Die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki hat die bisherigen Reformfortschritte in Griechenland kritisiert. "Unserer Strukturreformen waren bisher nicht sehr erfolgreich", sagte sie ZEIT ONLINE. Jedoch sei hierfür nicht nur die griechische Regierung verantwortlich, sondern auch die europäischen Partner. "Die europäischen Institutionen und die Troika haben ihren Schwerpunkt auf Einschnitte bei Renten und Gehältern gelegt, aber Strukturreformen vernachlässigt." Gerade der öffentliche Sektor müsse komplett umgebaut werden. "Er ist so nicht überlebensfähig."

Es ist das erste Mal, dass sich die 60-Jährige, die in  Brüssel seit zwei Jahren die EU-Fischereipolitik verantwortet, in einem deutschen Medium zu ihrem Heimatland äußert. Im Gespräch plädiert sie nun für weitere finanzielle Hilfen für Griechenland, die das Wachstum ankurbeln sollen. Griechenland müsse gleichzeitig sein Schuldenproblem lösen. "Wir brauchen eine smarte Konsolidierungspolitik, aber sie darf das Wachstum nicht beeinträchtigen", sagte Damanaki. "Dafür brauchen wir auch finanzielle Anreize und ab einem bestimmten Punkt auch finanzielle Solidarität." Die Griechen müssten mehr tun, aber auch Europa müsse sich stärker engagieren.

Die Kommissarin zeigte sich zwar erfreut über die teilweise Einigung der Troika mit der griechischen Regierung. "Dass wir eine Einigung haben, ist eine Erleichterung", sagte sie. "Aber es ist nicht so einfach, wie es aussieht: Jetzt müssen wir die Reformen auch umsetzen."

Damanaki, die Mitglied der sozialistischen Pasok-Partei ist, sieht die Ursachen der griechischen Krise im gesamten politischen System. "Das kann man auch nicht einer Partei zuschreiben, sondern das gesamte politische System in Griechenland ist dafür verantwortlich." Griechenland habe in den vergangenen Jahren über seine Verhältnisse gelebt. "Es war die Zeit des leichten Geldausgebens. Das ist unser eigenes Problem und wir müssen es lösen."

Einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone oder der Europäischen Union lehnt Damanaki ab. Seit drei Jahren hätten die Griechen immense Opfer gebracht, vor allem die einfachen Bürger. Das Bruttoinlandsprodukt sei in diesem Zeitraum um 25 Prozent gesunken. "Wir müssen unbedingt im Euro und in der EU bleiben, es gibt keine Alternative."