Die Krise in der Euro-Zone verunsichert Investoren und Konsumenten. Deutschland kann sich nicht immunisieren. Die Sparpolitik der Krisenländer hat auch Auswirkungen auf die deutschen Exporte und die deutsche Konjunktur.

Da die Anpassungsprozesse in den Partnerländern schmerzhaft und langwierig sind, droht ein Jahrzehnt schwachen Wachstums in Europa . Dies hat zwangsläufig Rückwirkungen auf die deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Der schlechteste Fall wäre ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone. Das würde ein Fiasko für die deutsche Wirtschaft bedeuten. Dann würden die Bürgschaften wirksam. Vor allem aber würde eine starke Aufwertung der Währung zu einem erheblichen Rückgang der Konkurrenzfähigkeit führen – wir hätten die "Schweizer Krankheit". In diesem Szenario drohen Massenentlassungen und ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Schockwelle der Krise wäre weltweit zu spüren. Die Weltrezession 2008/09 wäre dagegen ein laues Lüftchen gewesen.

Für wahrscheinlicher halte ich aber, dass es dazu erst gar nicht kommt. Dann stehen wir mittelfristig vor gar nicht schlechten Aussichten . Dafür gibt es fünf Gründe.

Erstens: Wenn es der Politik und der Europäischen Zentralbank (EZB) gelingt, die Euro-Krise zu meistern , werden wieder starke Auftriebskräfte mobilisiert, die den Nachfrageausfall aus den europäischen Krisenstaaten kompensieren können. Weltweit hat die Euro-Krise die wirtschaftlichen Akteure verunsichert. Wenn sich der Investitionsstau auflöst, ist mit starken Konjunkturimpulsen für die deutschen Exporteure zu rechnen. Die Nachfragesteigerung etwa aus den Schwellenländern Brasilien , Russland , Indien , China und Südafrika könnte dann die unvermeidlichen Nachfrageausfälle aus den europäischen Krisenstaaten auffangen. Schon jetzt gehen 60 Prozent unserer Exporte in Länder außerhalb der Euro-Zone.

Zweitens: In Deutschland sind höhere Lohnsteigerungen in den nächsten Jahren wahrscheinlich. Allerdings gilt auch hier die Einschränkung: Es sei denn, die Euro-Krise spitzt sich dramatisch zu. Wenn Politik und EZB aber die Krise in den Griff bekommen, ist anzunehmen, dass mittelfristig die Löhne spürbar steigen. Der Wandel des Arbeitsmarktes zu einem sogenannten "Arbeitnehmermarkt" im Bereich der qualifizierten Fachkräfte verändert deren Verhandlungsposition. Wenn Fachkräfte knapper werden, spiegelt sich das über kurz oder lang in den Löhnen wider.

Drittens: Die deutsche Wirtschaft ist im Kern gesund.  Die deutsche Wirtschaft zeichnet sich durch eine außerordentlich hohe Konkurrenzfähigkeit aus – auch deshalb, weil die Löhne in den vergangenen 15 Jahren nur moderat angestiegen sind. Auch wenn sie in den nächsten Jahren steigen werden: Die Kostensituation ist für die meisten Unternehmen günstig, die Rentabilität hoch. Es gibt keine fundamentalen Strukturprobleme in dem Sinne, dass bestimmte Industrien massiv an Boden verlieren und schrumpfen müssten, wie es etwa in Spanien im Bausektor der Fall war oder in Irland im Bankensektor.