!"

und neuem Akquisitionssprüchlein, angepasst an das rechtschauvinistische Gedankengut der neuen Linken - die bisher völlig unerschlossene Zielgruppe:

"nieder mit der Gentrifizierung und raffgierigen Vermietern!"

Clever - die Marktwirtschaft lässt wirklich keine Möglichkeit außer Acht.

Das Foto zeigt, dass sich der Mensch seit der Steinzeit...

...nicht viel weiter entwickelt hat.
Es ist wie vor achzig Jahren - den Menschen geht es nicht so gut und man benötigt sofort einen Schuldigen. Da die Immobilienbesitzer, die auch die Mietpreise festlegen nicht
greifbar sind, da sie nicht selten im Ausland sitzen, müssen die Schwaben herhalten.
So gesehen hoffe ich, auch wenn ich selbst davon betroffen bin, dass die Mietpreise noch weiter anziehen werden. Würden diese fallen, würde man diesen Rechten auch noch Recht geben.

Zum Thema: Wie ist eigentlich Bob der Baumeisters (Wowereit) Plan? Privatisierung von Wohnungen. Na, dass wird sich sicher dämpfend auf die Mietpreise auswirken, jetzt wo
die Immobilie dank EZB Amokkäufen wirklich noch die einzige sichere Anlageform ist - und die kann ja auch gerne etwas mehr Rendite abwerfen.

Ja, in ein paar Jahren werden die Mieten in Berlin das Niveau von Paris vielleicht erreicht haben - daran sind aber sicher nicht die Schwaben schuld, wie diese Armleuchter hier suggerieren. Mir ist zumindest noch kein Schwabe freudetanzend auf der Straße über den Weg gelaufen und hat
sich über eine Mieterhöhung seitens seines Vermieters gefreut.

Und bitte etwas mehr Gentifizierung. Mir ist nämlich langsam die schwäbische Biomutti tausend mal lieber, als intolerante, rechte Studenten die glauben, Berlin gehöre ihnen. Die sollen bitte nach Strausberg raus gehen - da ist auch das Ambiente etwas nationalistischer und die Mieten sind
niedriger - also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Naja, Rechts ist für mich...

...intoleranz gegenüber Menschen, die nicht von hier sind. Also, das ist einer von vielen Aspekten, die einen Rechten in meinen Augen ausmacht.

Ich habe nicht Nazi geschrieben. Aber in diesem Fall sollte man es vielleicht irgendwo dazwischen suchen. Rechts ist ja eigentlich konvervativ... in diesem Fall meine ich jedoch das, was ich oben geschrieben habe.

Gentifizierungsgegner sind nicht links. Sie selbst definieren sich vielleicht so, aber das heißt ja nichts. Auch hier ist die Frage der Definition wichtig: Links ist für mich sozial. So ein Transparent ist nicht sozial, sondern es schürt den Fremdenhass - und das in einer Stadt, in der jährlich der "Karnevall der Kulturen" stattfindet.