Wirbelsturm SandyBig Oil nimmt Amerika in Geiselhaft

Die Ölkonzerne verschleiern den Klimawandel. Sie haben längst das Sagen in Washington. Das hat gefährliche Folgen, wie Wirbelsturm Sandy zeigt. von Mark Hertsgaard

Der Strand von Long Beach, New York, nach dem Hurrikan Sandy

Der Strand von Long Beach, New York, nach dem Hurrikan Sandy  |  © Andrew Burton/Getty Images

Noch nie hat ein Hurrikan einen so treffenden Namen getragen wie der Wirbelsturm, der jüngst New York und die Ostküste heimgesucht hat : Sandy. Sandy ist die Abkürzung von Kassandra, der griechischen Sagen-Figur. Die Götter gaben Kassandra seherische Fähigkeiten. Doch diese Gabe war ein Fluch. Kassandras Vorhersagen wurden regelmäßig ignoriert. Genau das ist das Wesen der Tragödie: Man weiß, dass bestimmte Handlungen zu einer Katastrophe führen – und macht sie trotzdem.

Eben das passiert zurzeit in den USA . Seit mehr als zwanzig Jahren warnen Wissenschaftler davor, dass der Klimawandel immer öfter zu extremen Wetterereignissen führen wird . In diesem Jahr erlebten die USA den heißesten Sommer überhaupt und die schlimmste Dürre seit fünfzig Jahren. Mega-Stürme wie Sandy werden noch häufiger die Ostküste heimsuchen.

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Doch die Warnungen der Wissenschaftler werden ignoriert – zumindest in Washington . Selbst nach der Verwüstung von New York ist unklar, ob Amerika jetzt endlich aufwacht und ernsthaft etwas unternimmt.

Mark Hertsgaard
Mark Hertsgaard

lebt in San Francisco, USA. Der Journalist und Buchautor arbeitet unter anderem für The Nation, Vanity Fair und The New Yorker.

Es gibt erste Hoffnungsschimmer: Den Anstieg des Meeresspiegels zu mindern, würde doch ganz sinnvoll klingen, wenn man sich die Folgen von Sandy anschauen würde, sagte am Dienstag Ex-Präsident Bill Clinton . Er ist damit das erste politische Schwergewicht, das explizit eine Verbindung zwischen Sandy und Klimawandel zieht.

Auch New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo redete Präsident Obama ins Gewissen. "Jedes zweite Jahr haben wir inzwischen eine Jahrhundertflut", sagte er nach dem Wirbelsturm, "jeder der glaubt, die Wettermodelle ändern sich gerade nicht dramatisch, verleugnet die Realität."

Obama dagegen schweigt. Ebenso sein Herausforderer Mitt Romney . Zum ersten Mal seit 1984 spielt das Thema Klimawandel keine Rolle während der TV-Duelle der Kandidaten. Und was sagt Obama in einem MTV-Interview, als er darauf angesprochen wird? Ja, das hätte ihn auch "überrascht" – so, als ob er nichts dafür könnte. Er ist ja nur Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika . Interessanterweise fand er aber genug Zeit, über rekordverdächtige Ölfördermengen und neue Pipelines zu reden.

Leserkommentare
    • tom310
    • 01. November 2012 7:26 Uhr

    Thematisiert Obama den Klimawandel, motiviert das seine Gegner. Thematisiert Romney den Klimawandel, laufen ihm die Wähler weg.
    Von Obama wissen wir, dass er hier durchaus eine vernünftige Einstellung hat. Und wenn Romney es nicht anspricht, ist das ein gutes Zeichen: Würde er den Klimawandel leugnen, würde er dieses Thema ganz oben auf der Agenda haben und seine Wähler würden hurra schreien.

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    Worüber sorgen wir uns eigentlich? Um die Zukunft? Das haben die Menschen schon immer getan. Fragen wir uns, ob wir etwas falsch gemacht haben, was wir jetzt besser machen können? Die Evolution regelt das schon alles! Als nächstes geht uns das Öl aus, dann brauchen wir uns um CO2-Bilanzen keine Sorgen mehr zu machen.
    Alles ganz einfach...

    Selbst wenn der US Präsident - egal welcher - den durch Menschen gemachten Klimawandel in den USA für die USA in den Fokus rücken würde, es gibt noch den Kongress und den Senat.

