EnergiewendeEnergiesparhilfe für den Mittelstand

Die Bundesregierung will mit einem millionenschweren Förderprogramm kleineren Firmen beim Stromsparen helfen. Sie sind besonders von der Energiewende betroffen.

Mittelstand und Handwerk sind bei der Energiewende bisher zu kurz gekommen. Meint die Bundesregierung. Und deshalb haben Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am Montag eine "Mittelstandsinitiative Energiewende" vorgestellt. Altmaier hatte mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDK) eine Effizienzoffensive vereinbart und Rösler dann eingeladen, mitzumachen. Das hat Rösler nun angenommen.

Mit 75 Millionen Euro sollen im kommenden Jahr Energiemanagementsysteme im Mittelstand, sowie die Qualifizierung von Energiemanagern und Energiebeauftragten finanziert werden. "Gerade Effizienztechnologien bieten die Chance, Energiekosten zu senken und neue Geschäftsfelder zu erschließen", sagte Altmaier. Rösler dagegen warnte: "Wenn Sie mit dem Ordnungsrecht kommen, werden Sie bei Belastungen landen." DIHK- Chef Hans Heinrich Driftmann sprach davon, dass im Mittelstand große Verunsicherung herrsche. Viele Unternehmen befürchteten Stromausfälle und steigende Strompreise.

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Die kleinen Unternehmen haben allen Grund, mit steigenden Strompreisen zu rechnen. Denn sie kommen im Gegensatz zu den energieintensiven Industrie nicht in den Genuss der zahlreichen Ausnahmen bei der Ökosteuer, der Entlastung von der Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien (EEG-Umlage) oder einer Befreiung von den Kosten für den Stromnetzausbau, vom kommenden Jahr an auch der Kosten für die Netzanbindung von Windparks im Meer. Diese Ausnahmeregelungen für die EEG-Umlage werden bereits von 813 Firmen genutzt, 2011 waren es noch 650. Doch schon jetzt liegen 2023 Anträge für das kommende Jahr vor. Von den Netzentgelten sind 1025 Firmen befreit, im kommenden Jahr werden es mehr als 2000 sein.

Diese Zahlen gehen aus Antworten der Bundesregierung auf kleine Anfragen der Grünen zurück. Neben der energieintensiven Industrie kommen inzwischen auch Kinobetreiber, der Friedrichstadtpalast in Berlin, Geflügelhöfe, Spielbanken, Bekleidungsketten, Hotels, Golfplätze und Pflegeheime und zunehmend Stadtverwaltungen in den Genuss der Ermäßigungen. Zu tragen haben diese Zusatzkosten die privaten Haushalte sowie der Großteil der Unternehmen.

Swantje Küchler vom Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (Foes) hat im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion die zu erwartenden Kosten dieser Umlagebefreiungen für 2013 errechnet. Ihr wichtigstes Ergebnis: In diesem Jahr zahlen private Haushalte und Gewerbe 36 Euro für die Industrieausnahmen. Im kommenden Jahr wird die Summe auf 57 Euro steigen. Ohne diese Ausnahmen läge die EEG-Umlage in diesem Jahr nicht bei 3,6 Cent pro Kilowattstunde Strom sondern um einen Cent niedriger. Im kommenden Jahr erwarten die Übertragungsnetzbetreiber eine EEG-Umlage von 5,2 Cent pro Kilowattstunde. Darin sind nach Küchlers Berechnungen 1,6 Cent Ausnahmekosten enthalten.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) macht folgende Rechnung auf: Lediglich 2,07 Cent gehen in die reine Ökostromförderung. Dieser Anteil steige 2013 voraussichtlich auf 2,26 Cent pro Kilowattstunde. Der BEE hat ausgerechnet, dass die reinen Förderkosten für Wind-, Solar- oder Biogasstrom in diesem Jahr noch 57 Prozent der Kosten der EEG-Umlage ausmachen. In diesem Jahr beträgt der Anteil der Industrieausnahmen 27 Prozent an den EEG-Kosten, der sinkende Börsenpreis für Strom wiederum hat 15 Prozent der rund 3,9 Milliarden Euro EEG-Kosten gekostet. Denn die EEG-Umlage errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Börsenpreis und dem garantierten Festpreis für die Ökostromvergütung. Ein beachtlicher Posten 2013 wird die Fehleinschätzung des Jahres 2012 sein. Dieser Fehlbetrag muss 2013 wieder reingeholt werden – es geht um rund zwei Milliarden Euro.

Die Kosten für die Ökostromproduktion sinken weiter. Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg liegen die Kosten für Windstrom von der Küste zwischen 6,5 und 8,1 Cent pro Kilowattstunde, für Solarstrom zwischen 13,7 und 20,3 Cent.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. Nun sollen die potentiellen Wähler von allen Seiten mal wieder bedient werden und nach der Wahl holt man sich alles durch neue Steuern und Abgaben wieder zurück, denn man hat ja gar kein Geld!

    2 Leserempfehlungen
  2. niemand. Das ist wieder so ein Artikel forciert von der Atomlobby. Alles Lüge. Die gesamte Welt ist bereits verstrahlt.
    http://www.fostac.ch/de/d...

