ImmobilienmarktWohnen wird zum Luxus in Deutschland

Ein Bericht der Bundesregierung zeigt: Im vergangenen Jahr stiegen die Mieten im Schnitt um fast drei Prozent. Eine "allgemeine Wohnungsnot" sei dennoch unwahrscheinlich. von Henrik Mortsiefer

Die Wohnungsmieten sind im vergangenen Jahr nicht nur in den deutschen Großstädten kräftig gestiegen. Auch in kleineren Städten wird bezahlbarer Wohnraum knapp. "Aktuell zeichnen sich in einer zunehmenden Zahl von Städten und Regionen lange Zeit nicht mehr bekannte Wohnungsmarktengpässe ab", heißt es im Immobilienwirtschaftsbericht des Bundesbauministeriums, der dem Tagesspiegel vorliegt. Der Bericht soll am 17. Oktober im Bundeskabinett beraten werden.

Bei der Analyse der Neu- und Wiedervermietungsmieten zeigt sich dem Bericht zufolge, dass seit 2006 in immer mehr Landkreisen die Mieten steigen, während die Zahl der Kreise mit sinkenden Mieten abnimmt. "Diese Entwicklung hat sich seit 2010 beschleunigt", heißt es in dem Bericht, den das Ministerium nach 2009 zum zweiten Mal vorlegt, um die Entwicklungen auf dem Wohn- und Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren nachzuzeichnen. Bundesweit stiegen die Mietpreise bei Neuvermietungen im Schnitt um 2,9 Prozent.

Anzeige

Die höchsten Mietpreissteigerungen gab es demnach 2011 vor allem in den Großstädten und Metropolen. Den Spitzenplatz nahm allerdings Greifswald ein – mit einem Plus von 10,4 Prozent. Auch in den mittelgroßen Städten Bremen (plus 8,8 Prozent) und Freiburg (plus 8,1 Prozent) mussten Neumieter tiefer in die Tasche greifen. In Berlin steigen die Neu- und Wiedervermietungsmieten bereits seit Beginn der Finanzkrise 2008/2009 deutlich. Im vergangenen Jahr setzte sich der Trend fort: in der Bundeshauptstadt legten die Mieten um 7,4 Prozent zu.

Insgesamt bleibt die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt angespannt. Das geht auch aus dem am Dienstag veröffentlichten Wohnungsmarktbarometer der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor. Demnach verschärfte sich die Angebotssituation bei Mietwohnungen, im Segment Wohneigentumsbereich besteht ein "Nachfrageüberhang". Allmählich rentiere sich der Neubau von Mietwohnungen wieder, lautet ein Fazit der Erhebung.

Das Bauministerium führt die steigenden Mietpreise unter anderem auf Versäumnisse beim Wohnungsbau und die in einigen Regionen starke Nachfrage – auch von Kapitalanlegern – zurück. "Derzeit ist offen, ob die mit einiger Verzögerung angesprungene Bautätigkeit im Wohnungsbau gerade in den dynamischen Wachstumsregionen mit der Nachfrage Schritt halten wird", heißt es im Bericht. Im Jahr 2015 hält das Ministerium einen Wohnungsneubau von etwa 260.000 Wohnungen für realistisch.

Eine "allgemeine Wohnungsnot" in Deutschland hält das Ministerium nicht für wahrscheinlich. "Es gibt aber vielerorts deutliche Verknappungen und Versorgungsschwierigkeiten vor allem für einkommensschwächere Haushalte", schreiben die Experten im Immobilienwirtschaftsbericht. Insbesondere seien auch Familien mit Kindern von Mietsteigerungen betroffen. Einer wirksamen "sozialen Abfederung" komme deshalb "eine besondere Bedeutung zu".

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Chali
    • 10. Oktober 2012 11:08 Uhr

    ... hat er seinen Zweck verfehlt" (Georg Schramm)

    "Derzeit ist offen, ob die mit einiger Verzögerung angesprungene Bautätigkeit im Wohnungsbau gerade in den dynamischen Wachstumsregionen mit der Nachfrage Schritt halten wird"

    Immerhin muss man Herrn Mortsiefer dankbar sein, dass er
    "Nachfrageüberhang" (... im Segment Wohneigentumsbereich besteht ein "Nachfrageüberhang") in Anführungszeichen gesetzt hat, und "allgemeine Wohnungsnot" auch.

    Eine "allgemeine Wohnungsnot" ist wohl nicht zu befürchten; also "Wohnungsnot" schon, aber eben keine allgemeine, sondern nur eine besondere, nämlich füt HartzIV und ähnliche Minderleister, also für nicht mehr als 49% der Bevölkerung.

