Geldpolitik : EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

Der Leitzins im Euro-Raum beträgt weiterhin 0,75 Prozent. Die Europäische Zentralbank verzichtete trotz Krise darauf, ihre Kredite an Banken noch billiger zu machen.
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank © Thomas Lohnes/dapd

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins für die Euro-Zone auf einem historischen Tief. Der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der Zentralbank mit Geld versorgen können, bleibe auch weiter bei 0,75 Prozent, teilte die EZB mit.

Die Wirtschaft im Euro-Raum steckt zwar weiter in der Rezession , was für eine Zinssenkung sprechen würde. Dennoch hatte kaum ein Beobachter mit so einem Schritt der EZB gerechnet, denn das Zentralbankgeld ist für Banken schon heute so günstig wie nie seit Einführung des Euro 1999. Deshalb ist der Effekt einer weiteren Zinssenkung umstritten. Die EZB hatte beklagt, dass ihre Zinspolitik nicht überall im Euro-Raum wie gewünscht ankommt.

EZB wartet Effekt der Anleihenkäufe ab

Beobachter schließen aber eine weitere Zinssenkung in den kommenden Monaten nicht aus. Zunächst jedoch werde die Notenbank beobachten, wie ihr jüngst verkündeter Plan wirke, notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten wie Spanien und Italien zu kaufen.

Auch die anderen beiden Zinssätze der EZB bleiben stabil. Der Spitzenrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken Geld kurzfristig bei der Notenbank Geld leihen können, bleibt bei 1,5 Prozent. Der Einlagensatz, zu dem Banken ihr Geld bei der EZB parken können, beträgt weiterhin 0 Prozent – es gibt also keinen Zins.

Zuletzt hatte die Notenbank im Mai den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf das derzeitige Tief gesenkt.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Nein, welche Unverschämtheit!

Die EZB ist also nicht bereit, Steuergeld komplett zum Nulltarif an Banken zu verleihen? Das ist ja absolut unerhört.

Wenn die Banken das geborgte Kapital an kriselnde Staaten weiterverleihen - zu 4-8% Zinsen - schmälert dieser exorbitante EZB-Zins deren Gewinne dramatisch!

Banker dieser Welt, vereinigt euch! Geht gegen diese Abzocke vor!

Ernsthaft: Der Steuerzahler kommt im Fall des Totalversagens für die Verluste der Banken auf und vergibt ansonsten Darlehen zu Niedrigstzinsen, um sich das Geld in Form von Staatsschulden danach zu wesentlich schlechteren Konditionen wieder zu leihen. Ich hätte auch gern eine Bank :(

Arm und reich

Durch eine anhaltende Niedrigzinspolitik wird die Kluft zwischen arm und reich noch größer. Entweder entsteht eine Generation auf Pump und maßlosem Konsum, was am Ende mit einem großen Knall endet (Usa) oder die Bürger werden durch negative Realzinsen enteignet.

Menschen mit wenigen Ersparnissen und geringen Einkommen sehen wie ihr Geld dahinschmilzt, da sie weder von den niedrigen Kreditzinsen profitieren können noch rentable Anlagemöglichkeiten haben. Irgendwann führt die Zinspolitik dann auch zu einer höheren Inflation in der Realwirtschaft - natürlich bei konstant bleibenden Löhnen.

Vermögende haben dagegen die Möglichkeit auf rentable Investitionen auszuweichen und dies wird noch unterstützt durch "geschenkte Kredite". Beliebte Anlageobjekte sind da natürlich Immobilien. Vielleicht überhitzt sich dieser Markt auch hier.

Leidtragend ist dann der Mittelstand, welcher sich kein Wohneigentum mehr leisten kann. Natürlich steigen dann auch die Mieten.

Demnächst braucht man dann 3 Fulltimejobs. Einen zum Wohnen, einen zum Autofahren und einen zum Leben.

Kluft zwischen Arm und Reich

Erst kürzlch kam wieder ein Artikeln in der Zeit, in der über die zunehmende Kluft zwischen Armen und Reichen geklagt wurde. Und wie fördert man eine solche Kluft? Richtig, indem sich Akteure (hier: Staaten) bis ins unermessliche verschulden - und mit dieser Niedrigzinspolitik fördert die EZB genau das. Anstatt die Märkte mit billigem Geld zu schwemmen, solten Länder lieber solide wirtschaften und auf zusätzliche Schulden verzichten.