    Es ist halt so in unseren Demokraten, dass nicht immer die Schwarmintellgenz die richtigen Leute an die richtigen Stellen bringen, sondern in unseren Reiz überfluteten Mediengesellschaften längt Infotainment, Lobbies und deren embedded Journalismus dafür sorgt, dass eher Schwarmdummheit bestimmt wer das Sagen bekommt, behält und zudem auch die Themen besetzt.

    Vielleicht war dies nie anders. Sondern "nur" die Möglichkeiten und die Nutzung der Medien wie Internet macht es transparenter und öffentlicher zugleich.

    Unabhängig davon verlangt eine gesellschaftliche Mamutaufgabe wie der von Menschen erzeugte Klimawandel grossen gesellschaftlichen Konsens in einer Demokratie oder, andernfalls, eine durchaus autoritäre Regierung.

    Letzteres will kein Demokrat ernsthaft und für ersteres dauert die Konsensfindung viel zu lange, falls man daran überhaupt arbeitet. Derzeit, wie auch in den Kommentaren hier zu lesen, neigt man sogar immer noch zur Leugnung der Zusammenhänge.

    Weder (als Regierungen) die USA noch China, noch Russland, noch Europa und auch "wir" werden das Thema nicht angehen, solange die Jugend, um deren Lebensperspektiven geht dafür nicht auf die Straße geht und durch ihr Konsumvehalten Zwang zum Handeln erzeugt.

    Romney hat den Klimawandel ja schon angezweifelt, zum Leugnen ist es da ein kleiner Schritt. Er sagte, es müsse wissenschaftlich noch mehr untersucht werden, was ja ausser Frage steht. Aber bei ihm klang es nach einem "Weitermachen bis es 300 prozentig bewiesen ist", so hat sich die Zigarettenindustrie anfangs auch gewehrt.

  1. Naja, da sind es halt die Öl Lobbyisten, die die Politik bestimmen, hier sind es die Klimalobbyisten.
    "Sie haben es geschafft, dass die USA die weltweit einzige Industrienation sind, die noch immer ernsthaft den wissenschaftlichen Konsens bezweifelt, dass der Klimawandel menschengemacht ist."
    Ich bin zwar keine Nation, aber ich bezweifle den menschengemachten Klimawandel ebenso. Und zwar wegen der unseriösen Kommunikation über die hiesigen Medien und den immer unglaubwürdiger werdenden "Beweisen" für z.B. die Wiorkung des bösen CO2. Was mich aber besonders abstößt, ist, dass sich die Institute für Klimafolgenforschung und wie sie sich alle nennen, hartnäckig weigern, Sachen wie die Auswirkung der Sonneneinstrahlung in ihre Berechnungen mit einzubeziehen.
    Meine Meinung ist, dass der Mensch für das Klima der Erde ein winziger unwichtiger Teil ist, der die Vorgänge nicht ansatzweise versteht oder auch beeinflussen kann. Und das mit dem Verstehen geben ja die Verfechter des menschengemachte Klimawandels auch uneingeschränkt zu. Umso schlimmer finde ich, dass sie trotz der wackeligen Datenbasis diese Postulate aufgestellt werden.
    Also Klimawandel, ja, den gibt es. Menschengemacht? nein, glaube ich nicht. Klimaschutz? auf jeden Fall! Und zwar sinnvoll und nicht durch irrsinnige und unwirksame Projekte wie E10, Glühlampenverbote und Dämmzwang

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    "Also Klimawandel, ja, den gibt es. Menschengemacht? nein, glaube ich nicht."

    Glauben ersetzt keine Wissenschaft.

    • Chris79
    • 01. November 2012 14:11 Uhr

    ...klar, Umweltschutz gerne. So lange es nicht zu meinen Lasten und auf meine Kosten geht. So lange ich meinen persönlichen Lebensstil nicht hinterfragen oder gar ändern muss. Sobald es mir ans Portemonnaie geht, ist alles "irrsinnig" und "unwirksam." Sie würden sich in den USA sehr wohl fühlen...

    Der Kabarettist Hagen Rether spricht immer davon, dass wir eine Öko-Diktatur brauchen. Die Ignoranz der "Skeptiker" und das Stammtischniveau ihrer Argumente spricht dafür. Zum Glück gibt es in Deutschland aber eine breite Mehrheit, die sich intensiver mit dem Thema befasst und die bereit ist, die Warnungen der Experten ernst zu nehmen.