    Eine Leserempfehlung
    • gooder
    • 02.10.2012 um 19:18 Uhr

    Ein Energiebeauftragter wird die Kosten nicht senken,und auch die Strompreisexplosion nicht verhindern können,denn Privathaushalte, kleinere und mittlere Betriebe bekommen zusätzlich das aufgebürdet, wovor sich viele gut verdienenden Großverbraucher,die ohnehin günstigere Stromtarife erhalten,drücken.
    Von den Netzentgelten werden allerdings nicht nur Großverbraucher befreit, sondern auch Forschungsinstitute, Rechenzentren oder der Deutsche Wetterdienst,natürlich nur um wettbewerbsfähig zu bleiben.

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  3. Und wieder sollen Millionen Fördergelder bereitgestellt werden, um einen Teilbereich der Wirtschaft mit ineffektiven Sonderregelungen (hier Hilfe zum Energiemanagement) zu bedenken.

    So eine kleine, milde Gabe braucht der Mittelstand wahrlich nicht. Mittelständische Unternehmen bemühen sich schon aus Kostengründen selber sehr um Energieeffizienz und sind da innovativer und kreativer als energieintensive Industriebetriebe, die durch die Umlagenbefreiung, welche die Umlage für die nicht-befreiten Verbraucher ( = Mittelstand + Privathaushalte) deutlich erhöht, viel weniger Effizienzdruck verspüren.

    http://www.zeit.de/2012/3...

    Ein stufenweises Zurückfahren der Ausnahmeregelung "Umlagenbefreiung für energieintensive Betriebe" (schöner Nebeneffekt: Bürokratie- und Subventionsabbau) würde dem Mittelstand viel mehr helfen.

    Die Anfangsinvestitionen für die Erzeugung und Verteilung der Erneuerbaren sind ein gesamtvolkswirtschaftliches Projekt und sollten von allen Akteuren finanziert werden.

    Ist diese Anlaufhürde erst einmal genommen, sind Sonne und Wind sowieso unschlagbar billig.

    Für den Atomdreck müssen wir ohnehin noch ewig zahlen, wenn schon lange keine einzige Kilowattstunde damit mehr erzeugt wird.

    Eine Leserempfehlung
  4. Egal, wie der Staat es an packt, die Kosten müssen umgelegt werden. Wie jeder Lobbyverband lügt auch der BEE, wenn erst von "aktuellen Kosten" schwätzt. Aktuell kostet jede kWh Solarstrom 30,7 ct (Quelle BDEW-Energie-Info), schließlich wollen 20 Jahre Subvention bezahlt werden. Entlasten wir die Stromintensiven Industrien, kommt's über den Preis zurück. Netzausbau und Kapazitätsmarkt sind in den Erhöhungen 2012 natürlich nicht enthalten, da kommt noch viel mehr.

    Also egal, wie die Ökolobby rechnet, der Dumme ist der Stromkunde. Sonne und Wind schicken keine Rechnung, weil die schon mehrfach bezahlt ist....

    Eine Leserempfehlung
  5. Egal, wie der Staat es an packt, die Kosten müssen umgelegt werden. Wie jeder Lobbyverband lügt auch der BEE, wenn erst von "aktuellen Kosten" schwätzt. Aktuell kostet jede kWh Solarstrom 30,7 ct (Quelle BDEW-Energie-Info), schließlich wollen 20 Jahre Subvention bezahlt werden. Entlasten wir die Stromintensiven Industrien, kommt's über den Preis zurück. Netzausbau und Kapazitätsmarkt sind in den Erhöhungen 2012 natürlich nicht enthalten, da kommt noch viel mehr.

    Also egal, wie die Ökolobby rechnet, der Dumme ist der Stromkunde. Sonne und Wind schicken keine Rechnung, weil die schon mehrfach bezahlt ist....

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  6. Anspruch auf 10€-Energieberatung, Bei Ablehnung wird gekürzt!
    Bei Annahme der Kauf eines neuen Herdes, Kühlschranks, Radios, Fernsehers, Trockners etc empfohlen. Blos, wie sollen die das finanzieren? Egal?! Energieberater ist ein töller grüner Job, der damit begründet wird, daß die meisten Menschen zu blöd sind, ohne fachliche Beratung auszukommen. Förderungserschleichung sollte ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden.

  7. Zitat: "Neben der energieintensiven Industrie kommen inzwischen auch Kinobetreiber, der Friedrichstadtpalast in Berlin, Geflügelhöfe, Spielbanken, Bekleidungsketten, Hotels, Golfplätze und Pflegeheime und zunehmend Stadtverwaltungen in den Genuss der Ermäßigungen. Zu tragen haben diese Zusatzkosten die privaten Haushalte sowie der Großteil der Unternehmen."
    Nach welchen Kriterien wird denn so etwas entschieden? Welche atypisch hohen Stromkosten haben denn Spielbanken, Hotels, Golfplätze?
    Diese kleine Nachricht hat mich wütender gemacht, als jede andere, die mir in Erinnerung ist.

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    So ist dies eben in der Planwirtschaft.
    Offenbar merkt kaum jemand, das Frau Merkel einiges aus der ehemaligen Ostzone (DDR)in das wiedervereinigte Deutschland transferiert hat?

    So ist dies eben in der Planwirtschaft.
    Offenbar merkt kaum jemand, das Frau Merkel einiges aus der ehemaligen Ostzone (DDR)in das wiedervereinigte Deutschland transferiert hat?

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