  1. Ich wohne in einer Großstadt - und bin stolz darauf, ohne Zuschüsse vom Staat zu leben. Und dafür lebe ich eben sparsamer.
    Würde ich meine Arbeit (als Akademiker) kündigen und HartzIV beziehen, hätte ich Anspruch auf anderthalb mal soviel Wohnraum, wie ich jetzt habe...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sie sind sicher kein einzelfall. traurig

    Wenn die Lage gut ist zahlt man auch dementsprechend. Ich habe auch keine große Wohnung aber dafür eine sehr schöne Lage. Ich könnte das doppelte haben wenn ich wo anders hinziehe aber die Gegenden sagen mir nicht wirklich zu. Vielleicht sollten sie sich einfach mal wo anders umschauen da bekommen sie sicherlich mehr Wohnraum.

    Vielleicht bekommen sie auch einfach ein zu geringes Gehalt?

    Ich auch nicht!!!

  2. sie sind sicher kein einzelfall. traurig

    Eine Leserempfehlung
  3. Gentrifizierung und raffgierigen Vermietern! Für mehr Wohlstand und eigene Wohnraumgestaltung!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Askay
    • 10. Oktober 2012 12:54 Uhr

    Sind Sie Vertreter einer Bausparkasse? Sie werben mit:

    "Für mehr Wohlstand und eigene Wohnraumgestaltung!"

    und neuem Akquisitionssprüchlein, angepasst an das rechtschauvinistische Gedankengut der neuen Linken - die bisher völlig unerschlossene Zielgruppe:

    "nieder mit der Gentrifizierung und raffgierigen Vermietern!"

    Clever - die Marktwirtschaft lässt wirklich keine Möglichkeit außer Acht.

  4. Wenn die Lage gut ist zahlt man auch dementsprechend. Ich habe auch keine große Wohnung aber dafür eine sehr schöne Lage. Ich könnte das doppelte haben wenn ich wo anders hinziehe aber die Gegenden sagen mir nicht wirklich zu. Vielleicht sollten sie sich einfach mal wo anders umschauen da bekommen sie sicherlich mehr Wohnraum.

    Vielleicht bekommen sie auch einfach ein zu geringes Gehalt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "... zum Luxus" wird, kommt ja, dass man hohe "Personalkosten" verursacht, wenn man gut verdient, einem also auch da indirekt ein schlechtes Gewissen eingeredet wird ... Für mein Verständnis lebt diese Gesellschaft zunehmend am Menschen vorbei, ich halte das für eine fatale Fehlentwicklung.

    • Afa81
    • 10. Oktober 2012 12:16 Uhr

    ...nicht viel weiter entwickelt hat.
    Es ist wie vor achzig Jahren - den Menschen geht es nicht so gut und man benötigt sofort einen Schuldigen. Da die Immobilienbesitzer, die auch die Mietpreise festlegen nicht
    greifbar sind, da sie nicht selten im Ausland sitzen, müssen die Schwaben herhalten.
    So gesehen hoffe ich, auch wenn ich selbst davon betroffen bin, dass die Mietpreise noch weiter anziehen werden. Würden diese fallen, würde man diesen Rechten auch noch Recht geben.

    Zum Thema: Wie ist eigentlich Bob der Baumeisters (Wowereit) Plan? Privatisierung von Wohnungen. Na, dass wird sich sicher dämpfend auf die Mietpreise auswirken, jetzt wo
    die Immobilie dank EZB Amokkäufen wirklich noch die einzige sichere Anlageform ist - und die kann ja auch gerne etwas mehr Rendite abwerfen.

    Ja, in ein paar Jahren werden die Mieten in Berlin das Niveau von Paris vielleicht erreicht haben - daran sind aber sicher nicht die Schwaben schuld, wie diese Armleuchter hier suggerieren. Mir ist zumindest noch kein Schwabe freudetanzend auf der Straße über den Weg gelaufen und hat
    sich über eine Mieterhöhung seitens seines Vermieters gefreut.

    Und bitte etwas mehr Gentifizierung. Mir ist nämlich langsam die schwäbische Biomutti tausend mal lieber, als intolerante, rechte Studenten die glauben, Berlin gehöre ihnen. Die sollen bitte nach Strausberg raus gehen - da ist auch das Ambiente etwas nationalistischer und die Mieten sind
    niedriger - also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ist das so eine Art generelles Feindbild für alles Unliebsame oder anders gefragt: sind die Gentrifizierungsgener nicht öfter mal links?