  2. ..das Sie offensichtlich den Zusammenhang von "big oil",Klimawandel und extremen Wetterereignissen ignorieren.
    Und da gehört noch mehr dazu:

    "The Crisis of Civilization is a remix documentary feature film investigating how global crises like ecological disaster, financial meltdown, dwindling oil reserves, terrorism and food shortages are converging symptoms of a single, failed global system."
    http://crisisofcivilizati...

    Antwort auf
  3. "Also Klimawandel, ja, den gibt es. Menschengemacht? nein, glaube ich nicht."

    Glauben ersetzt keine Wissenschaft.

    Antwort auf "Big Oil?"
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    so, wie die Wissenschaftler vor einigen Jahren gewusst haben, dass es in Deutschland nie wieder Schnee geben wird? Soviel zu der "Wissenschaft" Klimaforschung. Oder ist das, was dort wegen der ungeheueren Komplexität des klimatischen Vorgänge passiert nicht doch auch eher eine Glaubenssache?

    • ST_T
    • 01. November 2012 10:12 Uhr

    Wissenschaft ist IMMER Glaube. Wenn ich nicht an eine bestimmte Sache glaube dann würde ich keine Forschung in dieser Richtung betreiben.
    Und was auch die Herren in der sogenannten "Klimawissenschaft" produzieren spottet oftmals jeglicher Beschreibung.
    Die letzte Peinlichkeit war die Voraussage des Schmelzens der Himalaya-Gletscher.

    http://www.spiegel.de/wis...

    Aber es ist nur bezeichnend für die euro-religiöse Klimadebatte, dass man wieder einen monokausalen Zusammenhang sieht zwischen Naturkatastrophe und Klimawandel.

  4. "... sind niedriger als die Kosten der Umstellung auf Nachhaltigkeit". So lautet ein offizielles Statement der US-Regierung.

    Also, aufräumen und die Rechnung bezahlen. Geld müsste ja mehr als genug vorhanden sein. Und am Wochenende Romney wählen.

  5. Climate Change Security Report Delayed Due To Hurricane Sandy :
    http://www.huffingtonpost...

    • rsi99
    • 01. November 2012 7:52 Uhr

    Ich denke gar nicht mal, dass die Ölkonzerne die Schuld trifft, sondern vielmehr deren Hintermänner. Hinter den Ölkonzernen stecken eine Vielzahl von privaten Geldgebern, die das Geschäft steuern und die wahren Nutzniesser des Öls sind. Sind finden tagtäglich an den Tankstellen und in geheizten Wohnräumen. Die nehmen solche Stürme bewusst in Kauf, nur um in Schutze der Technik und Gebäuden die Dinge im Fernsehen betrachten zu können. Anstatt - wie vor Jahrhunderten - solche Unwetter live zu erleben und - wie in vielen anderen Ländern heute noch üblich - dabei reihenweise umzukommen.
    Es ist immer wichtig, die Hintermänner ausfindig zu machen.

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    "Es ist immer wichtig, die Hintermänner ausfindig zu machen."
    Ihr Kommentar hat zum Zeitpunkt dieser Antwort zwei Empfehlungen bekommen.
    Es hätten zwanzig sein müssen.
    Aber was erwarten Sie, wenn sie uns Hintermännern unseren Lieblingssport versauen, DIE ANDEREN / REICHEN / POLITIKER / LOBBYISTEN / BANKER / GROßKONZENRE für das Böse in der Welt verantwortlich zu machen und sich lustig das Maul zu zerreißen?

    Geld regiert die Welt, liebe Mitforisten. Und zwar UNSER Geld, das WIR ausgeben. Jeden Tag auf's Neue können WIR richtige und falsche Entscheidungen treffen, und WIR treffen sie mit UNSEREM Geldbeutel.
    Face it.

  6. Wahrscheinlich fängt die Industrie erst an zu reagieren, wenn Risiken nicht mehr versicherbar werden.
    Könnte man meinen!
    Aber vermutlich wird man die immer höher werdenden Risikoversicherungen auf den Verbraucher abwälzen
    oder die Risiken erst gar nicht versichern, wie bei der Atomkraft!
    Oder die Industrie zieht sich in gesichertes Gelände zurück und schickt die Menschen an die Peripherie.
    Und nach uns die Sindflut...
    Wichtig ist, dass die Wirtschaft brummt!
    Nur für wen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | USA | Bill Clinton | Andrew Cuomo | Energieeffizienz | Exxon
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