Ernährung : Kampf gegen den Hunger macht nur kleine Fortschritte

Noch immer sind mehr als 800 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Die Zahl der Hungernden ist im Vergleich zu den Vorjahren leicht gesunken.
Ein Kind wird in der kenianischen Stadt Dadaab gegen Unterernährung behandelt. © Schalk van Zuydam/AP Photo/ddp images/dpad

Die Zahl der Hungernden in der Welt ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, doch immer noch ist jeder achte Mensch ohne ausreichende Ernährung. Zwischen 2010 und 2012 waren 868 Millionen Menschen weltweit chronisch unterernährt, berichtet die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ( FAO ).

852 Millionen Hungernde lebten in Entwicklungsländern, im Schnitt seien dies 14,9 Prozent der dortigen Bevölkerung. Mehr als 100 Millionen davon sind Kinder unter fünf Jahren. Unterernährung sei die Ursache für den Tod von 2,5 Millionen Kinder im Jahr, heißt es in dem Bericht.

FAO-Generaldirektor Graziano da Silva nannte die Zahl der Hungernden "inakzeptabel, vor allem da wir in einer Welt des Überflusses leben". Die größten Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers seien vor 2006 gemacht worden. Damals sanken die Lebensmittelpreise, doch seitdem sei man langsamer vorangekommen – vor allem wegen der deutlich gestiegenen Preise und der Weltwirtschaftskrise.

Auch wenn die FAO die Fortschritte im Kampf gegen den Hunger als "zufriedenstellend" bezeichnete, beklagte sie, dass es nach wie vor "beträchtliche Unterschiede" in den einzelnen Ländern und Regionen gebe. So sei die Zahl der Hungernden in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara von 170 Millionen im Zeitraum 1990-1992 auf heute 234 Millionen angestiegen.

Millenniumsziel soll annähernd erreicht werden

Seit 2008 seien die Bemühungen deutlich erlahmt, monierte der stellvertretende FAO-Generaldirektor Jomo Sundaram. Dies habe mehrere Gründe, unter anderem die wachsende Nachfrage bei Bio-Kraftstoffen, der Klimawandel sowie die Spekulationen mit Lebensmittel-Rohstoffen.

Die FAO zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass mit zusätzlichen Anstrengungen eine Annäherung an das UN-Millenniumsziel, bis 2015 den Anteil der Hungernden zu halbieren, möglich ist. Noch vor einem Jahr hatten UN-Organisationen bezweifelt, dass angesichts von Finanz- und Nahrungsmittelkrise dieses Ziel erreichbar ist.
 

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Warum

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Zum Thema:

Sie wissen, dass ich von der katholischen Kirche rede, die meiner Meinung nach auf dem afrikanischen Kontinent nichts zu suchen hat, durch gewaltsame Kolonialisierung dorthin gepflanzt wurde und nun den Afrikanern die Familienplanung verbietet.

Und das zu sagen, ist also unsachlich...ich muss mich schon sehr wundern...

Gekürzt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

Verräterische Sprache

Der "Kampf gegen Hunger" ist genauso erfolglos wie der "Kampf gegen Arbeitslosigkeit". Die Übersetzung dieser Raubtierkapitalismus-Floskeln lautet nämlich: Bekämpfung der Hungernden und Bekämpfung der Arbeitslosen.

Humaner wäre es, lokale Agrarwirtschaft zuzulassen und gegebenfalls zu fördern. Im Fall von Missernten wären Geldmittel, die der Bevölkerung direkt ausgezahlt werden sinnvoller als Containerschiffe mit Gen-Mais.

Das wird im grossen Stil aber nicht passieren, solange gewisse Lobbygruppen der industrialisierten Staaten prächtig am Elend verdienen.

In unserer kapitalistischen Welt mangelt es nicht an Nahrungsmitteln, sondern an den Profitaussichten bei dem Prozess, die Hungernden mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

In Kapitalismus-Sprech: Man muss den Profitmangel bekämpfen.