  5. Die Frage ist:

    Wurde der Wohnraum "aus Versehen" knapper oder sind das nur die weiteren Stellschrauben, die uns immer mehr in die Abhängigkeit führen?

    Es gibt genug, die mehr als die Hälfte ihres Mittelschichtgehalts für die Miete aufwenden müssen.

    Andere werden auf Jahrzehnte gebunden, wenn sie ihr Darlehen zurückbezahlen müssen.

    In beiden Fällen ist man zwingend auf seine Arbeit angewiesen, also hält man schön die Klappe und frisst weiter Staub.

    Hauptsache es bleibt gerade so noch genug für die Familie und den neuen Leasing-Vertrag für's ökologisch wertvolle neue Auto.

    Und am Ende fragt man sich vielleicht: "Was bleibt hängen? Ein ganzes Leben Arbeit, aber kein Ertrag..."

    Unter kultuhistorischem Gesichtspunkt frage ich mich:

    "Wie hat sich das überhaupt soweit entwickelt, dass dem Staat der ganze Grund und Boden gehört und wir diesen kaufen müssen?"

    "Welche Berechtigung gibt es da?"

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Afa81
    • 10. Oktober 2012 12:46 Uhr

    Also, gerade jetzt wo Kredite günstig sind, sollte man angesichts der unglaublich hohen Mieten versuchen, ein Darlehen aufzunehmen um in die eigenen vier Wände zu ziehen. Auch in Berlin gibt es schon Projekte, in denen Mehscnen zusammen ein Haus bauen um dann darin zu wohnen...

    Bei einer monatlichen Warmmiete von knapp 900 Euro (100 m² in Neukölln) schmeißt man dem Vermieter ja jährlich etwa 7 000 Euro (Kaltmiete) in den Rachen.

    Wenn das Darlehen zurück gezahlt ist, hat man am Ende des Lebens eine Eigentumswohnung, die im Wert sicher nicht fällt. Die kann man dann dem Nachkommen vererben... das ist sicher sinnvoller, als langfristig in Miete zu leben.

    ABER: Da muss man eben auch mindestens zur Mittelschicht gehören, um überhaupt so ein Darlehen zu erhalten.

    >> Wurde der Wohnraum "aus Versehen" knapper oder sind das nur die weiteren Stellschrauben, die uns immer mehr in die Abhängigkeit führen? <<

    ... sehe, wurde der Wohnraum nicht insgesamt knapper.

    Was knapper wird, ist *bezahlbarer* Wohnraum, und das ist kein Versehen, sondern eine absehbare Entwicklung. Jährlich verlieren in D rund 100.000 Wohnungen die Sozialbindung.

    Da die Zahlen bekannt sind, aber nicht gegengesteuert wird, liegen sie mit ihrer Vermutung wohl richtig.

    Wurde der Wohnraum "aus Versehen" knapper oder sind das nur die weiteren Stellschrauben, die uns immer mehr in die Abhängigkeit führen?
    -----------------------
    Wir haben in den 70ern mit einem 4-Personen-Haushalt auf 50-60 m² gewohnt. Das "Schlafzimmer" der Eltern war auch das Wohnzimmer, das Kinderzimmer wurde als Esszimmer genutzt.

    Das heutzutage vermehrt Singles und/oder (junge) Paare Wohnungen "blockieren", die früher Familien vorbehalten waren, wird Wohnraum zwangsläufig knapp.

    (Nicht falsch verstehen, auch ich "blockierte" mit meiner Freundin eine Wohnung für "4 Personen")

  6. Ist das so eine Art generelles Feindbild für alles Unliebsame oder anders gefragt: sind die Gentrifizierungsgener nicht öfter mal links?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Afa81
    • 10. Oktober 2012 12:41 Uhr

    ...intoleranz gegenüber Menschen, die nicht von hier sind. Also, das ist einer von vielen Aspekten, die einen Rechten in meinen Augen ausmacht.

    Ich habe nicht Nazi geschrieben. Aber in diesem Fall sollte man es vielleicht irgendwo dazwischen suchen. Rechts ist ja eigentlich konvervativ... in diesem Fall meine ich jedoch das, was ich oben geschrieben habe.

    Gentifizierungsgegner sind nicht links. Sie selbst definieren sich vielleicht so, aber das heißt ja nichts. Auch hier ist die Frage der Definition wichtig: Links ist für mich sozial. So ein Transparent ist nicht sozial, sondern es schürt den Fremdenhass - und das in einer Stadt, in der jährlich der "Karnevall der Kulturen" stattfindet.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Bundesregierung | Bundeskabinett | Finanzkrise | Haushalt | Ministerium | Region
Service